Cortana als Schreibkraft für Texter?

Ich hatte in meiner seligen Jugend mal eine Freundin, die war gelernte Stenotypistin. Ein Beruf, der heute ausgestorben ist. Auf jeden Fall konnte sie auf der (elektrischen) Schreibmaschine so schnell schreiben wie ich zügig sprach. Das fand ich schon damals beeindruckend. Nun habe ich im Moment Mengen an Text zu produzieren, für einige Sendungen und Wortbeiträge. Nun bin ich ja allgemein vor nix fies, schon gar nicht vor dem technischen Fortschritt. Auch wenn ich niemals beim Radfahren das Smartphone in der Hand haben muss wie die Mädchen auf ihren uncoolen Hollandrädern, die wir damals nicht mal mit der Zange angepackt hätten. Geschweige denn gefahren. Was lag mit Windows 10 dann näher, als die eingebaute Spracherkennung Cortana zu nutzen und so die Texte schneller zu schreiben als mit meiner Vierfinger-Tippmethode? Versuch macht klug.

Vor den Erfolg hat Microsoft Windows gesetzt

Nun habe ich allerdings eine englische Windows-Version. Der eine deutsche Spracherkennung hinzu zu fügen, ist möglich, aber erst, wenn man sich durch einige Beschreibungen bei Microsoft geangelt hat. Ging am Ende, man muss nämlich nicht nur die deutsche Oberfläche herunter laden, sondern an gut versteckter Stelle auch eine deutsche Spracherkennung. Möchte Microsoft wohl bewusst nicht ganz einfach machen. Danach ist empfohlen, die Spracherkennung zu trainieren, damit sie mit der eigenen Artikulation und Stimme zurecht kommt. Das alles nimmt schon mal einige Zeit in Anspruch, aber was tut man nicht alles, um später ein paar Minuten zu sparen. Dann ist diese Spracherkennung in der Lage, Windows-Befehle per Sprache entgegen zu nehmen oder gesprochenen Text in eine Anwendung zu liefern. In meinem Fall Microsoft Word. Das funktioniert erst einmal alles klaglos, Spracheingabe in den Browser mit WordPress geht nur über Umwege. Wenn, wie schon bemerkt, man so einige Installationshürden genommen hat. Dann fangen wir mal an, eine Moderation einzusprechen. Noch nicht ins Mikro, erst mal als Text-Version in Word.

Was Cortana alles nicht kennt

Normale Alltagssprache kommt überraschend gut an und wird meistens tadellos erkannt. Mit einem Core i5-Prozessor nicht gerade rasend schnell, aber akzeptabel. Wird ein Wort nicht richtig erkannt, kann man es wiederholen. Dazu muss man aber wieder an die Tastatur. Ein „Undo“ kennt Cortina nicht. Nach zwei bis drei Versuchen sollte man es Cortana dann näher bringen und über den Befehl „Buchstabieren“ Buchstaben und gesprochenes Wort in Übereinstimmung bringen. Dabei stellt sich heraus, dass es Cortana ausgesprochen schwer fällt, mein „e“ und „i“ auseinander zu halten. Da vergehen schon mal einige Minuten für das neue Wort „Coversong“. Danach wird es meistens richtig erkannt. Nach und nach kommen so einige Seiten eingesprochener Text in Word zustande. Davon vergeht jedoch eine ziemliche Menge Zeit, bis Cortana Wörter wie „Progressive Rock“, „Jazz-Band“ oder „Albumversion“ gelernt hat. „Von „Gentle Giant“ oder „Level 42“ ganz zu schweigen. Erstaunlich ist, dass ihr der Mischmasch aus Deutsch und Englisch wenig ausmacht, wenn sie den Begriff einmal erlernt hat.

Wirklich ein Gewinn?

Für die Texte, die ich aktuell schreibe, nämlich Moderationen über Musik, insbesondere moderne Musik, ist der Zeitbedarf für das Erlernen neuer Begriffe sehr groß. Das mag sich über die Zeit ändern, wenn Cortana immer mehr Wörter erlernt hat. Aber gerade am Anfang ist es nervig, für manchmal Minuten aus dem Text auszusteigen und Cortana neue Wörter beizubringen. Und das sind im Themengebiet Musik eine Menge. Dazu stellte ich aber irritiert nach einiger Zeit fest, dass ich im Texten langsamer war als beim Schreiben. Manchmal dauerte es Sekunden, dass ich in einem Satz fest steckte und erst sehen musste, wie es denn nun weiter ging. Und das liegt an einem merkwürdigen Effekt.

Wenn ich Texte entwickle und sie niederschreibe, habe ich durch mein nicht sonderlich schnelles Schreiben genug Platz zwischen den Neuronen, um quasi parallel zum Tippen Texte zu bauen. Das Tippen auf der Tastatur und die Textproduktion sind auf wundersame Weise ineinander verzahnt, ohne sich gegenseitig zu stören. Die eine Aktivität ist Denken, die andere Schreiben. Es scheint, dass dafür eben unterschiedliche Bereiche des Gehirns zuständig sind, da geht Multitasking. Das heißt, dass es so scheint, als ob die Texte ohne besonderes Nachdenken entstehen. Es fließt automatisch aus dem Kopf in die Tasten. Wenn ich nun Texte einsprechen und gleichzeitig entwickeln muss, läuft das gegeneinander. Tippen und Denken zugleich geht gut, Denken und Sprechen dagegen weniger. Es kam mir so vor, als könnte ich zwar analytisch Text entwickeln, ihn aber nicht gleichzeitig aussprechen. So wurde aus dem gewohnten fließenden Schreiben eine Sequenz Nachdenken – Sprechen – Nachdenken – Sprechen. Cortana ist das egal, die hat alle Prozessorzyklen der Welt. Aber mir entglitt der Textprozess, die Texte wurden auch dazu immer statischer und abgehackter. So lange, bis ich die Quatscherei in den Computer aufgab, weil es mich einerseits nervte, andererseits meine Texte immer schlechter wurden.

So hatte das Experiment Cortana schnell ein Ende und ich gehe erst einmal zurück in meine gewohnte Tipperei. Irgendwie habe ich den Kopf dabei freier. Nicht alle Technik ist ein Fortschritt, manche ist auch eine Behinderung. Haben die Kiddies mit dem Handy beim Radfahren in der rechten Hand auch noch nicht gemerkt. Oder erst, wenn sie mal am Laternenpfahl gelandet sind.

