PlainEdit, Dreamweaver, Typo3, Joomla und nun WordPress

WordPress als Nachzügler

Meine ersten Seiten im Web habe so um 1995 online gebracht, zu einer Zeit, als man HTML noch mit einem normalen Texteditor schrieb. Und als CSS und JavaScript noch lange nicht erfunden waren. Später wechselte ich zu PlainEdit, der auch nicht viel mehr als ein Text-Editor war. Dagegen war dann Macromedia Dreamweaver Anfang des 21. Jahrhunderts geradezu Hochtechnologie. Es folgten etwas später die CMS-Systeme Typo3 und einige proprietäre Produkte, meine letzten Sites habe ich mit Joomla angelegt. Berufsbedingt kam nun auch WordPress ins Spiel. Diese meine aktuelle Site folgt den Entscheidungen des Unternehmens, für das ich arbeite. Mit allen Systemen, von Dreamweaver bis WordPress, habe ich inzwischen ausgesprochen „fette“ Projekte hinter mir, deshalb an dieser Stelle meine Erfahrungen mit WordPress als CMS und einige wenige Seitenblick dazu zu Joomla.

Systemvergleiche

Was Installation und Handhabung angeht, sind Joomla und WordPress  nicht wesentlich unterschiedlich. Es gibt ein Frontend und ein Backend, bei WordPress scheint immer noch die Blog-Software durch, während Blogs bei Joomla eher ein Nebenprodukt sind. WordPress ist immer noch die ernsthaftere Blog-Version, Joomla hat Blogs mehr als ein Me-Too. Dementsprechend ist WordPress zum Bloggen bequemer und konsistenter, es automatisiert die Organisation von sich aus. Dafür sind statische Seiten in WordPress eher aufgesetzt, sie wirken noch immer etwas exotisch.

Die Historie und der Anspruch

Joomla war von Anfang an als vollständiges Web-CMS gedacht, WordPress nur zum Bloggen. Dementsprechend sind in Jooma wesentlich mächtigere und weitreichendere Funktionen implementiert. Joomla erlaubt den Einfluss auf viele Aspekte des Contents, WordPress ist da eingeschränkter. Allein das Widget-Konzept in Joomla erfordert eine ganz andere Form von Hauptmenu, befreit aber auch von Designschranken. Das Resultat ist, dass das Backend in WordPress deutlich übersichtlicher ist, während man sich in Joomla gerne verläuft. War das jetzt ein Beitrag, ein Modul oder eine Funktion? Auch ist die Auswahl in Joomla bezüglich Tools und Plugins wesentlich größer. Bei einer Wahl zwischen Joomla und WordPress kann das ein entscheidender Faktor sein.

So hat man in WordPress nicht die Möglichkeiten, Beiträge nach Kategorien oder Autoren zu sortieren und Menus unter solchen Gesichtspunkten zu sortieren. Überhaupt sind die Menu-Funktionen in Joomla nicht mit denen in WordPresszu vergleichen. Die Frage an dieser Stelle ist also, wie komplex ich es eigentlich brauche. Wenn ich nur Seiten gestalten möchte, mit ein paar Bildern und einem überschaubaren Hauptmenu, kann dann WordPress die bessere Wahl sein. Jedoch hat die Historie auch noch andere Auswirkungen, die entscheidend sein können. Aber nicht müssen.

In zwei Aspekten ist dieser historische Ansatz jedoch spürbar und kann in Projekten bestimmter Art bemerkbar sein.

User ist nicht gleich User

Joomla hat in der User-Verwaltung und damit in den Rechten, wer was tun darf, eine wesentlich feinere Gliederung. Für ein Einzelprojekt spielt das kaum eine Rolle. Habe ich jedoch ein großes Team, wo die Einen nur schreiben, die Anderen aber auch verwalten dürfen, sind solche Unterscheidungen in WordPress nicht möglich. Das kann Hürden aufbauen, wenn die Unterschiede in den Ausbildungsständen im Team sehr groß sind und sogar ein Projekt gefährden können. Man möchte halt nicht jeden Kollegen an alles heran lassen.In WordPress kann ein User alles, fast alles und sehr wenig. Da ist Joomla genauer, denn es hat in dieser Hinsicht schon fast Funktionen wie ein Redaktionssystem. Da ist auch mit Plugins nicht viel zu ändern, das ist der Historie von WordPress geschuldet.

