Eine Art von Wiedersehen

Ford Escort

Ford Escort

Als ich im Februar 1976 mit meinem alten Ford Escort losfuhr, ohne genaue Pläne und nicht ahnend, dass ich in eine der größten Schneekatastrophen des 20. Jahrhunderts hinein fuhr, war Großbritannien noch das, was viele Deutsche denken, wie es heute noch ist. Wo Frauen in buntem Fummel und BH am Strand sitzen, lauwarmen B-Sorten-Kaffee aus Plastikbechern trinken, Fish & Chips in alte Zeitungen verpackt werden und Omas im Morgenmantel und mit Lockenwicklern einkaufen gehen. In dieser Zeit ruhen die Wurzeln meiner Liebe zu diesem Land, noch heute habe ich die Bilder von den alten Stadtmauern von Conwy, von den Festungsmauern in Caernarfon und die vom Hafen in Holyhead im Kopf, sie begleiten mich seit meiner Jugend. Es war meine heftigste private Reise auf der Insel bisher, nur freundlichen LKW-Fahrern und der Unermüdlichkeit des alten Kent-Motors – Ford-Fahrer und -Schrauber meiner Generation wissen, was ich meine – ist es zu verdanken, dass die Geschichte glimpflich abging. Diese Unbekümmertheit und Sorglosigkeit der Jugend hätte ich manchmal gerne zurück. Oder auch lieber nicht, denn in Massen von Schnee zu ersaufen und auf Schnee am Strand Richtung Dover zu kriechen, wäre heute nicht mehr mein Bier.

Der größte Vorteil meines umgebauten UK-Modells zum Fahren auf der Insel war sicher der Tacho in Meilen und die zölligen Schrauben und Muttern, so trug mich damals das Auto über 3000 Kilometer bis nach Schottland hinein. Die M6, M3, M4 und M25 existierten übrigens noch nicht. Nur Landstraßen, dann sind 3000 Kilometer eine unendliche Strecke. In vierzehn Tagen.

Mount Snowdon

Mount Snowdon

Aber noch in einem anderen Sinne ist das ein alter und neuer Urlaub, nämlich der erste seit fast 30 Jahren, den ich alleine angehe, ohne Kinder, Partner oder Freunde. Zum ersten Mal wieder auf sich allein gestellt, aber auch frei in allen Entscheidungen. Und so geht es nun auf nach Westen, nach einem Zwischenstopp in Essen und dann weiter nach Dover, bis in das Naturschutzgebiet und Wanderzentrum Snowdonia, gelegen im Norden von Wales. Nämlich rund um den Mount Snowdon, den höchsten Berg in Wales. Eine Woche werde ich dieses Gebiet erwandern, bevor es am 25. Juni wieder Abschied nehmen heißt, und die lange Reise noch einmal rückwärts stattfindet.

Die ursprünglich weitere Woche, geplant im Lake District, muss auf Spätsommer oder Herbst verschoben werden. So kurzfristig waren keine B&Bs zu akzeptablen Preisen mehr zu finden.

Über Snowdonia

Snowdonia Panorama

Snowdonia Panorama

Snowdonia, walisisch Eryri, ist eine Region in Nordwales und Nationalpark seit 1951, es war der dritte der drei Nationalparks in Großbritannien nach Peak District und Lake District. Das Gebiet erstreckt sich über 2170 Quadratkilometer, darin enthalten eben der höchste Berg in Wales, der Mount Snowdon, mit einer Höhe von 1085 Metern. In früheren Zeiten nannte man nur ein kleines Gebiet rund um Gwynedd, nahe dem Mount Snowdon, Snowdonia, später, mit der Gründung des Nationalparks, wurde daraus ein doch recht großes Areal.

Mehr als 26.000 Menschen leben innerhalb des Parks, davon sprechen über 60% Walisisch, genauer: Nordwalisisch, das sich von der südlichen Version in Schreibung und Sprechung unterscheidet.

In Südwales sprechen wegen des stärkeren englischen Einflusses heute nur mehr ca. 30% der Bewohner Walisisch. Über sechs Millionen Besucher zieht der Park im Jahr an, mehr als die Hälfte sind Urlauber, die mehrere Tage bleiben, überwiegend Wanderer, denn Snowdonia ist trotz der großen touristischen Bedeutung relativ unberührt geblieben. Dies gilt insbesondere für die Bergregionen, die Täler sind überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Und natürlich touristisch, die Abgeschiedenheit und Ruhe wie auf Gower ist dort nicht gegeben. Und doch gibt es eine Menge Wege und Ecken, wo man allein ist und Natur pur genießen kann.

Denn man los …

In Dover ist es keine Frage, in Snowdonia ist es wegen des nun doch schon beschränkten Angebotes das Muriau Park Guest House nahe Caernarfon geworden. Sieht aber nicht übel aus, und hat eben einen größeren Ort nur zwei Meilen entfernt. Und da das Haus WiFi hat, gibt es dann jeweils abends den aktuellen Stand an Bildern und Berichten.

Freitag, 17. Juni 2011: A home from home

Was gibt es Neues zwischen Venlo und Dover? Eindhoven ist nun noch besser ausgebaut, alle Autobahnen sind nagelneu, allerdings ist eine Abfahrt verlegt worden, nämlich die nach Antwerpen. So bin ich erst einmal daran vorbei gerauscht. Also aufpassen, man muss jetzt anders abbiegen. Die Belgier bekommen neue Autokennzeichen, die lauten jetzt nicht mehr ABC123 oder so, sondern 1-ABC-567. Dafür wird nach dem inneren Teil von Antwerpen nun auch der äußere Autobahnring umgebaut. Mit Staus ist zu rechnen. Die Belgier pflastern die Landschaft mit Windkraftwerken, die alle eine rote Bauchbinde haben. Also ist nicht nur Deutschland auf diesem Weg, und die Franzosen spinnen. Nur dass wir im Fall der Fälle deren Nuklear-Dreck auch abbekommen.

Es regnet, zum Glück schneit es nicht. Betty und Alastair geht es gut wie immer, vor der Tür ist eine große Baustelle.

Dover Castle

Dover Castle

Nach bald zehn Jahren habe ich es geschafft: ich war im Dover Castle! Leider nicht im Krankenhaus-Teil, sondern in der Kommando-Zentrale der Operation Dynamo im Zweiten Weltkrieg. Beeindruckend war es trotzdem.

Dover Castle

Dover Castle

So, ich muss jetzt duschen und dann Bier trinken.

Samstag, 18. Juni 2011: Dover, London, Birmingham, Chester, Bangor, Caernarfon

M25

M25

Pünktlich aus Dover los gekommen, noch mit einer amerikanischen und einer australischen Famile plus zwei älteren Ladies aus Liverpool gefrühstückt, Alastair hat wieder sein Bestes gegeben. Frühstück im Churchill Guesthaus bleibt ein Erlebnis. Dieses Mal eine andere Strecke Richtung London, nämlich A2 nach Canterbury, dann M2 Richtung London und man kommt auf die M25 North. Die Strecke ist schnell und gut, wenn eben die M25 nicht wäre.

M6 North

M6 North

War dann doch ein ganz schöner schöner Ritt. Baustellen auf der M25, M1 und M6, einige Staus, erst ab der M6 TOLL (ein Maut-pflichtiger Abschnitt der M6) ging es flüssig. Langweilig ist die Strecke nicht, aber sie zieht sich eben, es waren 600 Kilometer, die sechseinhalb Stunden gefressen haben. Es war mal wieder eine Erholung, hier zu fahren, kein Drängeln, kein Stress beim Fahren.

