„Life is what happens, while you are making other plans“ ~ John Lennon
Lowerfield Farm, Willersey

Lowerfield Farm, Willersey

Da alle meine Kollegen schulpflichtige Kinder haben, ist meine Urlaubszeit im Sommer der Juni und Juli. Endlich mal wieder nach Snowdonia, in die weiten Bergwelten mit Sicht auf die See? Endlich mal auf den Scafell Pike in den Lakelands kraxeln? Dann kam im März das Corona-Virus und ich durfte erst einmal sämtliche Reisepläne beerdigen. Im Sommer die überraschende Nachricht von der Lowerfield Farm: ab dem 10. Juli 2020 dürfen Touristen aus Deutschland (ich bin kein Tourist, verdammt noch mal!) wieder ohne Quarantäne in England einreisen. Wales und Schottland bleiben weiterhin in der Quarantänepflicht. Gut, was aber heißt, dass ich wenigstens wieder nach England darf. Also doch, entgegen allen früheren Vorhaben, zurück nach Willersey, nach Broadway und zurück zu Sue und Gareth auf der Lowerfield Farm. Better than nothing. Ehrlich gesagt, bin ich nicht mal enttäuscht, dass die große Reise ausfiel. Schließlich kommen im nächsten Jahr bei meinem nächsten Umzug noch einige saftige Rechnungen auf mich zu.

The Cotswold Hills

The Cotswold Hills

Zum ersten Mal in 2019 und in 2018 kennen und schätzen gelernt, hätte ich nicht gedacht, dass ich so oft hierher zurück kommen würde. Was aber nicht schwer fiel, denn diese Gegend vereint viele gute Aspekte für einen Urlaub. Der so langsam immer mehr ein nach Hause kommen ist. Wandern, bis der Arzt kommt, oder wenigstens die Apotheke, schöne Städtchen und Dörfchen, Flair der richtigen Stadt in Cheltenham oder Cirencester. Also schnell eine Buchung an Gareth auf der Lowerfield Farm Broadway und die Heimstatt samt Frühstück waren gesichert. Zurück wieder ein letzter Stop im Churchill Guesthouse in Dover bei Alex. Dieses Mal eher ungewohnt am Samstag vor der endgültigen Rückkehr auf den Kontinent, in meinem lange vertrauten Zimmer  Blenheim. Mal sehen, wie weit die Western Docks jetzt sind. Vielleicht ist ja der Tunnel von der alten Kaserne bis zum Strand geöffnet. Seit dem 14. Juli 2020 hat übrigens Großbritannien eine allgemeine Maskenpflicht eingeführt. Macht nix, ich habe ja genug davon.

Da ich bereits in den letzten zwei Jahren genug über die Cotswolds geschrieben habe, konzentriere ich mich auf eine Art Verlaufsprotokoll. Mehr zu den Cotswolds selbst gerade im Bericht von 2018.

Broadway Tower

Broadway Tower

Lessons learned: The Corona days

Während das Zimmer wegen des 10% Corona-Rabattes etwas billiger war als sonst, schlug DFDS Seaways gnadenlos zu. 294 Euro Hin- und Rückfahrt inklusive Auto anstatt wie sonst 160 oder 170. Selbst die alternativen Verbindungen über Zeebrugge und Dünkirchen waren teurer als die Verbindung ab Calais. Was ungewöhnlich war, normalerweise sind die nämlich etwas billiger. Das Virus hat schon eine Menge durcheinander gekegelt. An dieser Stelle der Hinweis, dass Aferry.de gemischte Buchungen, wie Hinweg DFDS und Rückweg P&O, zuerst nicht anzeigt, sondern erst nach Klicken auf Mehr.

Ansonsten alles wie gewohnt. Die Verhaltensregeln werden jedoch in jedem County unabhängig festgelegt. Da kann man dann in Oxfordshire ohne Maske ins Café, in Worchestershire eben nicht. Die Infektionszahlen in dieser Ecke sind, verglichen mit dem Rest Großbritanniens, eher niedrig. Wenn dann noch das Wandern im Vordergrund steht, droht wenig Gefahr. Lediglich beim Einkaufen oder beim Scone und Cappuccino im Leaf & Bean etwas Vorsicht walten lassen. Der Warner’s Budgens-Laden in Broadway ist jetzt coop. Da werde ich mich am Sonntagmorgen dann mit Futter für die Woche eindecken. Aus den verschiedenen Gründen habe ich beschlossen, nur wenig in die Öffentlichkeit zu gehen. Stattdessen bunkere ich im coop reichlich Konserven, packe meinen Bunsenbrenner ein und versorge mich weitgehend selbst. Dieses Mal also unter Schafen, so zu sagen.

