Old Winchester Hill, Hampshire, England

Mal etwas Neues: die South Downs

„Was soll denn der Blödsinn jetzt? Du fährst doch völlig falsch!“, brüllte der kleine rote Drache vom Rücksitz. „Was willst du auf der M3 West? Du musst auf der M25 bleiben und erst hinter Heathrow auf die M4 West. Oder gleich ein Stück weiter und auf die M6 North. Aber da wärst du eh besser die M25 North gefahren. Kennst du dich denn hier immer noch nicht aus?“. Es war erst der Beginn weiterer Tiraden, wie ich sie schon aus dem letzten Jahr auf dem Weg nach Cornwall kannte. Dann wollte er in jedem Kaff aussteigen und den nächsten Zug nach Caernarfon, Machynlleth oder notfalls auch nach Llandrindod Wells nehmen. Erst das Versprechen bei meinem walisischen Herz, dass wir im nächsten Jahr ganz bestimmt wieder nach Eryri auf den Yr Wyddfa kommen, ließ für eine Zeit etwas Ruhe einkehren.

So gelangten wir – ich etwas genervt – zu unserem Ziel für dieses Jahr: die South Downs. In West Meon, einem kleinen Örtchen mitten in diesem Gebiet. Empfohlen hatte mir die South Downs ein Forumsteilnehmer im Rambler’s Magazine. Als eine Wandergegend nicht gar so weit weg wie Wales. Obwohl … egal, versuchen wir es.

Lessons learned: The South Downs

Die South Downs (von Altenglisch dun, Hügel) sind eine hügelige Kreidelandschaft im Süden Englands, in den Grafschaften East Sussex, West Sussex und Hampshire, die zur südenglischen Kreideformation gehört. Die South Downs verlaufen parallel zu den North Downs, von denen sie durch den Weald im Norden getrennt sind.

Die South Downs sind ca. 170 km lang. Die höchste Erhebung ist Butser Hill südlich von Petersfield mit 270 m. Sie werden durch Cuckmere, Adur, Ouse, Lavant und Arun entwässert. Sie sind durch den South Downs Way, den Monarch’s Way und den Sussex Border Path für Wanderer erschlossen. Die Küsten sind teilweise spektakulär, bekannt sind etwa die Steilküsten von Beachy Head (162 m hoch) und die Cliffs der Seven Sisters zwischen Eastbourne und Seaford.

Große Teile der South Downs wurden den Gebieten hervorragender Naturschönheit in England (Area of Outstanding Natural Beauty) zugeordnet. Von verschiedenen Seiten wurde angeregt, auf dem Gebiet der South Downs einen Nationalpark mit der Bezeichnung South Downs National Park einzurichten. Diese Bewegung hat im Jahre 1999 öffentliche Unterstützung durch die Regierung erfahren und seit dem 1. April 2011 ist der Nationalpark offiziell eröffnet. (Wikipedia)

Planung

Von Planung kann nicht wirklich die Rede sein. Es war mehr eine spontane Idee. Für spontane Ideen sind die South Downs jedoch nicht das richtige Ziel, denn es ist ein sehr beliebtes Wandergebiet. Weshalb im April schon Unterkünfte komplett gebucht sind. Erst als eine Anfrage nach einem Bed and Breakfast auf einer Farm zu einem Weiterreichen der Anfrage auf privatem Wege führte, fand sich noch eine Unterkunft, die gerade etwas frei hatte. Es war die Shafts Farm in West Meon. Noch anzumerken: in Dover oder Brighton mag man noch ein Zimmer für 30 oder 35 £ bekommen, in den South Downs liegen die Preise deutlich höher. Unter 50 £ ist kaum ein BnB zu bekommen. Sollte also ein Urlaub in den South Downs geplant sein, ist eine frühe Buchung angebracht. Das ist in den Lakelands auch nicht anders, so ist es eben mit den beliebten Zielen.

Samstag, 12. Juli 2014: Anfahrt

Auf der Fähre

Auf der Fähre

Einzige nennenswerte Veränderung: die Briten haben die Hafenausfahrt umgebaut. Ansonsten ab Venlo bis Calais Nieselregen, kalt, ganz blödes Wetter. Aber es gibt auf dieser Fahrt quer durch Westeuropa immer noch Überraschung. Vor Antwerpen wird die Autobahn neu gemacht. Also nur zwei Spuren auf der Gegenseite an der Baustelle vorbei. Was passiert in Deutschland, wenn nun ein Auto auf einer der Spuren liegen bleibt? Der Verkehr bricht zusammen, acht Kilometer Stau. Was passiert in Belgien? Es verzögert sich etwas, aber man bleibt nicht stehen. Vielleicht sollte man die Deutschen mal nach Belgien schicken. Die Belgier wissen nämlich, wie das Reißverschlusssystem tatsächlich funktioniert. Indem man Platz lässt und Abstand hält, auf beiden Spuren.

Fähre verspätet, wie üblich. Dafür komme ich ganz nach vorne und bin auch als einer der Ersten wieder runter. Das nächste Mal nehme ich wieder Ferrylink, wie Seafrance nun heißt. Die P&O-Pötte sind in grausamem Zustand. Der Geruch im Restaurant vertreibt jeden Appetit. Da nutzt das Starbuck’s Café auch nix mehr.

West Meon

West Meon

Dafür die nächste Überraschung kurz nach der Abfahrt in Dover. Der Himmel reißt auf, die Sonne kommt heraus und liefert schöne 26 Grad. M 25 voll, aber es läuft, was sonst. Je weiter ich nach dem Verlassen der M 25 ins Land komme, desto schmaler werden die Straßen, putziger die Häuser. Es wird immer englischer. Die Landschaft wird hügeliger, immer größere Wälder tauchen auf. Bald fährt man wieder durch stockfinstere Baum-Tunnel, an den Seiten
riesige Portale, die zu Herrenhäusern und
Farmen führen. Schon eine tolle Gegend.

Meon Valley Trail

Meon Valley Trail

Kurzer Stop an der Tanke in Farnham, da ist ein Marks & Spencer Supermarket drin. Rolls, Baked Beans, Kekse, Sandwiches. Schon bald taucht West Meon auf. Ein kleines Dorf, kaum Geschäfte, natürlich auch sehr englisch. Die Shafts Farm ist einfach zu finden. Rosemary hat, wie erwartet, Tee und Kuchen bereit. Noch eine kleine Runde zum Orientieren, ich stoße auf den Meon Valley Trail. Der geht von hier 10 Meilen gen Süden. Aber das muss nicht mehr sein, heute.

