Cortana als Schreibkraft für Texter?

Ich hatte in meiner seligen Jugend mal eine Freundin, die war gelernte Stenotypistin. Ein Beruf, der heute ausgestorben ist. Auf jeden Fall konnte sie auf der (elektrischen) Schreibmaschine so schnell schreiben wie ich zügig sprach. Das fand ich schon damals beeindruckend. Nun habe ich im Moment Mengen an Text zu produzieren, für einige Sendungen und Wortbeiträge. Nun bin ich ja allgemein vor nix fies, schon gar nicht vor dem technischen Fortschritt. Auch wenn ich niemals beim Radfahren das Smartphone in der Hand haben muss wie die Mädchen auf ihren uncoolen Hollandrädern, die wir damals nicht mal mit der Zange angepackt hätten. Geschweige denn gefahren. Was lag mit Windows 10 dann näher, als die eingebaute Spracherkennung Cortana zu nutzen und so die Texte schneller zu schreiben als mit meiner Vierfinger-Tippmethode? Versuch macht klug.

Vor den Erfolg hat Microsoft Windows gesetzt

Nun habe ich allerdings eine englische Windows-Version. Der eine deutsche Spracherkennung hinzu zu fügen, ist möglich, aber erst, wenn man sich durch einige Beschreibungen bei Microsoft geangelt hat. Ging am Ende, man muss nämlich nicht nur die deutsche Oberfläche herunter laden, sondern an gut versteckter Stelle auch eine deutsche Spracherkennung. Möchte Microsoft wohl bewusst nicht ganz einfach machen. Danach ist empfohlen, die Spracherkennung zu trainieren, damit sie mit der eigenen Artikulation und Stimme zurecht kommt. Das alles nimmt schon mal einige Zeit in Anspruch, aber was tut man nicht alles, um später ein paar Minuten zu sparen. Dann ist diese Spracherkennung in der Lage, Windows-Befehle per Sprache entgegen zu nehmen oder gesprochenen Text in eine Anwendung zu liefern. In meinem Fall Microsoft Word. Das funktioniert erst einmal alles klaglos, Spracheingabe in den Browser mit WordPress geht nur über Umwege. Wenn, wie schon bemerkt, man so einige Installationshürden genommen hat. Dann fangen wir mal an, eine Moderation einzusprechen. Noch nicht ins Mikro, erst mal als Text-Version in Word.

Was Cortana alles nicht kennt

Normale Alltagssprache kommt überraschend gut an und wird meistens tadellos erkannt. Mit einem Core i5-Prozessor nicht gerade rasend schnell, aber akzeptabel. Wird ein Wort nicht richtig erkannt, kann man es wiederholen. Dazu muss man aber wieder an die Tastatur. Ein „Undo“ kennt Cortina nicht. Nach zwei bis drei Versuchen sollte man es Cortana dann näher bringen und über den Befehl „Buchstabieren“ Buchstaben und gesprochenes Wort in Übereinstimmung bringen. Dabei stellt sich heraus, dass es Cortana ausgesprochen schwer fällt, mein „e“ und „i“ auseinander zu halten. Da vergehen schon mal einige Minuten für das neue Wort „Coversong“. Danach wird es meistens richtig erkannt. Nach und nach kommen so einige Seiten eingesprochener Text in Word zustande. Davon vergeht jedoch eine ziemliche Menge Zeit, bis Cortana Wörter wie „Progressive Rock“, „Jazz-Band“ oder „Albumversion“ gelernt hat. „Von „Gentle Giant“ oder „Level 42“ ganz zu schweigen. Erstaunlich ist, dass ihr der Mischmasch aus Deutsch und Englisch wenig ausmacht, wenn sie den Begriff einmal erlernt hat.

Wirklich ein Gewinn?

Für die Texte, die ich aktuell schreibe, nämlich Moderationen über Musik, insbesondere moderne Musik, ist der Zeitbedarf für das Erlernen neuer Begriffe sehr groß. Das mag sich über die Zeit ändern, wenn Cortana immer mehr Wörter erlernt hat. Aber gerade am Anfang ist es nervig, für manchmal Minuten aus dem Text auszusteigen und Cortana neue Wörter beizubringen. Und das sind im Themengebiet Musik eine Menge. Dazu stellte ich aber irritiert nach einiger Zeit fest, dass ich im Texten langsamer war als beim Schreiben. Manchmal dauerte es Sekunden, dass ich in einem Satz fest steckte und erst sehen musste, wie es denn nun weiter ging. Und das liegt an einem merkwürdigen Effekt.

Wenn ich Texte entwickle und sie niederschreibe, habe ich durch mein nicht sonderlich schnelles Schreiben genug Platz zwischen den Neuronen, um quasi parallel zum Tippen Texte zu bauen. Das Tippen auf der Tastatur und die Textproduktion sind auf wundersame Weise ineinander verzahnt, ohne sich gegenseitig zu stören. Die eine Aktivität ist Denken, die andere Schreiben. Es scheint, dass dafür eben unterschiedliche Bereiche des Gehirns zuständig sind, da geht Multitasking. Das heißt, dass es so scheint, als ob die Texte ohne besonderes Nachdenken entstehen. Es fließt automatisch aus dem Kopf in die Tasten. Wenn ich nun Texte einsprechen und gleichzeitig entwickeln muss, läuft das gegeneinander. Tippen und Denken zugleich geht gut, Denken und Sprechen dagegen weniger. Es kam mir so vor, als könnte ich zwar analytisch Text entwickeln, ihn aber nicht gleichzeitig aussprechen. So wurde aus dem gewohnten fließenden Schreiben eine Sequenz Nachdenken – Sprechen – Nachdenken – Sprechen. Cortana ist das egal, die hat alle Prozessorzyklen der Welt. Aber mir entglitt der Textprozess, die Texte wurden auch dazu immer statischer und abgehackter. So lange, bis ich die Quatscherei in den Computer aufgab, weil es mich einerseits nervte, andererseits meine Texte immer schlechter wurden.