Um so schöner dann kurz hinter Chester das plötzliche Auftauchen des Berge rund um den Mount Snowdon, und ab Conwy geht einem eigentlich das Herz auf, die Strecke wird abwechselungsreich mit den Hängen und Bergen, schlängelt sich an der Küste entlang, geht durch Tunnel und über Brücken.

Snowdonia

Snowdonia

Die Unterkunft entpuppt sich nicht gerade als Highlight, hat schon bessere Tage gesehen, aber ist akzeptabel und sauber. Dafür wird man sehr freundlich begrüßt, das Frühstück scheint mehr als reichlich zu sein, die Dusche ist bestens, in UK keine Selbstverständlichkeit. Zwar liegt das Haus an der A578, eine wichtige Durchgangsstraße nach Portmadoc, aber mein Zimmer geht zur Rückseite, und jetzt um kurz nach neun ist es sogar völlig still.

Caernarfon

Caernarfon

Erster Abstecher nach Caernarfon. Parkt man an der Marina, hinter der Burg, gelangt man fast automatisch in den neueren Teil des Ortes, und hat erst mal den Kaffee auf. Erinnerte mich stark an Swansea, aufgelassene Geschäfte, verlottert, einfach jenseits von nett. Geht man dann zurück und auf die Rückseite der Burg, wo auch der Eingang zur Burg liegt, kommt man in die Altstadt innerhalb der alten Festungsmauern.

Caernarfon

Caernarfon

Dann fällt der Groschen, kleine Gässchen, tausend Pubs, Bistros und Cafes, kleine Geschäfte und viele kleine Wege, die kreuz und quer durch den Ort führen. Hier ist Caernarfon tatsächlich gemütlich, die Promenade lädt zu einem weiteren Bogen ein. Nun hatten wir tatsächlich Sonne satt, trotz der paar heftigen Schauer tagsüber auf der Strecke. Auf einer Bank sitzen und nach Anglesey herüber schauen, eine Zigarette rauchen, einfach den Tag auslaufen lassen.

Und in der Altstadt findet man dann auch genug Gelegenheiten zum Essen, vom Sandwich bis zum fünfgängigen Menü. Die Burg erschlägt einen fast zuerst, eine solche Anlage habe ich bisher noch nicht gesehen. Ein unglaubliches Monster, die Burgmauern umfassen zusätzlich noch die gesamte Altstadt. Es stimmt übrigens. Geht man durch Caernarfon, unterhalten sich mindestens ein Drittel der Leute auf Walisisch, selbst Leute in den Zwanzigern, an der Promenade auch ein paar Kinder.

Dann mal das Wetter morgen abwarten. Sollte es trocken sein, gibt es eine erste Tour. Sollte es regnen, ist die Burg dran.

Oh, come off …

Was mich immer wieder erstaunt, ist die Gelassenheit und Ruhe der Briten. Ob im Stau auf der Autobahn, im kleinen Tesco hier die Straße herunter, oder in der Raststätte. Es wird nicht gehetzt, es wird nicht gedrängelt und geschoben, nirgendwo kommt Hektik auf. Es wird aber auch nicht getrödelt oder lahmarschig durch die Gegend gelaufen. Es ist fast immer auf den Punkt, gelegentliche Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich habe immer noch nicht heraus bekommen, warum das so ist, oder ob das eben dieser common sense ist. Der Witz ist, dass dort, wo nicht gedrängelt oder gehetzt wird, es läuft. Im Gegensatz zu den deutschsprachigen Ländern oder Italien.

Auf dem Parkplatz steigen Leute nebenan ein, meistens wird man angelächelt und gegrüßt, je älter die Leute, desto zuverlässiger. Ich habe auch noch nie eine pampige Bedienung hier erlebt. Läuft man jemandem im Supermarkt in den Weg, wird sich entschuldigt.

Dieses Land verblüfft mich immer wieder. Wahrscheinlich komme ich auch deshalb so oft zurück.

Sonntag, 19. Juni 2011: Mount Snowdon, Ranger Path

Mount Snowdon

Mount Snowdon

Mit 1085 Metern Höhe ist der Mount Snowdon der höchste Berg in Snowdona, und in Wales, nicht in Großbritannien. Also habe ich beschlossen, den mal als erstes zu machen, und damit das gleich ordentlich wird, über den längsten und höchsten Anstieg, den Ranger Path. Nein, genau so war das nicht. Das war ganz anders. Obwohl er sich hier gerade in Wolken hüllt. Aber das sollte sich ändern.

Eigentlich war die Planung so, dass ich eine kleine Runde zum Warmwerden in der Nähe von Beddgelert machen wollte. Also die A4085 Richtung Beddgelert. Nach einiger Zeit kommen mir doch Zweifel, ob dies so die richtige Straße sei. Dartmoor-Verhältnisse, die Straßen maximale zwei schmale Spuren breit, eingefasst von massiven Bruchsteinmauern. Ein See taucht auf, Llyn Cwellyn, ich fahre auf einen Parkplatz an diesem See, und ein Blick auf die Karte offenbart, dass ich nach über einer halben Stunde Fahrt nicht mal die Hälfte der Strecke geschafft hatte. Fazit: Strecken hier in Snowdonia können ganz schön lang sein, obwohl sie auf der Karte übersichtlich aussehen. Und das Fahren hier braucht Zeit, oft muss angehalten werden, weil für zwei Autos kein Platz ist. Die Landschaft ist beeindruckend, Felder, Wiesen, Hänge, uralte Häuschen, Grün wohin man schaut. Und Berge.

Auf dem Weg zum Mount Snowdon

Auf dem Weg zum Mount Snowdon

Was nu? Hier ein bisschen Wandern? Habe ja die Karte dabei. An dem gut angelegten Parkplatz steht ein Schild, dass hier der Ranger Path beginnt, der auf den Mound Snowdon führt. Ok, so dicke muss es heute ja nicht werden, fast 1000 Meter Höhenunterschied sind zu machen, 3 + 3 Stunden Gehzeit sind angegeben, Hinweise auf ausreichende Ausrüstung. So gehe ich einfach mal los. Mal sehen. Ich und meine Spontantouren.

Auf dem Weg zum Mount Snowdon

Auf dem Weg zum Mount Snowdon

Der Weg schlängelt sich zuerst am Hang in Serpentinen aufwärts, geht dann in eine lange Strecke durch Hochflächen über. Am Ende der Strecke ist zu sehen, dass der Weg nun in eine Steilstrecke übergeht, die zum Mount Snowdon herauf führt. Dieser hüllt sich immer noch in Wolken. Macht es Sinn weiter zu gehen? Schaun wir mal. Ich steige den Hang zum Gipfel hinauf, und je höher ich komme, desto mehr ziehen sich die Wolken zurück.

Mount Snowdon, Gipfel

Mount Snowdon, Gipfel

Als ich auf den Gipfel ansteige, verziehen sich die Wolken, ich komme in Sonnenschein am Gipfel an, auch wenn es ziemlich kalt und windig geworden ist. Am Gipfel ist die Hölle aufgebrochen, denn eine Zahnradbahn fährt von Llanberis hier heraus, die Stapel von Fußkranken auf den Gipfel bringt. Ein paar Fotos und ich ziehe mich wieder auf den oberen Hang zurück, mache Rücksackmahlzeit und beginne den Abstieg. Und frage mich ernsthaft, welche Macht mich bisher hinauf getrieben hat. Es zieht sich zu, aber ich bleibe trocken.