Alles Details, Karten- und Buchhinweise in den Seiten zu den vorherigen Besuchen in den Cotswold Hills. Alle Touren wie üblich im Pathfinder Guide Cotswolds. Einige längere Wandervorschläge noch in Cotswold Life, wo sich eh eine Menge Vorschläge für Aktivitäten finden.

Samstag, 15. August 2020: Nun denn

Super. Am Freitag vor meiner Abfahrt verkündet die britische Regierung, dass Einreisende aus Frankreich und den Niederlanden nun wieder auf der Insel für 10 Tage in Quarantäne müssen. Und nun? Dass man maximal 48 Stunden vor Einreise einen Fragebogen ausfüllen muss, ist ja noch ok. Aber was ist nun mit mir als Deutscher, der eigentlich aus Deutschland kommend von der Quarantäne befreit ist, aber über Frankreich einreist? Genaues Studieren der Bestimmungen klären es. Wenn man beim Durchfahren von Belgien, den Niederlanden und Frankreich nicht anhält und keinen Kontakt mit weiteren Personen hat, niemand zu steigt, sei das in Ordnung. War auch so. Natürlich habe ich angehalten, aber ganz am Ende eines großen Parkplatzes und mir ein Brötchen sowie eine Zigarette gegönnt. Nach dem ausgefüllten Fragebogen hat auch niemand gefragt. Allerdings fischten sich die Zollbeamten in Dover doch Autos heraus, nämlich solche aus Frankreich und Briten, die offensichtlich aus einem längeren Urlaub kamen. Doch für mich interessierte sich niemand, weder an der Grenze in Dover noch sonst wo. Falscher Alarm.

DFDS Dover Seaways

DFDS Dover Seaways

Auch mal positiv: Die eingesetzte DFDS Dover Seaways muss vor kurzer Zeit komplett überholt worden sein. Alles sauber und modern, kein Gestank nach Frittenfett oder Bier wie bei den Fähren bei P&O geradezu Standard. Dazu war die See spiegelglatt, das Schiff glitt ungewohnt ruhig durchs Wasser. Da habe ich schon andere Touren hinter mir, auch im Sommer.

Ansonsten eine erstaunlich entspannte Fahrt. Keine Staus, Fähre pünktlich, wie geplant um 18:30 an der Lowerfield Farm. Großes Hallo, ich habe wieder mein Lieblingszimmer The Long Lawn mit dem riesigen Schreibtisch. Zwar ist der Stuhl vor dem Schreibtisch etwas zu niedrig, aber mit einem der Kissen von den Sesseln passt es. Ja, dieses Zimmer hat zwei richtige Ohrensessel, ideal zum Lesen oder Nachrichten in der BBC gucken.

Die 22 bis 23 Grad am Kanal waren nach der Hitze der letzten Tage zuhause eine richtige Erholung. Dazu eine leichte Brise, die man auf den Außendecks mal wieder genießen konnte. In Dover war es zwar neblig, aber trocken. Hier in Willersey nieselt es. Kann morgen anders sein. Sage ich immer und glaube es auch.

