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Cortana als Schreibkraft für Texter?

Ich hatte in meiner seligen Jugend mal eine Freundin, die war gelernte Stenotypistin. Ein Beruf, der heute ausgestorben ist. Auf jeden Fall konnte sie auf der (elektrischen) Schreibmaschine so schnell schreiben wie ich zügig sprach. Das fand ich schon damals beeindruckend. Nun habe ich im Moment Mengen an Text zu produzieren, für einige Sendungen und Wortbeiträge. Nun bin ich ja allgemein vor nix fies, schon gar nicht vor dem technischen Fortschritt. Auch wenn ich niemals beim Radfahren das Smartphone in der Hand haben muss wie die Mädchen auf ihren uncoolen Hollandrädern, die wir damals nicht mal mit der Zange angepackt hätten. Geschweige denn gefahren. Was lag mit Windows 10 dann näher, als die eingebaute Spracherkennung Cortana zu nutzen und so die Texte schneller zu schreiben als mit meiner Vierfinger-Tippmethode? Versuch macht klug.

Vor den Erfolg hat Microsoft Windows gesetzt

Nun habe ich allerdings eine englische Windows-Version. Der eine deutsche Spracherkennung hinzu zu fügen, ist möglich, aber erst, wenn man sich durch einige Beschreibungen bei Microsoft geangelt hat. Ging am Ende, man muss nämlich nicht nur die deutsche Oberfläche herunter laden, sondern an gut versteckter Stelle auch eine deutsche Spracherkennung. Möchte Microsoft wohl bewusst nicht ganz einfach machen. Danach ist empfohlen, die Spracherkennung zu trainieren, damit sie mit der eigenen Artikulation und Stimme zurecht kommt. Das alles nimmt schon mal einige Zeit in Anspruch, aber was tut man nicht alles, um später ein paar Minuten zu sparen. Dann ist diese Spracherkennung in der Lage, Windows-Befehle per Sprache entgegen zu nehmen oder gesprochenen Text in eine Anwendung zu liefern. In meinem Fall Microsoft Word. Das funktioniert erst einmal alles klaglos, Spracheingabe in den Browser mit WordPress geht nur über Umwege. Wenn, wie schon bemerkt, man so einige Installationshürden genommen hat. Dann fangen wir mal an, eine Moderation einzusprechen. Noch nicht ins Mikro, erst mal als Text-Version in Word.

Was Cortana alles nicht kennt

Normale Alltagssprache kommt überraschend gut an und wird meistens tadellos erkannt. Mit einem Core i5-Prozessor nicht gerade rasend schnell, aber akzeptabel. Wird ein Wort nicht richtig erkannt, kann man es wiederholen. Dazu muss man aber wieder an die Tastatur. Ein „Undo“ kennt Cortina nicht. Nach zwei bis drei Versuchen sollte man es Cortana dann näher bringen und über den Befehl „Buchstabieren“ Buchstaben und gesprochenes Wort in Übereinstimmung bringen. Dabei stellt sich heraus, dass es Cortana ausgesprochen schwer fällt, mein „e“ und „i“ auseinander zu halten. Da vergehen schon mal einige Minuten für das neue Wort „Coversong“. Danach wird es meistens richtig erkannt. Nach und nach kommen so einige Seiten eingesprochener Text in Word zustande. Davon vergeht jedoch eine ziemliche Menge Zeit, bis Cortana Wörter wie „Progressive Rock“, „Jazz-Band“ oder „Albumversion“ gelernt hat. „Von „Gentle Giant“ oder „Level 42“ ganz zu schweigen. Erstaunlich ist, dass ihr der Mischmasch aus Deutsch und Englisch wenig ausmacht, wenn sie den Begriff einmal erlernt hat.

Wirklich ein Gewinn?

Für die Texte, die ich aktuell schreibe, nämlich Moderationen über Musik, insbesondere moderne Musik, ist der Zeitbedarf für das Erlernen neuer Begriffe sehr groß. Das mag sich über die Zeit ändern, wenn Cortana immer mehr Wörter erlernt hat. Aber gerade am Anfang ist es nervig, für manchmal Minuten aus dem Text auszusteigen und Cortana neue Wörter beizubringen. Und das sind im Themengebiet Musik eine Menge. Dazu stellte ich aber irritiert nach einiger Zeit fest, dass ich im Texten langsamer war als beim Schreiben. Manchmal dauerte es Sekunden, dass ich in einem Satz fest steckte und erst sehen musste, wie es denn nun weiter ging. Und das liegt an einem merkwürdigen Effekt.

Wenn ich Texte entwickle und sie niederschreibe, habe ich durch mein nicht sonderlich schnelles Schreiben genug Platz zwischen den Neuronen, um quasi parallel zum Tippen Texte zu bauen. Das Tippen auf der Tastatur und die Textproduktion sind auf wundersame Weise ineinander verzahnt, ohne sich gegenseitig zu stören. Die eine Aktivität ist Denken, die andere Schreiben. Es scheint, dass dafür eben unterschiedliche Bereiche des Gehirns zuständig sind, da geht Multitasking. Das heißt, dass es so scheint, als ob die Texte ohne besonderes Nachdenken entstehen. Es fließt automatisch aus dem Kopf in die Tasten. Wenn ich nun Texte einsprechen und gleichzeitig entwickeln muss, läuft das gegeneinander. Tippen und Denken zugleich geht gut, Denken und Sprechen dagegen weniger. Es kam mir so vor, als könnte ich zwar analytisch Text entwickeln, ihn aber nicht gleichzeitig aussprechen. So wurde aus dem gewohnten fließenden Schreiben eine Sequenz Nachdenken – Sprechen – Nachdenken – Sprechen. Cortana ist das egal, die hat alle Prozessorzyklen der Welt. Aber mir entglitt der Textprozess, die Texte wurden auch dazu immer statischer und abgehackter. So lange, bis ich die Quatscherei in den Computer aufgab, weil es mich einerseits nervte, andererseits meine Texte immer schlechter wurden.

So hatte das Experiment Cortana schnell ein Ende und ich gehe erst einmal zurück in meine gewohnte Tipperei. Irgendwie habe ich den Kopf dabei freier. Nicht alle Technik ist ein Fortschritt, manche ist auch eine Behinderung. Haben die Kiddies mit dem Handy beim Radfahren in der rechten Hand auch noch nicht gemerkt. Oder erst, wenn sie mal am Laternenpfahl gelandet sind.

 

PlainEdit, Dreamweaver, Typo3, Joomla und nun WordPress

WordPress als Nachzügler

Meine ersten Seiten im Web habe so um 1995 online gebracht, zu einer Zeit, als man HTML noch mit einem normalen Texteditor schrieb. Und als CSS und JavaScript noch lange nicht erfunden waren. Später wechselte ich zu PlainEdit, der auch nicht viel mehr als ein Text-Editor war. Dagegen war dann Macromedia Dreamweaver Anfang des 21. Jahrhunderts geradezu Hochtechnologie. Es folgten etwas später die CMS-Systeme Typo3 und einige proprietäre Produkte, meine letzten Sites habe ich mit Joomla angelegt. Berufsbedingt kam nun auch WordPress ins Spiel. Diese meine aktuelle Site folgt den Entscheidungen des Unternehmens, für das ich arbeite. Mit allen Systemen, von Dreamweaver bis WordPress, habe ich inzwischen ausgesprochen „fette“ Projekte hinter mir, deshalb an dieser Stelle meine Erfahrungen mit WordPress als CMS und einige wenige Seitenblick dazu zu Joomla.