 

Petra van Laak: Clever texten fürs Web

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Bei dem jetzt schon verfügbaren Arsenal an Büchern für das Online-Geschäft in 2017 noch ein neues dazu heraus zu bringen, erfordert Mut. Oder ein ganz neues Konzept. Oder eine ganz neue Methode. Nach den positiven Erfahrungen mit anderen Büchern dieses Genres bestellte ich das Buch sofort und hoffnungsfroh, denn es war vollmundig angeboten. Von einem Verlag, der schlechthin für Qualität steht. Dieses Mal leider eine Fehleinschätzung meinerseits.

Erwartet hätte ich dem Titel nach einen konzentrierten Beitrag zum Thema Texten, denn so lautet der Titel des Buches. Auch ging ich davon aus, dass etwas Neues käme, Methoden oder Regeln für Leute, die grundsätzlich schon schreiben, aber besser werden wollen. Petra van Laak hätte sich wohl einen ihrer ersten Hinweise zu Herzen nehmen sollen, denn die Zielgruppe, für die sie schreibt, existiert seit gefühlten 20 Jahren nicht mehr: Leute, denen man erklären muss, was Facebook, Twitter und Instagram sind. Sie hätte auch den Titel ihres Buches ernster nehmen sollen. Denn um das wirkliche Texten geht es höchstens in einem Drittel des Buches. Davon sind ganzseitige Schilderungen ihres Agenturalltages und massenhafte Beispiele aus ihren Projekten keine Hilfe fürs Texten. Nur, dass diese Schilderungen mir wenig sagen und auch mit dem Hauptthema des Buches verschwindend wenig zu tun haben. Das eigentliche Thema Texten, der eigentliche Inhalt des Buches, besteht aus Hinweisen, die ich in hundert Blogs spezifischer und greifbarer finde. Dass Schlüsselwörter in Überschriften gehören oder dass Bilder barrierefreie ALT-Tags bekommen, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Das Hamburger Verständlichkeits-Modell in einem einzigen Satz abzuhaken, ist fast eine Kunst. Was responsives Webdesign ist, gehört in diesem Umfang nicht in ein Buch über Texte. Überhaupt haben die ganzen Web-Themen mit Texten rein gar nichts zu tun.

Der Rest des Buches sind Erklärungen von Online-Diensten und Social Media-Kanälen, auf weit mehr als einem Drittel des Buches. Die letzten 50 Seiten bedienen gleichzeitig Search Engine Optimization, Story Telling und Content Marketing. Schon über diese Einzelthemen alleine schreiben andere Autoren ganz dicke Bücher. Abgerundet wird der Inhalt mit der Aufforderung, im Buch hin und her zu springen und mal zu sehen, was man so findet. So etwas mache ich in Amazon oder im Spiegel, in einem Buch, genauer: in einem Fachbuch, möchte ich durch die Gedanken und das Wissen des Autors geführt werden. Ich erwarte ein Konzept und eine Linie. In diesem Buch habe ich nichts gelesen, was mir nicht schon vorher oft genug online untergekommen wäre. Kostenlos. Das Buch ist eine wahlfreie Sammlung von Dingen, die irgendwie mit Texten und mit Online-Business  zu tun haben. Leider ohne Linie und ohne Konzept.

Nun mag man einwenden, das Buch sei eine Einführung für Anfänger im Online Business. Aber wer gerne in 2017 Twitter erklärt bekommt und dass SEO sowieso eigentlich ganz einfach ist, sollte vielleicht gleich die Finger von diesem Thema lassen. Dem Duden-Verlag würde ich empfehlen, neue Bücher etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und entsprechend zu bewerben. Dieses Thema können einige Bücher besser.

Blockiert

Vor dem Notebook sitzen, die Finger auf der Tastatur, aber nichts will sich einstellen an Text oder Gedanken. Kann schon mal wochenlang so gehen, auch wenn der Druck hoch und Termine bedrohlich nah sind. Schreibblockaden sind kein Leiden ungeübter Schreiber, die Liste der Betroffenen ist lang. Douglas Adams, Samuel Beckett, Ernest Hemingway, Franz Kafka, Marcel Proust, J.R.R. Tolkien litten darunter. Das tröstet wenig. Mehr würde trösten, was hilft. Ich muss zugeben, dass ich eher selten das Problem habe, dass ich nicht zu schreiben anfangen kann, eher werden bei mir die Texte schnell zu lang. Vielleicht liegt das daran, dass ich bestimmte Strategien habe, an Texte heran zu gehen. Ob fürs Papier, online oder fürs Radio. Dass es für mich überhaupt Thema wurde, lag an den schon verzweifelten Fragen eines Studenten an mich, der mit seiner Bachelor-Arbeit nicht den Einstieg fand.

Ein hausgemachtes Problem?

Man könnte annehmen, dass mit zunehmender Routine diese Blockaden seltener werden. Die Liste an bekannten Autoren im ersten Absatz beweist, dass es so einfach leider nicht ist. Ich denke, es ist eine Frage, wie man Texte heran geht, wie man den Prozess des Schreibens strukturiert. Ohne die eine mögliche Antwort zu haben, als Denkansatz, halte ich Schreibblockaden für die Folge eines zu hohen Anspruchs. Man meint, man könnte sich einfach hinsetzen und anfangen zu schreiben, so frei von der Leber weg. Jedoch setzt das Entstehen eines Textes weit mehr voraus als den guten Willen oder eine Absicht. Gerade Druck ist für das Schreiben als kreativer Prozess kontraproduktiv. Scheitern an den eigenen Ansprüchen ist dann der größte Druck, dem man sich aussetzen kann. Und das schlimmste Versagen. Sich dem eigenen Anspruch zu verweigern, führt nicht aus der Falle heraus. Es funktioniert schlichtweg nicht, weil wir zu stark konditioniert sind. Die eigentlich logische Konsequenz ist, sich nach anderen Methoden umzusehen, die den eigenen Anspruch nicht schmälern, gleichzeitig aber näher an den Text heran führen. Klingt etwas kryptisch, ist aber einfach praktisch umzusetzen.