Apple Trail?

Apple Trail?

Und wenn mal bitte jemand hier abäppeln könnte.

Morgen die erste Runde. Hier gibt es mehr Wanderwege schon vom Haus aus, als ich in dieser Woche schaffen könnte.

Sleep well.

Sonntag, 14. Juli 2014: East Meon

Eine erste Tour aus „Walk! The South Downs„, die Nummer 40, genannt eben East Meon. 14 Kilometer, das sollte zu schaffen sein. Zwar ist der Himmel grau, es fallen auch mal ein paar Tropfen, aber das soll sich laut Wetterbericht ändern.

East Meon

East Meon

East Meon liegt drei Meilen östlich (ach was?) von West Meon, gilt als eines der schönsten Dörfer hier, ist defacto ein ganzes Stück größer als West Meon. Hier gibt es zwei Pubs, am ältesten, The George Inn, beginnt die Tour. Die Speisekarte des Pubs sieht verlockend aus. Aber bei der Rückkehr wird es zu spät zum Essen sein. Rucksackmahlzeit ist angesagt. Der Weg durch den Ort ist mehr als ansprechend, immer am Flüsschen Meon entlang, viele uralte, reetgedeckte alte Häuschen, blitzblanke Gärten. Aus dem Ort geht es weiter in ein Waldstück. Ein verwunschener Weg. Wäre da nicht heute wohl ein Trial der Mountainbike-Fahrer, die mir in Gruppen entgegen kommen. Nun tut das dem Weg nicht gut, aber jeder einzelne Fahrer bedankt sich, dass ich aus dem Weg gehe oder grüßt wenigstens freundlich. Es gibt doch noch Güte unter den Menschen.

East Meon

East Meon

Während ich durch das Waldstück stiefele, höre ich Regen, aber bekomme keinen ab. Die Bäume sind zu dicht. Als ich aus dem Wald heraus komme, hört es auf zu regnen und die Sonne lässt sich sehen. Damit hörte sie auch nicht mehr auf. Es geht lang und steil auf Park Hill herauf, was für ein nasses T-Shirt sorgt. Für eine tropfnasse Hose sorgen die Pflanzen auf dem engen Weg. Der Anstieg ist lang und steil, aber oben angekommen, bietet sich eine beeindruckende Rundumsicht, über die Weiten und Hügel der South Downs.

Butser Hill

Butser Hill

Park Hill wird umrundet, was eine Zeit dauert. Gegenüber liegen Butser Hill und Vineyard Hole. Kein Scherz, die Engländer bauen hier Wein an, man sieht immer mal wieder abgetrennte Felder mit Weinstöcken. Den möchte ich mal probieren. Steil herunter geht der Weg von Park Hill, unten ist mitten durch eine Weide mit Elektrozaun ein Fußweg abgesperrt. Merkwürdiges Konstrukt.

Tinker

Tinker

Das Pferd auf der Weide findet das toll, dass endlich mal jemand kommt, weil es sich ziemlich alleine fühlt. Die anderen Pferde stehen auf einer Weide gegenüber. Unten angekommen, liegt East Meon schon wieder vor mir. Aber der Plan will auf den nächsten Hügel. Drayton Hill. Wieder aufwärts, dann geht es in einen Hexenwald. Die Baumkronen schirmen den Weg komplett nach oben ab. Ein umgestürzter Baum dient als perfekte Location für die Mittagspause. Es zieht sich und zieht sich, der Weg scheint endlos. Bis er doch auf den South Downs Way trifft, an einigen weiteren schmucken Häusern vorbei. Hier tauchen zum ersten Mal andere Wanderer auf, South Downs Way ist nicht gerade eine Wanderer-Autobahn, aber doch ganz gut gegangen. Bisher habe ich nur zwei Leute gesehen, auf der anderen Seite eines Hügels.

South Downs Way

South Downs Way

Und noch einmal hoch, wider steil, lang und schmutzig. In der Tat sind die Aussichten auf eine scheinbar unendliche Gegend herum eine Klasse. Endlich geht es über Schafwiesen hinunter nach East Meon. Und wer meint, dass Schafe scheu sind … eine ganz Herde versperrt den Durchgang an einem Gate und ich muss über einen Zaun klettern. Noch durch ein weiteres Wäldchen und ich komme wieder in East Meon an. 14 Kilometer können verdammt lang sein.

South Downs Way

South Downs Way

Dieser letzte Abschnitt des South Downs Way führt überwiegend durch Wälder, aber auch über Weiden und Grasländer. Dann wird auch die Haupteinkommensquelle hier deutlich: Landwirtschaft, viele Rinder und Schafe, aber auch Getreide und zum Teil Obstwirtschaft. Was man hier ganz selten sieht: Mais. Wozu auch, die Tiere stehen auf den unendlichen Weiden und fressen sich dort dick und moppelig.

Was jetzt noch fehlt, wäre ein Cappuchino. Dazu mache ich einen Abstecher nach Petersfield, ca. fünf Meilen von East Meon. Und tatsächlich ist Petersfield groß genug, dass sich dort nicht nur ein Costa, sondern auch noch ein Café Nero findet. Dazu ein freies Tischchen vor dem Laden, ein Oat And Raizin Cookie zum Kaffee, die meisten Geschäfte sind am Sonntag bis 16:00 Uhr geöffnet. Dementsprechend ist Betrieb in den Straßen. Selbst im M&S Supermarket werden noch Wocheneinkäufe getätigt.

Reicht für heute. Über East Meon zurück nach West Meon. Duschen, Beine hochlegen, Abendessen. Endspiel? Mal sehen.