Systemvergleiche

Was Installation und Handhabung angeht, sind Joomla und WordPress  nicht wesentlich unterschiedlich. Es gibt ein Frontend und ein Backend, bei WordPress scheint immer noch die Blog-Software durch, während Blogs bei Joomla eher ein Nebenprodukt sind. WordPress ist immer noch die ernsthaftere Blog-Version, Joomla hat Blogs mehr als ein Me-Too. Dementsprechend ist WordPress zum Bloggen bequemer und konsistenter, es automatisiert die Organisation von sich aus. Dafür sind statische Seiten in WordPress eher aufgesetzt, sie wirken noch immer etwas exotisch.

Die Historie und der Anspruch

Joomla war von Anfang an als vollständiges Web-CMS gedacht, WordPress nur zum Bloggen. Dementsprechend sind in Jooma wesentlich mächtigere und weitreichendere Funktionen implementiert. Joomla erlaubt den Einfluss auf viele Aspekte des Contents, WordPress ist da eingeschränkter. Allein das Widget-Konzept in Joomla erfordert eine ganz andere Form von Hauptmenu, befreit aber auch von Designschranken. Das Resultat ist, dass das Backend in WordPress deutlich übersichtlicher ist, während man sich in Joomla gerne verläuft. War das jetzt ein Beitrag, ein Modul oder eine Funktion? Auch ist die Auswahl in Joomla bezüglich Tools und Plugins wesentlich größer. Bei einer Wahl zwischen Joomla und WordPress kann das ein entscheidender Faktor sein.

So hat man in WordPress nicht die Möglichkeiten, Beiträge nach Kategorien oder Autoren zu sortieren und Menus unter solchen Gesichtspunkten zu sortieren. Überhaupt sind die Menu-Funktionen in Joomla nicht mit denen in WordPresszu vergleichen. Die Frage an dieser Stelle ist also, wie komplex ich es eigentlich brauche. Wenn ich nur Seiten gestalten möchte, mit ein paar Bildern und einem überschaubaren Hauptmenu, kann dann WordPress die bessere Wahl sein. Jedoch hat die Historie auch noch andere Auswirkungen, die entscheidend sein können. Aber nicht müssen.

In zwei Aspekten ist dieser historische Ansatz jedoch spürbar und kann in Projekten bestimmter Art bemerkbar sein.

User ist nicht gleich User

Joomla hat in der User-Verwaltung und damit in den Rechten, wer was tun darf, eine wesentlich feinere Gliederung. Für ein Einzelprojekt spielt das kaum eine Rolle. Habe ich jedoch ein großes Team, wo die Einen nur schreiben, die Anderen aber auch verwalten dürfen, sind solche Unterscheidungen in WordPress nicht möglich. Das kann Hürden aufbauen, wenn die Unterschiede in den Ausbildungsständen im Team sehr groß sind und sogar ein Projekt gefährden können. Man möchte halt nicht jeden Kollegen an alles heran lassen.In WordPress kann ein User alles, fast alles und sehr wenig. Da ist Joomla genauer, denn es hat in dieser Hinsicht schon fast Funktionen wie ein Redaktionssystem. Da ist auch mit Plugins nicht viel zu ändern, das ist der Historie von WordPress geschuldet.

Wer zählt die Dateien

Ein weiterer Schwachpunkt in WordPress ist die Mediathek. Für ein paar Bilder oder Datein ist die Mediathek in WordPress kein Problem. Hat man jedoch, wie in unserem Firmen-Projekt, Hunderte von Bildern und Dokumenten, gleicht das Wiederfinden eines Bildes oder Dokumentes einem Lotteriespiel. Zwar ordnet WordPress Dateien nach dem Datum des Hochladens, aber nach dem Einstellen von vielen Dateien innerhalb eines Monats hilft das wenig. In unserem Firmenprojekt mit fast 100 Produkten mit den zugehörigen Bildern, Installationsanleitungen, Datenblättern und Flyern standen wir zuerst vor einem Problem.

Erst wollten wir einen eigenen Ablageordner anlegen, unter Zuhilfenahme des File Managers, das hätte aber bedeutet, dass man alle Dateien händisch verwalten mussten anstatt die WordPress-internen Funktionen verwenden zu können. Eine wenigstens halbwegs praktikable Lösung fanden wir in dem Plugin Enhanced Media Library. Damit kann man Dateien in der Mediathek in Kategorien organisieren, so dass man Dateien Beiträgen oder Dateitypen zuordnen kann. Das lindert die geringe Sortierbarkeit in der Mediathek deutlich.

Vom Blog zum CMS

Trotzdem konnte ich mich mitWordPress als CMS nicht so recht anfreunden. Mir fehlten einfach die Gestaltungsmöglichkeiten wie in Joomla. Das änderte sich, als wir für das Firmen-Projekt von einer externen Agentur ein Template bestellten, das sich als auf dem Enfold Template basierend herausstellte. Enfold ist nicht nur ein Template, sondern beinhaltet nicht nur installierte, sondern integrierte Plugins und Tools, einen Editor für Seitenstrukturen und vieles mehr. So kann man Seiten mit unterschiedlichsten Elementen strukturieren:

Enfold-Strukturen

Enfold-Strukturen

Danach fügt man Inhaltselemente ein:

Medien behandelt Enfold auch separat mit passenden Plugins wie Lightbox:

Enfold-Medien

Enfold-Medien

Hinzu kommen bereits integrierte Plugins für eine Layer-basierte Slidebox, Media-Player und die bereits erwähnte Lightbox zum Zoomen und Darstellen von Bildern. Im Gegensatz zu den Plugin-Schlachten herkömmlicher Bauart sind diese integraler Bestandteil von Enfold.

Mit Enfold bekommt WordPress erst die Möglichkeiten, die man zum flexiblen und wirkungsvollen Gestalten benötigt. Man könnte sagen, dass es die Templates sind, die aus WordPress ein halbwegs brauchbares Web-CMS machen, was die Gestaltung angeht. Es behebt nicht die Probleme in der User-Verwaltung oder in der Mediathek. Es reichte jedoch, zusammen mit einigen weiteren Plugins, mich von WordPress zu überzeugen. Denn die Handhabung des Backends ist doch deutlich benutzerfreundlicher und schneller als in Joomla. Deshalb habe ich die 70 $ für Enfold investiert. Eine Investition, die ich nicht mehr missen möchte.

Was bringt’s dem Journalisten?

