Vom Skript zum Stichwortzettel

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Warum kurz, wenn es auch lang geht

Die sichere Methode des kompletten Vorschreibens eines Textes hat den Vorteil, dass man sich während des Sprechens nicht ganz so leicht verheddert kann. Unter dem Strich gibt es aber eine ganze Reihe von Nachteilen:

  • Der Text kommt durch Redigieren und Überarbeiten sehr auf den Punkt, wird sehr kompakt. Bei Nachrichten ist das gut, bei Moderationen wird der Text dicht und steif.
  • Gerade durch die Dichte steht die Schriftsprache im Vordergrund, nach freiem Sprechen klingt es nur bei absoluten Profis.
  • Bei einem vorgeschriebenen Text neigt man dazu, immer noch einmal zu überarbeiten, wieder zu kontrollieren und zu verändern. Kontrollfreaks sind länger beschäftigt als notwendig.
  • Last, but not least: Vorschreiben kostet viel, viel Zeit.

Bei mir war es so, dass ich für eine Sendung über zwei Stunden mit einem Textanteil von ca. 20 Minuten auf 12 bis 14 Seiten Vorgeschriebenem kam. Zusammen mit Recherche, Schreiben und Musikauswahl kosteten zwei Stunden Sendung schon mal locker vier bis fünf Stunden Arbeit. Für eine Musiksendung eindeutig zu viel. Da muss etwas Neues her. Und zwar sowohl in der Recherche als auch in der Textarbeit.

Recherche vereinfachen

Zwei wesentliche Textarten sind einmal der lineare Strang, wie die Geschichte einer Band oder einer Musik, daneben ein Geflecht von Informationen und Fragen. Beispiele für den letzten Typ sind Vorbereitung von Interviews, Features und alles, was vielschichtig ist. Gerade in der Vorbereitung von Themensendungen tut man sich am Anfang schwer, die Fäden zu finden, zusammmen zu knüpfen und die verschiedenen Aspekte unter einen Hut zu bringen.

Lineare Moderation

In diesen Fällen ist das konventionelle Arbeiten immer noch hilfreich. Material sammeln und ausdrucken, mit Marker wichtige Aussagen und Details heraus ziehen, danach verdichten und strukturieren. Eben die ganz klassische Methode.

Komplexe Moderation

Gerade für die Fälle, in denen man erst mal in ein Gerüst kommen muss, das Thema durchdringen will, bietet sich Mind Mapping an. Das zentrale Thema steht im Mittelpunkt, von dort arrangieren sich Aspekte oder Fragen in eigentlich beliebiger Detailtreue herum. Dadurch, dass diese Struktur grafisch ist und sichtbar, fällt die Gliederung deutlich leichter. Und es gibt sogar ein kostenloses Tool, mit dem man dieses Mind Mapping am PC machen kann: XMind. Die Idee dahinter ist, dass man das Thema nach unterschiedlichen Aspekte sortiert und nach und nach in immer mehr Details abtauchen kann. Dadurch können auch unterschiedliche Sichtweisen und Richtungen zusammengesetzt und verbunden werden. Mind Mapping ist ideal für die Brainstorming-Phase, in der alle Informationen zusammen getragen werden. Oder für die die Vorbereitung eines Interviews. Im letzteren Fall bekommt man eine gute Übersicht und eine Fragenliste für die verschiedenen Richtungen, in die das Interview laufen kann.

Bienen-Map

Bienen-Map

Vom Material zum Skript

Anstatt nun aber aus dem Material ein komplettes Skript zu schreiben, bin ich dann zum Stichwortzettel übergegangen.

Stichwort-Sammlung

Stichwort-Sammlung

Es werden nur noch die Daten und Fakten geschrieben statt des kompletten Textes. Das Format ist weitgehend das gleiche wie beim kompletten Text, ähnliche Schriftgrößen und ausreichend Platz für spätere Ergänzungen oder Korrekturen. Für das Layout gelten wenige Regeln:

  • Anmod und Abmod werden vollständig ausformuliert.
  • Ebenso vollständig notiert, weil es meistens nur ein Satz ist, sind Überleitungen, Ankündigungen oder Einführungen, die einfach sitzen müssen.
  • Spezielle Formulierungen, Namen und schlecht zu merkende Begriffe gehören ebenso hinein.
  • Gleichverteilte Tabulatoren setzen, z. B. alle 2,5 Zentimeter.
  • Themenblöcke bilden, Details rücken nach dem Hauptthema jeweils um einen Tabulator ein. Auf diese Weise kann man die Detailtiefe nach unten hin erarbeiten und gegebenenfalls einfach kürzen, wenn die Zeit knapp wird.
  • Genauso ist es möglich, noch mehr Details im Vorrat zu  haben, wenn man wegen auftauchender Widrigkeiten länger reden muss als geplant.

Den eigentlichen Text spricht man nun frei und orientiert sich an der Gliederung in der Stichwortsammlung. Nun kommt man automatisch in Sprechsprache statt Schreibsprache. Eine Hürde möchte ich aber nicht verheimlichen. Es wird wahrscheinlich kaum beim ersten Anlauf klappen, man verheddert sich, sucht nach Worten oder Formulierungen, der Druck ist ein Stück höher als beim reinen Ablesen.