Ratschläge für des Aufbrechen von Schreibblockaden gibt es zuhauf, da muss man nur kurz das Netz konsultieren. Ein nicht seltener Rat ist, eine Weile abzuschalten, erst mal einen Spaziergang zu machen oder etwas Anderes, was nicht blockiert ist. Diese Methode des Weglaufens erinnert mich an Versuche, vor dem Stapel Bügelwäsche oder dem Abwasch davon zu laufen. Mit dem Resultat, dass man bei der Rückkehr wieder freundlich von den zerknitterten Hemden oder den fettigen Tellern begrüßt wird. Das ist denn wohl nicht die Lösung.

Den Fokus behalten und gezielt aussteigen

Texte, die ich hier meine, sind Sachtexte wie Fachartikel, Moderationen oder Online-Texte. Es gibt Fälle, dass man mit so einen Text sofort loslegen kann, der einem förmlich aus den Händen fließt. Das sind die Texte, in denen man genau weiß, wo man her kommt und wo man hin will, wo alle oder fast alle Aspekte definiert sind und griffbereit liegen. Eine Schreibblockade entsteht voraussichtlich genau dann, wenn diese Situation nicht vorliegt. Wenn man mit dem Schreiben nicht beginnen kann, fehlt etwas. Das sollte gefunden werden, aber ohne den Fokus auf den Text zu verlieren, ohne auszusteigen oder zu flüchten, weil die Flucht nichts bringt. Wenn es mit dem Schreiben nicht losgehen kann, sollte man sich dem Text von einer anderen Seite aus nähern. Dabei steht immer noch der zukünftige Text im Mittelpunkt. Wenn ich von vorn nicht an ihn heran komme, versuche ich es mal von links, halblinks oder rechts. Ich suche mir also andere Wege, mich dem Text zu nähern.

Voraussetzungen definieren

Den Fokus auf dem Text behalten und doch nicht schreiben, wäre ein denkbares Szenario. Bei fiktionaler Literatur ist das Vorgehen recht gut festgelegt. Wer sind die beteiligten Personen, wie sind ihre Beziehungen untereinander, was gibt es Trennendes oder Verbindendes? Wo spielt die Geschichte und was sind die Rahmenbedingungen? Und der Kern: was ist der Konflikt, wie stellt er sich dar, ist er extern oder internalisiert, wird er gelöst oder offen gelassen? Erst wenn alle diese Fragen beantwortet sind, kann es mit der Geschichte losgehen. Bei nicht-fiktionalen Texte sollten die Rahmenparameter des Textes ebenso früh feststehen, auch wenn sie etwas anders lauten. Wichtigste Frage: was ist meine Hauptbotschaft, meine key message, was ist der Kern des Textes? Service, Botschaft oder reine Information? Wer ist mein Zielpublikum, was macht meinen Text für diese Empfänger interessant, was erwarten sie? Was ist schon über das Thema bekannt? Brauche ich ein Strukturdesign, eine Inhaltsübersicht oder einen Verlaufsplan? Vielleicht mit einem Exposé erst einmal die Ziele in die Außenwelt festlegen? Anstatt den Text zu schreiben, strukturiere ich mein Schreiben und des Text. Damit nähere ich mich an, bekomme vielleicht neue Gedanken und finde weitere Aspekte. Gerade ein etwas ausführlicheres Exposé kann ganz neue Gedanken bringen und die Blockade abbauen.

Inhalte klären

Gerade bei komplexen und umfangreichen Texten und Moderationen kann es passieren, dass man von der Fülle der Inhalte erschlagen oder eben paralysiert wird. Um solche Komplexitäten zu sortieren und überschaubar zu machen, bieten sich Strukturierungstools an. Das beste Beispiel sind Mind Maps, wie sie zum Beispiel mit dem Tool XMind angelegt werden können. Mit einem solchen Tool bleibe ich ebenfalls am Text, sortiere mir jedoch erst einmal die Inhalte, die ich wahrscheinlich im Kopf nicht zusammen behalten kann. Erst wenn ich die vielen Aspekte meines Textes grafisch vor Augen habe, kann ich diese in einen Text mit passender Struktur umsetzen und so eine mögliche Blockade aufheben oder lockern.

Das geht auch klassisch ohne Computer, über die freie Assoziation. Ich nehme mir ein größeres Blatt Papier, eventuell noch verschiedenfarbige Schreiber und schreibe alle mir zum Thema einfallenden Wörter auf. Es sind Wörter, die mir gerade dazu einfallen, es ist keine Suche nach bestimmten Begriffen.  Je nach Position dazu im Text platziere ich die Wörter oben, unten oder an den Seiten.  So sammeln sich nicht nur Stichwörter an, es fallen mir sicher auch Wörter ein, die zuerst gar keinen Bezug zum Thema haben. Solche Wörter nutze ich später gerne für Seitenaspekte oder einfach zum Auffrischen des Textes.

Der nicht einsetzende Schritt ist ja der, den Text konkret umzusetzen. Wenn dieser Schritt nicht gehbar ist, sind die Ursachen dafür zu finden. Eine Ursache kann eben sein, dass mir der konkrete Inhalt des Textes nicht klar ist. Das kann mit Mind Maps oder mit freier Assoziation konkretisiert werden.

Struktur bilden

Dass ich bei Texten, jedenfalls meistens, sehr schnell ins Schreiben komme, liegt auch daran, dass ich mir für die regelmäßigen Formate Strukturen festgelegt habe. So nutze ich den Anfang eines Textes immer für das Fokussieren auf das Thema. Das kann eine Vorgeschichte sein, historisch oder technisch, eine Positionierung des Themas, eine persönliche Gegebenheit, die auf das Thema hinführt. Schreibtechnisch also eine öffnende oder schließende Fokussierung. Da ich an dieser Stelle noch nicht tief in das Thema eintauchen muss, bleibt mir Platz zum Spinnen und einen Einstieg in den Text zu bekommen. Eine Parallele dazu ist, dass es mir mal auffiel, dass mir Sachverhalte viel schneller und durchsichtiger wurden, wenn ich sie jemandem erklären musste. Eine Erkenntnis aus dem Nachhilfeunterricht, ob Englisch oder Mathe.

Man mag einwenden, es sei doch langweilig, wenn Texte je nach Sachgebiet immer wieder die gleiche Struktur hätten. Das ist aber so wie mit dem Verspielen bei Musikern, dem Musiker ist es ein Fiasko, der Zuhörer bemerkt es gar nicht. Im Gegenteil, wenn eine Sache funktioniert, empfindet sie der Leser eher als einfacher, weil der Schreiber bereits vorsortiert hat.