Das System WordPress + Enfold Template ist eine einfach zu bedienende, übersichtliche CMS-Oberfläche, die keine tiefgründigen Informatikkenntnisse voraussetzt. Trotzdem sehen die Ergebnisse professionell und ansprechend aus. Die gleichen Ergebnisse kann mit Joomla genau so erreichen, jedoch ist der Aufwand wesentlich höher und Joomla kann einen unbedarften Benutzer nicht nur am Anfang abschrecken. Die überschaubare Struktur in WordPress macht dieses CMS auch für Leute interessant und handhabbar, die eben nicht technisch orientiert sind und einfach nur schreiben möchten, nicht entwickeln. In diesem Sinne öffnete WordPress die Welt des Online-Journalismus auch nicht technischen Anwendern.

So läuft diese Site nun unter WordPress. Als Nächstes kommt die Multisite-Funktion in WordPress. Weil Web-Design auch Spaß machen kann.

Entrauschen in Adobe Audition

Es war einmal ein Mikro

Eine Zeit lang habe ich gerne mit dem Rode NT1-A aufgenommen. Die eine Stärke des Kondensator-Großmembraners ist das fast nicht hörbare Rauschen. Die andere ist für die Aufnahme von Gesang die Fähigkeit, auch kleinste Nuancen und Feinheiten aufzulösen, für eine Sängerin wie Adele unverzichtbar, für einen Sprecher von Texten jedoch eher nervig. Denn diese Feinsinnigkeit des NT1-A bedeutet, dass auch kleinste Unsauberkeiten wie Lippengeräusche, Schmatzen, Zungengeräusche oder nur Geräusche von der Maus in der Aufnahme landen. Das nervte mich. So holte ich wieder mein Rode Procaster aus dem Koffer, stöpselte den geliebten Triton FetHead davor und erfreute mich des warmen, angenehmen Klanges dieses mächtigen Großmembraners der dynamischen Bauweise. Keine Schmatzer mehr, keine Lippengeräusche, ein sonorer Klang, der trotzdem nicht auf Feinheiten in der Stimme und Artikulation verzichtet. Aber oh weh, da war es wieder. Wenn man sich keinen Channel Strip (also einen Mikrofon-Vorverstärker) der 2000 Euro-Klasse leisten kann oder will, ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: das Rauschen vom Mikrofon selbst und vom Vorverstärker. Denn aufgrund physikalischer Gegebenheiten rauscht gerade ein dynamisches Mikro eben. Der Kondensator hat da prinzipbedingt die Nase vorn. Also entweder es rauschen lassen, oder … sich etwas detaillierter mit den Rauschreduzierungen in Adobe Audition auseinander setzen. Gesagt, getan. Die Zeit kostet das Erforschen, wie es geht. Hat man das getan, ist das weitgehende Ausschalten des Rauschens nur eine Sache weniger Clicks.

Eines ist jedoch Voraussetzung. Damit das schnell und easy geht, muss man eine fixe Konfiguration haben. Alle Pegel gut und passend eingestellt, immer gleiches Mikro, Sprechabstand einigermaßen konstant, Umgebung weitgehend identisch. Daher sollte man vor der Erstellung seiner Entrauschung das alles erledigt haben. Wechselt man später das Mikro, den Preamp oder die Pegel, geht es noch einmal vor vorne los. Selbst dann spreche ich von Minuten für eine neue Einstellung. Oder man kann sich für unterschiedliche Konfigurationen Presets in Audition abspeichern. Kein Beinbruch, nur ein paar Schritte zusätzlich.

Adobe Audition ab CS6/CC kennt mindestens zwei Entrauschungsfunktionen.

Adaptive Noise Reduction vs. Hiss Reduction

Noise/Hiss Reduction

Noise/Hiss Reduction

Die erste nennt sich ‚Adaptive Noise Reduction‘ und versucht, selbst zu erraten, wo etwas zu entrauschen ist, daher ‚Adaptive‘. Diese Funktion ist schon recht gut, erfordert aber eine Menge Versuche, die exakten Einstellungen zu finden, bei denen es zuverlässig geht. Diese Funktion war schon vor CS6 in Audition und wurde aus Gründen der Kompatibilität beibehalten. Damit alte Produktionen aus < CS6/CC weiter laufen, die dieses Plugin verwenden. Neu in CS6 ist die letzte Funktion ‚Hiss Reduction (process)‘, die arbeitet wesentlich zuverlässiger und genauer, weil sie in der Lage ist, ein Rauschen erst zu analysieren und das Gesamtsignal danach viel genauer zu entrauschen. Um das für seine Konfiguration zu tun, brauchen wir eine Art Template, mit dem wir unser spezifisches Rauschen vorliegen haben und etwas Testmaterial, um die Einstellungen der Funktion zu optimieren.

Wir machen uns also, mit den endgültigen Einstellungen und Parameter der Konfiguration, eine kleine Aufnahme. Diese besteht bei mir aus:

  • Fünf Sekunden Stille, nur Mikro und Preamp dürfen vor sich hin rauschen.
  • Zwei bis drei normale, aber noch natürliche Atmer.
  • Nun Zählen von eins bis fünf. Die Eins möglichst leise, dann lauter werden bis zur Fünf mit normaler Stimme.

Dieses Template speichern wir mit möglichst hoher Qualität ab. Ich nutze grundsätzlich 320 kBit/s bei 44,1 kHz. Zwar könnte man glauben, dass es später eh nur mit 192 kHz/s auf den Sender geht, aber das ist ein Trugschluss. Schlechtere Qualitäten sollte man grundsätzlich meiden, damit die Gesamtqualität später bei mehrfacher mp3-Reduktion nicht grottenschlecht wird. Diese Regel gilt übrigens immer. Stellt man sich vor, man produziert einen Jingle, der am Ende mindestens drei Mal durch den mp3-Encoder geht – erste Aufnahme, abmischen, noch mal im Projekt abmischen – bleibt am Ende kaum noch etwas Brauchbares zurück. Was erst einmal aus dem Material raus ist, kann man nicht wieder zurück holen. In diesem Sinne: als mp3 immer mit der höchsten Qualität arbeiten, bis es am Ende auf den Server des Senders geht. Dann geht unterwegs nicht viel verloren.

Analyse des Templates

Hiss Reduction

Hiss Reduction

Eventuell noch Geräusche am Beginn der Aufnahme löschen, so dass der erste Teil eben nur aus Rauschen besteht. Dieses Template lädt man nun in Audition im Spureditor, nicht im Multitrack. Nun werden die ersten vier bis fünf Sekunden reines Rauschen mit gedrückter linker Maustaste markiert. Hier haben wir das Rauschen, das nun analysiert wird. Nun rufen wir ‚Effects | Noise Reduction | Hiss Reduction‘ auf. Wir clicken ‚Capture Noise Floor‘ und bekommen im Diagramm genau die Charakteristik unseres Rauschanteils. Nun markieren wir als nächstes unsere Atmer, um die Parameter des Entrauschers zu optimieren. Das Rauschen soll reduziert werden, die Atmer müssen möglichst genau erhalten bleiben.