Es hilft, die Sammlung in wenigen Sekunden direkt vor dem Einsprechen kurz zu überfliegen und sich einen Faden zusammen zu bauen. Ebenso hilft es dem Gedächstnis, wenn man sich an Formulierungen festhält und sie bildhaft parat hat. Unser Gehirn orientiert sich am besten an Bildern, was bildhaft vor Augen steht, bleibt am besten haften. Es erfordert am Anfang etwas Übung, nur mit einem Stichwortzettel zu arbeiten. Die Investition lohnt sich aber, denn eine Stichwort-Sammlung zu erstellen kostet höchstens ein Viertel der Zeit eines kompletten Skriptes. Und es klingt von selbst frei gesprochen und lebendiger als ein Vorschrieb.

Moderation und Hintergrundmusik

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Nicht nur im Fahrstuhl oder im Supermarkt, auch redaktionelle Beiträge im Radio verwenden Hintergrundmusik. Bei mir zum Beispiel für Historische Ereignisse oder andere Moderationen. Diese Musik kann zum Problem werden. Ist es Musik, die schon von vornherein so produziert ist, dass sie einen recht gleichbleibenden Pegel hat, ist es nicht schwierig. Dann gelten die Standardparameter: Text auf -6 dB, Musik mindestens 10 dB leiser, also so um die -18 dB. Auf die -6 dB bin ich wieder gegangen, nachdem der Optimod bei -3 bis -2 dB FS gerne anfing zu pumpen. Bei diesem Sender sitzt halt kein TonI dazwischen.

Schwieriger wird die Sache, wenn die Hintergrundmusik über einen weiten Pegelbereich geht. Ideales Beispiel ist Musik von Chopin oder Elgar, da wird der komplette Dynamikbreich ausgenutzt. Um dann zu brauchbaren Resultaten zu kommen, ohne dass die lauten Stellen die Moderation überdecken und die leisen unhörbar werden, habe ich bisher manuell gearbeitet. In Audition die Volume-Kurve so austariert, dass es zu einem möglichst gleichbleibendem Pegel des Backgrounds kommt. Bei Pomp and Circumstance Marches Op. 39 von Elgar war es extrem. Da mussten über 30 Keyframes in der Lautstärkekurve verteilt werden. Das muss doch einfacher gehen. Geht es auch. In Audition eingebaut, ab CS6.

Idee war, eine Kombination aus Compressor und Expander zu nutzen. Leise Stellen werden angehoben, laute Stellen reduziert. Dazu gibt es in Audition unter den Effekten das „Dynamic Processing“. Das wird in den Kanalzug der Hintergrundmusik gelegt. Entscheidend ist die Regelkurve. Diese hier ist nicht der Stein der Weisen, sicher verbesserungsfähig, aber tut ihre Sache schon ganz gut. Es gibt sogar einen Preset, der ganz gut funktioniert: Effects > Dynamic Processing > Broadcast Limiter. Den kann man nach einem Gutdünken noch anpassen, er zeigt aber gut das Grundprinzip.

Audition Compander

Audition Compander

Ausgangspunkt hier ist der Preset „Broadcast Processing“. Der wird so verbogen, also zusätzliche Abschnitte durch Clicken auf die Kurve hinzugefügt, dass alle Pegel unterhalb von -30 db angehoben, alle oberhalb von -20 dB abgesenkt werden. Mit der Spline-Funktion wird es ganz harmonisch, man hört den Effekt für Hintergrundmusik kaum. Mal auf den Screenshot clicken, da sind mehr Details sichtbar. Das Track-Volume setze ich auf -6 dB. Nun brauche ich in Summe nur noch vier Keyframes in der Volumenkurve der Musik, zwei zum Herunterblenden, zwei zum wieder Hochziehen der Musik am Anfang und am Ende. Absenkung während der Textphase ist ebenso -6 dB. Das passt ganz gut, selbst für dieses grauenhaft schwierige Musikstück, der inoffiziellen Nationalhymne von Großbritannien.

Die gleiche Methode passt übrigens auch gut für andere Hintergründe wie Atmos. Eventuell mit leichten Korrekturen in den Pegelgrenzen.

Historisches Ereignis (Moderation + Musik)

 

Tascam DR-05 gegen DR-07

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TASCAM DR-07

TASCAM DR-07

Die Ergebnisse der CeBIT-Tour haben mich geärgert, weil die Umgebungsgeräusche so deutlich die Interviews überdeckten. Mit dem Rode M3 war es dann ausgewogen, nur gehen dabei die Rauminformationen verloren. Ist halt mono. Was tun?

Fast wollte ich schon das Rode NT4-Mikro ordern, welches XY- und AB-Ausrichtung in Stereo kann, und auch mit einer Batterie betrieben für den Recorder passen würde. Aber noch einmal fast 400 Euronen für das nächste Mikro? Dann den kurzen Weg gehen und das Tascam DR-05 durch das DR-07 ersetzen. Denn das kann ebenso XY und AB mit Mikrofonen als Supernieren. Das Tascam DR-05 ging sehr fix über die Bucht weg und das DR-07 konnte geordert werden.