Mount Snowdon, Gipfel

Mount Snowdon, Gipfel

Der Weg ist kein Spaziergang, speziell das letzte Drittel nicht, man muss durch Geröll steigen, ich bin froh, meine Hochschäfter angezogen zu haben. 1000 Meter Höhenunterschied mit Steigen und Klettern gehen auf die Knochen, ich bin teilweise nass geschwitzt. Zurück am Auto schmerzen meine Oberschenkel und ich bin geschafft. Aber: die Ausblicke auf dieser Strecke sind so unglaublich schön, dass ich oft Minuten stehen bleibe.

Es ergeben sich auch immer wieder neue Stellen, an denen man in die unterschiedlichsten Ecken schaut, und man glaubt auch hier nicht, in Großbritannien zu sein. Diese Gegend, Snowdonia, ist ein Kracher, ich habe selten so schöne Landschaften, so begeisternde Sichten gehabt. Ob in den Tälern oder hier oben in den Bergen.Manchmal musste ich mich geradezu losreißen und weiter gehen. So beeindruckend habe ich mir diese Tour nicht vorgestellt, und jede Anstrengung lohnt sich.

Vom Mount Snowdon

Vom Mount Snowdon

Jetzt einen Kaffee. Ich fahre eher verdachtshalber die Straße noch ein Stück weiter und komme nach Rhyd Ddu, eher eine Siedlung als ein Ort. Und komme am Tý Mawr B&B and Tea Room vorbei. Ich traue mich hinein, und bekomme super leckeren Kaffee, selbstgemachte Scones mit Butter und Marmelade. Und das in einem wunderschönen kleinen Raum, ausgestattet mit Bildern und Gegenständen aus den Niederlanden, zum kleinen Preis. Dieses Cafe ist klasse, nach dem Tripp auf den Mount Snowdon nicht entgehen lassen. Und es läuft Musik … Miles Davis. Eine Atmosphäre zum Wohlfühlen, und eine unglaublich freundliche und nette Bedienung, die beiden Inhaber. Ich komme mit ihm über Miles Davis ins Gespräch. Nicht über die Niederlande.

Zurück nach Caernarfon, duschen und zurück in die Stadt. Buch, Pommes aus einer Imbissbude (weil am Sonntag hier alles dicht ist), auf die Promenade setzen, Seele baumeln lassen, die Sonne genießen. Super Tag heute. Super Wetter, super aua Oberschenkel, und ich beginne, mich an die Gegend zu gewöhnen und mich hier auch ein Stückchen zuhause zu fühlen.

Montag, 20. Juni 2011: Der Y Garn, und was daraus wurde

Y Garn, oder was ich dafür hielt

Y Garn, oder was ich dafür hielt

Morgens blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Also heute auf zum Y Garn, einem weiteren Berg, beschrieben in den 50 Walks, siehe unten. Auf die A55 hoch, die A5 herunter nach Bethesda, ein Stück weiter bis zum See namens Llyn Ogwen (spricht sich Chlin Oguenn), der Parkplatz mit den Toiletten und dem kleinen Laden ist nicht zu übersehen. Links daneben geht der mit riesigen Steinen gepflasterte Weg hoch zum nächsten See, Llyn Idval. Ein Stück um den See herum, nichts Atemberaubendes, aber schön und lauschig. Eigentlich hätte der Weg zum Y Garn schon längst nach rechts abgehen müssen …

Blick zurück

Blick zurück

Der Weg kommt, und ich gehe hoch. Erst steigt er steil in Geröll an, geht dann in ein steiles Felsenmeer über. Ab hier ist Klettern angesagt. Zweifel überkommen mich, ob der Autor von 50 Walks wohl Sadist sei, aber ich klettere weiter, komme an eine Stelle, wo ich nicht mehr sehe, wie es noch weiter gehen könnte. Ich setzte mich auf einen Felsen, genieße die grandiose Aussicht und überlege, es bleiben zu lassen und wieder abzusteigen. Eine Gruppe von vier jüngeren Männern kommt hoch, einer sagt, es sei schon richtig so, ich nehme allen Mut zusammen und klettere weiter. Über mir sind nur senkrechte Felswände zu sehen, da will ich durch? Ich zweifle an meinen Absichten. Der Schweiß tropft mir aus den Haaren auf die Hose und läuft mir in die Augen. (Das Bild links ist noch aus dem gelinderen Abschnitt …)

Vom Glyder Fawr

Vom Glyder Fawr

Ca. 500 Höhenmeter sind so kletternd zu erledigen, manchmal reicht meine Steighöhe so gerade aus, um hoch zu kommen. Dann erreiche ich den oberen Sattel, eine große Freifläche, Pause, eine Banane, das Wasser ist schon zuneige. Eine ganze Reihe Leute sitzen hier, ruhen sich für die letzten 100 Höhenmeter mit weiterem Steigen aus. Weiter, den steilen Geröllhang hoch, und ich erreiche über noch mehr Felsen den Gipfel. Geschafft. Hinter mir ein Amateurfunker, der von hier Kontakte um die ganze Welt knüft. Wie hat der den Kram hier hoch bekommen? „Unicorn – Alpha – Five – Zero – Xray, broadcasting from Glyder Fawr, Snowdonia with 2 Watts mobile.“ Ach, öh, mal auf die Karte sehen, ich bin nicht auf dem Y Garn, sondern auf dem Glyder Fawr, noch 50 Meter höher und ganz andere Ecke, nun, auch gut. Wenn ich schon mal hier bin.

Ausblick vom Glyder Fawr

Ausblick vom Glyder Fawr

Die Aussichten wie immer atemraubend, es ist unglaublich schön. Ich packe meine Brötchen und meinen Thunfisch aus, Kohldampf bis unter die Arme, komplett nass geschwitzt, mir läuft der Schweiß in die Unterhose. Bleibe eine ganze Weile zum Staunen sitzen und frage den Funker vorsichtig, wie ich denn hier wieder herunter komme. Er zeigt mir den Weg auf der Karte, warnt mich noch, nicht diesen zu steilen, sondern den anderen längeren Abstieg zu nehmen. Ich bedanke mich und gehe los.

Nur ist der beschriebene Weg nirgendwo zu finden. Ich komme stattdessen in einen Abhang, und mir bleibt nichts anderes übrig, als mich diesen Abhang herunter zu arbeiten, oder wieder zum Gipfel hoch zu steigen. Ich entscheide pro Abhang. 600 Höhenmeter Geröll, Felsen und Sumpf werden teilweise auf allen Vieren herunter gekrabbelt. Nach einer Stunde erreiche ich wieder flacheres Gebiet und beschließe, die gesichtete Straße zurück zu gehen, welche ich für die A5 halte, die zum Llyn Ogwen zurück führt.

Nach gut einer Stunde gelange ich in ein Dorf, es ist Capel Curig. Die Straße war nicht die A5, sondern die A4086, ich bin noch gut sechs Kilometer von meinen Auto entfernt, ich bin komplett falsch gelaufen. Glück im Unglück: von Capel Curig fährt in 25 Minuten der Bus S2 zum Llyn Ogwen, sagt der Mann in dem kleinen Laden, ich bekomme im Store noch eine Flasche Wasser und einen Kaffee. Und habe genug Zeit für zwei Zigaretten und ein paar Kekse vom Restproviant. Der Liter Wasser läuft so die Kehle herunter. Der Nescafe schmeckt köstlich. 17:20h, der Bus kommt pünklich und bringt mich zum Parkplatz zurück. Noch zum Morrison’s, etwas einkaufen.