Und wenn es doch nicht geht

Passiert es im Job, führt am Ende ja kein Weg drum herum. Wie wäre es mit einem Gespräch mit einem vertrauten Kollegen oder einer Kollegin darüber? Wobei ich auch klar sagen würde, dass ich mit dem Text nicht zurecht komme und eine Blockade habe. Vielleicht kommt aus dem Gespräch eine Anregung oder eine Idee, wie es weiter gehen könnte. Ist es rein privat, könnte man es lassen und sich einer anderen Sache zuwenden. Ist es halb privat, zum Beispiel in einer ehrenamtlichen Tätigkeit, würde ich weiter machen und versuchen heraus zu finden, was die Blockade bewirkt. Die Blockade entsteht jedoch in einem nur halb bewussten Bereich, so dass ein Blick auf die Vergangenheit oder das Umfeld des Thema weitere Informationen geben könnte. Der Blick nach innen ist uns heute zu wenig vertraut. Auch an der Stelle, Befindlichkeiten und Probleme zuzugeben. Denn der Grund für die Blockade liegt in uns, nicht im Thema, nicht im Schreibgerät und nicht bei anderen Leuten.

Show, don’t tell

Seit bald sechs Monaten bin ich jetzt in meinem neuen Job,  als Redakteur. Nicht wie früher als technischer Redakteur, mit Bedienungsanleitungen und Datenblättern habe ich nichts am Hut. Stattdessen beschäftigen mich Artikel für Fachzeitschriften, Pressemeldungen und Kunden-Newsletter, und nun seit einigen Wochen Online-Texte. In Vollzeit. So zu sagen. Eine komplett neue Website wird für das Unternehmen gebaut, wodurch ich WordPress und das Enfold Theme in aller Härte und im Detail kennen und schätzen lernte. Innerlich hat mich oft etwas Anderes  beschäftigt. Ich dachte, dass ich seit dem Studium an der FJS und dem Lesen vieler schlauer Bücher so manche Frage hinter mir gelassen hätte. So kommt man zu neuen Erkenntnissen. Gerade mit diesem nicht gerade kleinen Online-Projekt habe ich einige Dinge besser verstanden, an einigen Stellen neu durchdenken müssen.

Die Grundfrage bleibt: wie schreibt man gut lesbare, interessante und ansprechende Texte? Ich könnte nun auf so einige Bücher verweisen, dort würde es drin stehen. Doch ich folge Sol Stein und einem seiner entscheidenden Themen, manifestiert in einer alten Schreiber-Regel, oft zitiert, selten umgesetzt.

Show, don’t tell – Zeige es, sage es nicht nur

Mit dieser Regel habe ich mich lange schwer getan, weil ich sie nicht verstand. Erst Sol Stein hat es mir zum ersten Mal verständlich vermittelt. Es geht in dieser Regel darum, nicht Aussagen zu treffen oder Begriffe in den Raum zu werfen, sondern die Natur des Menschen zu berücksichtigen. Der Mensch ist ein emotionales Wesen und zum großen Teil durch Emotionen gesteuert, nicht durch Vernunft. So oft wir auch beteuern, wir wären doch so von der Vernunft gesteuert, so sachlich und konkret. Doch wenn ich etwas darstellen will, muss ich es dem Leser spürbar übermitteln, er muss es nachfühlen können. Nur wenn ein Text, auch ein sachlich technischer, einen emotionalen Inhalt hat, bekommt er Bedeutung und Aufmerksamkeit. Das ist das, was Schulz von Thun im Hamburger Verständlichkeitskonzept mit den anregenden Zusätzen meinte. Oder ein Teil davon. Gemeint ist diese Emotionalität nicht in der Form, den Leser emotional zu berühren, das ist Schnulzenmusik und Schundromanen vorbehalten. Mehr ist das Ziel, dem Leser Situationen zu geben, in denen er sich wiedererkennt.

Ein praktisches Beispiel, zuerst in der nüchternen technischen Form.

Im Tagesverlauf wird an den gleichen Stellen unterschiedliches Licht benötigt oder gewünscht. Dabei sind unterschiedlichste Ausleuchtungsvarianten zu berücksichtigen, zum Beispiel für handwerkliche Arbeiten oder in reinen Wohnszenarien.  So können für nur einen Raum ein Dutzend verschiedene Ausleuchtungen sinnvoll sein.

Verständlich, was gemeint ist, aber es ist trocken und langweilig. Anderer Vorschlag:

Im Tagesverlauf wird oft an den gleichen Stellen ganz unterschiedliches Licht benötigt oder gewünscht. Beim Kochen und bei der Hausarbeit soll die Küche hell sein, mit eher kühlem, bläulichem Licht. Beim Abendessen darf es weniger Licht sein, wärmer mit etwas mehr Rotanteilen. Im Wohnzimmer, bei der Arbeit an der Steuererklärung am Schreibtisch, wird genau dort viel Licht gebraucht. Eine Stunde später, beim Fernsehen oder beim Plausch mit Gästen, wird eine ganz andere Beleuchtung gewünscht. Beim Fernsehen oder beim Entspannen mit Bach oder Beatles ähnlich, aber dann doch wieder anders.  So können für nur einen Raum ein Dutzend verschiedene Ausleuchtungen sinnvoll sein.

Indem ich die Situationen direkt benenne, rufe ich beim Leser eigene Erinnerungen ab, so lange ich davon ausgehe, dass mindestens 90% der Leser sie kennen. Die Wohnbeispiele haben einen gefühlsmäßigen Anteil und gehen über eine reine Sachinformation hinaus. Noch ein technisches Beispiel:

Sicherheitsprobleme entstehen vielfach durch Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit. Eine Außer-Haus-Taste an der Haustür schließt alle Fenster, schaltet alle Lichter aus, ebenso die Steckdosen in der Küche. Der Alarm-Modus im Haus wird aktiviert. Die Räume werden mit Bewegungs- und Wärme-Sensoren überwacht, ebenso Fenster und Türen mit Schließkontakten und Glasbruchmeldern.