Erste Aufnahmeversuche im Garten und an der Straße ließen hoffen. In XY-Konfiguration mit gekreuzten Mikros ist ein zurückgenommenes Stereobild zu hören, jedoch mit einem scharfen Fokus auf die Mitte, also auf den Sprecher. In AB mit den Mikros nach links und rechts wird das Stereobild deutlich weiter und transparenter, der Sprecher in der Mitte ist nicht mehr so präsent wie in XY. Doch immer noch mehr als beim DR-05.

Einige weitere Unterschiede offenbaren sich im direkten Vergleich. Das DR-07 ist ca. 5 dB unempfindlicher als das DR-05. Um zu gleichem Aufnahmepegel zu kommen, brauchte das DR-05 als Pegel 60, das DR-07 70 in der Aufnahme-Einstellung. Das DR-07 rauscht auch geringfügig mehr, was jedoch nur hörbar ist, wenn man direkt die Abhöre zwischen den beiden Recordern umschaltet. Dafür wartet das DR-07 mit einigen weiteren Funktionen auf. Für mich am sinnvollsten ist der Highpass-Filter, mit dem unter 40 Hz dicht gemacht wird. Sehr hilfreich bei Wind, auch wenn ich die original Tascam-Mütze, Dead Kitten genannt, gleich mitbestellt hatte. Noch ein sinnvolles Zubehör für das DR-07 kam bald dazu, nämlich dieser Griff von Hama. Das DR-07 ist noch empfindlicher bei Gehäusegeräuschen als das DR-05. Mit dem Kameragriff geht es dann aber gut. Ein paar Lagen Verbandsstoff aus der Apotheke um den Griff gewickelt helfen zusätzlich.

Fazit: der Wechsel hat sich gelohnt, für Interviews in lauten Umgebungen ist das DR-07 deutlich besser geeignet als das DR-05. Für Proberaumaufnahmen mit der Band würde das DR-05 dicke reichen. Aber in dieser Umgebung hätte man mit dem DR-05 wohl kaum noch etwas verstanden. Das war die Feuertaufe, denn bei diesem Lärmpegel noch die Sprecher hörbar mitzunehmen, war keine leichte Aufgabe für das DR-07.

Im Hühnerstall

 

Mikrofone und Hintergrund

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Der Vergleich zwischen den Recordern ZOOM H2n und Tascam DR-05 hat nun leider einen Aspekt nicht berücksichtigt. Der ist noch nachzuholen. Aus Erfahrungen, die man sicher so nicht machen muss.

Kugel – Keule – Niere – Leber

Die Mikrofone im Tascam DR-05 werden im Datenblatt als omnidirektional angegeben, was nichts anderes ist als eine Kugel-Charakteristik. Für das ZOOM H2n steht im Datenblatt „MS stereo & 90-degree XY stereo“, also keine Kugel, vermutlich Nieren-Charakteristik. Macht man direkte Aufnahmen auf Messen mit einem sehr starken Lärmpegel um einen herum, zeichnet das ZOOM sehr gut verständlich und nimmt den Umgebungspegel reduziert auf. Das DR-05 ist da weniger penibel in der Trennung, was die Verständlichkeit deutlich herab setzt. Interessanter Weise ist das DR-07 mit Nierencharakteristik-Mikrofonen bestückt. Was das DR-05 eher für Atmo-Aufnahmen, das DR-07 eher für Interviews geeignet erscheinen lässt. Was bei einem Preisunterschied von 30 Euro die Wahl nicht schwer macht.

CeBIT 2014 - Hörprobe Tascam DR-05

Obwohl ich eher am Rande der Halle stand, sind die Umgebungsgeräusche sehr deutlich zu hören und dienen nicht gerade die Verständlichkeit.

Abhilfe

Rode M3

Rode M3

Daher macht es Sinn, für die Aufnahme in solchen Umgebungen ein externes Mikrofon am DR-05 mit Nierencharakteristik zu benutzen. Und dafür gibt es auch ein Mikrofon, das geradezu ideal ist: das Røde M3. Das M3 ist ein USB-Kondensator und benötigt normalerweise eine Versorgung über Phantomspeisung. Was das DR-05 nicht kann. Zum Glück kann das Røde M3 aber auch über eine interne 9-Volt-Batterie betrieben werden. Was nun noch fehlt, ist die passende Kabelausstattung.

Man geht über ein reguläres XLR-Kabel auf Miniklinke. Das gibt es zum Beispiel bei Amazon oder Thomann. Oder nimmt gleich ein vollständiges Kabel.

Aufnahme mit TASCAM DR-05
 Aufnahme mit TASCAM DR-05 und Rode M3

Und dann hört sich das mit den Umgebungsgeräuschen schon viel besser an. Windschutz ist beim M3 serienmäßig dabei. Und nie vergessen: nicht das Mikro aus der Hand geben. 🙂

Bücher, Sparte Unverzichtbar

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Miteinander reden

Miteinander reden

Von den vielen Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, waren diese für mich die am meisten an der Praxis und am realen Leben orientiert. Friedemann Schulz von Thun gilt als der Spezialist für Kommunikation. Seine Modelle und Verfahren sind heute zentraler Teil von Kommunikations- und Trainer-Ausbildungen. Auch wenn der Titel der drei Bände eher nach Ratgeberliteratur klingt, gerade das ist „Miteinander reden“ nicht. Sondern wissenschaftliche, analytische Betrachtung von Kommunikation. Und damit eigentlich Pflichtlektüre für jeden, der irgendwie mit Kommunikation zu tun hat. Ob Trainer, Journalist, Moderator oder sogar technischer Redakteur.