Bistros alle schon geschlossen, meine Verzweifelung treibt mich in den McDonald’s, wenigstens ein paar Pommes oder einen Salat. Surprise, surprise, bei McDonald’s UK gibt es auch vegetarische Wraps und Sandwiches! Ein Wrap mit einem Gemüse-Burger, Salat und Chilisauce, 2.65£, lecker und ohne Geschmacksverstärker. Merken. Schmerzende Oberschenkel, zwei große Blasen an den Zehen und am Sprunggelenk, Durst ohne Ende, müde wie Hund. Aber schön war’s doch …

Snowdonia ist nicht das Sauerland, schon gar nicht der Teuto

Einige Dinge haben ich am Anfang unterschätzt. Als da wären: die Strecken sind immer länger, als man denkt, egal, ob mit dem Auto oder zu Fuß. Ausgeschilderte Wege sind ganz rar, Markierungen gibt es nicht, manche Wege muss man sehen, erspüren, erfühlen sozusagen. Oder neu erfinden. Drittens: die Berge in Snowdonia sind nicht der Köterberg, sie sind schroff, steil, steinig, felsig. Der Mount Snowdon über den Ranger Path war nicht wirklich schwierig, aber doch oft ausgesetzt und steil, gelegentliches Klettern war drin. Der Weg zum Glyder Fawr war nichts für Anfänger. Und ich habe schon einige Touren in den Dolomiten hinter mir, so in den Felsen klettern, mit 500 Metern Luft unter mir wie heute, ist eine andere Geschichte.

Keine Wege unvorbereitet gehen, die Orientierung in diesen Dutzenden von Bergen und Felsen ist nicht trivial. Der See dahinten kann noch der sein, von dem man los gegangen ist, kann aber auch ein ganz anderer sein. Dann lieber gut dokumentierte Wege gehen und auf der sicheren Seite bleiben. Die Tour heute war hart an meinen Grenzen, und ich bin nicht empfindlich. Viele Touren hier sind anspruchsvoll, dementsprechend sollte man vorbereitet sein. Das Wetter ist launisch, Netz gibt es in den Bergen eh nicht, genug Wasser und Kalorien sind essentiell. Bist Du wirklich sicher, wo Du da hin gehst? Weißt Du noch wirklich, wo Du inmitten dieser aufragenden Felsen bist?

Snowdonia ist wunderschön, berauschend manchmal geradezu, aber nicht simpel. Und die Berge sind keine Spaziergänge, wegen ihrer Steilheit und Schroffheit. Und weil es keine Wegmarkierungen gibt, gibt es manchmal noch nicht einmal Wege. Nur Ahnungen oder Richtungen. Auf die kann man sich verlassen, oder lieber zurück gehen.

Morgen früh Rührei, hashed browns, gegrillte Tomate, Pilze, brown toast and marmelade, Tee und Obst. Morgens aufstehen, das Fresschen waschen und sich an den Tisch setzen. It’s a wonderful life.

Dienstag, 21. Juni 2011: Llandudno, Conwy, Bangor, Caernarfon, Llanberis, Pen Y Pass

Llandudno

Llandudno

Wo fange ich jetzt an? Am besten beim Wetter, das war heute morgen eher trübe und verhangen. Passte meine sentimental journey doch bestens. Auf die A487, die A55 und ab nach Llandudno, einem meiner Orte damals, vor langer Zeit.

Im Gegensatz zu vielen anderen britischen Seebädern hat sich Llandudno (sprich: Chlandidno) seinen Charme und seine Lebendigkeit erhalten. Ich erkannte als erstes die Promenade mit dem Pylonen wieder, und das Grand Hotel. Diese Stadt lebt, es ist quirlig und abwechselungsreich, keine geschlossenen und aufgelassenen Geschäfte, tausend kleiner Läden, vom 1£-Buchladen über chinesische Heilkräuter-Shops bis zu den großen wie M&S oder Debenham’s. Shopping total, für jeden.

Llandudno

Llandudno

Kleine Haushaltswaren-Geschäfte, das Auge (und Portemonnaie) findet keinen Halt. Aber alles ist sauber und aufgeräumt, nicht wie es leider in anderen Orten zu finden ist. Llandudno macht Spaß. Noch immer ist es das große Seebad hier im Norden, selbst in dieser Zeit vor den Ferien ist es ziemlich voll, alle Büdchen, sei es Groschengrab oder Cafe, sind geöffnet und belagert, das Angebot vielfältig, aber nicht wirklich plump. Britisches Pier eben, man mag es oder nicht. Schön, wieder hier gewesen zu sein. Ganz nebenbei hat mir der freundliche Optiker meine verbogene Brille wieder angepasst, die mir am Glyder Fawr dauernd von der Nase gefallen ist, durch den Schweiß. Natürlich nichts berechnet, obwohl ich meine nächste Brille wohl kaum bei ihm ordern werde. Es gibt doch noch Freundlichkeit unter den Menschen. Wenigstens hier.

Conwy

Conwy

Nur ein paar Meilen weiter wartet der nächste Stop auf dieser Reise in die Vergangenheit: Conwy. Conwy ist bekannt für seine fast komplett erhaltene Burg und mittelalterliche Innenstadt. Um Conwy wirklich zu erkunden, braucht man Tage, es ist nicht zu glauben, wie viel es in diesem Örtchen zu sehen gibt.

Conwy

Conwy

Wenn ich nach Conwy hinein komme, habe ich das Gefühl, erst vor wenige Monaten das letzte Mal hier gewesen zu sein. Dieses Städtchen hat sich tief in meine Erinnerungen eingegraben, ich kenne jeden Winkel und jede Straße, wenig hat sich in den 30 Jahren verändert. Der Schnapsladen ist von der Ecke oben etwas weiter herunter gezogen, dafür ist an der Ecke jetzt ein Zeitschriftengeschäft. Dort, wo ich damals für wenige Pfund eine Schüssel voll frische panierte Shrimps genossen habe, ist jetzt ein Café.

Conwy

Conwy

Und das Castle Hotel, in dem ich damals eher aus Verzweifelung gelandet und geblieben bin, ist immer noch da. Nur jetzt Viersterne-Haus und die Preise haben sich vervierfacht. Aber der Empfang, das Restaurant, der Aufenthaltsraum, die Treppe nach oben, nichts hat sich wesentlich verändert über 30 Jahre.

Castle Hotel

Castle Hotel

Ich gehe hinein, ein Ober spricht mich an, ich erzähle meine Geschichte und er führt mich durch das Hotel und erzählt, was sich wohl verändert haben muss. Die Tür zum Pub ist jetzt auf der anderen Seite, der Teppich ist raus und die Bodenfliesen aus dem 18. Jahrhundert sind renoviert.

Nur unwillig verlasse ich dieses Hotel wieder, mit ihm sind viele Erinnerungen verbunden.

Conwy

Conwy

Conwy ist in die Neuzeit transportiertes Mittelalter. Die Burg, die vollständig erhaltene Stadtmauer, der Hafen, die Tudor-Häuser. Conwy ist einzigartig, wer in der Gegend war und Conwy nicht gesehen hat, hat Wesentliches verpasst.

Es fällt nicht leicht, Conwy wieder hinter mir zu lassen, ich gehe noch einmal zum Hafen hinunter, genehmige mir noch einen Kaffee, bekomme im Spar meine Lieblings-Marmelade, plündere den National Trust-Shop, nun weiter nach Bangor, der nächsten Etappe.

