Natürlich hatte ich in der Vergangenheit den Hard Limiter in Adobe Audition schon benutzt. Allerdings nur, um irgendwelche Spitzen im Signal zu beschneiden. Aber wie so oft, versteht man die Funktion eines Werkzeuges erst, wenn man sich damit mal an der Hand eines Experten beschäftigt hat. Das gilt auch für den Hard Limiter, wie er in Adobe Audition wie in anderen Audio-Programmen zu finden ist. Der Sinn des Hard Limiters ist nämlich nicht einfach, eventuelle Spitzen zu bescheiden, sondern das Signal auch gleichförmiger zu gestalten. Was ja im Radio eine sinnvolle Maßnahme ist. Deshalb hier jetzt mal der Hard Limiter in richtig. Und meine Lernkurve dazu.

Ausgangssituation ist im Grunde die, an der ich schon seit Jahren herum doktere. Ich möchte gerne ein möglichst gleichmäßiges Audiosignal für Voice-Over und Moderation im Radio. Für die optimale Verständlichkeit und für angenehmes Hören. Dabei gelten (ich rede vom Radio) die wichtigen Randbedingungen:

  • Zielpegel -6 dB, das entspricht bei meiner Stimme ganz gut -18 LUFS Lautheit. Hatte ich mal nachgemessen.
  • Keine digitalen Compressoren oder Expander, die hinterlassen digitale Artefakte im Datenstrom, die der Mensch nicht hört, aber der Computer. Weshalb dann der Sendeprozessor gerne mit Pumpen oder Verzerren reagiert. Oder er zieht das Musikbett hoch und zusammen mit der Stimme wieder herunter. Klingt scheußlich.
  • Die notwendigen Aktionen sollten am Ende in einem Favoriten in Audition landen, so dass ich mit einem Klick eine Aufnahme bearbeiten kann. Mit immer gleichen Ergebnissen.

Nach der Anleitung des Herren oben im Video habe ich mir diesen Workflow zugelegt, der nun für mich gut funktioniert.

Schritt 1: Basisarbeiten

Bearbeiten Anfang und Ende, Fades, hyperaktive Atmer und Schmatzer bearbeiten. Also das Übliche.

Schritt 2: Normalisieren

Ich normalisiere nun die reine Aufnahme auf -6 dB, das ist mein Zielwert, über Effekte | Amplitude und Komprimierung | Normalisieren (Prozess). Normalisieren ist übrigens der mit Abstand ungefährlichste Effekt in der digitalen Bearbeitung. Es wird das maximale Signal gesucht, danach einfach eine Konstante zu allen Daten dazu addiert. Dabei entstehen keine Artefakte oder sonstiger Schmutz. Bis hier ist es alles wie bisher gemacht. Neu ist:

Schritt 3: Hard Limiter nutzen

Man kann den Hard Limiter in Audition auch als Rack-Effekt nutzen, das ist hilfreich, um für sich die optimalen Einstellungen zu finden. Denn eine andere Stimme und Stimmlage kann andere Einstellungen erfordern. Hat man seine persönlichen Präferenzen gefunden, kann der Hard Limiter dann als Prozess verwendet werden. Deshalb landet dann alles in einem Favoriten und die Ein-Klick-Forderung ist auch erfüllt.

Wesentlich ist jedoch, den Limiter nicht nur zum Beschneiden zu nutzen, sondern auch das Gesamtsignal anzuheben. Für meinen Geschmack hat sich eine Anhebung um 3 dB bei einem Zielwert von -6 dB als optimal gezeigt. Vorwärtsregelzeit und Nachklingzeit sind eher unkritisch, letztere sollte aber nicht länger als 50 bis 60 Millisekunden sein, andernfalls wird das Ergebnis etwas matschig und undifferenziert. Das Ergebnis ist ein Signal, das schön den Maximalwert von -6 dB einhält, aber nicht die strenge Verdichtung der Lautheit wie ein Compressor hat. Auch hinterlässt der Limiter keine, oder nur unwesentliche Artefakte wie der Compressor. Man kann sicher noch einige Zeit mit den Einstellungen spielen, da vereinfacht der Hard Limiter als Rack-Effekt den Weg. Auf jeden Fall bekommt man mit dem Hard Limiter ein angenehm verdichtetes Signal ohne den künstlichen Sound von Compressor und Expander. Denn der größte Teil der Dynamik in der  Aufnahme bleibt erhalten.

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