Lessons learned: Keep your distance

Der Umgang mit den Vorschriften wegen des Virus‘ ist auf den ersten Blick äußerst zwiespältig. Auf dem Schiff waren nur ein Cafe und ein Restaurant geöffnet, dafür gab es beim Einchecken einen Gutschein für ein kostenloses Mittagessen. Der Shop auf der Fähre war geschlossen, ebenso Geldumtausch und noch vieles mehr. Die Fähre war höchstens zu einem Viertel ihrer Kapazität belegt. In den Raststätten an der Autobahn sind richtige Gänge mit Sperrbändern eingerichtet, die nur in eine Richtung gegangen werden dürfen. Große Aufkleber auf dem Boden regeln Abstände und Gehrichtungen. Man ist angehalten, nicht stehen zu bleiben. Geschäfte dürfen nur in einer Richtung durchquert werden, allein der Versuch, davon abzuweichen, holt einem die Security an den Hals. Alles noch viel konsequenter durchgezogen als in Deutschland. Die Tische hier bei Sue im Frühstücksraum sind reduziert, man muss eine Zeit angeben, wann man kommt. Dazu schon am Abend seine Auswahl fürs Frühstück treffen, keine Selbstbedienung bei Toast, Obst oder Marmelade. Also wirklich im Lot. Aber.

Schätzungsweise ein Viertel der Passagiere auf der Fähre hatte die Maske auf der Unterlippe hängen, oder trugen erst gar keine. Beim Heruntergehen zurück zum Auto standen die Leute wieder dicht gedrängt auf den Treppen, um so schnell wie möglich zum Auto zu kommen. Um dann 15 Minuten im Auto zu warten, bis die Tore geöffnet werden. Nicht alle Leute, aber auch nicht wenige. Eine kleinere Gruppe, zu der ich gehörte,  stand mit reichlich Abstand zueinander dabei und schüttelte nur noch den Kopf. In den Raststätten wurde überwiegend auf Abstand geachtet, und es hatten 98% der Leute eine Maske auf, richtig sitzend. Mögliche Erklärung: auf der Fähre war dieses Mal der Anteil der Osteuropäer sehr groß, sprachen die zumeist Männer dann miteinander, war es kein Deutsch und kein Englisch. Auch kein Französisch oder Niederländisch.

Sonntag, 16. August 2020: Stanton, Stanway und Snowshill

Keep Schnauzers on lead

Keep Schnauzers on lead

Der Himmel ist bedeckt, aber es scheint trocken zu bleiben. Mein Plan: Tour #22 aus dem Pathfinder Guide, dann gegen Mittag ein lauschiges Plätzchen für meine Tomatensuppe suchen und noch einen Abstecher nach Broadway machen. Es sei an das Zitat von John Lennon am Anfang erinnert.

Stanton

Stanton

Die Tour beginnt an einem öffentlichen Parkplatz in Stanton, ein neuer Ort auf meiner Liste hier. Wie fast alle kleineren Orte in den Cotswolds könnte er, ohne die Autos und ein paar Mülltonnen, aus einem englischen Märchenbuch stammen. Oder aus einem Film. Sandsteinhäuser mit großen Blumenampeln an den Wänden, bunte und gepflegte Vorgärten mit unglaublichen Pflanzen, die Reet- oder Schieferdächer mit Moos bewachsen. Manchmal scheint es nicht mehr real zu sein, so heimelig wirken die Sträßchen. Der Weg führt über Felder und durch Wäldchen nach Stanway, ebenso ein wunderschönes Cotswold-Dorf, dieses Mal jedoch mit einem mächtigen Anwesen, Stanway House. Eingebettet in einen riesigen Park. Von Stanway aus führt der Weg weiter am Haus des Hufschmieds vorbei und endet auf einer Straße, die jedoch einen kleinen Bürgersteig hat. Nach ein paar hundert Metern verlässt man die Straße. Dann passiert es mal wieder.

Stanway House

Stanway House

An einer spitzen Weggabelung gehe ich rechts weiter statt links Richtung Snowshill, weil ich mal einen Moment nicht auf den Plan geachtet habe. Dieser Weg geht lang und schmutzig auf einen Hügel hinauf. Ich werde zwar stutzig, weil die angekündigte Papermill Farm nicht kommt, gehe aber weiter. Inzwischen hat sich die Sonne die Sache überlegt und brennt vom Himmel. Es wird deutlich wärmer. Auf dem Hügel angekommen wird mir klar, dass ich falsch bin. Die Wege stimmen gar nicht mehr mit dem Plan überein. Als ich den Winchcombe Way kreuze, ist mir der Irrtum restlos klar, aber es ist immer Platz für den nächsten Fehler. Statt jetzt den Winchcombe Way nach Snowshill zu gehen, laufe ich weiter geradeaus. An einer Straße mit Hinweisschildern angekommen, wird es klar. Ich habe nicht nur statt eines kurzen Anstiegs den kompletten Hügel gemacht, sondern auch über eine Stunde Umweg. Inzwischen bin ich richtig ausgetrocknet, weil ich zwar die Wasserflasche mitgenommen, aber den Verschluss zuhause gelassen habe.