Der erste Band stellt Modelle für Kommunikation im Allgemeinen auf, das Vier-Ohren-Modell ist wahrscheinlich das bekannteste. Es zeigt ebenso mögliche Störungen und erklärt, wie zwischenmenschliche Kommunikation abläuft, typische Probleme und woraus sie entstehen. Wenn der Autor auf Lösungen eingeht, orientiert er sich an der Wirklichkeit und nutzt konkrete Beispiele.

Der zweite Band stellt die unterschiedlichen Kommunikationsstile vor, die Menschen haben. Wie gehen wir damit jeweils am besten um? Und wie können wir das Wissen um unseren eigenen Kommunikationsstil für unsere Persönlichkeitsentwicklung nutzen? Die vorgestellten Stile werden nicht nur dargestellt, sondern auch die mögliche Entwicklung, die dazu geführt hat. Hier geht es mehr um Archetypen als um den Anspruch auf Vollständigkeit.

Im dritten Band geht Schulz von Thun auf das Modell des inneren Teams ein. Dahinter steht, dass wir innerlich nicht selten verschiedene Stimmen, Meinungen und Ratschläge hören. Dabei geht es nicht nur um die innere Vielfältigkeit, sondern auch um das Zulassen dessen, was wir oft als unerwünschte Vielfältigkeit erleben. Und auch um die Mitglieder des inneren Teams, die hinter die Bühne verbannt wurden, oder sogar unter die Bühne.

Was die drei Bücher von vielen anderen unterscheidet, ist die durchgängige Praxisbezogenheit und der Abstand zu Universallösungen. Die Beispiele für Störungen oder Unklarheiten stammen häufig aus dem Leben von Schulz von Thun selbst, man könnte sie so oder so ähnlich schon erlebt haben. Auch vor eigenen Begegnung mit Fettnäpfchen hat er keine Scheu. Was die Bücher vom Sockel der hochwissenschaftlichen Betrachtung herunter holt und sympathisch macht.

Diese Kommunikationsmodelle machen in der Tat Kommunikation transparenter, sind in die Praxis übertragbar und liefern viel Wiedererkennungswert mit Alltagssituationen. Darum würde ich die Bücher jedem empfehlen, der sich für die Abläufe und Wechselwirkungen von Kommunikation interessiert, und für jeden, der irgendwie mit Kommunikation zu tun hat. Ob vor der Klasse, im Radio oder als Redakteur.

Loudness War – Normalieren und Dynamik

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Am Anfang war es ein Kampf und ich war immer der Verlierer. Nach und nach fand ich Tools für den Audioschnitt, die das Leben etwas leichter machten. Zuletzt hatte ich eine Session in Hannover, in einem professionellen Tonstudio. Dank Thomas ist mir dann einiges klarer geworden, manches hatte ich nicht gewusst, an anderen Stellen Maßstäbe angelegt, die unsinnig waren. Aber alles der Reihe nach. Es geht um Audio-Produktionen.

Über den Umgang mit Material aus den Händen von Profis

Die schlimmsten Produktionen, die ich je gefertigt habe, sind die mit Musikmaterial aus zwei verschiedenen Jahrzehnten. Während in den Siebzigern eher konservativ gemastert wurde, war es in den Achtzigern, noch schlimmer in den Neunzigern, erste Mode, die Lautheit auf ein absolutes Maximum zu bringen. Beim Mastern wurde so heftig komprimiert, dass das Resultat in einem Mehrspur-Programm oder Editor betrachtet wie ein Band aussah, keine Dynamik mehr zu sehen. Dafür klangen die Aufnahmen auch druckvoll und fett. Seit einigen Jahren ist der Trend rückläufig, es wird zwar noch komprimiert, aber längst nicht mehr so heftig wie einige Jahre zuvor. Konsequenz aus der immer größer werdenden Lautheit, aus immer mehr Dichte, war die Reaktion der Sender, solches Material nicht mehr zu akzeptieren. Am schlimmsten waren noch nicht einmal die Musik-Produktionen, sondern die Werbung. Die wurde den Hörern akustisch um die Ohren gehauen. Was bei den CDs von Metallica oder Dream Theater aber trotzdem noch bis heute so ist.

Produziert man mit solch unterschiedlichem Material Sendungen, gehen The Nice oder Yes aus den Sechzigern und Siebzigern akustisch unter, Niacin oder Dream Theater  aus den Achtzigern und Neunzigern sind kaum zu bändigen. Man kann nun im Schnitt die unterschiedlichen Qualitäten per Hand auspegeln, alte Aufnahme bekommen ein paar dB dazu, moderne werden herunter geregelt. Bei einer Sendung mit 20 oder 30 Titeln ist das aber nicht nur mühsam, sondern auch zeitfressend. Noch von der Relation Musik zu Sprache/Moderation ganz zu schweigen. Das bereitete mir in den ersten Produktionen entweder lange Sessions mit Auspegeln, Hören, Auspegeln, oder Kopfschmerzen. Das zu automatisieren, war ein erster Schritt. Die Lösung hieß: MP3Gain.