So hatte das Experiment Cortana schnell ein Ende und ich gehe erst einmal zurück in meine gewohnte Tipperei. Irgendwie habe ich den Kopf dabei freier. Nicht alle Technik ist ein Fortschritt, manche ist auch eine Behinderung. Haben die Kiddies mit dem Handy beim Radfahren in der rechten Hand auch noch nicht gemerkt. Oder erst, wenn sie mal am Laternenpfahl gelandet sind.

 

Blockiert

Vor dem Notebook sitzen, die Finger auf der Tastatur, aber nichts will sich einstellen an Text oder Gedanken. Kann schon mal wochenlang so gehen, auch wenn der Druck hoch und Termine bedrohlich nah sind. Schreibblockaden sind kein Leiden ungeübter Schreiber, die Liste der Betroffenen ist lang. Douglas Adams, Samuel Beckett, Ernest Hemingway, Franz Kafka, Marcel Proust, J.R.R. Tolkien litten darunter. Das tröstet wenig. Mehr würde trösten, was hilft. Ich muss zugeben, dass ich eher selten das Problem habe, dass ich nicht zu schreiben anfangen kann, eher werden bei mir die Texte schnell zu lang. Vielleicht liegt das daran, dass ich bestimmte Strategien habe, an Texte heran zu gehen. Ob fürs Papier, online oder fürs Radio. Dass es für mich überhaupt Thema wurde, lag an den schon verzweifelten Fragen eines Studenten an mich, der mit seiner Bachelor-Arbeit nicht den Einstieg fand.

Ein hausgemachtes Problem?

Man könnte annehmen, dass mit zunehmender Routine diese Blockaden seltener werden. Die Liste an bekannten Autoren im ersten Absatz beweist, dass es so einfach leider nicht ist. Ich denke, es ist eine Frage, wie man Texte heran geht, wie man den Prozess des Schreibens strukturiert. Ohne die eine mögliche Antwort zu haben, als Denkansatz, halte ich Schreibblockaden für die Folge eines zu hohen Anspruchs. Man meint, man könnte sich einfach hinsetzen und anfangen zu schreiben, so frei von der Leber weg. Jedoch setzt das Entstehen eines Textes weit mehr voraus als den guten Willen oder eine Absicht. Gerade Druck ist für das Schreiben als kreativer Prozess kontraproduktiv. Scheitern an den eigenen Ansprüchen ist dann der größte Druck, dem man sich aussetzen kann. Und das schlimmste Versagen. Sich dem eigenen Anspruch zu verweigern, führt nicht aus der Falle heraus. Es funktioniert schlichtweg nicht, weil wir zu stark konditioniert sind. Die eigentlich logische Konsequenz ist, sich nach anderen Methoden umzusehen, die den eigenen Anspruch nicht schmälern, gleichzeitig aber näher an den Text heran führen. Klingt etwas kryptisch, ist aber einfach praktisch umzusetzen.

Ratschläge für des Aufbrechen von Schreibblockaden gibt es zuhauf, da muss man nur kurz das Netz konsultieren. Ein nicht seltener Rat ist, eine Weile abzuschalten, erst mal einen Spaziergang zu machen oder etwas Anderes, was nicht blockiert ist. Diese Methode des Weglaufens erinnert mich an Versuche, vor dem Stapel Bügelwäsche oder dem Abwasch davon zu laufen. Mit dem Resultat, dass man bei der Rückkehr wieder freundlich von den zerknitterten Hemden oder den fettigen Tellern begrüßt wird. Das ist denn wohl nicht die Lösung.

Den Fokus behalten und gezielt aussteigen

Texte, die ich hier meine, sind Sachtexte wie Fachartikel, Moderationen oder Online-Texte. Es gibt Fälle, dass man mit so einen Text sofort loslegen kann, der einem förmlich aus den Händen fließt. Das sind die Texte, in denen man genau weiß, wo man her kommt und wo man hin will, wo alle oder fast alle Aspekte definiert sind und griffbereit liegen. Eine Schreibblockade entsteht voraussichtlich genau dann, wenn diese Situation nicht vorliegt. Wenn man mit dem Schreiben nicht beginnen kann, fehlt etwas. Das sollte gefunden werden, aber ohne den Fokus auf den Text zu verlieren, ohne auszusteigen oder zu flüchten, weil die Flucht nichts bringt. Wenn es mit dem Schreiben nicht losgehen kann, sollte man sich dem Text von einer anderen Seite aus nähern. Dabei steht immer noch der zukünftige Text im Mittelpunkt. Wenn ich von vorn nicht an ihn heran komme, versuche ich es mal von links, halblinks oder rechts. Ich suche mir also andere Wege, mich dem Text zu nähern.

