Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Bücher nach einiger Zeit noch einmal zu lesen. Entweder, um mein Bücherregal zu entlasten und diese Bücher zu entsorgen, oder um bestehende Urteile über Bücher zu überprüfen. Zuletzt war es Wolf Schneiders Buch „Deutsch für Profis“, das immer wieder Schreibern in der Lernphase empfohlen wird. Zu Recht, würde ich auch nach dem zweiten Lesen sagen. Weil sich das Buch nicht nur durch Inhalt qualifiziert, sondern auch durch das, was vielen Büchern fehlt.

Nicht nur Inhalt ist wichtig

Schneider verfolgt in diesem Buch eine klare Linie, die Struktur gibt und so den Leser durch das Gesamtthema führt. Er beginnt bei den Wörtern der unterschiedlichen Arten, geht zu den Sätzen über und konzentriert sich dann auf das, was Sätze unterscheidet. Ihr Aufbau, ihre Rolle als Metaphern, was Sätze verständlich und lesbar macht. Wichtig ist ihm dabei, zwischen gutem Deutsch, verständlichem Deutsch und gut lesbarem Deutsch zu unterscheiden. Denn das Oberthema des Buches ist der Stil und wie man zu gutem Stil kommt. Schneider bleibt dabei pragmatisch, er meißelt keine Regeln in Stein oder stellt ein Regelwerk auf, das man gnadenlos beachten sollte. Schneider ist Praktiker, journalistischer Praktiker, er weiß, wie schwierig und gelegentlich unmöglich es ist, Regeln und Verfahren einzuhalten. Wichtiger ist ihm, den Leser mehr auf sein Bauchgefühl aufmerksam zu machen, ein Gefühl für guten Stil zu vermitteln. Natürlich stellt er Regeln auf: Subjekt nach vorn, Verb nach vorn, keine klammernden Satzkonstruktionen, kein verbaler Müll und Füllworte, Finger weg von toten Metaphern oder Wörtern im Superlativ, die nicht gesteigert werden können. Dass das auch erfahrenen Journalisten im Spiegel und im Stern, in der FAZ oder Süddeutschen passiert, belegt er mit vielen Beispielen und Zitaten. Nennt aber gleichzeitig Autoren, die lesbar, verständlich und zugleich farbig und unterhaltend schreiben können.

Aus der Praxis für die Praxis

„Deutsch für Profis“ ist kein Buch, das einen in ein Schreibkorsett zwingt. Stattdessen regt Schneider dazu an, bewusst zu schreiben und Ergebnisse mehr mit dem Verstand und Sprachgefühl zu überprüfen. Er möchte dieses Sprachgefühl im Leser entwickeln, deshalb liest sich das Buch so gut und interessant. Ein Lehrmeister will er nicht sein, dazu bleibt er zu sehr im Dialog mit dem Leser. Aber selbst nach vielen Jahren des eigenen Schreibens vermittelt dieses Buch noch Erkenntnisse und Einsichten, die selbstverständlich sein sollten, es jedoch nicht sind. Schneider nimmt den Leser an die Hand, führt durch das Thema, ist eher ein Coach als ein Guru. Am Ende hat der Leser das Gefühl, es wären seine eigenen Erkenntnisse. Um doch eine Metapher zu bedienen, hat der Leser das Angeln gelernt anstatt Fisch zu bekommen. So sollten Lehrbücher sein. Eigentlich alle.

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