Normalisieren geht vor Ausprobieren

MP3Gain ist ein kostenloses Programm, das Audiodateien in ihrer Lautheit analysiert und entsprechend auf einen Zielwert an Lautheit umrechnet. Der Inhalt ändert sich nicht, nur eben die Lautheit. Nimmt man alle Musikstücke aus dem Programm in MP3Gain und setzt alle Tracks auf einen Zielpegel von 89 bis 92 dB, ist die Sache schon gelinder. Die Tracks klingen nun halbwegs gleich laut, für bereits fertig gemastertes Material hat sich 92 dB als guter Wert ergeben. Das war dann schon mal besser geworden und erheblich zeitsparend. Trotzdem klingen die Tracks, je nachdem, wie stark sie durch einen Kompressor gejagt wurden, immer noch unterschiedlich. Aber nicht mehr so unterschiedlich. War da noch die Baustelle Moderation zu Musik. Und wie man an dieser Stelle ein gutes Verhältnis der Lautstärken erreicht.

Also sprach der Moderator

Nun versuchte ich noch die Moderation zu verschönern. Einen professionellen Voice Processor konnte und wollte ich mir nicht leisten. Diverse VSTi-Plugins versprechen ähnliche Ergebnisse, ebenso einige Equalizer und sonstige Programme wie VocEQ, Easyvox oder Rescue. Tatsächlich klingen Stimmen mit diesen Plugins deutlicher, breiter und eben … nun ja … fetter. Das Resultat dieser Versuche war, dass inzwischen fast ein Gigabyte an Plugins auf der Festplatte herum stand. Es musste so kommen, ich war der Plugin-Sucht verfallen. Zwar klang es nicht schlecht. Aber auch nicht gut. Dann kam dieser Samstagmorgen im Tonstudio Hannover und der Kontakt zu Adobe Audition CS6. Und die Session mit Thomas, dem Inhaber des Studios.

Weniger ist mehr ist weniger

Zwar arbeitete ich schon länger mit Adobe Audition, jedoch in der Version CS2. Im Tonstudio Hannover bekam ich dann Kontakt zu Audition CS6. Und lernte, dass die Produktion eines Hörbuchs oder eines Podcasts in professioneller Weise gar keine zwanzig Plugins oder angeblich zaubernde Tools braucht. Es braucht sehr wenig, um gut zu klingen. Und plötzlich wird die Platte leerer und die Ergebnisse werden zuverlässiger. Adobe Audition CS6 bzw. CC (CS6 ist 32 Bit, CC ist 64 Bit) kostet im Abo 25 Euro im Monat, das Geld hätte ich schon länger investieren sollen.

Wörgfloh in Audition CS6

Was ich noch immer mache, ist das Normalisieren der einzelnen Musik-Tracks in MP3Gain. Moderation nehme ich in Goldwave auf, weil ich mit dem Tool seit 10 Jahren umgehe. Die Sprachaufnahmen normalisiere ich auf -3 dBFS und schneide mit einem passend eingestellten Compressor die meisten Spitzen ab. Das kann man in Goldwave automatisieren, vielleicht mache ich das demnächst auch in Audition. Am Ende landet alles in drei Spuren in Audition, Spur 1 mit Opener, Closer und Jingles, Spur 2 für Musik, Spur 3 für die Moderation. Nun kommt eine hilfreiche Funktion in Audition CS6 zum Einsatz. Dahinter steht eine neue Vorgabe der Medien, die den Loudness War in Musik und Werbung unterbinden soll. Das ist die EBU-Empfehlung R 128, Details finden sich in Wikipedia. Über diese Empfehlung kann man recht zuverlässig die Lautheit jedes einzelnen Tracks kontrollieren, was über die sonst übliche Normalisierung weit hinaus geht. In Audition CS6 selektiert man einen Titel und wählt über das Rechte-Maustaste-Kontextmenu „Match ClipVolume“.

Audition CS6/CC Pegelangleichung

Audition CS6/CC Pegelangleichung

Im Dialog wähle ich eine Lautheit von -12 LUFS. Das gewählte Audiomaterial wird analysiert und auf eine Lautheit eingestellt, die dann einen Spitzenpegel von um die -6 dBFS bedeutet. Da aber jedes Stück einzeln analysiert und mit einem jeweils eigenen Korrekturfaktor versehen wird, können die Spitzenpegel im VU-Meter doch unterschiedlich ausfallen, weil ja auf Lautheit justiert wird, nicht auf reine Pegelwerte. Ist demnach ein Stück sehr stark auf Lautheit komprimiert, wird der maximale Pegel in der Anzeige ein kleinerer sein. Es geht um Lautheit, nicht um isoliert betrachtete Pegel.