Wer zählt die Dateien

Ein weiterer Schwachpunkt in WordPress ist die Mediathek. Für ein paar Bilder oder Datein ist die Mediathek in WordPress kein Problem. Hat man jedoch, wie in unserem Firmen-Projekt, Hunderte von Bildern und Dokumenten, gleicht das Wiederfinden eines Bildes oder Dokumentes einem Lotteriespiel. Zwar ordnet WordPress Dateien nach dem Datum des Hochladens, aber nach dem Einstellen von vielen Dateien innerhalb eines Monats hilft das wenig. In unserem Firmenprojekt mit fast 100 Produkten mit den zugehörigen Bildern, Installationsanleitungen, Datenblättern und Flyern standen wir zuerst vor einem Problem.

Erst wollten wir einen eigenen Ablageordner anlegen, unter Zuhilfenahme des File Managers, das hätte aber bedeutet, dass man alle Dateien händisch verwalten mussten anstatt die WordPress-internen Funktionen verwenden zu können. Eine wenigstens halbwegs praktikable Lösung fanden wir in dem Plugin Enhanced Media Library. Damit kann man Dateien in der Mediathek in Kategorien organisieren, so dass man Dateien Beiträgen oder Dateitypen zuordnen kann. Das lindert die geringe Sortierbarkeit in der Mediathek deutlich.

Vom Blog zum CMS

Trotzdem konnte ich mich mitWordPress als CMS nicht so recht anfreunden. Mir fehlten einfach die Gestaltungsmöglichkeiten wie in Joomla. Das änderte sich, als wir für das Firmen-Projekt von einer externen Agentur ein Template bestellten, das sich als auf dem Enfold Template basierend herausstellte. Enfold ist nicht nur ein Template, sondern beinhaltet nicht nur installierte, sondern integrierte Plugins und Tools, einen Editor für Seitenstrukturen und vieles mehr. So kann man Seiten mit unterschiedlichsten Elementen strukturieren:

Enfold-Strukturen

Enfold-Strukturen

Danach fügt man Inhaltselemente ein:

Medien behandelt Enfold auch separat mit passenden Plugins wie Lightbox:

Enfold-Medien

Enfold-Medien

Hinzu kommen bereits integrierte Plugins für eine Layer-basierte Slidebox, Media-Player und die bereits erwähnte Lightbox zum Zoomen und Darstellen von Bildern. Im Gegensatz zu den Plugin-Schlachten herkömmlicher Bauart sind diese integraler Bestandteil von Enfold.

Mit Enfold bekommt WordPress erst die Möglichkeiten, die man zum flexiblen und wirkungsvollen Gestalten benötigt. Man könnte sagen, dass es die Templates sind, die aus WordPress ein halbwegs brauchbares Web-CMS machen, was die Gestaltung angeht. Es behebt nicht die Probleme in der User-Verwaltung oder in der Mediathek. Es reichte jedoch, zusammen mit einigen weiteren Plugins, mich von WordPress zu überzeugen. Denn die Handhabung des Backends ist doch deutlich benutzerfreundlicher und schneller als in Joomla. Deshalb habe ich die 70 $ für Enfold investiert. Eine Investition, die ich nicht mehr missen möchte.

Was bringt’s dem Journalisten?

Das System WordPress + Enfold Template ist eine einfach zu bedienende, übersichtliche CMS-Oberfläche, die keine tiefgründigen Informatikkenntnisse voraussetzt. Trotzdem sehen die Ergebnisse professionell und ansprechend aus. Die gleichen Ergebnisse kann mit Joomla genau so erreichen, jedoch ist der Aufwand wesentlich höher und Joomla kann einen unbedarften Benutzer nicht nur am Anfang abschrecken. Die überschaubare Struktur in WordPress macht dieses CMS auch für Leute interessant und handhabbar, die eben nicht technisch orientiert sind und einfach nur schreiben möchten, nicht entwickeln. In diesem Sinne öffnete WordPress die Welt des Online-Journalismus auch nicht technischen Anwendern.

So läuft diese Site nun unter WordPress. Als Nächstes kommt die Multisite-Funktion in WordPress. Weil Web-Design auch Spaß machen kann.

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