Verstanden. Mit nur zwei zusätzlichen Sätzen rufe ich eigene Erfahrungen des Lesers ab und mache den Text persönlicher:

Viele Sicherheitslücken entstehen durch Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit. Indem Sicherheit automatisiert wird, spielen momentane Einflüsse wie das wartende Taxi oder der verschlafene Kundentermin keine Rolle mehr. Eine Außer-Haus-Taste an der Haustür schließt alle Fenster, schaltet alle Lichter aus, ebenso die Steckdosen für Kaffeemaschine und Wasserboiler in der Küche. Der Alarm-Modus wird aktiviert. Die Räume werden mit Bewegungs- und Wärme-Sensoren überwacht, ebenso Fenster und Türen mit Schließkontakten und Glasbruchmeldern. Die spätere bange Frage, ob der Herd denn wirklich ausgeschaltet ist, kann man sich nun sparen.

Natürlich wird der Text deutlich länger, er gewinnt aber diesen minimal emotionalen Inhalt, der ihn für den Leser nachvollziehbarer macht, er fühlt sich in seinen eigenen Erfahrungen angesprochen. Es geht nicht nur um sachliche Argumente und Fakten, sondern den Leser in seinem eigenen Leben zu spiegeln.

Verallgemeinert hieße das

Ein Text gewinnt Farbe durch Details. So kann ich in einer Reportage oder in einem Interview nur schildern, dass eine Person einen bestimmten Gesichtsausdruck aufsetzt, nehmen wir Erstaunen. Ich kann aber auch stattdessen seine Körperhaltung wiedergeben, was er mit seinen Händen macht, wie seine Augen aussehen. Je mehr Details ich einfüge, desto greifbarer wird das Geschilderte.

Unser Alltag ist stark visuell bestimmt, tatsächlich verfügen wir über weit aus mehr Sinne wie Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören. Ich kann sagen, dass ein Glas Bier auf dem Tisch steht. Ich kann aber auch beschreiben, wie sich Kondenswasser wie kleine Regentropfen am Glas abschlägt, wie die winzigen Kohlenstoffbläschen aufsteigen, wie der Schaum aussieht, den hopfigen, leicht muffigen Geruch des Bieres beschreiben oder wie es sich anhört, wenn der Schaum prickelnd in sich zusammenfällt.

Ein weiterer Punkt ist das Spezifische. Ich kann sagen, das da drüben sei ein Auto. Ich kann aber auch sagen, das es ein Volvo sei, der schon lange die besten Jahre hinter sich hat, mit den trüben Fenstern vom Zigarettenrauch und dem zersplitterten Scheinwerferglas, mit der ausgeblichenen Motorhaube und den Spuren von Einkaufswagen an den Türen. Je genauer und spezifischer ich das Bild in den Kopf des Lesers male, desto mehr ziehe ich ihn in den Text hinein.

Zahlen sind abstrakt, mache sie greifbar

Das schönste Beispiel, das mir in der letzten Zeit dazu untergekommen ist, stammt von Bill Bryson. Es ging um das Kambrium, ein Erdzeitalter, in dem urplötzlich sehr viele neue Tierarten entstanden. Um klar zu machen, wie lange dieses Erdzeitalter her ist, wählt Bryson diese Darstellung:

Wenn wir in jeder vergehenden Sekunde ein Jahr weiter in die Vergangenheit zurück gehen könnten, wäre wir nach einer guten halben Stunde bei Jesu Geburt. Bis wir im Kambrium ankämen, würde es noch mehr als zwanzig Jahre dauern.

Wenn Zahlen und Daten sich der normalen Alltagserfahrung entziehen, muss ich sie auf eine vorstellbare Weise darstellen. Das gleiche Prinzip gilt im Prinzip für viele Fälle, in denen reine Zahlen in einen Erfahrungswert umgesetzt werden. Das beginnt schon in der Schreibweise: ein Drittel statt 33%, die Hälfte statt 50%, eine knappe halbe Stunde statt 25 Minuten. Dazu sollte man wissen, dass wir beim Lesen einmal in einem assoziativen Modus sind, wo wir nicht jeden Buchstaben lesen, sondern das Wort als ganzes erkennen. Stoßen wir auf Ziffern, müssen wir umschalten und die Zahl tatsächlich rational „entziffern“. Das bricht den Lesefluss.

 

 

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem

Bill Bryson: Eone kurze Geschichte von fast allem

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem

Wenn man Schülern, auch denen der höheren Klassen, etwas wirklich Schlimmes antun möchte, würde die Aufgabe lauten: verfasse eine Inhaltsangabe dieses Buches. Das Problem wäre nicht etwa der Umfang.  Gut 600 eng bedruckte Seiten haben viele Werke der Literatur. Es ist mehr der Inhalt. Bryson stellt Fragen, viele Fragen. Wie groß ist das Universum? Was wiegt unsere Erde? Wie viele Atome enthält ein Mensch? Was sind Bakterien? Wie sind sie entstanden und warum? Wie entstand die Erde, der Kosmos, der Mensch? Warum gab es Eiszeiten? Allein die Fragen aufzulisten, wäre kaum in einem solchen Blog-Eintrag möglich.

Nun ist Bryson natürlich weder naiv noch blöd. Es geht um etwas ganz Anderes, nämlich um die Geschichte der Wissenschaften. Viele dieser Fragen haben sich bereits altgriechische Philosophen gestellt. Erste, natürlich falsche Antworten, kamen ab dem 15. Jahrhundert, da war dann nach Aussage führender Wissenschaftler absolut sicher, das die Erde nicht älter als 76 Millionen Jahre alt sei. Manche Fragen wurden erst im 21. Jahrhundert beantwortet, vermutlich auch falsch. Wir können Sonden zum Mars schicken, auf dem Mond landen. Aber ganz triviale Fragen, die ein Kind stellen könnte, sind noch immer nicht beantwortet. Warum wurden aus Affen Menschen? Zudem ist es eigentlich unmöglich, dass wir Menschen hier auf diesem Planeten entstehen konnten. Alle statistischen Betrachtungen über die Erdgeschichte schließen uns praktisch aus. Er deckt Widersprüche auf, belegt sie zusammen mit Fachleuten. Mit der Erderwärmung wird es in Nordeuropa wärmer? Falsch, es wird kälter. Die Begründung dafür ist absolut logisch, wenn man sie liest.