Match Clip Volume

Match Clip Volume

Sollten noch einzelne Spitzen drin sein, die nicht die Lautheit bestimmt haben, senke ich die kurz im Waveeditor von Audition ab. Das passiert zum Beispiel bei einer Klavierballade, wo der Pianist einmal kräftiger anschlägt und sonst eher entspannt spielt. Zwar wird von den Rundfunksendern eine Lautheit von -23 LUFS erwartet, was ca. -9 dBFS bedeutet, im Digitalradio kann man aber mehr Headroom ausnutzen, ohne dass es für die UKW-Übertragung kritisch wird. Andererseits arbeiten manche Sender, die viel mit modernen Musikstilen umgehen, auch schon mit -15 LUFS. Diese Funktion benutze ich für jedes Musikstück, das geht sehr fix, weil man sich den Zoom der Spuransicht in Audition so einstellen kann, dass man gleich mehrere Tracks ohne Weiterscrollen bearbeiten kann.

Die Quelldateien werden von Audition übrigens beim Volume Match nicht verändert. Nur Veränderungen im Waveeditor sind von Einfluss. Darum kann man später, wenn es doch nicht so passt, noch mal die Stücke auf -15 oder -10 LUFS nivellieren.

Für die Moderation benutze ich einen selbst erstellten Preset im Effektrack in Audition. Jedoch nur einen Equalizer, um Rumpeln und Raumresonanzen unter 100 Hz zu reduzieren und um bei 4 kHz einen leichten Glanz einzufügen. Danach folgt der De-Esser aus Audition und ein leichter  Multiband-Kompressor.

Effekt-Preset

Effekt-Preset

Den Pegel für die Moderation stelle ich so ein, dass ein Peak-Level von -4 dBFS erreicht wird, weil Sprache nicht eine so starke Lautheit hat. Das hängt etwas von der Stimmlage und Sprechweise ab, wer tiefer und kräftiger intoniert, kann auch die Moderation bei -5 oder -6 dBFS begrenzen. Damit ergibt sich ein ausgeglichener Pegel zwischen Moderation und Musik. Der De-Esser nimmt Zischeln und scharfe Geräusche heraus, der Preset für mein Geschlecht passte schon sehr gut. Der Multiband-Kompressor sorgt für einen ausgeglichenen Pegel. Das war’s.

Noch ein paar Worte zu Pegeln

Der Umgang mit unterschiedlichem Material aus vielen Toningenieurshänden ist am Ende immer ein Ritt durch die Wildnis. Wechselnde Komprimierungsgrade, Mastering von Null bis ganz schwer, machen es nicht leicht, in einem Magazin oder einer Musiksendung auf hörerfreundliche Lautheiten zu kommen. Will man das Maximum erreichen, bleibt es einem nicht erspart, die gesamte Sendung durchzugehen und jeden Musiktitel einzeln zu hören und mit der Moderation zu vergleichen. Eine generelle Betrachtung auf hohem Niveau liefert Eberhard Sengpiel.

Ist das Ziel die digitale Weiterverwendung, eben nicht analoges Studio, sollte man den verfügbaren Headroom auch ausnutzen, mit einer gewissen Sicherheitszone. Die liegt bei mir bei -3 dBFS, sind alle Audiotracks so ausgepegelt, dass die -3 dBFS nur von einzelnen Spitzen überschritten werden, ist Übersteuerung unwahrscheinlich. Eine Moderation über Multiband-Kompressor landet in diesem Fall bei -5 bis -6 dBFS für die regelmäßige Aussteuerung. Das ergibt in Zimmerlautstärke mit Rock und Pop einen weitgehend ausgeglichenen Mix.

Fazit

Natürlich kann man mit einem Freeware-Programm wie Audacity, einem Sack voll VSTi-Plugins und einigen Zusatzprogrammen auch gute Ergebnisse bekommen. Schneller, bequemer und zuverlässiger ist es tatsächlich, wenn man mit einem Programm arbeitet, das schon alles an Board hat. Wie Adobe Audition CS6. Und das Programm kostet im Jahr weniger als ein ordentliches Mikrofon.

Dann: auch in der Audio-Produktion hat sich das KISS-Prinzip (Keep It Small and Simple) bewährt. Anstatt mit einer endlosen Kette von Plugins und Tools zu produzieren, die dann auch noch abstürzen oder sich gegenseitig in die Quere kommen, ist das Nutzen weniger Plugins oder Effekte sinnvoller. Die Regel „Viel hilft viel“ stimmt auch an dieser Stelle nicht. Ich bekomme jetzt mit nur leichten und sanften Effekten ein besseres Resultat als am Anfang mit einem Speicher voll Effekten. Auch im Profibereich wird in der Audio-Produktion eher mit schmalem Werkzeug operiert. Der Klang, gerade der menschlichen Stimme, wird durch kräftiges Verbiegen nicht besser. Das Gegenteil ist der Fall, die Stimme wird künstlich, sie verliert die Natürlichkeit.

