Roberta Allen: Short Shortstories schreiben

Roberta Allen: Short Shortstories schreiben

Ein nicht einfaches Buch. Nicht wegen mangelnder Fähigkeiten oder unklarer Sprache der Autorin, sondern wegen des Inhaltes. Die Qualifikation bringt sie nämlich in jedem Fall mit. In mehr als 300 Literaturzeitschriften sind Kurzgeschichten von Roberta Allen publiziert. Neun Bücher, darunter Anthologien über Kurzgeschichten, eine Novelle und ihre Autobiografie hat sie veröffentlicht. Dozentin an der New School for Social Research, lehrt an der New York University und im The Writer‘ s Voice, einem alternativen Literaturzentrum. Was das Buch schwierig macht ist die scheinbare Leichtigkeit und Überschaubarkeit, wie Roberta Allen das Thema angeht, und sich doch nicht zwingend sofortiger Erfolg einstellen muss. Trotzdem halte ich das Buch für einen der wirklich guten Einstiege ins Schreiben im Sinne von Autorenschaft. Journalisten wie ich, so schreibt sie es auch, müssen sich nämlich von ihrer gewohnten Arbeitsweise entfernen. Zum Glück lässt sie den journalistischen Leser nicht allein.

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Ich möchte wieder zwanzig Jahre zurück. Als zwei Kinder die Welt planbar und überschaubar machten, als meine Aufgaben und Zuständigkeiten klar und nicht verschiebbar waren. Am Montagabend Linsensuppe oder Spaghetti kochen, für den schulfreien Mittag am Dienstag. Am Sonntag mit den Kindern durch den Teuto wandern, mit etwas mehr gefühlter Sicherheit, wegen der ersten transportablen Telefonzelle in meinem Rucksack. Als ich morgens ins Büro kam und ein Berg Arbeit vor mir lag, ohne Computer und Technologie, die nur versklavt und knechtet, die die Zeit auffrisst und mich oft mutlos zurück lässt. Oder mich mit dem Gefühl verabschiedet, eigentlich nichts wirklich vollbracht zu haben. Abends über ISDN in der Gentle Giant-Newsgroup lesen, ohne den Hass, die Hetze und die Pöbeleien, den Glauben vieler Leute, sie allein würden die Welt wirklich verstehen. Mit dem Fender Jazz Bass vor der Stereoanlage sitzen und zu Pearl Jam und Soundgarden spielen. Immer noch Kassetten fürs Auto zusammen stellen. Auch wenn die Fahrt ins Büro nur fünfzehn Minuten dauerte.

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Christian Eisert: Kim & Struppi

Christian Eisert: Kim & Struppi

Neben den vielen klugen und lehrreichen Büchern zu Integration und Inklusion, zu Journalismus und zu Medien, gibt es noch die „normalen“ Bücher. Die einfach nur Geschichten erzählen. Das tut Christian Eisert in seinem Reisebericht zu Nordkorea, das scheinbar vertraute Land aus seiner DDR-Vergangenheit. Denn in der DDR pflegte man Beziehungen zu Nordkorea, auch wenn die Darstellung über den Stand dieser Nation eher geschönt war. Wo der gemalte Blick von außen ein anderer war als der tatsächliche von innen. Für die meisten Bewohner unserer Region ist Nordkorea ein unzugänglicher und unverständlicher Staat, den wir höchstens aus Zeitungsberichten oder Nachrichtenmeldungen kennen. Bilder entstehen dazu kaum. Das kann Eisert nicht grundlegend ändern. Aber relativieren.

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Slow Food Genussführer

Slow Food Genussführer

Ende 2018 von Helmut Gote in seiner schönen Sendung Alles in Butter in WDR5 vorgestellt. Mal kein Buch einfach nur zum Lesen, sondern ein Verzeichnis der besten Restaurants, Gasthäuser und auch Bistros in Deutschland, erschienen im oekom-Verlag. Die Organisation Slow Food setzt sich für regionales und saisonales Essen ein, für den Erhalt von Lebensmitteln und all dem, was so langsam zu verschwinden droht. Erstickt vom Einerlei in den Angeboten unserer Supermärkte, ignoriert von den Konsumenten von Tütensuppen und Rindfleisch für 4,99 pro Kilo. Vorläufer dieser Ausgabe war die italienische Version, die immerhin aktuell 1.400 Gasthäuser, Osterias und Albergos listet. Ganz so dicke ist die deutsche Ausgabe noch nicht, aber sie wächst. Gemeinsamkeit aller von den Slow Food-Genussteams getesteten Gaststätten: sie präsentieren eben regionales Essen, nach klassischen Rezepten ohne großen Schnickschnack, bevorzugt mit Zutaten aus der Region. Das kann mal ein Vier-Sterne-Hotel sein, eher aber eine Braugaststätte oder ein Landgasthof. Dabei bleibt man auf dem Teppich, Bio wird bevorzugt, aber nicht erzwungen. Ziel ist qualitativ und ökologisch gutes Essen, keine Sterne-Küche.