Parameter

Parameter

Die Parameter im ganz unteren Bereich können wir so lassen, das passt ganz gut. Wir nutzen nur die beiden Regler ‚Noise Floor‘ und ‚Reduce by‘. Mit dem oberen Regler wird der Pegel des Rauschen eingestellt, mit dem zweiten, wie stark das Rauschen reduziert wird. Zum Abhören empfiehlt es sich, die Loop-Funktion unten rechts zu aktivieren und dann das Abhören mit dem Pfeil daneben zu starten. In der stetigen Wiederholung optimiert man die beiden Einstellungen für den Rauschpegel und die Reduzierung desselben.  Das ist etwas Ausprobieren, geht aber zügig. Meine Kombination Rode Procaster – Triton FetHead – Steinberg UR22 war bei 5 oder 6 dB und 14 bis 16 dB optimal. Dann sollte das Rauschen möglichst leise sein, die Atmer noch möglichst unverfälscht. Haben wir dort unsere Einstellungen gefunden, speichern wir die komplette Einstellung als Preset ab. Das beinhaltet nicht nur die Reglereinstellungen, sondern ebenso die Rauschwerte. Hat man mehrere Kombinationen, zum Beispiel unterschiedliche Mikros oder Preamps, speichert man die verschiedenen Charakteristika. So spricht der Name für sich und die Entrauschung ist nur noch wenige Clicks entfernt. Nun noch einmal in die Aufnahme clicken, um die Auswahl aufzuheben, dann ‚Apply‘. Oder Strg+A und ‚Apply‘. Das wars.

Alternative ‚Noise Reduction (process)‘

Audition hat noch einen zweiten Entrauscher, der in der Effektliste ganz oben zu finden ist: ‚Noise Reduction (process)‘.

Noise Reduction

Noise Reduction

Der Arbeitsablauf ist im Grunde der gleiche, nur werden hier der Rauschanteil in Prozent und die Absenkung in dB eingestellt. Zusätzlich kann man nur das Template-Rauschen selbst abspeichern, unabhängig von den Reglerwerten. Im Grunde macht Noise Reduction das Gleiche wie Hiss Reduction, nur scheint der Algorithmus ein etwas anderer zu sein. Auch diese Funktion arbeitet recht brauchbar, so lange man nicht versucht, alles Rauschen zu entfernen. Vielleicht für den eigenen Fall mal beide versuchen und für sich heraus zu finden, welche Funktion bessere Ergebniss bringt. Brauchbar waren bei mir 20% und 10 dB, sonst hat man beim Mastering ein derbes Problem. Rauschfahnen und Pumpen des Compressors.

Zu viel des Guten ist von Übel

Kontraproduktiv ist es bei beiden Plugins, alles Rauschen entfernen zu wollen. Das Rauschen im Signal wird nämlich nicht zu 100% entfernt und es bleiben Transienten im Signal, die wir zwar nicht hören, die ein nachfolgender Exciter oder Kompressor aber schon „sieht“. Und zwar um so mehr, je mehr das Plugin das Rauschen heraus gerechnet hat. Die Folge beim Exciter ist, dass er versucht, diese Transienten, wie er es eigentlich auch soll, zu betonen. Das bringt dann Rauschfahnen zu Anfang und Ende des Nutzsignals. Ein Compressor findet die Transienten auch und regelt herunter. Das Ergebnis ist ein Pumpen. Beides klingt unschön und macht das doch gute Ergebnis wieder schmutzig.

Daher sollte das Rauschen um einen hörbaren Anteil reduziert werden, aber nicht völlig beseitigt. Selbst wenn man hinterher nicht selbst mastert, kann der nicht in die Rechnung einbezogene Sendeprozessor mit seinem Compressor ins Pumpen kommen. Dann ist es zwar rauschfrei, klingt jedoch trotzdem nicht gut. Der einzige Fall, wo man das Rauschen bis gegen Null reduzieren könnte, wäre der, wenn das Ergebnis unveränderbar auf einer CD oder auf einem Stick landet und nicht zusätzliche Bearbeitungsschritte folgen.

Randerscheinungen

Man muss sich immer darüber klar sein, dass jede Änderung der Konfiguration, seien es Pegel oder Geräte, eine neue Parametrisierung notwendig macht. Baut man sein Schlafzimmerstudio für jede neue Aufnahme immer erst mal auf, sollte man dafür sorgen, dass alle Zustände wieder gleich sind: Sprechabstand, Platzierung des Mikros, die Umgebung mit Hall und Fremdschall. Wirklich kritisch sind dabei die Pegel am Preamp und im PC, sie haben direkten Einfluss auf den Rauschanteil. Dagegen sind Sprechabstand und Raum nur kleinere Faktoren, die man auch nicht zwingend berücksichtigen muss.

Und so klingt das nun vorher und nachher. Das Rauschen am Anfang habe ich etwas verkürzt. Und die Ergebnisse sind durchaus brauchbar. Es ginge sogar noch etwas mehr Rauschreduktion, da war mir der Einfluss auf die Atmer zu groß und es klang etwas unnatürlich. Your mileage may vary.

Vor dem Entrauschen

Nach dem Entrauschen

Sprecherkabine für Arme

micscreen

micscreen

Normalerweise habe ich in Niedersachsen mein Kellerstudio, perfekt gedämmt, den PC am anderen Ende des Raumes mit Absorbern akustisch abgetrennt, nur Monitor und Maus auf dem Aufnahmetisch. Gelegentlich möchte ich gerne auch in meiner Behausung in Ostwestfalen kurze Texte einsprechen, manchmal nur wenige Minuten lang. Doch selbst das Schlafzimmer mit Bett und Wandbehang ist zu hallig, wenn auch ruhig. Was tun? In solchen Fällen kann ein Micscreen wie von Thomann helfen.  Hier fängt das Angebot bei knapp unter 50 Euros an, nach oben hin fast offen. Für mich wesentlicher war, dass ich bei nur gelegentlicher Nutzung den Micscreen auch verstauen muss. Und jedes Mal erst in den Keller zu laufen, macht die Sache nicht einfacher. Das muss doch anders, billiger und einfacher gehen. Tut es auch.

Man nehme:

  • Zwei Platten Dämmschaumstoff, billig und mit viel Auswahl beim Pyramidenkönig; Pyramiden dämpfen besser, Noppen sind flacher; ich habe 7 cm-Pyramiden genommen.
  • Zwei Hartschaumplatten 50 x 50 cm aus dem Baumarkt, alternativ auch Sperrholz (schwerer, aber stabiler). Weißer Hartschaum und weißer Schaumstoff sehen besser aus. Sonst das Sperrholz mit Spühfarbe bearbeiten.
  • Zwei kleine Möbelscharniere.
  • Klebstoff, klassisches Pattex für Platten und Scharniere,  oder Sekundenkleber bzw. alternativ Senkkopfschrauben und Muttern für die Scharniere.