Nicht zuletzt: wenn man nach Regeln sucht, oder meint, es müsste sie doch geben, steht man sich selbst im Weg. Seien es Fragen wie Zeiten für Fades, Pegelfragen oder Verläufe von Produktionen, liegt das daran, dass man noch unsicher ist. Der Weg aus diesem Dilemma ist nicht schwer. Mehr auf sich selbst verlassen und hören, hören, hören, produzieren und auch mal Zeit für das Experimentieren nehmen. Man musste manche Dinge einfach ausprobieren, aufnehmen und mal Leuten vorspielen und nach Aussagen fragen. Oder: wie machen es die Kollegen beim WDR oder NDR? Mal regelmäßig Podcasts von großen Sendern und Studios hören. Gerade lange Features hellen Fragen auf. Dann wird man gewahr, dass das auch nicht alles Gold ist, was in den Millionen Euros teuren Studios produziert wird. Hören lernen und bewusster hören, auf den eigenen Klangeindruck verlassen. Anstatt nach Regeln oder Eselsbrücken zu suchen. Die Antwort kann gelegentlich auch ein neuer Satz Monitore sein, ich bekomme für Sprache mit dynamischen Mikrofonen einen besseren Klang, es gibt viele Regelpunkte. Oder ein besseres Audio-Interface versuchen. Parallelen zur Homöopathie sind nicht zu leugnen. Aber die Breitseite an Plugins und Effekten bringt es definitiv nicht.

Und zuletzt: die Benutzeroberfläche von Audition hat sich von CS2 zu CS6 enorm verbessert. Nicht nur in der Zahl der Funktionen, sondern auch in kleinen, aber feinen Details. So kann man jetzt direkt mit der Maus nicht-lineare Fades machen, ist in einer Aufnahme ein Peak oder eine Störung, kann man direkt in Audition editieren, alles geht sehr fix und ohne überflüssige Clicks. Alles geht in einem einzelnen Programm, was die Produktion nicht nur beschleunigt, sondern dazu die Nerven schont. Nur ist Audition eben nicht für lau. Aber ich kaufe auch schon lange keine Bohrschrauber für 29 Euro beim Discounter mehr, sondern lieber von Bosch.

Focusrite Scarlett 2i2 versus Steinberg UR22

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Steinberg UR22

Steinberg UR22

Man hat nicht oft die Gelegenheit, zwei vergleichbare Produkte im echten AB-Test unter die Lupe nehmen zu können. Manchmal aber doch, denn nach einem USB-Audiointerface von Focusrite habe ich mir noch eins von Steinberg zugelegt, weil ich keine Lust zum ständigen Umbauen hatte. Ich hätte auch gleich ein zweites Focusrite nehmen können, doch die Neugier war zu groß. Einfach kann jeder. Um es vorweg zu nehmen, steht das Steinberg im Keller in der Aufnahme, das Focusrite oben im Arbeitszimmer an der Abmischstation. Weil sich eben heraus stellte, dass die Produkte zwar funktional sehr ähnlich sind, aber doch ihre Stärken und Schwächen haben. Nein, Schwächen haben beide nicht. Nur die Stärken sind unterschiedlich.

Im Focusrite werkelt eigene Hardware von Focusrite. Im Steinberg ist Yamaha-Hardware verbaut, was man spätestens bei der Treiberinstallation sieht. Beide Treiber laufen ohne Probleme, die angeblich instabilen Treiber von Steinberg sind mir nicht untergekommen. Nach der Installation jeweils von CD liefen die Interfaces ohne Murren. Nur auf der Focusrite-CD war ein alter Treiber, doch auf der Website gibt es neue Versionen.

Scarlett 2i2 USB

Scarlett 2i2 USB

Technische Details spare ich mir, die finden sich für Focusrite und Steinberg zuhauf im Netz. Gemeinsam sind UR22 und 2i2 zwei symmetrische Eingänge für Mikrofone oder Line-Signale über eine Kombibuchse, ein 6,3 mm-Kopfhörerausgang und zwei symmetrische Ausgänge für Monitore über 6,3 mm-Klinke. Nur das UR22 hat noch zusätzlich ein MIDI-Interface und für einen der Eingangskanöle einen Hi-Z-Eingang für E-Instrumente. Allerdings mit Grenzen, denn der Eingangswiderstand ist mit 500 kOhm nicht wirklich hochohmig. Für mich irrelevant, denn ich produziere nur Sprache. Wird nur ein Eingang genutzt, wird mono auf beide Stereokanäle geroutet. Nutzt man beide Eingänge, wird konventionell auf die beiden Stereo-Kanäle geroutet. Monitor und Kopfhörer sind beim 2i2 getrennt regelbar. Beim UR22 gibt es einen Blend-Regler, dazu gleich mehr.

Kleiner Tipp am Rande. Hat man noch einen Behringer-USB-Treiber für deren Mischpulte installiert, ist in der Aufnahme auf dem PC ein unregelmäßiges Ticken zu hören. Bei beiden Interfaces, 2i2 wie UR22. Ist also Schuld des Behringer-Treibers. Hat mich etwas Suchen gekostet, weil ich erst WLAN oder ACPI im Verdacht hatte. Behringer-Treiber deinstalliert und es ist Ruhe.