Lessons learned: Walking in the South Downs

Die vielen Hügel und Täler bedeuten fast immer Aufstiege und Abstiege. Auf diesem Weg haben sich immerhin 400 Höhenmeter angesammelt. Das ist nicht wirklich viel, aber man merkt sie. Ansonsten ist Wandern hier vor allen Dingen: Streckenwandern. Manche Wege ziehen sich wie Kaugummi durch scheinbar endlose, düstere Wälder. Aber dann kommt man aus dem Wald heraus und es zeigen sich kilometerweite Aussichten. Und doch sind ordentliche Schuhe, Regenkleidung und ausreichende Versorgung trotzdem empfohlen. Manche Wegabschnitte sind Autobahnen, andere lassen einen eine Machete vermissen. Und dass nasser Kalk rutschig ist wie Eis, merkt man sich auch schnell. Einen verknacksten Knöchel oder gar einen Bruch möchte ich mir auf vielen Wegen nicht gönnen, so selten wie Leute zu sehen sind.

Definitiv anders ist es hier bezüglich touristischer Infrastuktur, verglichen mit den Lakelands oder Cornwall. Zwar finden sich in den Örtchen Pubs. Bistros oder Cafés aber gar nicht. Das sieht man spätestens, wenn man die Touren in den Führern durchgeht und nach Einkehrmöglichkeiten sucht. Keine, außer am Start und Ende in einem Ort. Verständlich, denn trotz der nicht gerade kurzen Tour habe ich andere Wanderer erst auf dem South Downs Way gesehen. Von den Bikern am Anfang abgesehen. Aber die waren nicht zum Kaffeetrinken unterwegs.

Montag, 15. Juli 2014: Hinton Ampner, Winchester, Petersfield

Da habe ich wohl gestern etwas übertrieben. Der Rücken schmerzt nicht schlecht, demnach heute Schonung. Fahre ich nach Winchester, zum Shoppen. Dazu meinten Joe und Richard, die anderen Gäste hier, ich sollte dann unbedingt in den Garten von Hinton Ampner hineinsehen, der läge auf der Strecke. Ja, ok, Danke für den Tipp, aber seit meinem Devon-Urlaub habe ich eine Gärten-und-Schlösser-Übersättigung. Andererseits, der Tag ist lang. Und nur Stadt ist keine Alternative. Liegt in der Tat einige Meilen östlich vor Winchester an der A 272.

Hinton Ampner

Hinton Ampner

Das Herrenhaus, 1930 erbaut und 1960 nach einem Brand überholt, ist angefüllt mit Möbeln, Gemälden und Teppichen. Im Grunde nicht wirklich Neues, wenn man englische Herrenhäuser kennt. Der Garten dagegen gilt zu Recht als eine Meisterleistung im Gartenbau des 20. Jahrhunderts. Zwar liegen direkt am Haus freie, repräsentative Rasenflächen für Bankette und Festivitäten. Von diesen Freiflächen schaut man in die Hügellandschaft der South Downs. Haben eine nette Hütte gehabt, diese Leute.

Hinton Ampner

Hinton Ampner

Der Rest jedoch ist durch Bäume, Sträucher und Hecken so zergliedert, dass sich Unmengen an Nischen und heimeligen Ecken ergeben. Darin stehen Bänke, oder sogar ein kleiner griechischer Tempel oder ein Unterstand. Man merkt, dass jemand diesen Garten nicht zum Protzen und Angeben angelegt hat, sondern zum Leben. Dem Garten fehlt die Künstlichkeit, die viele andere englische Gärten haben. Deshalb gibt es auch einen separaten, großen Bereich, in dem Salat, Tomaten, Kürbisse, Gemüse und Kräuter wachsen. Mit einem beeindruckend großen Gewächshaus. Aus diesem Teil des Garten bedient sich auch das Bistro des National Trust, dem die Anlage gehört. Der gebratene Lachs mit frischem Salat war ausgezeichnet, mal angemerkt.

Hinton Ampner

Hinton Ampner

Nicht nur die Größe, sondern gerade die Vielfältigkeit bringen mich dazu, den gesamten Vormittag und Mittag hier zu verbringen. Wer englische Gärten eigentlich satt hat, und schon genug gesehen, der findet hier tatsächlich einen ganz anderen Garten. Klar, selbst ein Botaniker wäre mit dem schieren Überfluss an Blumen- und Pflanzensorten überfordert. Aber es ist nicht protzig. Es passt alles zusammen. Zuletzt mache ich noch eine Runde durch das komplette Gebiet mit Wäldern und Weiden, das sind so . fünf Kilometer, bevor ich mich zum Mittagessen begebe. Wie üblich, bietet der NT in seinen Restaurants und Cafés sehr gute Qualität für einen für britische Verhältnisse niedrigen Preis.

Winchester

Winchester

Einige Meilen weiter wartet Winchester. Klar, Kathedrale, Shopping Mile, Rest der alten Burg. Da ich Winchester nun noch gar nicht kenne, bin ich auf alles gefasst. Doch Winchester, das bis zu den Schandtaten des Oliver Cromwell englische Hauptstadt war, entpuppt sich als nette, lebendige und überschaubare Großstadt. Die Shopping Mile ist nicht sehr lang und Fußgängerzone. Viele junge Leute treiben sich hier herum, wohl Jugendreisen. Spanisch, Deutsch und English kann ich identifizieren.

Winchester

Winchester

Neben den üblichen Verdächtigen wie M&S, Debenhams und HMV auch Costa, Café Nero, dazu viele kleine und unabhängige Lädchen. Viele Bistros und Bäckereien, dazwischen schauen immer wieder die über 1000 Jahre durch, die Winchester alt ist. Viele alte Häuser, das hier oben ist Restaurant und stammt aus 1420. Ich bin positiv überrascht, Winchester ist sehenswert, vielfältig, unaufgeregt. Dabei eine gelungene Mischung aus alt und neu.

Winchester Great Hall

Winchester Great Hall

So komme ich zur Great Hall, das Einzige, was von der riesigen Burg übrig ist, die bis 1400 hier gestanden hat. Winchester war eben mal das, was London später wurde. Die wirklichen Ausmaße der Burg kann man nur aus dem Zeichnungen erahnen, durch Brände und andere Zerstörungen sind heute nur noch die unterirdischen Anlagen und ein paar Grundmauern eben. In der Great Hall hängt noch der große runde Tisch, der mit Sir Lancelot zusammen hängt. Cornwall ist ja nicht so weit weg von hier. In der Great Hall ist zur Zeit noch eine Ausstellung zu Winchester im ersten Weltkrieg. Wie üblich, man könnte hier noch eine Menge Zeit verbringen. Da gäbe es doch einiges zu sehen, auch in die unterirdischen Gänge kommt man herein, jedoch nur mit Führung.