Voraussetzungen definieren

Den Fokus auf dem Text behalten und doch nicht schreiben, wäre ein denkbares Szenario. Bei fiktionaler Literatur ist das Vorgehen recht gut festgelegt. Wer sind die beteiligten Personen, wie sind ihre Beziehungen untereinander, was gibt es Trennendes oder Verbindendes? Wo spielt die Geschichte und was sind die Rahmenbedingungen? Und der Kern: was ist der Konflikt, wie stellt er sich dar, ist er extern oder internalisiert, wird er gelöst oder offen gelassen? Erst wenn alle diese Fragen beantwortet sind, kann es mit der Geschichte losgehen. Bei nicht-fiktionalen Texte sollten die Rahmenparameter des Textes ebenso früh feststehen, auch wenn sie etwas anders lauten. Wichtigste Frage: was ist meine Hauptbotschaft, meine key message, was ist der Kern des Textes? Service, Botschaft oder reine Information? Wer ist mein Zielpublikum, was macht meinen Text für diese Empfänger interessant, was erwarten sie? Was ist schon über das Thema bekannt? Brauche ich ein Strukturdesign, eine Inhaltsübersicht oder einen Verlaufsplan? Vielleicht mit einem Exposé erst einmal die Ziele in die Außenwelt festlegen? Anstatt den Text zu schreiben, strukturiere ich mein Schreiben und des Text. Damit nähere ich mich an, bekomme vielleicht neue Gedanken und finde weitere Aspekte. Gerade ein etwas ausführlicheres Exposé kann ganz neue Gedanken bringen und die Blockade abbauen.

Inhalte klären

Gerade bei komplexen und umfangreichen Texten und Moderationen kann es passieren, dass man von der Fülle der Inhalte erschlagen oder eben paralysiert wird. Um solche Komplexitäten zu sortieren und überschaubar zu machen, bieten sich Strukturierungstools an. Das beste Beispiel sind Mind Maps, wie sie zum Beispiel mit dem Tool XMind angelegt werden können. Mit einem solchen Tool bleibe ich ebenfalls am Text, sortiere mir jedoch erst einmal die Inhalte, die ich wahrscheinlich im Kopf nicht zusammen behalten kann. Erst wenn ich die vielen Aspekte meines Textes grafisch vor Augen habe, kann ich diese in einen Text mit passender Struktur umsetzen und so eine mögliche Blockade aufheben oder lockern.

Das geht auch klassisch ohne Computer, über die freie Assoziation. Ich nehme mir ein größeres Blatt Papier, eventuell noch verschiedenfarbige Schreiber und schreibe alle mir zum Thema einfallenden Wörter auf. Es sind Wörter, die mir gerade dazu einfallen, es ist keine Suche nach bestimmten Begriffen.  Je nach Position dazu im Text platziere ich die Wörter oben, unten oder an den Seiten.  So sammeln sich nicht nur Stichwörter an, es fallen mir sicher auch Wörter ein, die zuerst gar keinen Bezug zum Thema haben. Solche Wörter nutze ich später gerne für Seitenaspekte oder einfach zum Auffrischen des Textes.

Der nicht einsetzende Schritt ist ja der, den Text konkret umzusetzen. Wenn dieser Schritt nicht gehbar ist, sind die Ursachen dafür zu finden. Eine Ursache kann eben sein, dass mir der konkrete Inhalt des Textes nicht klar ist. Das kann mit Mind Maps oder mit freier Assoziation konkretisiert werden.

Struktur bilden

Dass ich bei Texten, jedenfalls meistens, sehr schnell ins Schreiben komme, liegt auch daran, dass ich mir für die regelmäßigen Formate Strukturen festgelegt habe. So nutze ich den Anfang eines Textes immer für das Fokussieren auf das Thema. Das kann eine Vorgeschichte sein, historisch oder technisch, eine Positionierung des Themas, eine persönliche Gegebenheit, die auf das Thema hinführt. Schreibtechnisch also eine öffnende oder schließende Fokussierung. Da ich an dieser Stelle noch nicht tief in das Thema eintauchen muss, bleibt mir Platz zum Spinnen und einen Einstieg in den Text zu bekommen. Eine Parallele dazu ist, dass es mir mal auffiel, dass mir Sachverhalte viel schneller und durchsichtiger wurden, wenn ich sie jemandem erklären musste. Eine Erkenntnis aus dem Nachhilfeunterricht, ob Englisch oder Mathe.

Man mag einwenden, es sei doch langweilig, wenn Texte je nach Sachgebiet immer wieder die gleiche Struktur hätten. Das ist aber so wie mit dem Verspielen bei Musikern, dem Musiker ist es ein Fiasko, der Zuhörer bemerkt es gar nicht. Im Gegenteil, wenn eine Sache funktioniert, empfindet sie der Leser eher als einfacher, weil der Schreiber bereits vorsortiert hat.

Und wenn es doch nicht geht

Passiert es im Job, führt am Ende ja kein Weg drum herum. Wie wäre es mit einem Gespräch mit einem vertrauten Kollegen oder einer Kollegin darüber? Wobei ich auch klar sagen würde, dass ich mit dem Text nicht zurecht komme und eine Blockade habe. Vielleicht kommt aus dem Gespräch eine Anregung oder eine Idee, wie es weiter gehen könnte. Ist es rein privat, könnte man es lassen und sich einer anderen Sache zuwenden. Ist es halb privat, zum Beispiel in einer ehrenamtlichen Tätigkeit, würde ich weiter machen und versuchen heraus zu finden, was die Blockade bewirkt. Die Blockade entsteht jedoch in einem nur halb bewussten Bereich, so dass ein Blick auf die Vergangenheit oder das Umfeld des Thema weitere Informationen geben könnte. Der Blick nach innen ist uns heute zu wenig vertraut. Auch an der Stelle, Befindlichkeiten und Probleme zuzugeben. Denn der Grund für die Blockade liegt in uns, nicht im Thema, nicht im Schreibgerät und nicht bei anderen Leuten.