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Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

Richard David Precht: Medienstar, gern gesehener Talkrundengast, Philosoph. Manche bezeichnen ihn auch als Sofaphilosophen, der zu allem etwas zu sagen hat, zu jedem Thema eine Meinung hat, über alles reden kann. Nicht wenige beurteilen ihn als arrogant, besserwisserisch und abgehoben. Seine Bücher verkaufen sich in schwindelerregenden Stückzahlen, belegen fast immer die oberen Plätze der Bestsellerlisten. Das echte Problem an ihm: er ist wahrscheinlich einer der klügsten Köpfe unserer Zeit. Sein Buch Jäger, Hirten, Kritiker ist nicht ganz neu, aber 2018 in einer 5. Auflage erschienen. Precht hat stark überarbeitet und ist nahe an aktuellen Ereignissen. Gekauft habe ich das Buch eher deshalb, weil mich der zuerst etwas unverständliche Titel neugierig gemacht hat. Precht erklärt ihn jedoch gleich im ersten Kapitel. Der Verlag bewirbt das Werk mit dem Untertitel „Eine Utopie für die digitale Gesellschaft“. Es geht um den derzeitigen Stand der Dinge, um eine mögliche Zukunft unserer Gesellschaft und des Einzelnen, ausgehend von den Entwicklungen, die sich heute abzeichnen.

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Seit einigen Jahren produziere ich für einen Berliner Radiosender Kurzbeiträge für die Sendung Zeitzone, bisher nur Das historische Ereignis. Seit ein paar Monaten habe ich Die historische Person dazugenommen. Von der Recherche über das Texten bis zum Beitrag selbst, der wie üblich mit einem Jingle beginnt. Das historische Ereignis ist überschaubar, es geht um ein politisches, wissenschaftliches oder technisches Ereignis. Selten auch mal um eine Katastrophe oder etwas Kulturelles. Also etwas, was in einem begrenzten Zeitraum stattfand, mit meist wenigen Beteiligten. Da sind die Themen die Gründung der UNO, der Fall der Berliner Mauer oder die Erfindung des Backpulvers durch Dr. August Oetker. Schon nach einiger Zeit war ich mit meinen Resultaten recht zufrieden. Geschätzt habe ich inzwischen so 250 Beiträge zu diesem Thema produziert. Dann kam eben die historische Person dazu. Mit der historischen Person mache ich das nach dem gleichen Schema, war mein erster Gedanke. Schon im ersten Beitrag scheiterte ich genial, wenigstens nur für mich hörbar, im kleinen Kellerstudio und im Büro unter dem Dach.

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Henning Beck: Irren ist nützlich

Henning Beck: Irren ist nützlich

Die Neurowissenschaften sind immer ein Beinahe-Garant für gute Verkaufszahlen. Deshalb tauchen in jedem Monat auch neue Bücher über das menschliche Gehirn auf. Oder auch über das der tierischen Kollegen. Dieses Buch landete auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und kam so in meinen Fokus. Nicht ganz uneigennützig, denn als Nachhilfelehrer und Trainer suche ich gerne nach neuen Erkenntnissen, die Lernen und Lehren erleichtern.

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Über eine längere Zeit Sprachbeiträge zu produzieren, die immer die gleiche Aussteuerung und damit Mixqualität liefern, ist oft eine Frage des Materials. Zwar kann mit Nachbearbeitung in Adobe Audition einiges erreicht werden, aber das bedeutet immer Zeitverlust. Für mich wäre eine mögliche Lösung ein analoger Compressor vor dem Audiointerface gewesen, nur bekommt man solche Geräte heute nur noch für satt hoch drei- bis vierstellige Beträge, wie von Warm Audio. Mehr durch Zufall stieß ich beim Equipment-Lieferanten meiner Wahl auf eine angebliche Alternative. Einen Mikrofonvorverstärker plus Compressor plus Gate und noch einige Funktionen mehr in einem Gehäuse. Stammt von der amerikanischen Firma dbx, die gerne brauchbare Systeme für kleines Geld liefert. Also mal ausprobieren, was an den Preisungen des Herstellers Wahrheit und Dichtung ist.

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Tuba Sarica: Ihr Scheinheiligen!

Tuba Sarica: Ihr Scheinheiligen!

In der Spiegel-Bestsellerliste erschien Tuba Saricas Buch unter den Sachbüchern. Aber ist es wirklich ein Sachbuch? Ich würde sagen Nein, es ist eher Autobiografie oder Diskurs. Saricas Buch mit dem Untertitel Doppelmoral und falsche Toleranz – Die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen erzählt von ihr selbst. Vom Aufwachsen in einer deutschtürkischen Famile, die zu Lebzeiten des Vaters eine liberale, eher weltoffene war. Mit dem Tod des Vaters rückt ihre Mutter immer mehr in eine deutschtürkische Parallelgesellschaft. Tuba Sarica soll diese Umorientierung mitmachen, soll sich den Regeln und Denkweisen dieser für sie neuen Umgebung anpassen. Doch sie rebelliert, will ihren eigenen Weg gehen. Sie will Deutsche sein, Deutschland als ihre Heimat haben. Nicht um den Forderungen der Integration zu genügen, sondern nur, weil sie es will.  So ist das Buch einerseits subjektiv und persönlich, lässt aber doch nach dem Lesen ein ungutes Gefühl zurück.

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