Winchester Cathedral

Winchester Cathedral

Bleibt noch die Kathedrale als Pflichtprogramm. Gut, wenn man nun schon Exeter, Canterbury, Cambridge, St Paul’s und St David’s kennt, ist diese Kathedrale nicht mehr wirklich etwas Neues. So schenke ich mir die 7.50 £ für den Eintritt und gehen lieber noch mal zur City Mill herunter. Die gehört auch dem NT und man kann noch heute in allen Einzelheiten sehen, wie so eine Mühle aufgebaut ist, wie sie funktioniert und überhaupt. In meinem Fall deutlich interessanter und informativer als eine Kathedrale. Your mileage may vary. Ach ja, Otter gibt es in dem Fluss, der die Mühle antreibt, auch. Langsam qualmen meine Füße, das war genug Stadt für heute. Übrigens ist Parken in Winchester ganz easy. Es sind jede Menge Parkplätze ausgewiesen, die Anzahl freier Plätze wird angezeigt.

Den Tesco in Winchester finde ich partout nicht, obwohl ich mehrmals mittig im Berufsverkehr um die Stadt kreise. Dann noch mal kurz nach Petersfield zum Waitrose, der ist auch gut sortiert. Mist! Nur drei Gläser Tip Tree Tangerine & Orange, und Julias Chips-Sorten sind alle ausverkauft. Aber ist ja erst Montag. Noch genug Zeit. Zum Wiederkommen.

Lessons learned: So far, so good

Tatsächlich reichen die South Downs in Ost-West-Richtung gut 100 Kilometer mit einer Gesamtfläche von fast 700 Quadratkilometern. Dieses Gebiet beginnt im Bereich Hastings bis Brighton und endet im Westen bei Winchester. Es ist also nicht notwendig, bis nach Petersfield und Winchester zu fahren, wenn es nur ums Wandern geht. Dafür reicht auch Hastings oder Eastbourne als Ausgangspunkt. Jedoch unterscheiden sich östliches und westliches Ende der South Downs. Der Osten ist flacher und insgesamt gleichförmiger als der Westen. Die höchsten Erhebungen finden sich dann zwischen Petersfield und Winchester. Dafür hat der Osten seine Vorteile. Im Westen sind gut und interessant gehbare Strecken entlang der Küste eher selten, dort machen sich schon die Oberzentren Portsmouth und Southampton breit. Im Osten bis zur Mitte gibt es viele schöne Strecken an der Küste verlaufend, Coastal Paths und sogar Strecken an den Cliffs entlang, die ein Maß an Schwindelfreiheit brauchen.

Dashalb ist die Entscheidung für Ostern oder Westen von persönlichen Vorlieben abhängig. Möchte man eher nahe am Wasser sein, mit Strecken zum Meer hin, sind der Osten und die Mitte angeraten. Soll es hügeliger und mit mehr Aussicht übers Land sein, passt besser der Westen. Noch eine Wahl gibt es im preislichen Sinne. Im Bereich Hastings, Brighton und Eastbourne sind Unterkünfte deutlich billiger und verfügbarer. Auch die Ortsdichte ist höher, selbst das kleine Hastings hat ein städtisches Ambiente. Das alte Zentrum von Brighton unterscheidet sich vom Halli-Galli am Pier grundlegend. Der Osten der South Downs ist erschlossener, städtischer, der Westen dörflich und wenig bewohnt.

Dienstag, 15. Juli 2014: Old Winchester Hill, Alresford

Ein wenig Regen in der Nacht, am Morgen wieder Sonne mit ein paar schneeweißen Wölkchen. Rückentest. Nummero 41 aus den „Walk! The South Downs“.

Old Winchester Hill

Old Winchester Hill

Der Name Old Winchester Hill leitet in die Irre, Winchester ist von hier noch 12 Meilen entfernt. Dafür ist der Parkplatz für den Start in allen Karten vermerkt. Logo, hier geht der South Downs Way her. Aber dieser Hügel ist hier der höchste, und man kann von einigen Punkten der Strecke aus bei klarem Wetter die Isle Of Wight sehen. Zumindestens beginnt die Tour wieder mit weiten Ausblicken über die Landschaft, dieses Mal sogar in alle Richtungen. Der Autor geht jedoch nicht den offensichtlichen Weg, wie er auch in den OS-Maps ist, sondern hat einige Schlenker eingebaut. So beginnt der Weg mit einem längeren Abstieg ins Tal, mit einigen Winkeln und Abzweigungen. Bis hier ist die Streck unspektakulär. Bis man auf Lower Peake Cottages stößt.

Lower Peake Farm

Lower Peake Farm

Ich habe schon ein paar Reitplätze gesehen. Aber das ist kein üblicher Reit- und Springplatz, sondern der hat die Fläche, auf der man ein mittleres Einkaufszentrum unterbringen kann. So mal geschätzt sechs bis sieben Fußballplätze. Viel los ist da nicht, der Stall hat auch nur 20 oder 30 Boxen. Viele Leute kommen wohl mit dem Hänger oder gleich mit einem der großen Pferde-LKWs, die man auf Turnieren sieht. Ich brauche einige Zeit, um den Platz zu umrunden. Nette Anlage.

South Downs Way

South Downs Way

Kurz darauf geht es auf den Meon Valley Trail, durch den Wald. Es sind Wanderer, Radler und Reiter willkommen, früher fuhr hier die Meon Valley Railway entlang, aber da ist schon einige Jahrzehnte her. Heute ist es eine 20 Meilen lange Wanderstrecke, die den Spuren nach auch von Reitern gut genutzt wird. Hier heißt es etwas Strecke machen. Aber die Blicke nach links auf den Old Winchester Hill lassen erahnen, dass man ja die Meter, die man herab gewandert ist, auch wieder nach oben muss.