Bangor

Bangor

Mit Bangor haben mich meine Erinnerungen wohl getäuscht, ich war noch nie da. Bangor ist simpel, nichtssagend und langweilig, einfach eine durchschnittliche britische Stadt, wenn auch mit Kathedrale, aber die reißt es jetzt auch nicht mehr heraus. Ist Einkaufsstadt, neben einem Riesen-Tesco gibt es noch Aldi und Lidl. Aber sonst nichts, was nennenswert wäre. Ich finde noch nicht mal eine akzeptable Location für einen Nachmittags-Kaffee.

Caernarfon Marina

Caernarfon Marina

Dafür lieber zurück nach Caernarfon, das Café an der Marina ist sehr nett, ein Teil des neuen Caernarfon, man kann auch draußen sitzen und eine Zigarette zu seinem Kaffee genießen. Nach Bangor und anderen Orten weiß ich Caernarfon inzwischen zu schätzen.

Llanberis

Llanberis

Es ist erst fünf, ich entschließe mich noch zu einem Abstecher nach Llanberis, von wo auch die Zahnradbahn auf den Mount Snowdon startet. Llanberis ist nicht der Bringer, hat aber mehrere Attraktionen zu bieten wie den Electric Mountain und einen Schiefer-Steinbruch ungeheuren Ausmaßes. Dann kann man noch Böötchen auf dem See fahren. Alles ganz nett, aber nicht wirklich interessant. Auch gut. Auf einem Schild steht, dass es hier weiter über den Pen Y Pass nach Capel Curig geht. Gut, fahren wir da entlang, kann ich mal sehen, wie weit ich gestern gelatscht bin (es waren 6,5 km). Ich passiere den Schiefer-Hang und fahre in den Pen Y Pass. Und dann kommt Unerwartetes.

Pen Y Pass

Pen Y Pass

Der Pen Y Pass auf dieser Seite ist eine geradezu surreale Felslandschaft. Man fährt durch ein Tal, das in steile Felswände gefasst ist, die Wände sind über die Zeit erodiert, riesige Felsbrocken liegen an den Seiten. Geradezu unwirklich. Am Ende des Pen Y Pass öffnen sich Täler nach links und rechts, es ist eine kaum begreifliche Weite hier oben, gesäumt von grünen Hängen und Bergen.

Pen Y Pass

Pen Y Pass

Ich komme auf die Passhöhe, biege rechts Richtung Beddgelert ab, ein schmaler Pass. Auch diese Gegend ist unbeschreiblich schön, leider ist das Wetter miese. Die Bilder geben den tatsächlichen Eindruck nicht wieder, diese Gegend hier ist ein Traum, sie wirkt eher wie gemalt denn als real. Und das selbst bei tiefhängenden Wolken und Niesel. Wie muss das bei Sonne aussehen? Man ist erschlagen von soviel Schönheit, der See am Fuße liegt wie eingebettet.

Llyn ???

Llyn ???

Den Pen Y Pass unbedingt fahren, wenn möglich, und dann herunter Richtung Beddgelert. Man glaubt nicht, dass es solche Gegenden gibt, solche Natur. Eine der schönsten Ecken in ganz Snowdonia. So, das reicht nun, aber es war ein sehr gut gefüllter Tag mit großen Ansichten, Wiedererkennen und Wiederfinden.

Mittwoch, 22. Juni 2011: Capel Curig, Moel Siabod

Angesagt ist Regen, die Wolken hängen tief. Also kein Wetter für die Höhe, eher für so eine Tour im Tal. Die zuerst avisierte Runde vom Parkplatz am Sattel des Pen Y Pass entfällt, weil der Parkplatz überfüllt ist. Zu normalen Tageszeiten findet man dort keinen Platz für ein Fahrrad, weil viele beliebte Touren eben von dort los gehen. Vor allen Dingen geht von hier aus ein Weg auf den Mount Snowdon herauf. Da man am Passsattel schon in einigen Metern Höhe ist, ist dieser Weg deutlich einfacher als von Llanberis oder über den Ranger Path. Also nach Alternativen geschaut.

Capel Curig

Capel Curig

Cottage am Moel SiabodDie Runde 23 aus den 50 Walks beschreibt einen Weg ab dem Store und Café in Capel Curig, genau von dort, wo ich am Montag meinen Bus nach Llyn Ogwen nahm und mein Auto wieder fand. Eine Option ist der Aufstieg auf den 845 m hohen Moel Siabod, was ich als Option offen lasse. Diese Runde hat leider keine wirklichen Besonderheiten aufzubieten. Es geht über Wiesen und durch uralte Wäldchen, man ist in Sumpf und Marsch zum Balancieren und Wege finden aufgerufen, Schafe starren einen an, was man dort wohl treibt. Zwei Wegpunkte im Buch existieren entweder nicht mehr oder sind nicht zu sehen, ich komme an der Straße aus, die ich erst viel später erreichen sollte. Wenigstens haben manche Straßen hier richtige breite Bürgersteige. Erwähnenswert am Rande ist, dass man bei gutem Wetter von hier aus inen wunderschönen Blick auf den Snowdonian Hordeshoe hat, die Berggruppe mit dem Mount Snowdon auf der rechten Seite.

Cottage am Moel Siabod

Übrigens gibt es hier ausgesprochen nette Cottages, auf eins stoße ich, als ich doch wenigstens einen Teil des Aufstieges zum Moel Siabod beschließe. Dieser Aufstieg ist selbst für Dummies nicht zu verfehlen, es stehen Stapel von Hinweisschildern an den Wegen, zum Teil sind die Wege sogar geschottert oder wieder mit großen Steinen gepflastert. Der Weg führt stetig und teils steil zum Siabod herauf.

Auf dem Weg zum Moel Siabod

Auf dem Weg zum Moel Siabod

Am See und aufgelassenen Steinbruch mache ich Mittag, die netten Leute vom Steinbruch, der bis 1972 in Betrieb war, haben mir einen perfekten Mittagstisch platziert. Die Aussicht auf Snowdonia mit den Wolken knapp über dem Scheitel ist schon glänzend. Mit der nun durchbrechenden Sonne kommt Weitergehen so gar nicht in den Sinn, es ist hier oben absolut still bis auf Wind und einem gelegentlichen Mäh aus der Umgebung.

Steintisch

Steintisch

Nicht eine einzige Menschenseele ist mir begegnet. Hier kann man sitzen, seinen Gedanken nachhängen, die Weite und Stille genießen. Und es fällt schwer, sich wieder los zu reißen. Der See hat übrigens noch keinen Namen, so taufe ich ihn auf Llyn Birgit, Ordnance Survey ist bereits verständigt, ab der nächsten Ausgabe der Karte OL17 sollte der See nun endlich einen Namen haben.

Blick ins Tal

Blick ins Tal

Ich steige wieder ab und gehe den Rest der unteren Tour bis Capel Curig zurück. Auch hier ist die Tourbeschreibung entweder ungenau, unverständlich oder überholt. Wo früher die Gellie Farm gewesen sein muss, ist heute ein Sportzentrum, sogar mit einer kleinen Kunststoff-Skiabfahrt, wo man seine ersten Meter auf Skiern üben kann. In Richtung Auto gehe ich einfach durch den Ort, die Strecke kenne ich ja inzwischen, da ich dieses Mal weiß, wo ich bin und wo mein Auto steht.

Capel Curig

Capel Curig

Im Pinnacle Café neben dem kleinen Supermarkt noch einen Kaffee, und ich bekomme im dazugehörigen Trekkingladen sogar eine neue, schöne Thermosflasche. Nicht ganz billig, etwas spät, aber für die nächsten zwei Tage habe ich nun wieder Kaffee dabei. Der große Parkplatz hinter dem Store scheint Ausgangspunkt für mehrere, überschaubare Touren zu sein. Es sieht so aus, als wenn die auch markiert sind. Aber eben keine Hochgebirgstouren.