Bryson leistet eine Rückschau über die Geschichte der Wissenschaft, der Chemie, der Geologie, der Physik. Das ist der Kern des Buches. Er betrachtet auch die Personen, die diese Wissenschaften begründet oder geprägt haben. Ihre Macken, ihre Eigenheiten, ihre Persönlichkeiten, ihre Streits, ihr Versagen, ihre Niederlagen. Das ist die weiche Seite des Buches. Die harte ist eine andere, eine faktische. Es geht nicht um Wahrheit, sondern am Ende um die Frage, was wir wirklich unumstößlich wissen. Oder glauben zu wissen. Er erzählt von den Irrtümern der Wissenschaftler, über ihre Überheblichkeit, über ihre Schwächen, aber auch über ihre Stärken. Die Geschichte, die er erzählt, ist faszinierend für jeden Leser, der nur eine Spur von Interesse für Wissenschaft besitzt. Es ist angefüllt mit Aha-Erlebnissen, mit Fakten, die man nicht geglaubt hätte. Nun ist Bryson kein Wissenschaftler, sondern Schriftsteller. Die Konsequenz daraus ist, dass das Quellenverzeichnis des Buches knapp 50 Seiten umfasst. Er hat mit Dutzenden Wissenschaftlern persönlich seine Themen diskutiert.

Ein derart mit Fakten und Daten vollgestopftes Buch zu schreiben und den Leser bei der Stange zu halten, ist ein kleines Meisterwerk. Bryson weiß jedoch auch, wie man das genau macht, nämlich aus einem ganz fein abgestimmten Mix aus Naturwissenschaften, Geschichten erzählen und einer Prise Voyeurismus. Letzteres in dem Sinne, dass er zeigt, dass die großen Namen der Wissenschaften auch so ihre persönlichen Abgründe hatten, ihre Schwächen. In diesem Sinne ist dieses Buch, wie schon andere von ihm, nicht nur ein Genuss zu lesen, sondern auch ein großartiges Lehrbuch für Schreiber. Die aber 600 Seiten durchstehen müssen. Mir ist es leicht gefallen. Ein tolles Buch für Möchtegern-Wissenschaftler und Journalisten.

PlainEdit, Dreamweaver, Typo3, Joomla und nun WordPress

WordPress als Nachzügler

Meine ersten Seiten im Web habe so um 1995 online gebracht, zu einer Zeit, als man HTML noch mit einem normalen Texteditor schrieb. Und als CSS und JavaScript noch lange nicht erfunden waren. Später wechselte ich zu PlainEdit, der auch nicht viel mehr als ein Text-Editor war. Dagegen war dann Macromedia Dreamweaver Anfang des 21. Jahrhunderts geradezu Hochtechnologie. Es folgten etwas später die CMS-Systeme Typo3 und einige proprietäre Produkte, meine letzten Sites habe ich mit Joomla angelegt. Berufsbedingt kam nun auch WordPress ins Spiel. Diese meine aktuelle Site folgt den Entscheidungen des Unternehmens, für das ich arbeite. Mit allen Systemen, von Dreamweaver bis WordPress, habe ich inzwischen ausgesprochen „fette“ Projekte hinter mir, deshalb an dieser Stelle meine Erfahrungen mit WordPress als CMS und einige wenige Seitenblick dazu zu Joomla.

Systemvergleiche

Was Installation und Handhabung angeht, sind Joomla und WordPress  nicht wesentlich unterschiedlich. Es gibt ein Frontend und ein Backend, bei WordPress scheint immer noch die Blog-Software durch, während Blogs bei Joomla eher ein Nebenprodukt sind. WordPress ist immer noch die ernsthaftere Blog-Version, Joomla hat Blogs mehr als ein Me-Too. Dementsprechend ist WordPress zum Bloggen bequemer und konsistenter, es automatisiert die Organisation von sich aus. Dafür sind statische Seiten in WordPress eher aufgesetzt, sie wirken noch immer etwas exotisch.

Die Historie und der Anspruch

Joomla war von Anfang an als vollständiges Web-CMS gedacht, WordPress nur zum Bloggen. Dementsprechend sind in Jooma wesentlich mächtigere und weitreichendere Funktionen implementiert. Joomla erlaubt den Einfluss auf viele Aspekte des Contents, WordPress ist da eingeschränkter. Allein das Widget-Konzept in Joomla erfordert eine ganz andere Form von Hauptmenu, befreit aber auch von Designschranken. Das Resultat ist, dass das Backend in WordPress deutlich übersichtlicher ist, während man sich in Joomla gerne verläuft. War das jetzt ein Beitrag, ein Modul oder eine Funktion? Auch ist die Auswahl in Joomla bezüglich Tools und Plugins wesentlich größer. Bei einer Wahl zwischen Joomla und WordPress kann das ein entscheidender Faktor sein.

So hat man in WordPress nicht die Möglichkeiten, Beiträge nach Kategorien oder Autoren zu sortieren und Menus unter solchen Gesichtspunkten zu sortieren. Überhaupt sind die Menu-Funktionen in Joomla nicht mit denen in WordPresszu vergleichen. Die Frage an dieser Stelle ist also, wie komplex ich es eigentlich brauche. Wenn ich nur Seiten gestalten möchte, mit ein paar Bildern und einem überschaubaren Hauptmenu, kann dann WordPress die bessere Wahl sein. Jedoch hat die Historie auch noch andere Auswirkungen, die entscheidend sein können. Aber nicht müssen.

In zwei Aspekten ist dieser historische Ansatz jedoch spürbar und kann in Projekten bestimmter Art bemerkbar sein.

User ist nicht gleich User

Joomla hat in der User-Verwaltung und damit in den Rechten, wer was tun darf, eine wesentlich feinere Gliederung. Für ein Einzelprojekt spielt das kaum eine Rolle. Habe ich jedoch ein großes Team, wo die Einen nur schreiben, die Anderen aber auch verwalten dürfen, sind solche Unterscheidungen in WordPress nicht möglich. Das kann Hürden aufbauen, wenn die Unterschiede in den Ausbildungsständen im Team sehr groß sind und sogar ein Projekt gefährden können. Man möchte halt nicht jeden Kollegen an alles heran lassen.In WordPress kann ein User alles, fast alles und sehr wenig. Da ist Joomla genauer, denn es hat in dieser Hinsicht schon fast Funktionen wie ein Redaktionssystem. Da ist auch mit Plugins nicht viel zu ändern, das ist der Historie von WordPress geschuldet.