Old Winchester Hill

Old Winchester Hill

Das beginnt kurze Zeit später. Man erreicht wieder den South Downs Way, auf ihm geht es lang und steil aufwärts. Aber … man durchläuft einen Naturschutzbereich, der mit einer selten gesehenen Wildwiese aufwartet, Horden von Schmetterlingen tummeln sich dort, ein ganz wildes Gesummse und Gebrumme um einen herum. Es folgen die Reste eines Forts aus der Eisenzeit mit einer Tafel, wie es wohl ausgesehen hat. Der letzte Rest des Weges geht als Patt in einem steilen Hang entlang.

Hüh!

Hüh!

Der Autor hat sich etwas dabei gedacht, den Weg so zu gehen. Er beginnt eher langweilig, steigert sich dann aber zum Schluss sowohl in den Ausblicken als auch in der Anstrengung. Die zweite Hälfte ist auf jeden Fall die interessantere. Aber auch die anstrengendere. Eine nette Tour, mit leichten Phasen des Streckenwanderns.

Mahlzeit

Mahlzeit

Angegeben ist die Strecke mit zwei Stunden Gehzeit, mit Pausen und Herumstehen bei diversen Pferden werden es gut drei. Genau richtig für die Mittagspause.

Wenn schon Winchester, dann richtig. Ich fahre die A272 weiter nach Westen und finde endlich den Tesco Extra. Nun ist der Einkauf komplett. Was noch fehlt, ist Kaffee. Also weiter nach Minton Ampner in das NT-Café, dort bekomme ich im NT-Shop auch einen großen Karton, in dem die Chips sicher untergebracht sind. Es sind nur etwas viel Baked Beans geworden.

Alresford

Alresford

Mehr aus Neugier mache ich auf dem Rückweg nach West Meon einen Abstecher nach Alresford (das sich ganz anders ausspricht, habe ich aber vergessen). Zu klein für eine Stadt, zu groß für ein Dorf. Aber sehr aufgeräumt und bunt, der einzige Name eines Geschäfts, den ich kenne, ist Tesco Express, das sind die Mini-Läden von Tesco auf den Dörfern. Ansonsten die klassischen englischen Bäckereien, Metzgereien, Möbelläden, Stoffhandlungen und kleine Buchhandlungen. Aber nicht ein einziges leer stehendes Geschäft. Hierher hat sich wohl das alte, klassische England zurück gezogen. Putzig, lebendig, altbacken und modern zugleich. Ich streife noch eine ganze Zeit die kleine Einkaufsstraße entlang, solche Geschäfte gab es nie in Deutschland, und gibt es nur noch selten in England. Im Hardware Store komme ich um eine Teekanne nicht herum. Noch nie habe ich erlebt, dass ein Ladeninhaber einen solchen Aufwand an Beratung in einen Kunden investiert, der nur eine Teekanne kauft.

Nach Analyse meines Lendenwirbel-Zustandes dann morgen wieder eine größere Tour. Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana.

Mittwoch, 16. Juli 2014: Two Mardens, Chichester, Hayling Island

Der Morgen verheißt nichts Gutes. Schon um halb zehn steht die Sonne gleißend am Himmel und brennt auf der Haut. Hatte der Wetterbericht wohl Recht, die nächsten zwei Tage soll es heiß werden. Aber das hält mich nicht von der nächsten Tour ab.

Two Mardens

Two Mardens

Mal etwas weiter fahren, wie es dort aussieht. Tour 37 nennt sich Two Mardens, gemeint sind zwei Orte, East Marden und Up Marden. Liegt einige Meilen hinter Petersfield, schon Richtung Chichester. Die Anfahrt zum Beginn der Tour ist gut beschrieben, East Marden finde ich ohne Karte. Auch der überdachte Brunnen ist nicht zu übersehen, Parkplätze gibt es nicht, stand auch so im Buch. Der Pampersbomber bleibt an der Straßenseite stehen, in 30 Grad-Schräglage. Hoffentlich kippt er nicht um.

Up Marden

Up Marden

Blick ins Buch. Angegeben sind 12 Kilometer, knapp drei Stunden. Also strackse ich los. Nur will die Beschreibung so gar nicht passen. Felder verlegt? Da stand nichts von 200 Höhenmetern in 45 Grad Steigung. Erneuter Blick ins Buch. Das ist korrekt, der Wanderer hatte den Autor falsch interpretiert. Ich bin bereits in Up Marden, finde auch schnell die alte Kirche. Ich beschließe, den eigentlich zweiten Teil der achtförmigen Runde rückwärts zu gehen, den ersten Teil dann korrekt, aber als zweiten Teil.

Up Marden

Up Marden

Die kleine Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, ist bis heute ohne Strom und ohne Heizung, und noch mit Kerzen beleuchtet. Steht malerisch im Wald. Innen sieht es sehr rudimentär aus, die Wände sind irgendwann mal gekälkt worden, Reste mittelalterlicher Malereien sind noch zu erkennen. Es sieht merkwürdig aus, aber auch vieles noch im alten Zustand. Die Griffe an den Bänken sind völlig abgegriffen, die Platten in den Wänden erzählen von Leuten aus dem 14. Jahrhundert.

Up Marden

Up Marden

Da ich nun ohne Beschreibung meines Autors dastehe, muss ich mich mit Karte orientieren. Das geht zwar auch, aber ist am Ende ein viel längerer Weg als vorgesehen. So zeigt sich diese Tour als Feld-, Wald- und Wiesenwanderung. Es geht lang über Felder und Wiesen. Langweilig wird es zwar nicht, der Duft der unzähligen Wildblumen und die immer wechselnden Umgebungen lenken ab. In ein paar Wochen könnte man sich auf der Strecke an Brombeeren, Himbeeren und Erdbeeren satt essen.

Nach gut drei Stunden komme ich wieder in East Marden an, mache mir ein Thunfisch-Bütterchen und beschließe, ob der Wärme mir den zweiten Teil zu schenken. East Marden ist wieder eines dieser putzigen englischen Dörfer. Herausgeputzt, aufgeräumt, übersichtlich. Da der Rest der Tour eh wieder über Felder und Wiesen geht, lasse ich es gut sein, wundere mich noch über die zugewachsene Telefonzelle und mache mich auf den Weg nach Süden, nach Chichester, auch eine sehr alte Stadt.