Capel Curig

Capel Curig

Über Bethesda zurück nach Bangor, noch in den Riesen-Tesco, aber den gesuchten Früchtetee aus den Staaten haben die auch nicht wie in Exeter. Im Celtica am Doc Fictoria gibt es noch einen neuen Drachen für mein Auto, Abendessen und gut ist es für heute. Ein überschaubarer Tag, das Wetter hielt sich prima, auch wenn es manchmal anders aussah. Hier die Sonne, ein paar Kilometer weiter hängt es schwarz und drohend in den Bergen.

Früh ins Bett heute, morgen früh mal nur fruits, cereals, toast and tea, please.

Anpassungen

Fast alle bisherigen Urlaube in UK habe ich in Cottages verbracht, und das hieß Selbstversorgung und Beibehalten der Ernährungsgewohnheiten von Zuhause. Dieses Mal bin ich in einem B&B, bekomme täglich eine Art Menu, aus dem ich mir mein Frühstück zusammenstellen kann. Von Eiern in jeder Form über Bohnen und hashed browns (Röstiecken) bis zu vegetarischen Würstchen und Pilzen. Plus Toast, mit Körnern und Vollkorn = brown, Tee und Kaffee. Morgens bin ich pappsatt, Müsli, Cornflakes, Obst und sechs verschiedene Säfte gibt es auch. Damit reduziert sich das Mittagessen auf ein Sandwich oder ein Brötchen oder ein Pasty. Gibt es an jeder Ecke in Cafés und Bistros, auch in Supermärkten oder an Tankstellen. Die Pubs bieten generell Mittagessen an, qualitativ gut bis sehr gut. Steht da „Home made fresh to order“ ist das eine Qualitätsaussage, die positiv stimmt. Aber ich bin ja eigentlich noch vom Frühstück satt.

Diese Cafés und Bistros schließen aber alle um fünf, spätestens kurz danach. Dann gibt es nur noch Restaurants mit der vollen Breitseite und minnigens dreigängigen Menus. Möglich wäre die Eigenversorgung auf dem Zimmer, ist aber auch nicht mein Fall. Also habe ich mich umgestellt und esse nun spätestens um fünf noch ein größeres Abendessen als gewohnt, z. B. ein großes belegtes Sandwich, eine Backkartoffel oder was sonst so kommt. Salate, wie wir sie vom Italiener oder Griechen kennen, sind hier unbekannt, es gibt höchstens Salat als Beilage. Alternativen sind noch McD, KFC oder sonstige Burgerbuden, McD hat hier auch vegetarische Sachen, aber keine Salate wie bei uns (Ronald Mc Donald sieht auch ganz anders aus). Die Pommes bei KFC sind sehr gut, mit etwas Salat aus dem Supermarkt dazu geht das an. Die einzigen Buden, die sonst am Abend geöffnet haben, sind in den größeren Orten Döner-Läden, die meistens auch Pizza und Salate im Angebot haben. Aber selten grüne, sondern Reis- oder Nudelsalate.

So erklärt sich dann auch zum Teil das deutliche Übergewicht der jungen Briten und britischen Kinder.

Noch eine Anpassung: läuft jemand vor einem mit Jack Wolfskin-Jacke herum, muss es kein Deutscher sein. Wolfskin vertreibt seine Sachen inzwischen auch in UK. Mit deutlich niedrigeren Preisen als bei uns, wie ich in Capel Curig in einem Trekkingladen gesehen habe.

Donnerstag, 23. Juni 2011: Isle of Anglesey, Moelfre, Traeth Lligwy, Din Lligwy

Molfre

Molfre

Jetzt bin ich schon so viele Tage hier, und nicht einmal am Meer und am Strand gewesen. Berge hatte ich in den letzten Tagen genug, heute geht es ans Wasser. Genauer auf die Isle of Anglesey, die Snowdonia vorgelagert ist, und auf der auch die Verbindung nach Irland über Holyhead abgeht. Tour 11 in den 50 Walks gibt die Grundroute vor, von Caernarfon auf die A5 Richtung Holyhead, direkt nach der Britannia Bridge ab auf die A5025 Richtung Amlwch. Es geht durch einige Orte, ca. 12 Meilen danach geht rechts die A5108 Richtung Moelfre ab, vor dem Ortskern liegen links zwei kostenfreie Parkplätze, ein Fußweg gegenüber führt in den Ort und an die Küste.

Molfre

Molfre

Molfre hat jetzt nichts Aufregendes zu bieten, ein etwas verträumter Ort, der als Besonderheit das Stranden des Schiffes Royal Charter von Melbourne kommend mit Ziel Liverpool in seinen Annalen aufführt. 450 Menschen kommen dabei ums Leben, als das Schiff in einem schweren Sturm notankert, dann jedoch von den Ankerketten geht und zerschellt. Wegen des Sturms war keine Rettung des Schiffes möglich, nur 32 Menschen haben überlebt.

Traeth Lligwy

Traeth Lligwy

Der Weg führt immer an der Küste entlang. Tatsächlich könnte man sich in den Klippen und kleinen Buchten ein wenig wie in Cornwall fühlen, oder auch wie in Südwales, das sonnige Wetter heute tut das Seinige. Es ist tatsächlich ein schöner Weg mit ständig wechselnden Aussichten, die Felsen und kleinen Buchten laden zum Hinsetzen ein, im Hintergrund immer die Berge von Snowdonia, ansonsten Weite und nicht endender Himmel mit weißen Wolken und Möwen.

Der Weg führt mich zu Traeth Lligwy, einem jetzt bei erst ansteigender Flut schon reichlich langem Strand mit, hier passt es, feinem, sauberen, steinlosen, geradezu kornischem Sand und gelinder Brandung. Schade, keine Badehose dabei, Lust auf Baden hätte ich, das Wetter wäre heute hinreichend. Oberhalb des Strandes am Parkplatz liegt eine kleine Bude, die Burger und Kaffee verkauft. Für mich einmal Pommes mit Essig und Ketchup, mein Mittagessen.

Traeth Lligwy

Traeth Lligwy

Die schmale Straße daneben führt nach Din Lligwy, einem alten Ort. Vor dem Ort liegt eine kleine Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, die Struktur und der Aufbau sind immer noch gut zu erkennen. Sogar eine kleine Krypta hatte diese Kapelle, sie wurde gebaut, weil es den Gemeindemitgliedern bis in die große Hauptkirche zu weit war. Mit den Bäumen und der alten Mauer drum herum ein interessanter Ort, umgeben von einer Wiese voll mit bunten Blumen. Wie gemalt, könnte man sagen.

Traeth Lligwy

Traeth Lligwy

Din Lligwy ist eine alte Ansiedlung mit Schutzmauer aus der Zeit zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert, also aus der Zeit der Besetzung durch die Römer. Die Struktur des Ortes ist noch gut zu erkennen, es gab runde Wohnhäuser und viereckige Werkstätten und Scheunen. In der Hauptsache wurde hier geschmiedet. Ein Bild einer Rekonstruktion der Ansiedlung lässt noch mehr Einzelheiten erkennen. Beeindruckend, mehr als 1500 Jahre alt und noch so viel da.

Es geht noch den Berg etwas hinauf, die im Buch beschriebenen Wege sind nicht zu finden, aber man biegt einfach den nächsten Fußweg nach links ab und folgt den Wegweisern, geht über mehrere Stiles, landet nach Umrundung eines Hauses auf einer Kuhwiese, bei der man wissen muss, dass der Ausgang genau auf der gegenüber liegenden Seite liegt, verdeckt durch kleine Bäume und Sträucher. Nur ein Trampelpfad, erst zu erkennen, wenn man in dem Wäldchen drin ist.