Snowshill

Snowshill

Als ich in Snowshill ankomme, ist es deutlich nach zwölf. Zwar ist Snowshill ebenso sehr putzig, aber ich habe Durst und Hunger, denn der Plan war ja anders. Aber gut, dass ich mich hier etwas auskenne. Bei Snowshill liegt Snowshill Manor des National Trust. Die Kuriositätensammlung des Mr. Wade, siehe Bericht von 2019. Zwar darf man zur Zeit nur mit Voranmeldung in die Anlagen des National Trust, ebenso sind die Shops geschlossen, aber der Tea Room wird wohl in Betrieb sein. So trage ich stolz meinen Mitgliedsausweis vor der Brust und frage höflich am Eingang, ob ich wohl nur den Tea Room besuchen darf. Ich darf, allerdings nur mit Maske, die ich aber schon aufgesetzt habe. So bekomme ich nicht nur eine Flasche Wasser, sondern auch ein Cheese and Onion Pasty sowie einen großen Cappuccino. Frisch gekochte Speisen gibt es aktuell nicht, aber eben Sachen aus der Mikrowelle. Was mir völlig reicht. Dankbar setze ich mich mit meinem Essen, meinen lädierten Beinen und dem Kaffee in den Garten und beglückwünsche mich zu der Entscheidung aus 2004, Mitglied des National Trust geworden zu sein.

Snowshill

Der Rest des Weges zurück nach Stanton ist einfach und führt über endlose Schafweiden. Überhaupt ist die #22 aus meiner Sicht ein Must-Do hier, der Weg ist ausgesprochen abwechslungsreich, mit großartigen Aussichten in die Cotswolds und mit den schönen Orten. Auch den Broadway Tower sieht man auf der anderen Seite. Wer so richtig zu Mittag essen möchte, also mit Sunday Roast und Pudding-Nachtisch, kann das sowohl in Stanton als auch in Snowshill tun. In beiden Orten gibt es ein klassisches Pub mit dem üblichen Angebot an Mittagessen. Gegen vier bin ich zurück am Auto, meine Beine schmerzen, aus der gemütlichen Vormittagstour ist eine Tagestour geworden.

Hier noch eine kleine Übersicht  zu typischen Cotswold-Orten.

Den Abstecher nach Broadway auf einen weiteren Kaffee oder ein Eis spare ich mir, denn dort ist der Bär los. Alle Parkplätze restlos belegt, die Straßen voll mit Leuten, weil die Cafes und Restaurants ihren Betrieb komplett auf die Bürgersteige verlegt haben. Zur Entschuldigung muss man sagen, dass konsequent Masken getragen werden, außer an den Tischen. Selbst einige Leute, die nur durch den Ort gehen, haben ordnungsgemäß ihre Fummel vor dem Gesicht. Demnach waren die Ausreißer auf der Fähre wohl tatsächlich keine Briten. Hätte mich auch schwer enttäuscht. Morgen dann schon mal Tee und Marmelade horten gehen, beim Waitrose in Evesham. Dann weiter sehen. Wetter war nämlich in Ordnung heute. Bedeckt, aber trocken und trotzdem zeitweise sonnig.

Montag, 17. August 2020: Shopping, Broadway Tower

Der Himmel am Morgen ist düster und grau. Ab und zu nieselt es ein wenig. Ein idealer Zeitpunkt, sich schon einmal um die Einkäufe zu kümmern. Dafür nutze ich gerne den Waitrose in Evesham, der mit Twinnings Tee bestens ausgerüstet ist. Tatsächlich sind sogar die Packungen mit 160 Beuteln vorrätig, wenn auch nur zwei Kartons. Egal, geht mit, dazu ein Stapel der 100er-Packungen. Nur den Demerara-Zucker von Billings haben sie nicht mehr, auch Orange and Tangerine Marmelade ist nicht im Angebot. Ein weiterer Abstecher zu Morrison bringt wenigstens den gesuchten Zucker. Tangerine Marmelade auch hier nicht zu finden. Der Tank leert sich langsam. Hinter Broadway gibt es eine Texaco-Tankstelle. Das Unfassbare kommt über mich. Der Preis für Diesel ist gegenüber dem letzten Jahr von ca. 1,31 auf 1,22 £ gefallen. Und zwar überall. Kann am Kurs des Pfundes liegen, auf der Fähre galt der Umrechenkurs im Cafe bei 1 £ = 1,01 €. Rache des Brexit?