Chichester

Chichester

Chichester ist als Stadt kleiner als Winchester, alltäglicher und anders gebaut als Winchester. Chichester ist Einkaufsstadt, aber ohne große Geschäfte, fast nur kleine Läden, dafür unglaublich viele. Insgesamt hat Chichester mehr Einkaufsstraßen als Winchester. Und so finde ich Café Nero erst nach Costa. Café Nero schmeckt mir deutlich besser. Als Stadt gefällt mir Winchester besser, es hat deutlich mehr Atmosphäre und eine eigene Art. Chichester ist eine normale englische Stadt. Bis auf …

Chichester Cathedral

Chichester Cathedral

Die Kathedrale. Sie ist kleiner als die in Winchester, dafür kostet sie keinen Eintritt und man wird von einer kleinen, alten Lady am Eingang abgefangen und vorinformiert. Dann bekommt man einen Führer in die Hand gedrückt. Tatsächlich ist es eine wunderschöne Kirche, mit modernen Gemälden von Chagall und sogar von einer deutschen Malerin. Mal in die Bildersammlung sehen. Am Ende der Runde komme ich mit einem Priester ins Gespräch. Er hat Verwandte in Deutschland, wir kommen auf Fußball, die EU, das Leben und Arbeiten in Deutschland und Großbritannien. Man kommt manchmal mit Leuten ins Gespräch und geht mit etwas heraus. Hoffentlich war das nicht der Bischof. So verbringe ich fast eine Stunde in der Kathedrale. Besuch empfehlenswert.

Ich streife noch etwas durch die Stadt, hier könnte man kaufen ohne Ende. Keine besondere Stadt, aber zum Shoppen der Bringer. Etwas Wasser wäre nicht schlecht.

Hayling Island, Portsmouth

Hayling Island, Portsmouth

Nicht weit von hier beginnt der Bereich Portsmouth/Southampton. Am Wasser. Laut Karte ist Hayling Island eine beliebte Strandgegend. Leider entpuppt sich diese als Kiesstrand und als eine der unangenehmeren Standgegenden. Wer nun aber den Ausblick auf Hochhäuser vom Strand aus, und Rummelplätze am Strand chic findet, der ist hier gut aufgehoben. Der Großraum Portsmouth/Southampton ist Großstadt par excellance, vergleichbar mit Birmingham oder Manchester. Also weniger gemütlich. So beginne ich, die Beschaulichkeit und Ruhe in West Meon zu schätzen. Manches schätzt man erst, wenn man die andere Seite kennt. Da gibt es das eine England, und das andere.

Ich mache mich lieber auf den Rückweg über A 3/M 3 in mein beschauliches West Meon. Noch ein Stop in Petersfield im neu entdeckten Tesco, Salat, Mozzarella, eine Schüssel und ein Fertigdressing ohne Geschmacksverstärker. Heute bin ich mal geschafft. Morgen früh lasse ich mich in die Geheimnisse der Scones-Produktion einweihen. Spannende Sache.

Donnerstag, 17. Juli 2014: Scones, Harting Downs

Schön, wenn man hinterher weiß, warum es nicht geklappt hat.

Lessons learned: Making Scones

Zutaten (für sechs übliche Scones):

  • 250 g Mehl und Backpulver, eher etwas mehr Backpulver als auf
    der Packung angegeben.
  • 40 g Butter, gesalzen oder ungesalzen. Keine streichfähige,
    sondern reine Butter. Wenn ungesalzen:
  • Eine Prise Salz
  • 25 g Zucker
  • 100 ml Milch
  • 1 Ei Größe M

Butter, Milch und Ei kühlschrankkalt (!). Eventuell Hände mit kaltem Wasser abkühlen. Mehl und Backpulver in einer Schüssel mischen. Die Butter in kleine Würfel (ca. 1 cm Kantenlänge) schneiden, in das Mehl geben und Butter und Mehl mit den Händen miteinander vermengen. Es muss sich eine krümelige Masse ergeben und es sollen keine Butterstückchen mehr zu finden sein. Ist es zu warm, funktioniert das nicht. Die Milch mit dem Ei vermischen, Zucker zur Masse geben und Milch/Ei vorsichtig mit einem Küchenschaber unterheben. Etwas Milch/Ei zurücklassen. Der Teig sollte fest sein, nicht kleben, aber auch nicht krümelig sein. Sonst noch etwas Milch. Teig auf einer leicht bemehlten Fläche mit der Rolle auf eine Dicke von ca. 1,5 cm ausrollen und Scheiben ausstechen. Mit der restlichen Milch/Ei bestreichen. Auf Backpapier legen und bei 200 °C (Umluft) ca. 10 bis 12 Minuten backen.

Warum die ersten vier Scones eine perfekte Form bekommen, die letzten zwei aus dem wieder zusammengefügten und erneut ausgerollten Teig aber nicht, ist ein Rätsel, das noch nicht gelöst wurde. Der Physiker würde vermuten, dass es etwas mit dem Zusammenpressen des Teiges beim Ausrollen zu tun.

Und tatsächlich, bei Rosemary wurden es perfekte Scones. Mit Clotted Cream und selbstgemachter Marmelade eine Klasse für sich. So sollte es eigentlich ein ruhiger Tag werden. Scones-Ausstecher in Petersfield besorgen, ein Cappuccino im Café Nero. Dann doch eine kleine Runde? 28 °C sind angesagt. Die Sonne zeigt, was sie kann.

South Harting

South Harting

Die Tour 38 aus meinem Büchlein scheint abkürzbar. Sie geht ab den Harting Downs los, die B 2148 ab Peterfield Richtung Chicester, hinter South Harting links ab auf die B 2141. Kurz drauf ist ein braunes Schild zu sehen, dass die Einfahrt anzeigt. Angegeben ist der Weg laut Buch mit neun Meilen/14 Kilometern bei 500 Höhenmetern. Aufpassen mit dem Beginn, man muss erst über den großen, hinteren Parkplatz und dann die Wiese hinauf. Kaum ist man ein paar Meter gegangen und geht auf den ersten Hügel, bietet sich eine 360 Grad-Rundumsicht. Eine großartige Aussicht, man sieht auch den Weald, das breite Tal, das die Höhenzüge South Downs und North Downs trennt. Nach meiner Meinung übertrifft die Aussicht den Old Winchester Hill deutlich.

