Bill Bryson – Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Normalerweise schreibe ich keine Rezensionen zu allgemeinen Büchern. Das tue ich hier auch nicht, sondern würde dieses Buch des Amerikaners Bill Bryson Schreibern aus einem ganz anderen Grund empfehlen. Weil man von Bryson lernen kann, wie man ein fast 600 Seiten dickes Buch über überflüssiges und nutzloses Wissen schreibt, ohne auch nur eine Seite lang zu langweilen. Weil Bryson ein sehr guter Schreiber ist, von dem man eine Menge lernen kann. Weil es genau zwei Dinge sind, mit denen Bryson den Leser fesselt und auf eine Reise vom Mittelalter in die Moderne mitnimmt.

In diesem Taschenbuch, das in keine Hosen- oder Jackentasche passt, erzählt Bryson ausgehend von dem alten Haus, in dem er jetzt in Nordengland lebt, wie all die Dinge entstanden sind, die wir heute für alltäglich halten. Die es aber 1851 noch nicht waren. Wie die heutigen Zimmer in unseren Häusern entstanden, wie man lernte, Besteck zu benutzen, wie die Häuser entstanden sind, welche Krankheiten die Menschen bis ins 20. Jahrhundert hinein geißelten und warum. Wie sich die Architektur aus dem Altertum heraus entwickelte, er erzählt auch die Wahrheit hinter dem Telefon, und dass früher einmal drei Streuer auf den Tischen standen, nicht nur Salz und Pfeffer, wobei niemand mehr weiß, was in dem dritten Streuer war. Bryson erzählt, ausgehend aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts und früher, wie das Leben und Dasein in Großbritannien entstand, mit all seinen unzählbaren Zwischenschritten. So weit der Inhalt des Buches.

Dass es Bill Bryson nun schafft, jemanden wie mich, der sonst nur mit Begeisterung journalistische Fachbücher verschlingt, zum stringenten Lesen eines Sachbuches verleitet, liegt an zwei Dingen. Erstens ist Bryson ein Recherche-Monster. Alle Geschichten werden mit Namen, Daten und Fakten umrahmt, meistens mit Angabe der Quelle oder wer wo wie mit wem verwandt war. Seine Texte haben einen Detailreichtum, der das Lesen zu einer Tour de force durch das Leben an sich macht. Auf den ersten Blick mögen diese einzelnen Geschichten für sich allein stehen, erst mit der Zeit verbinden sie sich zu einem Gesamtbild der Entwicklung der Moderne. Zweitens schreibt Bryson einen Stil, der weder extrem farbig oder plakativ ist, aber genau den Spagat zwischen Alltagssprache und Literatur schafft, der den Text mühelos von der Seite in die Phantasie transportiert. Bryson lässt den Film im Kopf Wirklichkeit werden. Dazu gehört auch seine Fähigkeit, Humor und Ironie in einem gerade noch wahrnehmbaren Maße einzustreuen. An Bryson kann man sehr anschaulich lernen, wie man anschaulich schreibt. Das macht dieses Werk nicht nur zu einem wunderschönen Buch, sondern auch zu einem Lehrbuch des Schreibens.

Bill Bryson: Reif für die Insel

Bill Bryson: Reif für die Insel

Es ist mein drittes Buch von Bryson, die beiden ersten handelten von seiner Wahlheimat England. Und wie ein gebürtiger Amerikaner zu einem überzeugten Briten mutierte. Nach dieser kurzen Geschichte von den alltäglichen Dingen bin ich mir fast sicher, es war nicht das letzte Buch von Bill Bryson, das auf meinem Stehtisch landete. Eben weil ich als Schreiber so viel von ihm gelernt habe. Schon in seinem ersten Buch.

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