Inzwischen haben sich die dicken Wolken weitgehend verzogen, um 15:00 Uhr soll es wieder regnen. Ich entschließe mich zu einer schon gemachten Runde, nämlich zum Broadway Tower. Da es mit dem Süppchen zu Mittag wieder nichts wird, mangels Gelegenheit und passendem Ort, gehe ich zum ersten Mal in den Tisanes Tea Room und nehme mir ein Sandwich mit. Obwohl der schöne Garten hinter dem Haus schon lockt, aber ich will vor dem Regen wieder zurück sein. Mit meinem Sandwich, das mit einem netten Pappteller geliefert wurde, lasse mich auf einer versteckten Bank neben dem Museum nieder. Eines der besten Sandwiches ever, mit Thunfisch, Tomaten, Gurken und Salat, alles frisch und lecker. Merken. Broadway hat jetzt auch eine kleine Pizzeria, die Number 32. Kommt auch auf die Liste, Pizza gab es hier im Ort früher nicht.

Broadway Tower

Broadway Tower

Die Tour zum Broadway Tower hoch hatte ich 2018 schon einmal gemacht, es ist die #10 aus dem Pathfinder Guide. Deshalb tracke ich sie dieses Mal mit Komoot, dort finden sich nun auch Bilder zum heutigen Tag. Da der Regen noch einige Zeit entfernt zu sein scheint, gönne ich mir oben im Schatten des Turms eine Kugel Schokoladeneis und einen einen Cappuccino. Inzwischen können die Briten sogar leckeres Eis, könnte aber auch von Mövenpick gewesen sein.

Mixed breed, the only one truly amazing

Mixed breed, the only one truly amazing

Auf dem Rückweg stöbere ich noch etwas in Broadway herum, und schaffe den Bogen um den Hundiladen wieder nicht. Zum Glück konnte ich wenigstens den wunderschönen Leinen widerstehen. Hier gibt es sogar geflochtene runde Leinen in allen Farben. Aber schaffe ich das auch auf Dauer?

Der Broadway Tower ist nicht gut für meine Knie. 2018 war das linke Bein lädiert, heute meldete sich beim Aufstieg das rechte. Nicht so heftig wie in 2018, aber der Gang in die Apotheke war nicht zu vermeiden. Morgen vielleicht ein knieschonender Abstecher nach Wales, nach Hay-on-Wey, obwohl ab morgen das Wetter wieder besser werden soll. Heute Abend mal den Wetterbericht in BBC One konsultieren. Und das Knie einreiben.

Beinahe vergessen. Heute Vormittag gute Nachrichten aus Spanien. Mein Duna-Hundi steht auf der nächsten Transportliste nach Deutschland. Hurrey!

Dienstag, 18. August 2020: Stow-on-the-Wold, Burford, Fulbrook, Widford

Stow-on-the-Wold

Stow-on-the-Wold

Sieht doch gar nicht so schlecht aus heute Morgen. Nach einem relativ frühen Omelett mit gebackenen Bohnen wähle ich für heute die etwas kürzere Tour #6 aus dem Pathfinder Guide. Zwar meldet sich das Knie heute nicht, aber besser etwas gelinder an diesem Tag. Da ich eh durch Stow-on-the-Wold durch muss, statte ich dem Örtchen noch einmal einen Besuch ab. Heute ist es dann nicht ganz so voll wie bei meinem ersten Besuch, da wirken die Straßen in der Tat ruhiger und gemütlicher. Noch einen Cappuccino aus dem New England Coffee Shop, damit in den Kirchgarten auf eine Bank in der Sonne und ein Päuschen eingelegt. Noch ein Gewinn durch den zuerst ungeplanten Besuch ist, dass der Tesco in Stow tatsächlich die Orange Tangerine Marmelade in Massen hat. Einkaufsliste abgearbeitet. Weiter nach Burford.