Show, don’t tell

Seit bald sechs Monaten bin ich jetzt in meinem neuen Job,  als Redakteur. Nicht wie früher als technischer Redakteur, mit Bedienungsanleitungen und Datenblättern habe ich nichts am Hut. Stattdessen beschäftigen mich Artikel für Fachzeitschriften, Pressemeldungen und Kunden-Newsletter, und nun seit einigen Wochen Online-Texte. In Vollzeit. So zu sagen. Eine komplett neue Website wird für das Unternehmen gebaut, wodurch ich WordPress und das Enfold Theme in aller Härte und im Detail kennen und schätzen lernte. Innerlich hat mich oft etwas Anderes  beschäftigt. Ich dachte, dass ich seit dem Studium an der FJS und dem Lesen vieler schlauer Bücher so manche Frage hinter mir gelassen hätte. So kommt man zu neuen Erkenntnissen. Gerade mit diesem nicht gerade kleinen Online-Projekt habe ich einige Dinge besser verstanden, an einigen Stellen neu durchdenken müssen.

Die Grundfrage bleibt: wie schreibt man gut lesbare, interessante und ansprechende Texte? Ich könnte nun auf so einige Bücher verweisen, dort würde es drin stehen. Doch ich folge Sol Stein und einem seiner entscheidenden Themen, manifestiert in einer alten Schreiber-Regel, oft zitiert, selten umgesetzt.

Show, don’t tell – Zeige es, sage es nicht nur

Mit dieser Regel habe ich mich lange schwer getan, weil ich sie nicht verstand. Erst Sol Stein hat es mir zum ersten Mal verständlich vermittelt. Es geht in dieser Regel darum, nicht Aussagen zu treffen oder Begriffe in den Raum zu werfen, sondern die Natur des Menschen zu berücksichtigen. Der Mensch ist ein emotionales Wesen und zum großen Teil durch Emotionen gesteuert, nicht durch Vernunft. So oft wir auch beteuern, wir wären doch so von der Vernunft gesteuert, so sachlich und konkret. Doch wenn ich etwas darstellen will, muss ich es dem Leser spürbar übermitteln, er muss es nachfühlen können. Nur wenn ein Text, auch ein sachlich technischer, einen emotionalen Inhalt hat, bekommt er Bedeutung und Aufmerksamkeit. Das ist das, was Schulz von Thun im Hamburger Verständlichkeitskonzept mit den anregenden Zusätzen meinte. Oder ein Teil davon. Gemeint ist diese Emotionalität nicht in der Form, den Leser emotional zu berühren, das ist Schnulzenmusik und Schundromanen vorbehalten. Mehr ist das Ziel, dem Leser Situationen zu geben, in denen er sich wiedererkennt.

Ein praktisches Beispiel, zuerst in der nüchternen technischen Form.

Im Tagesverlauf wird an den gleichen Stellen unterschiedliches Licht benötigt oder gewünscht. Dabei sind unterschiedlichste Ausleuchtungsvarianten zu berücksichtigen, zum Beispiel für handwerkliche Arbeiten oder in reinen Wohnszenarien.  So können für nur einen Raum ein Dutzend verschiedene Ausleuchtungen sinnvoll sein.

Verständlich, was gemeint ist, aber es ist trocken und langweilig. Anderer Vorschlag:

Im Tagesverlauf wird oft an den gleichen Stellen ganz unterschiedliches Licht benötigt oder gewünscht. Beim Kochen und bei der Hausarbeit soll die Küche hell sein, mit eher kühlem, bläulichem Licht. Beim Abendessen darf es weniger Licht sein, wärmer mit etwas mehr Rotanteilen. Im Wohnzimmer, bei der Arbeit an der Steuererklärung am Schreibtisch, wird genau dort viel Licht gebraucht. Eine Stunde später, beim Fernsehen oder beim Plausch mit Gästen, wird eine ganz andere Beleuchtung gewünscht. Beim Fernsehen oder beim Entspannen mit Bach oder Beatles ähnlich, aber dann doch wieder anders.  So können für nur einen Raum ein Dutzend verschiedene Ausleuchtungen sinnvoll sein.

Indem ich die Situationen direkt benenne, rufe ich beim Leser eigene Erinnerungen ab, so lange ich davon ausgehe, dass mindestens 90% der Leser sie kennen. Die Wohnbeispiele haben einen gefühlsmäßigen Anteil und gehen über eine reine Sachinformation hinaus. Noch ein technisches Beispiel:

Sicherheitsprobleme entstehen vielfach durch Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit. Eine Außer-Haus-Taste an der Haustür schließt alle Fenster, schaltet alle Lichter aus, ebenso die Steckdosen in der Küche. Der Alarm-Modus im Haus wird aktiviert. Die Räume werden mit Bewegungs- und Wärme-Sensoren überwacht, ebenso Fenster und Türen mit Schließkontakten und Glasbruchmeldern.