Die beiden Platten mit den Scharnieren verbinden, dabei bei den Scharnieren darauf achten, dass die Platten nach hinten ganz zusammen geklappt werden können. Den Schaumstoff auf der Vorderseite der Platten aufkleben, an der Verbindungsseite etwas Abstand lassen. Geht, weil die Schaumstoffplatten nicht ganz 50 cm lang sind. Fertig. Materialaufwand unter 15 Euros, Arbeitszeit eine Viertelstunde. Leicht angewinkelt stehen die Platten auf jedem Tisch. Unbenutzt verschwindet der Billig-Micscreen unter dem Bett oder im Schrank. Zwar kann man mit solchen Mitteln kein Badezimmer in eine Sprecherkabine verwandeln, aber für den Aufwand sind die Ergebnisse ganz brauchbar. Man bekommt den eigentlichen Hall nicht heraus, jedoch werden die hohen Frequenzanteile im Hall reduziert. Vielleicht ordere ich doch mal einen größeren Schirm bei Thomann und vergleiche die Ergebnisse.

Schlafzimmerstudio – ohne Micscreen

Schlafzimmerstudio – mit Micscreen

Die Familie wächst: Scarlett Solo

Scarlett Solo

Scarlett Solo

Das wäre genau das gewesen, was ich damals gesucht hatte. Die optimale Lösung für Podcasts und andere Produktionen, die nur ein Mikro brauchen. Nach dem Scarlett 2i2 mit zwei Mikro-Eingängen hat Focusrite nun das Scarlett Solo heraus gebracht. Das Scarlett 2i2 hatte ich schon früher beschrieben, und was die guten Dinge angeht, unterscheidet sich die kleine Schwester gar nicht. Gleiches stabiles Metallgehäuse, gleiche Elektronik, nur eben nur mit zwei Mono-Eingängen, einer für Mikrofone, einer für E-Instrumente oder Line-Signal. Einziger Kompromiss ist, dass die Ausgänge für das Line-Signal an einen Verstärker oder an Aktivboxen nicht mehr 6,25 mm-Klinken sind, sondern Cinch-Buchsen. Dafür ist das Gehäuse geschrumpft. Klangunterschiede gibt es gegenüber dem Scarlett 2i2 auch keine. Jedenfalls höre ich keine.

Die Bedienung des Scarlett Solo ist im Vergleich zum 2i2 reduziert. Es gibt nur einen Regler für den Ausgangspegele von Line-Out und Kopfhörer, wenigstens die Umschaltung zum direkten Mithören der Aufnahme statt über den Ausgang des PCs ist erhalten. Für direkte Aufnahmen beim Einsprechen aber auch unverzichtbar.

Was bleibt, in der ganzen Scarlett-Familie, ist die fehlende Eignung für dynamische Mikrofone, da fehlen einige dB Verstärkung. Man muss den Eingangspegel bis zum Anschlag aufziehen, so dass doch deutlich vernehmbares Rauschen auftritt. Außer eben mit dem Triton FETHead. Nettes Audiointerface, das problemlos in die Laptop-Tasche passt. Das Scarlett Solo ist die kleine Recordinglösung für den Podcaster oder Moderator. Was man braucht ist da, aber auch nicht mehr. Guter Klang, solide gebaut. Unter 100 Euro.

Mikrofone im Vergleich

Faszinierend, wie unterschiedlich Mikros reagieren und klingen. Überraschend beim direkten Vergleich, wie gut sich das billige Thomann-Zeugs hält.

Noch eine merkwürdige Erkenntnis ist, dass es mit dem dynamischen, verstärkerlosem Broadcaster mehr rauscht als beim M3, das einen Vorverstärker drin hat. Ich vermute, dass die Rückwirkungen vom Mikro zum 2i2/UR22 doch wesentlicher sind als gedacht. Also ist es am Ende die Kombination aller Komponenten. Da ist noch Raum zum Basteln.


Rode Broadcaster – Triton FETHead – UR22

Rode M3 – Triton FETHead – UR22

Rode NT1A – UR22

Thomann t.bone SC400 – UR22

Thomann t.bone SCM300 – 2i2

Shure SM57 – Triton FETHead – UR22

Focusrite Scarlett 2i2 versus Steinberg UR22

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Steinberg UR22

Steinberg UR22

Man hat nicht oft die Gelegenheit, zwei vergleichbare Produkte im echten AB-Test unter die Lupe nehmen zu können. Manchmal aber doch, denn nach einem USB-Audiointerface von Focusrite habe ich mir noch eins von Steinberg zugelegt, weil ich keine Lust zum ständigen Umbauen hatte. Ich hätte auch gleich ein zweites Focusrite nehmen können, doch die Neugier war zu groß. Einfach kann jeder. Um es vorweg zu nehmen, steht das Steinberg im Keller in der Aufnahme, das Focusrite oben im Arbeitszimmer an der Abmischstation. Weil sich eben heraus stellte, dass die Produkte zwar funktional sehr ähnlich sind, aber doch ihre Stärken und Schwächen haben. Nein, Schwächen haben beide nicht. Nur die Stärken sind unterschiedlich.

Im Focusrite werkelt eigene Hardware von Focusrite. Im Steinberg ist Yamaha-Hardware verbaut, was man spätestens bei der Treiberinstallation sieht. Beide Treiber laufen ohne Probleme, die angeblich instabilen Treiber von Steinberg sind mir nicht untergekommen. Nach der Installation jeweils von CD liefen die Interfaces ohne Murren. Nur auf der Focusrite-CD war ein alter Treiber, doch auf der Website gibt es neue Versionen.

Scarlett 2i2 USB

Scarlett 2i2 USB

Technische Details spare ich mir, die finden sich für Focusrite und Steinberg zuhauf im Netz. Gemeinsam sind UR22 und 2i2 zwei symmetrische Eingänge für Mikrofone oder Line-Signale über eine Kombibuchse, ein 6,3 mm-Kopfhörerausgang und zwei symmetrische Ausgänge für Monitore über 6,3 mm-Klinke. Nur das UR22 hat noch zusätzlich ein MIDI-Interface und für einen der Eingangskanöle einen Hi-Z-Eingang für E-Instrumente. Allerdings mit Grenzen, denn der Eingangswiderstand ist mit 500 kOhm nicht wirklich hochohmig. Für mich irrelevant, denn ich produziere nur Sprache. Wird nur ein Eingang genutzt, wird mono auf beide Stereokanäle geroutet. Nutzt man beide Eingänge, wird konventionell auf die beiden Stereo-Kanäle geroutet. Monitor und Kopfhörer sind beim 2i2 getrennt regelbar. Beim UR22 gibt es einen Blend-Regler, dazu gleich mehr.

Kleiner Tipp am Rande. Hat man noch einen Behringer-USB-Treiber für deren Mischpulte installiert, ist in der Aufnahme auf dem PC ein unregelmäßiges Ticken zu hören. Bei beiden Interfaces, 2i2 wie UR22. Ist also Schuld des Behringer-Treibers. Hat mich etwas Suchen gekostet, weil ich erst WLAN oder ACPI im Verdacht hatte. Behringer-Treiber deinstalliert und es ist Ruhe.