Da es inzwischen fast Mittag ist, schlage ich mich kurz vor Burford in eine kleine Seitenstraße, die Zufahrt zu einer Farm. Dort zünde ich meinen Campingkocher für eine Tomatensuppe. Geht so, aber die Idee mit den Konserven war nicht ganz so brilliant. Mit Brötchen, Dosenfisch und Aufstrich kann man auch auf einem Parkplatz Station machen, mit dem rauschenden Brenner weniger. Das Konzept ist noch zu überdenken. Tatsächlich werde ich wegen der niedrigen Preise noch mehrmals Bistros und Cafés nutzen.

Burford, wie immer mit viel Verkehr

Burford, wie immer mit viel Verkehr

Auch in Burford ist es wahrscheinlich nur nachts um drei ruhig. Ein endloser Strom aus Autos quält sich durch den Ort. Ein Grund ist die mittelalterliche Brücke am Ortsausgang, über die so gerade ein SUV passt. Zum Anderen ist Burford die Querverbindung nach Norden Richtung Evesham und Worchester. Die Tour beginnt auf dem kostenlosen Parkplatz am östlichen Rand des Ortes. Zuerst ein Stück an der Straße entlang, geht aber wegen der Bürgersteige. Gleich nach dem ersten Abbiegen von der Hauptstraße wieder ein übliches Problem. Der angegebene Weg existiert nicht mehr. Also weiter an der Hauptstraße entlang, die nicht ganz so stark befahren ist. Erst hinter Fulbrook geht es in die Pampas.

Es erstaunt mich immer wieder, wo es überall Wege gibt, von denen man nichts ahnt, wenn man nicht geleitet wird. Das war auf dieser Tour wieder oft der Fall.

Die alte Kirche in Widford

Die alte Kirche in Widford

Die ersten zwei Drittel des Weges gehen über Felder und durch Wäldchen. Eher langweilig. Dann gibt es noch einen ordentlichen Schauer, vor dem mich der dichte Urwald rettet, den ich gerade streife. Erst das letzte Drittel führt wieder durch liebliche Auen und endet in Widford. Ein Ort, den es gar nicht mehr gibt. Nur die Kirche aus dem 13. Jahrhundert steht noch, der Ort wurde vermutlich im 17. Jahrhundert wegen der Pest aufgegeben. Gebaut wurde die Kirche auf den Überresten einer römischen Villa, deren Mosaike auf dem Boden  noch heute in der Kirche zu sehen sind, wie auch mittelalterliche Wandmalereien. Leider ist die Kirche geschlossen.

Zuletzt immer am River Windrush entlang

Zuletzt immer am River Windrush entlang

Der Rest des Weges führt am River Windrush entlang, der früher, also bei den Angelsachsen, die südliche Grenze der Cotswolds war. Heute geht das Gebiet der Cotswold Hills bis nach Bath herunter, die frühere römische Stadt Aquae Sulis mit ihren heißen Quellen. Dieses letzte Stück zieht sich etwas, man kommt wieder auf der Seite in Burford heraus, wo auch der Parkplatz liegt. Burford hat zwar jede Menge Restaurants, aber nur wenige Cafés. Da vor den besseren alle Schlangen zu sehen sind, nehme ich das eher schlichte am Ende des Ortes. Dafür haben die sogar ihren so genannten Half-Prize Day und ich bekomme den Cappuccino und einen Scone für nur 2,30 £. Beides nicht schlechter als in den teureren, schöneren Cafés.

Inzwischen ist es schon halb fünf, ich mache mich auf den Rückweg. Bis auf den Schauer zwischendurch und ein paar Tropfen am Morgen war es herrliches Wetter. Soll noch besser werden. Oder Morgen mal ein Städtetrip? Waren ja schon drei Touren hintereinander.