Wer zählt die Dateien

Ein weiterer Schwachpunkt in WordPress ist die Mediathek. Für ein paar Bilder oder Datein ist die Mediathek in WordPress kein Problem. Hat man jedoch, wie in unserem Firmen-Projekt, Hunderte von Bildern und Dokumenten, gleicht das Wiederfinden eines Bildes oder Dokumentes einem Lotteriespiel. Zwar ordnet WordPress Dateien nach dem Datum des Hochladens, aber nach dem Einstellen von vielen Dateien innerhalb eines Monats hilft das wenig. In unserem Firmenprojekt mit fast 100 Produkten mit den zugehörigen Bildern, Installationsanleitungen, Datenblättern und Flyern standen wir zuerst vor einem Problem.

Erst wollten wir einen eigenen Ablageordner anlegen, unter Zuhilfenahme des File Managers, das hätte aber bedeutet, dass man alle Dateien händisch verwalten mussten anstatt die WordPress-internen Funktionen verwenden zu können. Eine wenigstens halbwegs praktikable Lösung fanden wir in dem Plugin Enhanced Media Library. Damit kann man Dateien in der Mediathek in Kategorien organisieren, so dass man Dateien Beiträgen oder Dateitypen zuordnen kann. Das lindert die geringe Sortierbarkeit in der Mediathek deutlich.

Vom Blog zum CMS

Trotzdem konnte ich mich mitWordPress als CMS nicht so recht anfreunden. Mir fehlten einfach die Gestaltungsmöglichkeiten wie in Joomla. Das änderte sich, als wir für das Firmen-Projekt von einer externen Agentur ein Template bestellten, das sich als auf dem Enfold Template basierend herausstellte. Enfold ist nicht nur ein Template, sondern beinhaltet nicht nur installierte, sondern integrierte Plugins und Tools, einen Editor für Seitenstrukturen und vieles mehr. So kann man Seiten mit unterschiedlichsten Elementen strukturieren:

Enfold-Strukturen

Enfold-Strukturen

Danach fügt man Inhaltselemente ein:

Medien behandelt Enfold auch separat mit passenden Plugins wie Lightbox:

Enfold-Medien

Enfold-Medien

Hinzu kommen bereits integrierte Plugins für eine Layer-basierte Slidebox, Media-Player und die bereits erwähnte Lightbox zum Zoomen und Darstellen von Bildern. Im Gegensatz zu den Plugin-Schlachten herkömmlicher Bauart sind diese integraler Bestandteil von Enfold.

Mit Enfold bekommt WordPress erst die Möglichkeiten, die man zum flexiblen und wirkungsvollen Gestalten benötigt. Man könnte sagen, dass es die Templates sind, die aus WordPress ein halbwegs brauchbares Web-CMS machen, was die Gestaltung angeht. Es behebt nicht die Probleme in der User-Verwaltung oder in der Mediathek. Es reichte jedoch, zusammen mit einigen weiteren Plugins, mich von WordPress zu überzeugen. Denn die Handhabung des Backends ist doch deutlich benutzerfreundlicher und schneller als in Joomla. Deshalb habe ich die 70 $ für Enfold investiert. Eine Investition, die ich nicht mehr missen möchte.

Was bringt’s dem Journalisten?

Das System WordPress + Enfold Template ist eine einfach zu bedienende, übersichtliche CMS-Oberfläche, die keine tiefgründigen Informatikkenntnisse voraussetzt. Trotzdem sehen die Ergebnisse professionell und ansprechend aus. Die gleichen Ergebnisse kann mit Joomla genau so erreichen, jedoch ist der Aufwand wesentlich höher und Joomla kann einen unbedarften Benutzer nicht nur am Anfang abschrecken. Die überschaubare Struktur in WordPress macht dieses CMS auch für Leute interessant und handhabbar, die eben nicht technisch orientiert sind und einfach nur schreiben möchten, nicht entwickeln. In diesem Sinne öffnete WordPress die Welt des Online-Journalismus auch nicht technischen Anwendern.

So läuft diese Site nun unter WordPress. Als Nächstes kommt die Multisite-Funktion in WordPress. Weil Web-Design auch Spaß machen kann.

Radio-Machen.de

Ein gut gepflegter und informativer Blog über das Radio-Machen ist der von Sandra Müller, unter der leicht zu erinnernden URL radio-machen.de. Sehr hilfreich und anschaulich sind die Hörbeispiele, die über die Hauptnavigation oben zu erreichen sind. Manchmal etwas plakativ, aber schon wert, einmal auf seine eigenen Ergüsse gespiegelt zu werden.

Nea Matzen – Onlinejournalismus

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Nea Matzen: Onlinejournalismus

Nea Matzen: Onlinejournalismus

Die Taschenbuchserie Wegweiser Journalismus des UVK-Verlages war mir schon mehrfach begegnet, kleine, aber gut geschriebene und hilfreiche Einführungen in verschiedene Themen des Journalismus. Das Buch Onlinejournalismus von Nea Matzen hatte ich kurz nach dem Buch von Henning Noske gekauft. Im Vergleich zu letzterem wirklich ein Taschenbuch. So stellte sich die Frage, wie viel Informationen und Hilfe ein so kleines Taschenbuch denn liefern kann. Und ich musste zugeben, dass es eine Menge ist.

Nea Matzens Buch ist ein klassisches Sachbuch, fachlich fundiert und wohl strukturiert. Was bei einer Autorin, die aus dem Printbereich kommt, die klassische Journalismusausbildung gegangen ist und heute bei tagesschau.de arbeitet, nicht wirklich wundert. Matzen nähert sich dem Thema nicht aus einer technischen Sicht, sondern aus Sicht des Journalisten. So sieht dann der Inhalt aus, vom Texten fürs Netz über Texteinstiege und Textaufbau  bis hin zu Darstellungsformen im Netz. Zwar geht sie auch auf den technischen Hintergrund ein, aber der ist nur Mittel zum Zweck. Für Matzen stehen die journalistischen Aspekte im Vordergrund, nämlich wie erfolgreiche Online-Texte entstehen, wann solche Texte erfolgreich werden können und warum. Sie beschreibt praktisch und anschaulich, wo die Unterschiede zwischen Print und Online liegen, wo Onlinejournalismus seine Stärken ausspielen kann und wie.