Sich von Beacon Hill

Sich von Beacon Hill

Danach ein kleiner Nackenschlag. Es geht 300 Höhenmeter hinunter bis in den Bramshatt Bottom, dann wieder 300 Höhenmeter hinauf. Das in der Bildmitte sind ausgewachsene Rinder. Bei 28 °C ein definitiv schweißtreibender Anstieg. Belohnt aber mit einer etwas anderen Aussicht vom Beacon Hill. Nun kommt kurz nach Beacon Hill die Abkürzung. Es geht nach rechts ein schmaler Trampelpfad ab. Nur so, und nicht auf der normalen Tour, findet man auch den schlafenden Engel unter dem einzigen Bäumchen weit und breit. Der Trampelpfad landet auf einem Bridleway, dann rechts und es kommt der South Downs Way. Links herunter, durch die traumhafte Rotbuchen-Allee mit den Traumhäusern, am Ende der Siedlung geht links ein Footpath ab. Nach ca. 400 Metern landet man nach rechts im Baumtunnel, in der Tour als Wp. 11 beschreiben. Ab hier folge ich wieder der originalen Beschreibung.

North Marden

North Marden

Es geht nach North Marden hinein. Auch North Marden hat eine uralte Kirche aus dem 12. Jahrhundert, aber deutlich besser erhalten als die in Up Marden. Ebenso ohne Strom und Heizung, nur Kerzen. Aber die Kirche ist in ihrer Schlichtheit und Einfachheit bezaubernd.

Vor der Kirche findet sich ein schattiges Plätzchen für die Mittagspause. Danach führt der Weg über Felder, durch Wäldchen und weitere Baumtunnel, mal breit, mal schmal. Ab hier ist wieder Strecke angesagt, jedoch sehr abwechselungsreich, wegen der verschiedenen Wälder, den Wildwiesen und Randwegen. Nach gut dreieinhalb Stunden landet man wieder auf dem Parkplatz des NT. Ein Fehler im Buch: die letzte Anweisung von der Wildwiese in den Wald lautet „erst rechts, dann links“, ist aber genau umgekehrt.

Die Tour über die Harting Downs ist eindeutig mein Favorit in dieser Gegend. Ich würde gerne noch mal den kompletten Weg machen, dann aber nicht bei 28 °C und gleißender Sonne. Insgesamt mit einer Länge von über 14 Kilometern mit summiert 500 Höhenmetern ist der Track als Grad 4 von 5 angegeben (energetic). Aber er ist trotz der Strecke abwechselungreich mit tollen Aussichten.

Ich muss zurück. Die Scones und Cream Tea warten auf mich. Und die Hitze macht den Aufenthalt draußen nicht gerade attraktiv. Morgen dann mal faul? Wir werden sehen. 32 °C sind angesagt. Bisher nicht ein Tropfen Regen.

Lessons learned: The good life

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen „da drüben“ ist die Beobachtung der Lebensverhältnisse. Waren sie über lange Zeit zwischen Deutschland und Großbritannien eher konstant, hat mit Beginn des 21. Jahrhunderts eine Veränderung eingesetzt. Damals galt eine Grundregel, dass Lebensmittel und auch andere Produkte in der Regel in UK 20 bis 25% teurer waren. Jetzt in 2014 gilt diese Regel nicht mehr. Sie gelten noch für Benzin, geistige Getränke und Tabak. Ein Liter Superbenzin lag bei 1,59 Euro, ein Liter Diesel war zwei Eurocent teurer. Im Waitrose oder im Tesco liegen jedoch die Preise für Toast, Milch oder Zucker auf gleichem Niveau wie in Deutschland, wenn nicht sogar schon leicht darunter. Anzulasten ist das aus meiner Sicht dem Teuro und einer schleichenden, bewussten und verschleierten Verteuerung. Dass wir in Deutschland angeblich mit die niedrigsten Lebensmittelpreise haben, kann ich nicht nachvollziehen.

Besonders kritisch wird die Geschichte bei den Produkten des Alltags. In einem Dorf mit 20 oder 30 Häusern mitten in der Pampas hing am Dorfaushang ein kleines Plakat. Darauf wurde Breitband-Internet angeboten. 40 MBit/s für 10 £ pro Monat. Neugierig geworden fragte ich später im Vodafone-Shop in Chichester nach. In der Stadt kosten 50 MBit/s im Monat … 4.95 £ im Monat. Telefon bekommt man für wenige Pfund dazu als Flatrate nachgeworfen. Benzin mag teurer sein. Aber wie schon oft beobachtet, schwankte der Benzinpreis auch jetzt in der Woche nicht um ein Zehntel eines Pennies.

Essen gehen bleibt teuer. Ist jedoch relativ. 10.45 £ für eine Pizza im Pizza Express sind schon eine Hausnummer. Ein großes Stück gebratener Lachs auf Salat für 5,95 £ im Bistro des National Trust sind nun wieder akzeptabel. Auch Cappuccino für 2,20 bis 2,40 £ geht ohne Meckern durch, in einem Café wie Café Nero oder Costa. Dafür kostet dann ein großer Muffin nur 0,95 £.

Mir scheint es, als wenn die Verbraucher in Deutschland gnadenlos über den Tisch gezogen werden. Denn während in UK die meisten Produkte eher in Relation billiger werden, wird Deutschland immer teurer.

Freitag, 18. Juli 2014: Midhurst, Hinton Ampner (again), Wickham

Der faule Tag sollte doch noch kommen. In der Nacht gabe es ein mächtiges Gewitter und ziemlichen Regen. Zwar schien am Morgen wieder die Sonne vereinzelt durch die Wolken. Aber es war diesig, schwül und somit kein Tag für Wanderungen. Der Versuch eines Besuches in Uppark Garden scheiterte daran, dass der Park geschlossen war. Ohne Angabe von Gründen. Gut, dann eben Programmwechsel und rüber nach South Sussex. Das kleine Städtchen Midhurst liegt nur ein Dutzend Meilen östlich von Petersfield.

Midhurst

Midhurst

Zuerst fragte ich mich, was an einem Örtchen sein sollte, durch das den ganzen Tag der Verkehr der A 272 hindurch geht. Schlendert man jedoch die Einkaufsstraße mit dem Monsterverkehr herunter, nimmt noch eine Pizza mit und entdeckt erst danach den feinen Fischladen 7 Fishs, gelang zu einer Schlossruine. Die sieht imposant aus, schließlich hat schon Henry VIII. residiert. Sie liegt etwas außerhalb von Midhurst und ist als Cowdray Ruins ausgewiesen, nicht zu verfehlen.