Man kommt fast genau an dem Parkplatz wieder heraus. Gegenüber dem Parkplatz, just an dem Fußweg, den man am Anfang in den Ort genommen hat, ist Ann’s Pantry. Ein ganz knuffiges, gemütliches Café und Restaurant, wäre ich hier heute mittag aufgeschlagen, hätte es ein richtiges Mittagessen gegeben, denn die Karte und die Angebote an Fisch und Vegetarischem sehen sehr ansprechend aus. Und man kann draußen in einem großen Garten sitzen, zum Teil in kleinen Hütten, Kaffee und Konsorten sowie selbstgebackener Kuchen sind auch ausgezeichnet. Nur die Bedienung spricht einen kaum zu entziffernden Dialekt, ist aber sonst sehr lieb und nett.

Zurück nach Snowdonia, dieses Mal über die Menai Bridge, was deutlich schneller geht als über die A5. Noch ein kleines Highlight zum Schluss: wenn man von einer Anhöhe auf der Isle of Anglesy herunter kommt, liegen die Berge von Snowdonia in voller Breitseite in der Sonne vor einem, ein großartiges Bild, beeindruckend und mit keiner Kamera einzufangen.

Morgen noch eine letzte Tour, noch Toast und Senf einkaufen, tanken. Und am Samstag schweren Herzens wieder gen Süden.

Freitag, 24. Juni 2011: Llanfaerfechan, Bryn y coed

Ein paar weiße Wolken, die Sonne scheint immer mal wieder durch, nur noch eine kleine Tour heute. Eine Runde in der Nähe von Llanfaerfechan erscheint passen. Llanfaerfechan liegt in der Mitte zwischen Bangor und Conwy, an der A55, einfach zu finden. Startpunkt der Tour 8 aus den 50 Walks ist ein Parkplatz, nur schweigt sich der Auto völlig darüber aus, wo der sein soll. Erst ein sehr alter Mann in einem völlig verbeulten und verdreckten Auto diesen ominösen Ort, wenn man es weiß, ist es einfach. Bevor ich es weiß, kreise ich um Llanfaerfechan, gerate in Gegenden, die aus einem Tim Burton-Film stammen könnten. So passiert es, dass ich auch mal in einer Haarnadelkurve wenden muss, die eine Straße mit 25% Steigung, die andere mit 25% Gefälle. Schweißausbrüche, denn die „Straßen“ sind nur eine dreiviertel Spur breit, einen Millimeter Kupplungsbelag kostet das mindestens.

 Llanfaerfechan

Llanfaerfechan

Aber dann: man fährt in den Ort hinein, biegt in die Village Road, das ist eine der Hauptstraßen, fährt hinaus. Bevor man über eine uralte Brücke fährt, hinter der ein Pub liegt, biegt man links in die Bryn Road, fährt immer geradeaus, folgt nicht der Abbiegung über die Brücke nach rechts, und kommt auf den Parkplatz, der nur aus vier Plätzen besteht. Dort steht dann ein Riesenschild, und man weiß, dass man da ist. Geradeaus durch das Tor, und der Weg beginnt.

 Llanfaerfechan

Llanfaerfechan

Spektakulär ist er nicht, aber gemütlich und abwechselungsreich. Er geht durch ein Wäldchen mit Ententeich, man steigt über mehrere Bäche mit Trittsteinen. Zuerst ist die Navigation einfach, es stehen nämlich nach dem Wäldchen, wenn man auf die Freifläche kommt, Stelen aus Schiefer, die den Weg weisen. Ich folge den Stelen einfach, die Richtung scheint zu stimmen. Die in der Tour genannte Abbiegung auf die Roman Road kommt aber mal wieder nicht. Ich entscheide mich für einen Aufstieg.

Der kleinere Berg ist nur 645 Meter hoch und leicht zu erklimmen, nur am Ende folgen Felsen, ansonsten marschiert man einfach im Hang hoch. Je höher man kommt, desto mehr sieht man, auf dem Berglein dann fast komplett die Isle of Anglesey, sowie dier Buchten von Conwy und Colwyn Bay. Wäre es etwas klarer, wäre die Aussicht wohl noch vortreffflicher. Mit dem Dunst und den sich zuziehenden Wolken ist es eher ein Eindruck als ein Erlebnis. Gut, war nett, Mittag, jetzt mit Kaffee.

Römisches Fort

Römisches Fort

Der Versuch, die Roman Road zu finden, scheitert kläglich. Dafür stoße ich auf die Überreste eines wohl größeren Baus aus eben dieser Zeit, den ersten Jahrhunderten nach Christus. Also muss hier man diese Straße gewesen sein, aber mehr taucht auch nicht auf. Es ist zwei durch, also gehe ich wieder herunter und schaue mir lieber noch Llanfaerfechan an. Den Autor des Buches 50 Walks werde ich später langsam und grausam erwürgen. Entweder kann er überhaupt nicht schreiben, oder war nie hier.

Llanfaerfechan war einmal ein beliebter Badeort, dem die A55, die durch und über die Promenade am Strand verläuft, den Garaus gemacht hat. Trotzdem eine Menge Leute dort, die zwei größeren Cafés sind gut gefüllt. Der Hammer sind jedoch die Geschäfte oben im Zentrum. Ein Laden mit einem Sortiment irgendwo zwischen Haushaltswaren, Baustellenausrüstung und Drogeriemarkt, ein Trödelladen, vor dessen Schaufenster man stehen bleiben und genau hinsehen muss, weil man es sonst nicht glaubt, Trödel hoch fünf, ein Frisör, bei dem sich seit 80 Jahren in der Ausstattung nichts mehr verändert hat. Diese Läden kann man nicht beschreiben, die muss man sehen. Ich schaue mir diese Unfassbarkeiten noch eine Weile an und reiße mich dann los. Doch, ein Bild muss ich jetzt noch zeigen …

Instruments from hell

Instruments from hell

Die hässlichsten Instrumente der Welt, versammelt in einem einzigen kleinen Musikladen im Norden von Wales. Der Bass ist so hässlich, dass er schon wieder schön ist, und für 149£ hätte ich ihn schon beinahe mitgenommen, zum Kindererschrecken. Auch die rosa Gitarren sind für Mädchen mit Hello Kitty-Syndrom ein tolles Weihnachtsgeschenk. Von dem anderen Schaufenster habe ich auch ein Bild, aber das kann ich hier nicht zeigen, weil es an Körperverletzung grenzt.

Kaum verlasse ich diesen mysteriösen Ort, um mich dem Morrissons in Caernarfon zu einem letzten Einkauf zuzuwenden, beginnt es zu tröpfeln, dann zu regnen. Gut so, es ist noch zu packen und zu sortieren, morgen wieder nach Dover, am Sonntagmorgen geht meine Fähre zurück auf den Kontinent.

Samstag, 25. Juni 2011. Rücksturz nach Dover

Die A5 kannte ich schon zum Teil vom Ausflug an den Llyn Ogwen und die vermasselte Tour auf den Y Garn. Sie führt von Bangor bis nach Shrewsbury und verläuft so zu sagen mittig durch Snowdonia. Landschaftlich fast bis zum Ende in England eine Strecke, bei der man alle fünf Minuten stehen bleiben und schauen möchte. In diesem Sinne für die A5 voll Punktzahl.