Der Ausgangspunkt Journalismus, nicht die Technik, ist die Stärke dieses Buches. Matzen schreibt aus journalistischer Sicht, nicht aus der Sicht des Nerds oder Technikers. Es geht um Texten, Textaufbau, Darstellung und Formate. Auch Blogs und Bilderstrecken kommen zur Sprache, bis hin zu Social TV und User Generated Content, aber eben nicht aus technischem Blickwinkel, sondern aus dem, den ein Journalist haben sollte. Am Ende geht es um Erfolg, der für Matzen nur solidem Handwerk beschert ist. Auch und gerade deshalb ein guter Einstieg für die, die in diesem Thema relativ neu sind und Orientierung in den verschiedenen Darstellungsformen suchen. Gut geschrieben, fokussiert, verständlich. Und doch gibt es einen Kritikpunkt: durch das häufige Einstreuen von Infoboxen in Orange und Grau leidet die Lesbarkeit. Nimmt man das in Kauf, ist dieses schmale Taschenbuch ein sehr guter Einstieg ins Thema.

Bill Bryson – Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge

Normalerweise schreibe ich keine Rezensionen zu allgemeinen Büchern. Das tue ich hier auch nicht, sondern würde dieses Buch des Amerikaners Bill Bryson Schreibern aus einem ganz anderen Grund empfehlen. Weil man von Bryson lernen kann, wie man ein fast 600 Seiten dickes Buch über überflüssiges und nutzloses Wissen schreibt, ohne auch nur eine Seite lang zu langweilen. Weil Bryson ein sehr guter Schreiber ist, von dem man eine Menge lernen kann. Weil es genau zwei Dinge sind, mit denen Bryson den Leser fesselt und auf eine Reise vom Mittelalter in die Moderne mitnimmt.

In diesem Taschenbuch, das in keine Hosen- oder Jackentasche passt, erzählt Bryson ausgehend von dem alten Haus, in dem er jetzt in Nordengland lebt, wie all die Dinge entstanden sind, die wir heute für alltäglich halten. Die es aber 1851 noch nicht waren. Wie die heutigen Zimmer in unseren Häusern entstanden, wie man lernte, Besteck zu benutzen, wie die Häuser entstanden sind, welche Krankheiten die Menschen bis ins 20. Jahrhundert hinein geißelten und warum. Wie sich die Architektur aus dem Altertum heraus entwickelte, er erzählt auch die Wahrheit hinter dem Telefon, und dass früher einmal drei Streuer auf den Tischen standen, nicht nur Salz und Pfeffer, wobei niemand mehr weiß, was in dem dritten Streuer war. Bryson erzählt, ausgehend aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts und früher, wie das Leben und Dasein in Großbritannien entstand, mit all seinen unzählbaren Zwischenschritten. So weit der Inhalt des Buches.

Dass es Bill Bryson nun schafft, jemanden wie mich, der sonst nur mit Begeisterung journalistische Fachbücher verschlingt, zum stringenten Lesen eines Sachbuches verleitet, liegt an zwei Dingen. Erstens ist Bryson ein Recherche-Monster. Alle Geschichten werden mit Namen, Daten und Fakten umrahmt, meistens mit Angabe der Quelle oder wer wo wie mit wem verwandt war. Seine Texte haben einen Detailreichtum, der das Lesen zu einer Tour de force durch das Leben an sich macht. Auf den ersten Blick mögen diese einzelnen Geschichten für sich allein stehen, erst mit der Zeit verbinden sie sich zu einem Gesamtbild der Entwicklung der Moderne. Zweitens schreibt Bryson einen Stil, der weder extrem farbig oder plakativ ist, aber genau den Spagat zwischen Alltagssprache und Literatur schafft, der den Text mühelos von der Seite in die Phantasie transportiert. Bryson lässt den Film im Kopf Wirklichkeit werden. Dazu gehört auch seine Fähigkeit, Humor und Ironie in einem gerade noch wahrnehmbaren Maße einzustreuen. An Bryson kann man sehr anschaulich lernen, wie man anschaulich schreibt. Das macht dieses Werk nicht nur zu einem wunderschönen Buch, sondern auch zu einem Lehrbuch des Schreibens.

Bill Bryson: Reif für die Insel

Bill Bryson: Reif für die Insel

Es ist mein drittes Buch von Bryson, die beiden ersten handelten von seiner Wahlheimat England. Und wie ein gebürtiger Amerikaner zu einem überzeugten Briten mutierte. Nach dieser kurzen Geschichte von den alltäglichen Dingen bin ich mir fast sicher, es war nicht das letzte Buch von Bill Bryson, das auf meinem Stehtisch landete. Eben weil ich als Schreiber so viel von ihm gelernt habe. Schon in seinem ersten Buch.

Sol Stein – Über das Schreiben

Sol Stein: Über das Schreiben

Sol Stein: Über das Schreiben

Schon als Kind mochte ich keine dicken Bücher. Als ich das Buch von Sol Stein auspackte, fragte ich mich, wie lange ich für dieses 450-Seiten-Werk wohl brauchen würde, wahrscheinlich Monate. Es wurden keine drei Wochen.

Sol Stein ist ein amerikanischer Lektor und Autor. Die Namensliste seiner Kunden, für die er lektoriert, ist das Who-Is-Who der amerikanischen Autorenszene. Daher ist das Buch auch zuerst für Autoren in der fiktionalen Literatur gedacht. Stein zeigt, wie man gute und bindende Texte schreibt, wie man Spannung aufbaut, wie man Geschwindigkeit steigert und zurück nimmt, wie man Texte strukturiert und so weiter. Das habe ich bei anderen Autoren auch schon gelesen, aber Stein ist der Erste, bei dem ich das Prinzip „Erzähle nicht, zeige“ tatsächlich verstanden habe. Dazu, wie man eben gute Texte schreibt, ohne Platitüden und Schemata, wie Texte emotional werden und anschaulich. Er kann die vielen Regeln und Verfahren für Texte plausibel und anschaulich darstellen, mit vielen Beispielen, kleinen Übungen und Auszügen. Netter Weise hat er aber nicht nur die Schreiber fiktionaler Texte im Sinn.

Etwa ein Drittel des Buches wendet sich an die nichtfiktionalen Schreiber wie Journalisten. Wie man auch eine Nachricht oder einen Bericht oder eine Reportage lebendig, packend und lesenswürdig verfasst, was Sprache bildhaft macht, was langweilige von spannenden Texten unterscheidet. Damit wird Über das Schreiben nicht nur ein großes Buch für Autoren von Romanen und Kurzgeschichten, sondern auch für Journalisten. Ein Buch, dass man nach dem Lesen und Durcharbeiten anders auf seine Texte schaut. Eben eines der wenigen großartigen Bücher.