Bedienung

Der große Regler für den Monitorausgang ist beim 2i2 als Audioausgang hilfreich, man kann schnell mal den Pegel herunter drehen. Dafür ist der Regler für den Kopfhörer etwas klein geraten. Für die Wiedergabe hat das 2i2 damit einen Vorteil. Dafür ist die Frontplatte des UR22 insgesamt aufgeräumter, aber wieder nicht so markant zu bedienen. Auch die Aussteuerung der Eingänge fällt beim 2i2 durch die dreistufige Anzeige rund um den Pegelsteller (grün/gelb/rot) leichter, das UR22 hat nur eine einzelne rote LED für die Übersteuerung. Steinberg hat sich für das Routing eine Art Balanceregler ausgedacht, der zwischen Eingang und PC, als DAW bezeichnet, überblendet. Nette Idee, in der Praxis aber wenig hilfreich. Das 2i2 hat für das Routing einen Schalter, ob man den Input auf dem Monitor haben will. Man sieht hier schneller, warum man hier oder dort nichts hört. Ansonsten haben beide Interfaces ein schweres Metallgehäuse mit Gummifüßen, da rutscht nichts und die beiden stehen satt und fest auf dem Tisch. Alle Buchen schön fest verschraubt, beim UR22 prangt ein dickes Neutrik auf den Kombibuchsen, die beim 2i2 funktionieren genau so gut. Der Kopfhörerregler beim 2i2 könnte etwas stabiler sein. Wirklich wackelig ist er nicht.

Im Punkt Bedienung würde ich dem 2i2 wegen des großen Monitor-Reglers, der intuitiveren Benutzung und der besseren Aussteuerungsanzeige den Vorzug geben. Ganz knapp.

Aufnahme

Bei beiden Geräten werden die Vorverstärker generell gelobt. In der Tat arbeiten auch beide für 139 Euro Preis ausgesprochen rauscharm. Bei dynamischen Mikros kommen beide an Grenzen und liefern den relativ größten Rauschpegel. Bei Kondensator-Mikros dagegen bleibt es sehr still, mit einem Rode NT1A und selbst dem billigen Thomann-Stäbchen ist keinerlei Rauschen zu hören. Mit dynamischen Mikros löst mein FetHead das Problem, das Rauschen ist dann absolut akzeptabel, nicht einmal das Gating-Plugin spricht an. Und wir sind hier auf der kompletten Preamp-Seite immer noch bei unter 200 Euro, nicht bei 2000.

Bei den Vorverstärkern liegen UR22 und 2i2 gleichauf. Das Rauschen des 2i2 klingt etwas dunkler als beim UR22, was manchmal weniger aufdringlich sein kann. Wirklich hörbar wird es nur mit dynmischen Mikros, und bei Sprachaufnahmen mit niedrigen Pegeln und deutlichen Pausen. Die Aufnahmen sind detailliert, luftig und klingen frei. Selbst die feinsten Details eines Großmembraners sind genaustens mitgenommen. Das geht in diesem Preisbereich kaum besser. Ein Patt.

Wiedergabe

Tatsächlich ist da ein Unterschied zwischen 2i2 und UR22. Das UR22 klingt sehr analytisch, mit ausgesprochen kristallinen Höhen. Zeichnet dadurch auch jedes noch so kleine Detail zwischen die Monitore. Das 2i2 klingt dagegen weicher und musikalischer, zeichnet auch sehr detailliert, aber nicht mit dieser etwas aufdringlichen Präsenz. Bei Sprache treten die Unterschiede nicht so deutlich hervor wie bei Musik. Bei längerem Hören von Musik jedoch fand ich das UR22 anstrengend.

Gemeinsam ist den beiden wieder die absolute Abwesenheit von Rauschen (Monitoring war direkt über eine Alesis-Endstufe und KRK R6-Monitore). Über Kopfhörer war dieser Klangunterschied nicht ganz so deutlich, aber immer noch wahrnehmbar (AKG K240 Studio). Noch ein Wermutstropfen am Rande: der Ausgangspegel des 2i2 für den Kopfhörer könnte ein Schüppchen mehr Pegel gebrauchen. Für mich reicht es, wer Live-Aufnahmen in der Kneipe aufzeichnet, kann für das 2i2 einen zusätzlichen KH-Verstärker gut gebrauchen. Da ich mehr Cmoy47-Verstärker als notwendig habe, kein Thema.

Fazit

Für unter 150 Euro sehr gute Preamps, vergleichbare Funktionalität, viel Metall und das 2i2 in der Bedienung einen Tucken angenehmer bei der Abhöre. Trotzdem war das UR22 kein Fehlkauf, beide Interfaces leisten für diesen Preis erstaunliche Dinge. Der Test hat für eine praktische und gute Arbeitsteilung gesorgt. Das UR22 kommt beim Einsprechen zum Einsatz, weil die Aufnahmen beider Interfaces kaum zu unterscheiden sind. Das 2i2 ist für das Produzieren zuständig, weil es weniger angestrengt und ausgeglichener klingt. Und weil man den großen Monitor-Regler schneller im Zugriff hat. Das UR22 wurde einmal im Studio eingepegelt, danach wird es nicht mehr angefasst und die weniger klare Bedienstruktur stört nicht mehr.

Alle kritisierten Punkte sind Meckern auf hohem Niveau. Beide USB-Interfaces arbeiten klaglos und für diese Preiszone mit erstaunlich guten Ergebnissen. Ich frage mich nur, wo die Entwicklung der Technik noch hin geht. In ein paar Jahren bekommt man wohl Audiointerfaces von heute zu 2000 Euro für 100.

 

ZOOM H2n vs. Tascam DR-05

ZOOM H2n und Tascam DR-05

ZOOM H2n und Tascam DR-05

Der Markt von mobilen Recordern ist mehr als gesättigt, fast jeder Anbieter hat etwas oder gleich die volle Bandbreite im Programm. Zoom, Tascam, Olympus, Yamaha. Vom einfachen Diktiergerät bis zur mobilen Mehrspurmaschine, die Mehrspur-Apps für Android und iOS noch gar nicht eingerechnet.

In dieser Phalanx fällt die Auswahl schwer, wenn nicht das Budget sehr begrenzt ist. Was die Auswahl automatisch einschränkt. Mein Bedarf war zum Glück sehr genau definiert: ein mobiler Recorder für Atmos oder Interviews, idealerweise noch zum Einsprechen von Texten geeignet, 200 Euronen als Preislimit. So war das Gerät schnell ausgemacht, musste aber doch bald einem Nachfolger weichen. Hier ein Vergleich der beiden Recorder, aus der Sicht meiner Anforderungen. Nämlich ein Recorder für Interviews, der auch zum Einsprechen von Texten etwas taugt.

ZOOM H2n

Meine erste Wahl fiel auf das ZOOM H2n nicht zuletzt wegen der guten Kritiken. Die unterschiedlichen Mikrofon-Modi, das große Display und eine beschriebene gute Aufnahmequalität schienen es für die erste Wahl zu qualifizieren.