Cowdray Ruins

Cowdray Ruins

Urspünglich stammt sie aus dem 14. Jahrhundert, ist dann leider 1793 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Besichtigen kann man sie nur am Wochenende, aber die Anlage ist recht groß und sicher einen Besuch wert. Nur heute am Freitag eben nicht. Nach dem geschlossenen Park heute schon die zweite Pleite. Allerdings geht hinter der Brücke vor dem Schloss ein kleiner Fußweg ab. Folgt man den dem Hügel hinauf, stößt man noch auf eine viel ältere Fundstelle.

Midhurst Park

Midhurst Park

Hier hat im 11. Jahrhundert ein normannisches Fort gestanden, Heim einer Familie. Die muss ziemlich wohlhabend gewesen sein, immerhin hatten sie eine eigene Kapelle. Die Struktur des Forts ist noch gut zu erkennen, es ist wahrscheinlich bis ins 13. Jahrhundert genutz worden. Ein Schild an dieser Stelle erzählt über die vermutliche Vergangenheit. Alles ist nicht geklärt, trotz vieler Untersuchungen. Die Bäume an dieser Stelle könnten bestimmt eine Menge erzählen, so alt sind die.

Midhurst Old Town

Midhurst Old Town

Geht man vom Fort von hinten nach Midhurst hinein, zeigt sich eine andere Ortschaft. Das da oben ist eine Entwicklung aus der Neuzeit. Wo viele Autos sind, sind viele Kunden. Schön ist es nicht. Aber im Kern ist zu erkennen, dass dieser Ort schon seit mehr als 1000 Jahren existiert. Der alte Dorfkern mit seinen Tudor-Häusern, alten Gassen und Mauern, der ist das richtige Midhurst, das alte Midhurst. Und das existierte schon lange vor der A 272. Nur wird so ein schönes Dorf verändert und entleert.

Hinton Ampner

Hinton Ampner

Inzwischen geht es auf den Nachmittag zu. Kaffeedurst stellt sich ein. Nun könnte ich zurück nach Petersfield fahren und meinem Stammcafé einen weiteren Besuch abstatten. Ich entscheide mich anders. Ich fahre noch einmal Richtung Winchester, genieße den Cappuccino im NT-Bistro des Hinton Ampner Garden, kaufe noch ein Backbuch im NT-Shop und setze mich eine Weile an meinem Lieblingsplatz hier: The Lush. Obwohl es heute im Park ziemlich voll ist, hört man dort unten davon nichts. Nur den Wind in den Bäumen und das Summen der Bienen und Hummeln. This place is magic. So verabschiede ich mich von einem Ort, den ich erst gar nicht sehen wollte. Und den ich gerne so zuhause hätte.

Wickham

Wickham

Für die Rückkehr ist es noch zu früh. Ich fahre noch etwas Richtung Süden hinter West Meon. In Exton ist eine große Forellenzucht. Wickham ist noch einmal ein kleiner Ort mit Einkaufsmöglichkeiten. Kein besonderer Ort, er wird dominiert von einem Parkplatz mitten im Ort, der vermutlich früher der Marktplatz war. Aber er hat den größten Hardware Store, den ich hier gesehen habe. Hexen habe ich dort nicht gesehen, aber es war ja auch erst Nachmittag und Juli.

Es geht zurück nach West Meon. Es ist noch zu packen und zu sortieren, denn dieses war der letzte Tag in den South Downs. Morgen wieder zurück gen Heimat. Rob sagte übrigens, der schnellste Weg ist nicht über M 3/A 3, A 31, A 32, wie das Navi meinte, sondern über die
A 272 nach Petersfield, auf die A 3 Richtung London, zurück zur M 25.

Ach ja, das Unvermeidliche …

Lessons learned: Holidays in the South Downs

Aus den South Downs, und ich spreche hier von den westlichen South Downs, kehre ich etwas zwiespältig zurück. Es ist eine wunderschöne Gegend, mit den Hügeln und Tälern, den gepflegten Dörfchen und Städtchen, den alten Pubs und Gärten. Es ist manchmal geradezu bilderbuchartig, wenn man in den Seitenwegen auf reetgedeckte Häuser stößt, die Gärten offentlichtlich das Werk mehrerer Generationen. Die Zahl der Wanderwege ist unermesslich, die Karten geben nur einen Bruchteil von dem wieder, was an Wanderwegen vorhanden ist. Doch Wandern in den South Downs ist überwiegend Streckenwandern, schon mal mit steilen oder langen Anstiegen. Dann bieten sich Ausblicke in dieses weite Land. Wer meint, solche Ausblicke gäbe es nur in Australien, den USA oder sonst wo, der irrt gewaltig. Europa kann locker mithalten. England, Wales und Schottland können locker mithalten.

Was den South Downs abgeht, ist Spektakuläres. Jedenfalls dann, wenn man schon spektakuläre Touren unternommen hat. Wer die Vielfalt und Abwechselung sucht, die wanderische Herausforderung, die 500 Meter-Klettereien und die harten Touren, der ist hier falsch. Der sollte sich besser nach Snowdonia, in die Black Mountains, nach South Wales oder zum Teil auch nach Cornwall orientieren. Dieser Teil Englands ist der Gleichmut, das Aufgehobensein, zum Teil auch einfach Sicherheit. Und irgendwie strahlen die Orte und Wege das aus. Was etwas Beruhigendes hat, hier kann man in der Tat entspannen, laufen lassen. Für Erholungsurlaub sind die South Downs ideal. Für eher etwas mehr Abenteuer nicht. Und noch etwas ist erwähnenswert: die englische Küche und das Essen in Pubs hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Vegetarier und Fischesser kommen schon länger auf ihre Kosten. Bioläden gibt es in fast jedem größeren Ort.

Ein Ort, der mir sicher im Gedächnis bleiben wird, ist The Lush im Hinton Ampner Garden. Ein Ort, so ruhig, so sicher und so still, wie man eigentlich das ganze Leben haben möchte. Ok, ein bisschen Party ab und zu kann nicht schaden.


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