Fotolia: die Fußangel für Facebook

Nachdem unsere Unternehmens-Seite bei Facebook schon einige Zeit online war, wurde ihr plötzlich die Veröffentlichung entzogen. Mit dem Hinweis, wir hätten gegen Facebook-Regularien verstoßen. Nur brachte auch genaustes Studieren dieser Regeln keine Erkenntnis, was wir verbrochen hatten. Einige Tage später, nach mehreren Nachrichten an Facebook über unterschiedliche Kanäle, wurde die Seite abends um 23 Uhr wieder veröffentlicht. Alles im Lot, so dachten wir. Jedoch: am nächsten Morgen um 5:37 Uhr wurde die Seite erneut ent-öffentlicht. Wir standen vor einem Rätsel. Bis wir feststellten, dass genau an diesem Morgen, kurz nach der Wiederveröffentlichung der Seite, um 5:36 Uhr automatisch ein geplanter Beitrag eingestellt wurde. Mit einem Werbeposter, in dem wir ein Stockfoto von Fotolia verwenden. Danach wurde es klar. Weiteres Nachforschen zeigte eine gefährliche Falle in Facebook. In die man völlig ahnungslos latscht.

Kurz zusammengefasst:

  • Der Glaube, man hätte doch das Bild von Fotolia lizensiert, führt in die Irre. Zwar hat man selbst die Lizenz, darf sie für Print oder die eigene Website auch beliebig nutzen, aber durch das mögliche Teilen eines Posts „wandert“ die Lizenz nicht zum Teilenden. Stichwort ist Unterlizensierung.
  • Das hochgeladene Poster war größer als 1000 x 1000 Pixel. Für private Fotos gelten diese Grenzen nicht, für verwendete Stockfotos von Fotolia und Kollegen aber schon.
  • Bei Stockfotos muss ein Urheberverweis wie ©2017 Fotograf/FOTOLIA by Adobe zwingend hinein. Dass man selbst die Lizenz erworben hat, gilt in Social Media nicht, weil ja die Quelle elektronisch reproduzierbar in die Öffentlichkeit kommt.
  • Eine Seite oder ein Beitrag wird nicht nur auf Beschwerde gesperrt, sondern schon automatisch per Software, wenn Facebook Verstöße gegen die Regeln feststellt.

Wir werden in Zukunft also sehr vorsichtig sein, wenn wir Bilder von Fotolia verwenden, gerade bei Facebook. Weitere Einzelheiten zu diesem Thema im diesem Blog eines anderen Nutzers. Der auch auf die Nase gefallen war.

Wiedergelesen: Wolf Schneider, Deutsch für Profis

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Bücher nach einiger Zeit noch einmal zu lesen. Entweder, um mein Bücherregal zu entlasten und diese Bücher zu entsorgen, oder um bestehende Urteile über Bücher zu überprüfen. Zuletzt war es Wolf Schneiders Buch „Deutsch für Profis“, das immer wieder Schreibern in der Lernphase empfohlen wird. Zu Recht, würde ich auch nach dem zweiten Lesen sagen. Weil sich das Buch nicht nur durch Inhalt qualifiziert, sondern auch durch das, was vielen Büchern fehlt.

Nicht nur Inhalt ist wichtig

Schneider verfolgt in diesem Buch eine klare Linie, die Struktur gibt und so den Leser durch das Gesamtthema führt. Er beginnt bei den Wörtern der unterschiedlichen Arten, geht zu den Sätzen über und konzentriert sich dann auf das, was Sätze unterscheidet. Ihr Aufbau, ihre Rolle als Metaphern, was Sätze verständlich und lesbar macht. Wichtig ist ihm dabei, zwischen gutem Deutsch, verständlichem Deutsch und gut lesbarem Deutsch zu unterscheiden. Denn das Oberthema des Buches ist der Stil und wie man zu gutem Stil kommt. Schneider bleibt dabei pragmatisch, er meißelt keine Regeln in Stein oder stellt ein Regelwerk auf, das man gnadenlos beachten sollte. Schneider ist Praktiker, journalistischer Praktiker, er weiß, wie schwierig und gelegentlich unmöglich es ist, Regeln und Verfahren einzuhalten. Wichtiger ist ihm, den Leser mehr auf sein Bauchgefühl aufmerksam zu machen, ein Gefühl für guten Stil zu vermitteln. Natürlich stellt er Regeln auf: Subjekt nach vorn, Verb nach vorn, keine klammernden Satzkonstruktionen, kein verbaler Müll und Füllworte, Finger weg von toten Metaphern oder Wörtern im Superlativ, die nicht gesteigert werden können. Dass das auch erfahrenen Journalisten im Spiegel und im Stern, in der FAZ oder Süddeutschen passiert, belegt er mit vielen Beispielen und Zitaten. Nennt aber gleichzeitig Autoren, die lesbar, verständlich und zugleich farbig und unterhaltend schreiben können.

Aus der Praxis für die Praxis

„Deutsch für Profis“ ist kein Buch, das einen in ein Schreibkorsett zwingt. Stattdessen regt Schneider dazu an, bewusst zu schreiben und Ergebnisse mehr mit dem Verstand und Sprachgefühl zu überprüfen. Er möchte dieses Sprachgefühl im Leser entwickeln, deshalb liest sich das Buch so gut und interessant. Ein Lehrmeister will er nicht sein, dazu bleibt er zu sehr im Dialog mit dem Leser. Aber selbst nach vielen Jahren des eigenen Schreibens vermittelt dieses Buch noch Erkenntnisse und Einsichten, die selbstverständlich sein sollten, es jedoch nicht sind. Schneider nimmt den Leser an die Hand, führt durch das Thema, ist eher ein Coach als ein Guru. Am Ende hat der Leser das Gefühl, es wären seine eigenen Erkenntnisse. Um doch eine Metapher zu bedienen, hat der Leser das Angeln gelernt anstatt Fisch zu bekommen. So sollten Lehrbücher sein. Eigentlich alle.