Tatsächlich ist das ZOOM H2n ein sehr flexibles Gerät und ich war von ersten Testaufnahmen bei Interviews positiv angetan. Auch die Bauform, mit der man es auf den Tische stellen kann, zusammen mit den verschiedenen Mikrofonen, ist nicht die schlechteste Idee. Trotzdem musste das ZOOM H2n gehen, und das aus zwei Gründen.

Verwendet man das ZOOM H2n für das Einsprechen, bemerkt man einen doch sehr deutlich hörbaren Rauschpegel. Schließt man ein externes Mikro an, wie mein altes, aber teures Sony-Stereomikro aus MD-Recorder-Zeiten, sind die Schuldigen gefunden. Die Mikros im ZOOM produzieren einen hohen Rauschpegel, der für reine Sprachaufnahmen zu hoch ist. Nun könnte man sich behelfen, so man gute externe Mikros hat, aber es ist nicht Sinn der Sache.

Der zweite Haken am ZOOM H2n, und das merkt man erst beim praktischen Einsatz, ist die Bedienung. Die einzige wesentliche Taste auf der Front ist die zum Start der Aufnahme. Alle anderen Elemente liegen an den Seiten, die Steuerung der Wiedergabe wie auch das Einpegeln der Aufnahme sind mit den eher fummeligen Schalterchen, das auch noch mit Mehrfachfunktionen, eher schwierig. Es ist fast immer Blindflug. Rauschen wie auch die ungünstige Bedienung waren KO-Kriterien für das ZOOM H2n.

Tascam DR-05

Erneutes Abtauchen in Test- und Erfahrungsberichte brachten mich dem Tascam DR-05 näher. Und die Rauschmessungen stimmten, die Mikros im Tascam rauschen deutlich weniger als im ZOOM, auch wenn das Tascam nicht über die verschiedenen Mikro-Spektren verfügt. Aber was nutzen vier Mikros, wenn die Aufnahmen verrauscht sind. Auch das Tascam DR-05 ist alles andere als rauschfrei, aber es bleibt bei einem erträglichen Level. In dieser Preisklasse.

Schließt man über einen Preamp, bei mir ein ART Tube MP, ein gutes externes Mikro an, zum Beispiel ein Rode NT1-A oder auch Rode M3, ist der Rauschanteil sogar zu vernachlässigen, beim NT1-A praktisch gleich Null. Von daher auch für das Einsprechen das richtige Gerät. Der ganz große Unterschied zwischen H2n und DR-05 ist in der Bedienung zu finden. Beim DR-05 liegen alle wesentlichen Bedienelemente auf der Front. Es gibt kaum Doppelbelegungen von Tasten, die Bedienstruktur ist logisch und direkt. Einmal REC geht in den REC PAUSE-Modus. Einpegeln, noch einmal REC und die Aufnahme läuft. STOP und PLAY für das Abhören, Navigieren ist auch kein Problem. War die Aufnahme daneben, reichen drei Tastendrücke zum Löschen.

Beim Tascam merkt man, dass die Benutzeroberfläche von jemandem stammt, der weiß, was praktisch passiert. Und das alles auf der Front.
Zwar steht das DR-05 nicht so schön auf dem Tisch, ein Mini-Fotoständer löst das Problem aber genauso, wenn nicht noch besser, da Ausrichten der Mikros nun möglich ist.

Das Tascam DR-05 ist dem ZOOM H2n nicht nur in der Aufnahmequalität überlegen. Gerade die fummelige und unklare Bedienung machen das ZOOM in der Praxis zu einem wenig tauglichen Gerät. Beim DR-05 merkt man die Erfahrung von Tascam im Recording-Sektor, die Bedienung ist schlicht einfacher, übersichtlicher und direkter. Keine Schalterchen, sondern Tasten mit Druckpunkten, alle Menüs sind mit wenigen Clicks erreichbar. Und nicht zu vergessen: das Tascam DR-05 liegt satter in der Hand, ist stabiler und dürfte auch so manchen Sturz wegstecken. Wo ich mir beim ZOOM H2n nicht so sicher wäre.

In diesem Sinne darf das Tascam DR-05 wohl noch längere Zeiten für mich arbeiten.

Telefon-Interviews – kurz und bündig

Der Vorteil von Telefon-Interviews ist offensichtlich: keine Reisen, sie werden quasi automatisch kürzer und kompakter als das Gespräch am Kamin. Um solche Interviews mitzuschneiden, verwenden die Großen, also professionelle Sender, ziemlich teures und aufwändiges Equipment. Was sich in der Klangqualität solcher Interviews auch bemerkbar macht. Für den Hausgebrauch und den Gelegenheits-Interviewer keine Geschichte. Das muss etwas billiger gehen, geht es auch.

Hat man noch ein gutes altes schnurgebundenes Telefon, sind tatsächlich einfache Hardware-Lösungen zu kaufen. Ein Adapter wird zwischen Telefon und Hörer geschaltet, ein Klinkenstecker liefert das abgegriffene Gespräch an einen beliebigen Recorder. Nachteil: die Stimme des präsenten Interviewers ist nicht besonders klangvoll, denn das Mikro ist ja nun das des Telefons. Und wer hat noch ein schnurgebundenes Telefon? Also eine andere Lösung.

Diese hier kommt mit überschaubarem Aufwand an Hardware aus, wobei einige Komponenten meistens schon vorhanden sind. Oder für eine eher kleine Mark anzuschaffen.

  • Ein Recorder. In diesem Falle ein Zoom H2n, bereits an Bord.
  • Ein Kopfhörer, hier ein AKG K230 oder K240. Ebenso vorhanden.
  • Ein Mikro. Das muss kein Highend-Teil sein, ein einfaches Kondensator-Mikro von Thomann reicht.
  • Ein Mischpult. Das Behringer Xenyx 302 USB ist eines der kleinsten und billigsten. Gleich mehrfach vorhanden, bei mir.
  • Ein PC (ach …?)
  • Eine sogenanntes Softphone, mit dem man über den PC und das Internet telefonieren kann.

Die Verbindung der einzelnen Komponenten ist nicht kompliziert.

Interview-Hardware

Interview-Hardware

Das Behringer-Pültchen hat den Vorteil, dass es direkt vom PC über USB stromversorgt ist und auch mit fast allen Softphones funktioniert. Andere Pulte, wie ein Xenys 1204 USB, wurden vom Softphone nicht als Mikro-Eingang akzeptiert. Und das 302 kann auch Kondensator-Mikros mit Phantomspeisung versorgen, ohne externes Netzteil. Eh man das Gebastel anfängt, sind die 49 Euro Investition sinnvoll.

Für die Konfiguration des Softphones sollte man die Hilfetexte in Anspruch nehmen. Kandidaten sind 3CX Phone oder NinjaLite. Wer seinen Telefonanschluss von 1&1 hat, ist gut dran. Im Benutzerportal bei 1&1 gibt es ein kostenloses Softphone zum Herunterladen, das zwar optisch grauenvoll ist, aber gut funktioniert und dazu mit der eingegebenen Telefonnummer sich selbst konfiguriert. Absolut narrensicher. Wenn man nicht vergisst, im Kundenportal für seine benutzte Telefonnummer ein Passwort einzutragen. Ansonsten reicht zur Installation seine Telefonnummer und eben das gesetzte Passowort.