Ebenfalls eine Überraschung war der Ort Betws-y-Coed. Ich würde sagen, dass es der schönste Ort ist, den ich hier oben gesehen habe. Aufgeräumt, schnuckelig und mit mehr Trekkingläden als in ganz Nordwales zusammen. Sehr touristisch, aber sehenswert, mir fiel für den Ort als auch für die Umgebung nur der Begriff Walisische Schweiz ein, vom Flair und von der Umgebung her ist es Schweizer Detailverliebtheit und Ordentlichkeit, aber der Stil ist Walisisch. Es sieht so aus, als wenn es ein wahrer Wandertreffpunkt ist, so viele Leute in Wandersachen hatte ich bisher nicht gesehen.

Wenn man gerade auf der Insel angekommen und in Urlaubsstimmung ist, dann landet man in Dover. Auf dem Rückweg strandet man dort. Dover ist eine verfallende Stadt, aufgelassene Bürohäuser mit vernagelten Fenstern, verödete Tankstellen und verlassene Pubs. Ich kann mich an das Dover vor zwanzig Jahren noch gut erinnern, an den Betrieb und die Quirligkeit. Heute, wo die meisten Leute für 49 Euro nach Gatwick oder Luton fliegen, oder den Tunnel nehmen, oder den Eurostar, verödet Dover. Es gibt nette Ecken, aber die Innenstadt und gerade die Hafenseite verkommen zusehends.

In Dover setzt man nur auf, oder wartet auf seine abgehende Fähre. Mehr ist Dover leider nicht mehr.

Getting lost is part of the journey

Die unangenehme Wahrheit zuerst: es gibt von Dover aus keinen schnellen Weg nach Snowdonia. Es gibt längere und kürzere, interessante und langweilige, aber ab Dover braucht man so 6,5 Stunden inklusive Pausen. Der Hinweg über Chester war kryptisch und schwer zu finden, der einfache über Shrewsbury brauchte genau so viel Zeit, weil M6, M1 und M25 Baustellen haben. Und bleibt dann ein Auto darin noch liegen, werden aus 6,5 gerne 7. Jetzt mal der Weg von heute, der einfachste, geschildert ab Dover:

  • Ab Dover auf die A2 Richtung Canterbury (die geht bei den Fähren los), bei Canterbury wird aus der A2 die M2 nach London. A2 ist fast komplett vierspurig, läuft wie Hund.
  • M2 landet auf der M25, London Orbital, genauer M25 North. Durch den Dartford Tunnel (1,50£ bereit halten, am besten in cash), zurück über die Brücke. Nix für Leute mit Höhenangst wie mich, aber man sieht noch die Hochhäuser in London City.
  • M25 bis zur Kreuzung mit M1 The North. Genau, nach Norden bitte.
  • M1 landet auf M6 Richtung Birmingham. Wer von Bristol kommt, über die M5, landet an der gleichen Stelle.
  • In Birmingham auf die M54 nach Shrewsbury. Der M54 folgen und Shrewsbury links umfahren.
  • Die M54 wird zur A5 Richtung Bangor/Llangollen/Betws-y-Coed, ist auch kein Abbiegen, sondern geradeaus weiter fahren. Das war’s, man ist in Snowdonia.

Llangollen is‘ klar, Eisteddfod, das große Festival. Genau da kommt man durch.

Wenn man aus Deutschland kommt und direkt nach Snowdonia will, würde ich es anders machen. Nachtfähre von Rotterdam nach Hull. Kostet etwas mehr, aber man fährt kürzer nach Rotterdam und quert morgens nur von Hall nach Snowdonia, das müssten so 350 Kilometer sein, ohne die Horrorstrecken um London und Birmingahm herum.

Nächstes Mal … wenn es in den Lake District geht.

So, dann morgen zeitig raus und auf die Fähre Richtung Calais. Dann dauert es nicht mehr lange …

Sonntag, 26. Juli 2011: noch einmal 700 Kilometer

Die aber gelinde verliefen. Fähre hatte eine halbe Stunde Verspätung wegen dichten Nebels, kleiner Stau vor Eindhoven, obwohl eine angefündigte Spurverengung gar nicht vorhanden war. Ab Duisburg wieder die Krise deutscher Autobahnen, Drängeln, Dödeln, und die rechte Spur ist ja immer noch Kriechspur für LKWs, deshalb kann sie auch Kilometer frei sein und wird nicht benutzt.

Fazit

Snowdonia ist ein einzigartiges Gebiet, landschaftlich außergewöhnlich, immer wieder überraschend und vielfältig. Kein Geheimtipp mehr, aber sehenswert und erlebenswert. Touren reichen von Talwanderungen bis zu mäßigen Touren im Hang. Wer die Mühe investiert und ein paar Höhenmeter macht, genießt Aussichten und Eindrücke, die selten sind. Snowdonia sind die kleinen Dolomiten von Wales. Highlights wie Mount Snowdon oder Pen Y Pass sind gut bevölkert, der Parkplatz am Pass schon morgens überfüllt, die unscheinbareren Orte aber sind teils menschenleer, bei einigen Touren habe ich stundenlang niemanden gesehen. Snowdonia hat seine unberührten, stillen Ecken, sobald man sich von den Highlights fern hält. Will man Snowdonia wirklich im Detail kennenlernen, sollte man einige Wochen einplanen.

Nach Locations wie dem Old School House oder der Hael Farm, die aber auch in anderen Preisregionen liegen, war ich vom Muriau Guesthouse zuerst etwas enttäuscht. Aber durch Rana’s immense Gastfreundlichkeit und Aufmerksamkeit habe ich mich nach zwei Tagen dort richtig wohl gefühlt. Caernarfon ist tatsächlich ein guter Ausgangspunkt für Touren in Snowdonia, trotzdem würde ich mich das nächste Mal eher zu einem B&B direkt in Caernarfon orientieren, von denen es in der Altstadt Mengen gibt. Dann sind ein Bierchen im Pub am Abend oder Sitzen an der Promenade einfacher und ohne Fahren möglich. Diese Seitenstraßen in Caernarfon sind sehr ruhig, und die B&Bs, in die ich hinein gesehen habe, machten durchweg einen guten oder sogar sehr guten Eindruck. Oder eben so etwas wie das Plas Dinas, etwas außerhalb gelegen, aber sehr gepflegt in einem großen Park gelegen. Fünf Sterne, aber der Preis scheint gerechtfertigt. Das Meifod könnte auch noch eine Alternative sein, liegt aber wie das Muriau direkt an der Verbindungsstraße nach Porthmadoc.

Einen klaren Fehler habe ich bei den Wandervorbereitungen gemacht. Das 50 Walks ist ein Anhaltspunkt, aber man weiß selten, wo man anfangen soll, wie man zu den Orten kommt. Und die Tourenbeschreibungen sind grottenschlecht. Da mal mehr tun, mehr sammeln, andere Bücher.

Ja, und die Anfahrt. Sinnvoller wäre die Nachtfähre ab Rotterdam und dann rüber nach Wales. Entspannter, schneller, bequemer.

Es war eine unglaublich intensive Woche, durch die vielen Eindrücke, es gab so viel zu sehen, da muss ich jetzt erst mal herunter kommen. Es war ein super Urlaub. Und es fiel nicht leicht, am Samstag Goodbye zu Caernarfon und Snowdonia zu sagen. Ach ja, die Isle of Anglesey ist auch sehenswert. Und Llandudno für ein bisschen Stadtgefühl und ausgiebiges Shoppen, und Conwy, und Betws-y-Coed, vielleicht dorthin das nächste Mal. Das nächste Mal … erste Planungen für Ende August und den Lake District.