Verstanden. Mit nur zwei zusätzlichen Sätzen rufe ich eigene Erfahrungen des Lesers ab und mache den Text persönlicher:

Viele Sicherheitslücken entstehen durch Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit. Indem Sicherheit automatisiert wird, spielen momentane Einflüsse wie das wartende Taxi oder der verschlafene Kundentermin keine Rolle mehr. Eine Außer-Haus-Taste an der Haustür schließt alle Fenster, schaltet alle Lichter aus, ebenso die Steckdosen für Kaffeemaschine und Wasserboiler in der Küche. Der Alarm-Modus wird aktiviert. Die Räume werden mit Bewegungs- und Wärme-Sensoren überwacht, ebenso Fenster und Türen mit Schließkontakten und Glasbruchmeldern. Die spätere bange Frage, ob der Herd denn wirklich ausgeschaltet ist, kann man sich nun sparen.

Natürlich wird der Text deutlich länger, er gewinnt aber diesen minimal emotionalen Inhalt, der ihn für den Leser nachvollziehbarer macht, er fühlt sich in seinen eigenen Erfahrungen angesprochen. Es geht nicht nur um sachliche Argumente und Fakten, sondern den Leser in seinem eigenen Leben zu spiegeln.

Verallgemeinert hieße das

Ein Text gewinnt Farbe durch Details. So kann ich in einer Reportage oder in einem Interview nur schildern, dass eine Person einen bestimmten Gesichtsausdruck aufsetzt, nehmen wir Erstaunen. Ich kann aber auch stattdessen seine Körperhaltung wiedergeben, was er mit seinen Händen macht, wie seine Augen aussehen. Je mehr Details ich einfüge, desto greifbarer wird das Geschilderte.

Unser Alltag ist stark visuell bestimmt, tatsächlich verfügen wir über weit aus mehr Sinne wie Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören. Ich kann sagen, dass ein Glas Bier auf dem Tisch steht. Ich kann aber auch beschreiben, wie sich Kondenswasser wie kleine Regentropfen am Glas abschlägt, wie die winzigen Kohlenstoffbläschen aufsteigen, wie der Schaum aussieht, den hopfigen, leicht muffigen Geruch des Bieres beschreiben oder wie es sich anhört, wenn der Schaum prickelnd in sich zusammenfällt.

Ein weiterer Punkt ist das Spezifische. Ich kann sagen, das da drüben sei ein Auto. Ich kann aber auch sagen, das es ein Volvo sei, der schon lange die besten Jahre hinter sich hat, mit den trüben Fenstern vom Zigarettenrauch und dem zersplitterten Scheinwerferglas, mit der ausgeblichenen Motorhaube und den Spuren von Einkaufswagen an den Türen. Je genauer und spezifischer ich das Bild in den Kopf des Lesers male, desto mehr ziehe ich ihn in den Text hinein.

Zahlen sind abstrakt, mache sie greifbar

Das schönste Beispiel, das mir in der letzten Zeit dazu untergekommen ist, stammt von Bill Bryson. Es ging um das Kambrium, ein Erdzeitalter, in dem urplötzlich sehr viele neue Tierarten entstanden. Um klar zu machen, wie lange dieses Erdzeitalter her ist, wählt Bryson diese Darstellung:

Wenn wir in jeder vergehenden Sekunde ein Jahr weiter in die Vergangenheit zurück gehen könnten, wäre wir nach einer guten halben Stunde bei Jesu Geburt. Bis wir im Kambrium ankämen, würde es noch mehr als zwanzig Jahre dauern.

Wenn Zahlen und Daten sich der normalen Alltagserfahrung entziehen, muss ich sie auf eine vorstellbare Weise darstellen. Das gleiche Prinzip gilt im Prinzip für viele Fälle, in denen reine Zahlen in einen Erfahrungswert umgesetzt werden. Das beginnt schon in der Schreibweise: ein Drittel statt 33%, die Hälfte statt 50%, eine knappe halbe Stunde statt 25 Minuten. Dazu sollte man wissen, dass wir beim Lesen einmal in einem assoziativen Modus sind, wo wir nicht jeden Buchstaben lesen, sondern das Wort als ganzes erkennen. Stoßen wir auf Ziffern, müssen wir umschalten und die Zahl tatsächlich rational „entziffern“. Das bricht den Lesefluss.

 

 

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem

Bill Bryson: Eone kurze Geschichte von fast allem

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem

Wenn man Schülern, auch denen der höheren Klassen, etwas wirklich Schlimmes antun möchte, würde die Aufgabe lauten: verfasse eine Inhaltsangabe dieses Buches. Das Problem wäre nicht etwa der Umfang.  Gut 600 eng bedruckte Seiten haben viele Werke der Literatur. Es ist mehr der Inhalt. Bryson stellt Fragen, viele Fragen. Wie groß ist das Universum? Was wiegt unsere Erde? Wie viele Atome enthält ein Mensch? Was sind Bakterien? Wie sind sie entstanden und warum? Wie entstand die Erde, der Kosmos, der Mensch? Warum gab es Eiszeiten? Allein die Fragen aufzulisten, wäre kaum in einem solchen Blog-Eintrag möglich.

