Wer es noch glaubt

Benzinpreis und Rohölpreis

Benzinpreis und Rohölpreis

Wenn man an beliebiger Stelle zu beliebiger Zeit über die Benzinpreise diskutiert, sind die Antworten der Ölmultis immer gleich und immer klar: es ist der Ölpreis, der den Benzinpreis bestimmt. Sieht man bei den Rohölhändlern nach, zum Beispiel bei Tecson, so stellt man fest, dass im Juni der Preis einen Tiefstand bei ca. 90 US$ pro Barrel hatte, im Moment liegt er bei 110 US$, das ist eine Schwankung von ca. 22%. Ich kann mich erinnern, dass ich im Juni zum Teil noch Diesel für 1,30 Euro getankt habe, gestern lag er bei 1,57 Euro. Ok, da sind die 22%. Was aber nicht erklärt, warum der Spritpreis hin- und herspringt, denn laut Statistiken verläuft die Rohölpreis-Kurve in dieser Zeit ziemlich linear aufsteigend. Heute Diesel 1,40, morgen 1,50, übermorgen 1,42 Euro. Das kann wohl kaum etwas mit dem Rohölpreis zu tun haben. Und Moment mal, der Ausgangsstoff Öl macht ja keine 30% des Benzinpreises aus. Demnach müsste eine Steigen des Rohölpreises um 20% nur ein Steigen des Benzinpreises um ca. 6% bewirken. Der Tankstellenpächter bekommt immer den gleichen Anteil, ein bis anderthalb Eurocent. Also sind Ölmultis und der Staat die großen Gewinner. Da reicht ein Taschenrechner zu 2 Euro, um diese Lüge nachzuweisen.

Bevorratungssteuer ist auch im Benzinpreis enthalten? Dann stellen wir doch dem Staat in Rechnung, dass wir Perso, Führerschein und sonstigen Kram immer dabei haben müssen. Sind vielleicht gar nicht die Ölmultis so böse, sondern ein Staat, der uns aus der Tasche zieht was nur eben geht?

Dann wundert man sich, in Hannover bei Aral Diesel für 1,48 den Liter getankt zu haben, und eine Stunde später in Paderborn kostet er bei Shell 1,57. Ist der Rohölpreis in Hannover ein anderer als in Paderborn? Nein, denn auch in Paderborn findet man auf wenigen Kilometern Strecke den Diesel bei 1,50 Euro bei einer Freien, 1,57 Euro bei Shell. Das sind der Wettbewerb und regionale Unterschiede, singen die Ölmultis im Chor. Aha, dann macht Shell seinen Sprit so teuer, damit sie mehr davon verkaufen. Zwischen den beiden Preisen liegen gut zwei Kilometer.

Nun aber gar nicht mehr zu verstehen: zwei Wochen Urlaub in Wales und der Benzinpreis schwankt in dieser Zeit nicht mal um einen einzigen Penny. Schon gibt es ein oder drei Pence Unterschied zwischen Caernarfon und Chester. Aber keine solchen Schwankungen von Tankstelle zu Tankstelle oder Tag zu Tag wie in Deutschland. Ach ja, ein Liter Diesel in UK kostet so 1,35 Pfund. Das ist nicht viel mehr als in Deutschland und Diesel ist dort nicht steuerbegünstigt. Super kostet nämlich das Gleiche, umgerechnet ca. 1,60 Euro. Wo doch die Lebenshaltungskosten in Großbritannien im Mittel um 25%  höher sind als in Deutschland. Das verwirrt dann doch alles sehr.

Vielleicht helfen andere Beobachtungen. In Großbritannien kann man sich DSL von dem einen Anbieter, Festnetz von einem Anderen und Handy vom dritten holen. Die erzwungene Paketbildung wie bei uns ist unbekannt. Kann man haben, muss man aber nicht. DSL kostet dort pro Monat ca. 4 Pfund, bei Vodafone, nicht einem Exoten. Unlimitiert, in den Großstädten bis 50.000er. Ist nur UK? Der Preis einer Prepaidkarte fürs Handy in Österreich treibt einem die Tränen in die Augen. Weil er so niedrig ist, für das, was man damit telefonieren kann. In Belgien kostet ein Päckchen Tabak 4,40 Euro. Mit 50 Gramm, nicht 40 wie in Deutschland. Zurück nach UK. Das Nutella ist dort inzwischen billiger als bei uns. Das war nicht immer so, Nutella ist dort eine Spezialität, aber heute ist der Preis eben dieser.

Tatsche ist, dass die Anbieter und Hersteller in Deutschland eine unverschämte Hochpreispolitik betreiben, der deutsche Kunde wird ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Sei es Benzin, Telefon oder Nutella. Bleiben wir beim Benzin in UK als Aufhänger, nach den Steuersätzen auf der Insel und den realen Einkommen müsste das Benzin mindestens 20 oder 30 Pence teurer sein. Und wenn die Schwankungen des Benzinpreises auf das Rohöl zurück zu führen sind, warum dann nicht in Großbritannien?

Weil die Preisbildung im deutschen Markt schon lange nicht mehr auf den Gesetzen von Angebot und Nachfrage beruht, sondern auf der harmonisierten Abzocke einiger weniger Anbietergruppen. Und je weniger Deutsche zum Urlaub mal etwas weiter weg fahren, desto weniger wird das sichtbar. Noch die Explosion des Milchpreises im Sommer 2007 im Gedächtnis, als selbst bei den Discountern ein Pfund Butter fast 1,50 Euro kostete, weil nach Aussage der Milchindustrie angeblich die Chinesen alles Milchpulver aufkauften? In den Niederlanden kostete in diesen Tagen ein Pfund holländische Markenbutter in einem kleinen Spar-Markt einer Touristenhochburg … 85 Eurocent.