Bedienung

Der große Regler für den Monitorausgang ist beim 2i2 als Audioausgang hilfreich, man kann schnell mal den Pegel herunter drehen. Dafür ist der Regler für den Kopfhörer etwas klein geraten. Für die Wiedergabe hat das 2i2 damit einen Vorteil. Dafür ist die Frontplatte des UR22 insgesamt aufgeräumter, aber wieder nicht so markant zu bedienen. Auch die Aussteuerung der Eingänge fällt beim 2i2 durch die dreistufige Anzeige rund um den Pegelsteller (grün/gelb/rot) leichter, das UR22 hat nur eine einzelne rote LED für die Übersteuerung. Steinberg hat sich für das Routing eine Art Balanceregler ausgedacht, der zwischen Eingang und PC, als DAW bezeichnet, überblendet. Nette Idee, in der Praxis aber wenig hilfreich. Das 2i2 hat für das Routing einen Schalter, ob man den Input auf dem Monitor haben will. Man sieht hier schneller, warum man hier oder dort nichts hört. Ansonsten haben beide Interfaces ein schweres Metallgehäuse mit Gummifüßen, da rutscht nichts und die beiden stehen satt und fest auf dem Tisch. Alle Buchen schön fest verschraubt, beim UR22 prangt ein dickes Neutrik auf den Kombibuchsen, die beim 2i2 funktionieren genau so gut. Der Kopfhörerregler beim 2i2 könnte etwas stabiler sein. Wirklich wackelig ist er nicht.

Im Punkt Bedienung würde ich dem 2i2 wegen des großen Monitor-Reglers, der intuitiveren Benutzung und der besseren Aussteuerungsanzeige den Vorzug geben. Ganz knapp.

Aufnahme

Bei beiden Geräten werden die Vorverstärker generell gelobt. In der Tat arbeiten auch beide für 139 Euro Preis ausgesprochen rauscharm. Bei dynamischen Mikros kommen beide an Grenzen und liefern den relativ größten Rauschpegel. Bei Kondensator-Mikros dagegen bleibt es sehr still, mit einem Rode NT1A und selbst dem billigen Thomann-Stäbchen ist keinerlei Rauschen zu hören. Mit dynamischen Mikros löst mein FetHead das Problem, das Rauschen ist dann absolut akzeptabel, nicht einmal das Gating-Plugin spricht an. Und wir sind hier auf der kompletten Preamp-Seite immer noch bei unter 200 Euro, nicht bei 2000.

Bei den Vorverstärkern liegen UR22 und 2i2 gleichauf. Das Rauschen des 2i2 klingt etwas dunkler als beim UR22, was manchmal weniger aufdringlich sein kann. Wirklich hörbar wird es nur mit dynmischen Mikros, und bei Sprachaufnahmen mit niedrigen Pegeln und deutlichen Pausen. Die Aufnahmen sind detailliert, luftig und klingen frei. Selbst die feinsten Details eines Großmembraners sind genaustens mitgenommen. Das geht in diesem Preisbereich kaum besser. Ein Patt.

Wiedergabe

Tatsächlich ist da ein Unterschied zwischen 2i2 und UR22. Das UR22 klingt sehr analytisch, mit ausgesprochen kristallinen Höhen. Zeichnet dadurch auch jedes noch so kleine Detail zwischen die Monitore. Das 2i2 klingt dagegen weicher und musikalischer, zeichnet auch sehr detailliert, aber nicht mit dieser etwas aufdringlichen Präsenz. Bei Sprache treten die Unterschiede nicht so deutlich hervor wie bei Musik. Bei längerem Hören von Musik jedoch fand ich das UR22 anstrengend.

Gemeinsam ist den beiden wieder die absolute Abwesenheit von Rauschen (Monitoring war direkt über eine Alesis-Endstufe und KRK R6-Monitore). Über Kopfhörer war dieser Klangunterschied nicht ganz so deutlich, aber immer noch wahrnehmbar (AKG K240 Studio). Noch ein Wermutstropfen am Rande: der Ausgangspegel des 2i2 für den Kopfhörer könnte ein Schüppchen mehr Pegel gebrauchen. Für mich reicht es, wer Live-Aufnahmen in der Kneipe aufzeichnet, kann für das 2i2 einen zusätzlichen KH-Verstärker gut gebrauchen. Da ich mehr Cmoy47-Verstärker als notwendig habe, kein Thema.

Fazit

Für unter 150 Euro sehr gute Preamps, vergleichbare Funktionalität, viel Metall und das 2i2 in der Bedienung einen Tucken angenehmer bei der Abhöre. Trotzdem war das UR22 kein Fehlkauf, beide Interfaces leisten für diesen Preis erstaunliche Dinge. Der Test hat für eine praktische und gute Arbeitsteilung gesorgt. Das UR22 kommt beim Einsprechen zum Einsatz, weil die Aufnahmen beider Interfaces kaum zu unterscheiden sind. Das 2i2 ist für das Produzieren zuständig, weil es weniger angestrengt und ausgeglichener klingt. Und weil man den großen Monitor-Regler schneller im Zugriff hat. Das UR22 wurde einmal im Studio eingepegelt, danach wird es nicht mehr angefasst und die weniger klare Bedienstruktur stört nicht mehr.

Alle kritisierten Punkte sind Meckern auf hohem Niveau. Beide USB-Interfaces arbeiten klaglos und für diese Preiszone mit erstaunlich guten Ergebnissen. Ich frage mich nur, wo die Entwicklung der Technik noch hin geht. In ein paar Jahren bekommt man wohl Audiointerfaces von heute zu 2000 Euro für 100.