Nun ist Bryson natürlich weder naiv noch blöd. Es geht um etwas ganz Anderes, nämlich um die Geschichte der Wissenschaften. Viele dieser Fragen haben sich bereits altgriechische Philosophen gestellt. Erste, natürlich falsche Antworten, kamen ab dem 15. Jahrhundert, da war dann nach Aussage führender Wissenschaftler absolut sicher, das die Erde nicht älter als 76 Millionen Jahre alt sei. Manche Fragen wurden erst im 21. Jahrhundert beantwortet, vermutlich auch falsch. Wir können Sonden zum Mars schicken, auf dem Mond landen. Aber ganz triviale Fragen, die ein Kind stellen könnte, sind noch immer nicht beantwortet. Warum wurden aus Affen Menschen? Zudem ist es eigentlich unmöglich, dass wir Menschen hier auf diesem Planeten entstehen konnten. Alle statistischen Betrachtungen über die Erdgeschichte schließen uns praktisch aus. Er deckt Widersprüche auf, belegt sie zusammen mit Fachleuten. Mit der Erderwärmung wird es in Nordeuropa wärmer? Falsch, es wird kälter. Die Begründung dafür ist absolut logisch, wenn man sie liest.

Bryson leistet eine Rückschau über die Geschichte der Wissenschaft, der Chemie, der Geologie, der Physik. Das ist der Kern des Buches. Er betrachtet auch die Personen, die diese Wissenschaften begründet oder geprägt haben. Ihre Macken, ihre Eigenheiten, ihre Persönlichkeiten, ihre Streits, ihr Versagen, ihre Niederlagen. Das ist die weiche Seite des Buches. Die harte ist eine andere, eine faktische. Es geht nicht um Wahrheit, sondern am Ende um die Frage, was wir wirklich unumstößlich wissen. Oder glauben zu wissen. Er erzählt von den Irrtümern der Wissenschaftler, über ihre Überheblichkeit, über ihre Schwächen, aber auch über ihre Stärken. Die Geschichte, die er erzählt, ist faszinierend für jeden Leser, der nur eine Spur von Interesse für Wissenschaft besitzt. Es ist angefüllt mit Aha-Erlebnissen, mit Fakten, die man nicht geglaubt hätte. Nun ist Bryson kein Wissenschaftler, sondern Schriftsteller. Die Konsequenz daraus ist, dass das Quellenverzeichnis des Buches knapp 50 Seiten umfasst. Er hat mit Dutzenden Wissenschaftlern persönlich seine Themen diskutiert.

Ein derart mit Fakten und Daten vollgestopftes Buch zu schreiben und den Leser bei der Stange zu halten, ist ein kleines Meisterwerk. Bryson weiß jedoch auch, wie man das genau macht, nämlich aus einem ganz fein abgestimmten Mix aus Naturwissenschaften, Geschichten erzählen und einer Prise Voyeurismus. Letzteres in dem Sinne, dass er zeigt, dass die großen Namen der Wissenschaften auch so ihre persönlichen Abgründe hatten, ihre Schwächen. In diesem Sinne ist dieses Buch, wie schon andere von ihm, nicht nur ein Genuss zu lesen, sondern auch ein großartiges Lehrbuch für Schreiber. Die aber 600 Seiten durchstehen müssen. Mir ist es leicht gefallen. Ein tolles Buch für Möchtegern-Wissenschaftler und Journalisten.

PlainEdit, Dreamweaver, Typo3, Joomla und nun WordPress

WordPress als Nachzügler

Meine ersten Seiten im Web habe so um 1995 online gebracht, zu einer Zeit, als man HTML noch mit einem normalen Texteditor schrieb. Und als CSS und JavaScript noch lange nicht erfunden waren. Später wechselte ich zu PlainEdit, der auch nicht viel mehr als ein Text-Editor war. Dagegen war dann Macromedia Dreamweaver Anfang des 21. Jahrhunderts geradezu Hochtechnologie. Es folgten etwas später die CMS-Systeme Typo3 und einige proprietäre Produkte, meine letzten Sites habe ich mit Joomla angelegt. Berufsbedingt kam nun auch WordPress ins Spiel. Diese meine aktuelle Site folgt den Entscheidungen des Unternehmens, für das ich arbeite. Mit allen Systemen, von Dreamweaver bis WordPress, habe ich inzwischen ausgesprochen „fette“ Projekte hinter mir, deshalb an dieser Stelle meine Erfahrungen mit WordPress als CMS und einige wenige Seitenblick dazu zu Joomla.

Systemvergleiche

Was Installation und Handhabung angeht, sind Joomla und WordPress  nicht wesentlich unterschiedlich. Es gibt ein Frontend und ein Backend, bei WordPress scheint immer noch die Blog-Software durch, während Blogs bei Joomla eher ein Nebenprodukt sind. WordPress ist immer noch die ernsthaftere Blog-Version, Joomla hat Blogs mehr als ein Me-Too. Dementsprechend ist WordPress zum Bloggen bequemer und konsistenter, es automatisiert die Organisation von sich aus. Dafür sind statische Seiten in WordPress eher aufgesetzt, sie wirken noch immer etwas exotisch.

Die Historie und der Anspruch

Joomla war von Anfang an als vollständiges Web-CMS gedacht, WordPress nur zum Bloggen. Dementsprechend sind in Jooma wesentlich mächtigere und weitreichendere Funktionen implementiert. Joomla erlaubt den Einfluss auf viele Aspekte des Contents, WordPress ist da eingeschränkter. Allein das Widget-Konzept in Joomla erfordert eine ganz andere Form von Hauptmenu, befreit aber auch von Designschranken. Das Resultat ist, dass das Backend in WordPress deutlich übersichtlicher ist, während man sich in Joomla gerne verläuft. War das jetzt ein Beitrag, ein Modul oder eine Funktion? Auch ist die Auswahl in Joomla bezüglich Tools und Plugins wesentlich größer. Bei einer Wahl zwischen Joomla und WordPress kann das ein entscheidender Faktor sein.