Ist das Softphone installiert, ist man so gut wie fertig. Für die obige Konfiguration noch ein paar Hinweise:

  • Auf dem 302er-Pult die beiden mittleren Tasten über dem Line-In beide drücken. Die linke, damit der PC bzw. das Softphone im Main-Mix landet, die rechte, damit sich die Gegenseite nicht selbst hört. So landet das Softphone nur auf dem Kopfhörerausgang. Mit der Latenz der VoIP-Verbindung verlieren ungeübte Sprecher sonst mit dem Echo sofort die Sprechfähigkeit.
  • Aus dem Kopfhörerausgang des Pultes geht es dann in den Recorder, dazu braucht man ein Miniklinke zu Miniklinke-Kabel.
  • Da der Kopfhörer am Recorder hängt, hört man genau das, was dort ankommt.
  • Die Lautstärkenverhältnisse zwischen Mikro und Telefon sind oft sehr ungleich. Daher drehe ich die Balance des Mikroeinganges, meiner Stimme, ganz auf den rechten Kanal. Das Telefon drehe ich komplett auf den linken Kanal. So kann ich später in der Bearbeitung beide Kanäle getrennt normalisieren und erst dann zusammen führen. Und ich höre meinen Gesprächspartner mit dem „richtigen“ Ohr.
  • Vor dem eigentlichen Interview ein paar Minuten zum richtigen Einstellen der Pegel vorsehen, aber das sollte man zum Vorstellen oder Einleiten eh machen. Die Telefonleitungen haben sehr unterschiedliche Pegel.

Die ganze Konfiguration ist eher einfach und nicht schwierig zu handhaben. Was einen nicht davon abhalten sollte, das Interview inhaltlich gut vorzubereiten.

Ein XLR-Stecker? Nein, ein Preamp …

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Røde Procaster

Røde Procaster

Zuerst habe ich Moderationen über das Großmembran-Kondensatormikro Røde NT-1A eingesprochen. Das hat die Vorteile eines warmen, detailreichen Klanges, aber den Nachteil einer hohen Empfindlichkeit. So dass jedes noch so winzige Geräusch, sei es ein knarrender Schuh oder ein Magenbrummeln, sehr deutlich mitgenommen wird. Dann bin ich auf das Røde Procaster umgestiegen, das nun hat die Vorteile eines guten Klanges für Sprecher und einer geringeren Empfindlichkeit für Nebengeräusche. Der Nachteil des dynamischen Procasters ist, dass es bauartbedingt eine nur sehr niedrige Ausgangsspannung liefert. Wie alle dynamischen Mikros, von Bändchenmikros ganz zu schweigen. Alle Versuche, mehr Gain ohne deutliches Rauschen zu bekommen, scheiterten. Auch der ART Tube MP oder ein selbst gebauter Preamp mussten so weit aufgezogen werden, dass das Rauschen nicht mehr akzeptabel war. Einen Preamp im vierstelligen Euro-Bereich, mit geringem Eigenrauschen, wollte ich mir nicht leisten. Ein vor das Procaster geschalteter 1:4-Übertrager nicht billiger Herkunft zog zwar den Pegel in das Pult hoch, machte jedoch auch dem Klang den Garaus. Erst wollte ich damit leben, dann wieder das Procaster in die Musiker-Kleinanzeigen schicken, bis mir zufällig in einem Video in You Tube der Triton Audio FetHead über den Weg lief.

Triton Audio FetHead

Triton Audio FetHead

Ein wenig habe ich das Video für einen Marketing-Hype gehalten, aber für unter 80 Euro kann man ja mal einen Fehler machen. Nach wenigen Tagen Lieferzeit ist der FetHead heute aus den Niederlanden angekommen, Bedankt, Erwin. Ab ins Studio, etwas feixend, dass die Kollegen von Triton Audio dann doch am Ende zu viel versprochen haben, ging der FetHead heute online. Er wird einfach zwischen Mikro und Pult geschaltet, es gibt keine Bedienungselemente, sieht aus wie ein zu lang geratener XLR-Stecker. Vollmetall, schwer, stabil, wohl zuverlässig. Stromversorgung geschieht über Phantom Power. Dafür soll er gut 20 dB Gain liefern, abhängig von der Eingangsimpedanz des Pultes. Und das tut er bestens. Ich habe es nicht beweisen können, aber es scheint so, dass das verbleibende Rauschen vom Mikro selbst kommt, denn ohne angestecktes Mikro kommt erst Rauschen vom Preamp im Pult bei hohem Gain. Der FetHead ist absolut still, verstärkt den Pegel des Procasters so weit, dass der Gain-Regler meines Behringer 1204 nicht einmal halb aufgezogen werden muss. Es ist nicht null Rauschen wie beim NT-1A, aber das bisschen Rauschen ist mehr als akzeptabel. Das Procaster darf bleiben. Nein, das Procaster wird ab jetzt das Standard-Mikro.

Als wenn es damit nicht genug wäre, verändert der FetHead zusätzlich im positiven Sinne den Klang des Mikros. Es klingt einen Tucken wärmer, definierter und voluminöser. Ich vermute, dass die höhere Eingangsimpedanz des FetHead – im Vergleich zum Pult – die Spule des Procasters weniger bedämpft und dadurch der Klang besser wird. Mehr Gain, mehr Sound, und das für unter 80 Euro. Eines der wenigen Beispiele, dass ein Produkt nicht nur hält, was versprochen wird, sondern im Grunde mit seiner Rauscharmut viel teurere Preamps degradiert.

Neben der Standardversion gibt es noch den FetHead BC (für Broadcast) für harte Umgebungsbedingungen, der in die Mikroleitung eingeschleift wird, einen konstanten Gain hat und den man wohl mit einem Panzer überfahren darf. Dann ist da noch eine Variante, die die Phantomspeisung durchschleift, das macht der FetHead nicht und schützt so das dynamische Mikro. Noch eine andere Version nimmt als Eingang einen 6,3 mm-Klinkenstecker auf und ermöglicht den Anschluss von E-Instrumenten an ein Pult ohne Höhenverluste. Nette kleine Helferlein, die in dieser Firma zu finden sind.

Dann drücke ich dem noch recht jungen Unternehmen in unserem Nachbarland alle verfügbaren Daumen. Der FetHead ist ein Produkt, das den Preamp-Markt so aufmischen könnte wie damals Behringer den Mischpult-Markt. Hohe Qualität zu einem unglaublich niedrigem Preis.

Nachtrag: ich habe heute mal mein gutes altes SM57 über den FetHead angeschlossen. Kaum zu glauben, wie gut ein solches Standard-Mikro klingen kann. Wenn man ausreichend Abstand zum Mikro behält, wegen des Nahbesprechungseffektes, kann sogar ein SM57 verdammt gut klingen.