So hat man in WordPress nicht die Möglichkeiten, Beiträge nach Kategorien oder Autoren zu sortieren und Menus unter solchen Gesichtspunkten zu sortieren. Überhaupt sind die Menu-Funktionen in Joomla nicht mit denen in WordPresszu vergleichen. Die Frage an dieser Stelle ist also, wie komplex ich es eigentlich brauche. Wenn ich nur Seiten gestalten möchte, mit ein paar Bildern und einem überschaubaren Hauptmenu, kann dann WordPress die bessere Wahl sein. Jedoch hat die Historie auch noch andere Auswirkungen, die entscheidend sein können. Aber nicht müssen.

In zwei Aspekten ist dieser historische Ansatz jedoch spürbar und kann in Projekten bestimmter Art bemerkbar sein.

User ist nicht gleich User

Joomla hat in der User-Verwaltung und damit in den Rechten, wer was tun darf, eine wesentlich feinere Gliederung. Für ein Einzelprojekt spielt das kaum eine Rolle. Habe ich jedoch ein großes Team, wo die Einen nur schreiben, die Anderen aber auch verwalten dürfen, sind solche Unterscheidungen in WordPress nicht möglich. Das kann Hürden aufbauen, wenn die Unterschiede in den Ausbildungsständen im Team sehr groß sind und sogar ein Projekt gefährden können. Man möchte halt nicht jeden Kollegen an alles heran lassen.In WordPress kann ein User alles, fast alles und sehr wenig. Da ist Joomla genauer, denn es hat in dieser Hinsicht schon fast Funktionen wie ein Redaktionssystem. Da ist auch mit Plugins nicht viel zu ändern, das ist der Historie von WordPress geschuldet.

Wer zählt die Dateien

Ein weiterer Schwachpunkt in WordPress ist die Mediathek. Für ein paar Bilder oder Datein ist die Mediathek in WordPress kein Problem. Hat man jedoch, wie in unserem Firmen-Projekt, Hunderte von Bildern und Dokumenten, gleicht das Wiederfinden eines Bildes oder Dokumentes einem Lotteriespiel. Zwar ordnet WordPress Dateien nach dem Datum des Hochladens, aber nach dem Einstellen von vielen Dateien innerhalb eines Monats hilft das wenig. In unserem Firmenprojekt mit fast 100 Produkten mit den zugehörigen Bildern, Installationsanleitungen, Datenblättern und Flyern standen wir zuerst vor einem Problem.

Erst wollten wir einen eigenen Ablageordner anlegen, unter Zuhilfenahme des File Managers, das hätte aber bedeutet, dass man alle Dateien händisch verwalten mussten anstatt die WordPress-internen Funktionen verwenden zu können. Eine wenigstens halbwegs praktikable Lösung fanden wir in dem Plugin Enhanced Media Library. Damit kann man Dateien in der Mediathek in Kategorien organisieren, so dass man Dateien Beiträgen oder Dateitypen zuordnen kann. Das lindert die geringe Sortierbarkeit in der Mediathek deutlich.

Vom Blog zum CMS

Trotzdem konnte ich mich mitWordPress als CMS nicht so recht anfreunden. Mir fehlten einfach die Gestaltungsmöglichkeiten wie in Joomla. Das änderte sich, als wir für das Firmen-Projekt von einer externen Agentur ein Template bestellten, das sich als auf dem Enfold Template basierend herausstellte. Enfold ist nicht nur ein Template, sondern beinhaltet nicht nur installierte, sondern integrierte Plugins und Tools, einen Editor für Seitenstrukturen und vieles mehr. So kann man Seiten mit unterschiedlichsten Elementen strukturieren:

Enfold-Strukturen

Enfold-Strukturen

Danach fügt man Inhaltselemente ein:

Medien behandelt Enfold auch separat mit passenden Plugins wie Lightbox:

Enfold-Medien

Enfold-Medien

Hinzu kommen bereits integrierte Plugins für eine Layer-basierte Slidebox, Media-Player und die bereits erwähnte Lightbox zum Zoomen und Darstellen von Bildern. Im Gegensatz zu den Plugin-Schlachten herkömmlicher Bauart sind diese integraler Bestandteil von Enfold.

Mit Enfold bekommt WordPress erst die Möglichkeiten, die man zum flexiblen und wirkungsvollen Gestalten benötigt. Man könnte sagen, dass es die Templates sind, die aus WordPress ein halbwegs brauchbares Web-CMS machen, was die Gestaltung angeht. Es behebt nicht die Probleme in der User-Verwaltung oder in der Mediathek. Es reichte jedoch, zusammen mit einigen weiteren Plugins, mich von WordPress zu überzeugen. Denn die Handhabung des Backends ist doch deutlich benutzerfreundlicher und schneller als in Joomla. Deshalb habe ich die 70 $ für Enfold investiert. Eine Investition, die ich nicht mehr missen möchte.

Was bringt’s dem Journalisten?

Das System WordPress + Enfold Template ist eine einfach zu bedienende, übersichtliche CMS-Oberfläche, die keine tiefgründigen Informatikkenntnisse voraussetzt. Trotzdem sehen die Ergebnisse professionell und ansprechend aus. Die gleichen Ergebnisse kann mit Joomla genau so erreichen, jedoch ist der Aufwand wesentlich höher und Joomla kann einen unbedarften Benutzer nicht nur am Anfang abschrecken. Die überschaubare Struktur in WordPress macht dieses CMS auch für Leute interessant und handhabbar, die eben nicht technisch orientiert sind und einfach nur schreiben möchten, nicht entwickeln. In diesem Sinne öffnete WordPress die Welt des Online-Journalismus auch nicht technischen Anwendern.

So läuft diese Site nun unter WordPress. Als Nächstes kommt die Multisite-Funktion in WordPress. Weil Web-Design auch Spaß machen kann.

Radio-Machen.de

Ein gut gepflegter und informativer Blog über das Radio-Machen ist der von Sandra Müller, unter der leicht zu erinnernden URL radio-machen.de. Sehr hilfreich und anschaulich sind die Hörbeispiele, die über die Hauptnavigation oben zu erreichen sind. Manchmal etwas plakativ, aber schon wert, einmal auf seine eigenen Ergüsse gespiegelt zu werden.

Neuer JMStV

,

Feilen, feilen, streichen

Man sucht nach einer Antwort, vermutet sie und dann kommt ein Buch um die Ecke und öffnet die Augen. So geschehen durch William Zinnser. Ich hatte immer das Gefühl, dass in meinen Texten zu viel Füllmaterial ist, dass es kürzer und mehr auf den Punkt gehen müsste, konnte aber nicht sagen, warum. Ich bin weiter.

Nehmen wir einen kurzen Textabschnitt von mir, den ich vor gezielter Beschäftigung mit dem Schreiben verfasst habe:

Diese, wie schon geschrieben, von Fatar bezogene OEM-Variante in Kunststoff ist ein wenig ein Mittelding zwischen Klavier- und Orgel-Tastatur, jedoch mehr Klavier. Ich würde sie auch als ein Mittelding zwischen gewichteter und halb-gewichteter Tastatur bezeichnen. Man kommt aber als Klavierspieler sehr gut mit ihr zurecht, sie spielt sich recht flüssig und stabil. Auffällig ist lediglich, wenn man sie mit einigen wenigen anderen Tastaturen vergleicht, dass die Oberfläche ein wenig klebrig ist. Auf der Bühne wird das kaum eine Rolle spielen, und zuhause merkt man es auch nur an seltenen Stellen.

Ganz selbstkritisch betrachtet, ist das eine Menge Müll. Diese, wie schon geschrieben …, wenn es schon geschrieben wurde, wird es der Leser noch wissen, also weg damit. Warum diese, die reicht und ist kürzer. Von Fatar bezogene …, es ist eine Fatar-OEM-Tastatur, selbst das OEM ist unwichtig und sagt nichts aus. Ein wenig …, also ist sie oder ist sie nicht? Und so weiter.

Würde ich unter diesen Gesichtspunkten den Absatz noch einmal schreiben, würde er so lauten:

Die Fatar-Tastatur aus Kunststoff ist ein Mittelding zwischen Klavier- und Orgeltastatur, liegt in der Gewichtung zwischen gewichtet und halbgewichtet. Als Klavierspieler kommt man mit ihr gut zurecht, sie spielt sich flüssig und stabil. Die Oberflächen der Tasten wirken etwas klebrig, was auf der Bühne nicht auffällt und zuhause nur in schnellen Läufen zu merken ist.

Punkt. Die Aussagen sind die gleichen, aber der Text ist straffer. Man mag einwenden, dass eine Bewertung eines Produktes eine subjektive Sache ist, und daher Relativierungen angebracht sind. Aber jede Produktbewertung ist subjektiv, und man sollte den Leser nicht für dumm halten.

Es hilft, seine Art zu schreiben, genau und bewusst unter die Lupe zu nehmen. Mache ich das mit meinen Texten, fällt mir eine Schwäche für die Wörter auch, eben, gar, vielleicht, wenig, eher und trotzdem auf. Ich denke, dass das Verwenden dieser Wörter an einer inneren Einstellung liegt. Auch im Eingangstext relativiere und verkümmere ich viele meiner Aussagen, anstatt zu sagen: So ist das und so sehe ich das. Zwar sollte man sich selbst nicht ernster nehmen als notwendig, doch zu seinen Aussagen sollte man stehen. Your mileage may vary, aber eine Analyse, warum ich bestimmte Füllwörter oder Relativierungen benutze, kann einen interessanten Einblick in meine Grundhaltungen ergeben. Andere mögen sicher, absolut, völlig, total als ihre Lieblingsfüller finden, aber die Schreiber haben ihr Problem auf der anderen Seite, sie wissen immer ganz genau, wo es entlang geht. Was nerven kann, weil es nicht um Information, sondern um Diktat geht.

Geht man mit sich selbst auch einmal kritisch um und gönnt man sich eine Reflexion dessen, was man schreibt, nähert man sich dem Leser an. Wenn ich informieren möchte, sollte ich das tun. Wenn ich überzeugen möchte, müssen Argumente und Fakten auf den Tisch. Wenn ich unterhalten möchte, kann es farbig oder sogar flapsig werden. Diese Ausrichtung auf die aktuelle Situation ist notwendig. Füllwörter sind dabei ein guter Anhaltspunkt, auf welchem Terrain ich mich vordergründig und hintergründig bewege. Eine Analyse seiner verzichtbaren Lieblinge hilft zu strafferen Texten, die auf den Punkt kommen. Füllmaterial kann schützen, es kann den Inhalt aber auch unauffindbar machen.