Mittwoch, 19. August 2020: Gloucester

Gloucester

Gloucester

Die Frage nach einer Pause hat sich erledigt. Über Südengland hängt ein dickes Regengebiet, das uns bis zum frühen Abend Landregen und etwas Wind verspricht. Was hatten wir denn hier in der Gegend noch nicht? Gloucester, eine der größten Städte hier in den Cotswolds. Nur Oxford ist noch größer, gehört aber eigentlich nicht mehr zu den Cotswold Hills. Eine gute halbe Stunde Fahrt, also noch fast im Nahbereich. England ist immer wieder für eine Überraschung gut. Großstadt ist Gloucester schon, aber mit einer eher kleinstädtischen Atmosphäre, die fast schmalen Fußgängerzonen beinahe ausschließlich bestückt mit lokalen Anbietern und vom Nützlichen und Schönen bis zum Plunder. Dabei zahlt es sich aus, dass Gloucester nicht die eine große Fußgängerzone besitzt, sondern sich die Geschäfte auf viele kleine Straßen verteilen. Die Innenstadt wirkt entspannter, wie man im Deutschen sagt, es verläuft sich mehr.

Hier hat schon Sir Francis Drake gefrühstückt - Gloucester Docks

Hier hat schon Sir Francis Drake gefrühstückt – Gloucester Docks

Die alten Docks hat man tatsächlich mal sinnvoll genutzt. Alles sehr gut renoviert, die Speicher sind fast alle in Wohnungen umgebaut, deren Miet- und Kaufpreise sogar noch im Erträglichen liegen. In den ebenerdigen Etagen viele Geschäfte und Restaurants, in einem sehr großen ehemaligen Lagerhaus ein Einkaufszentrum nur auf einer Ebene, mit sehr vielfältigem Angebot. Das hohe Dach komplett aus Glas, so dass man nicht das Gefühl hat, in einem Einkaufszentrum zu sein. Die Historic Docks in Gloucester sind ein Beispiel, wie man es auch machen kann, nicht edel und überteuert, sondern alltagstauglich und ohne Schickimicki. Bei Sonne sicher ein Ort, an dem man länger verweilen kann, neben den Kanälen und Docks Kaffee trinken oder einfach ein bisschen herum sitzen. Well done, folks.

Gloucester Cathedral

Gloucester Cathedral

Aber Gloucester wäre keine City, wäre da keine Kathedrale. Von St Paul’s bis St David’s habe ja schon einige durch, doch Gloucester Cathedral ist trotzdem einen Besuch wert. Zwar riesig, aber nicht überfrachtet, sehr durchdacht ausgeleuchtet, Lob an den Lichtdesigner. Der Bau der Kathedrale begann schon 1089, den heutigen Stand erreichte sie erst Ende des 15. Jahrhunderts. Dementsprechend reichen Grabmäler und Altäre bis in uralte Zeit zurück, aber auch einige aus dem 19. Jahrhundert sind zu finden, wie auch Motivfenster aus dem 20. Jahrhundert. Man kann sich eine App herunter laden, die einem alle Details erklärt, eine gute Idee und auch gut umgesetzt. Natürlich in allen möglichen Sprachen. Gut anderthalb Stunden verbringe ich in der Kirche, für zwei Pfund Eintritt ein faires Angebot. Gloucester Cathedral kann mit St David’s und der in Chichester locker mithalten. Alleine die Atmosphäre und die Ausgestaltung sind einen Besuch mehr als wert.

Gasse an der Gloucester Cathedral

Gasse an der Gloucester Cathedral

Mittagessen gibt es in den Docks, dazu unten noch etwas. Gegen zwei geht es zurück Richtung Evesham. Der tolle Ahornsirup hier bei Sue ist nämlich von ALDI, mal ein Fläschchen holen, ob es immer noch der gleiche ist. Weiter nach Broadway. Ich wollte ja eigentlich nicht so viel kaufen, aber an dieser Hundeleine kam ich einfach nicht vorbei.

So, heute etwas ruhiger angehen lassen, am Nachmittag hat es aufgehört zu regnen, dann noch eine Runde hier in Willersey. Bevor morgen der Hochsommer ausbrechen soll. Sagt Gareth.

Lessons learned: Eat Out to Help Out

Um die Gastronomie nach dem Shutdown wieder ans Leben zu bringen, gib es seit drei Wochen die Aktion unter dem obigen Motto. Hatte ich bereits den Newslettern aus dem Lake District entnommen. Restaurants, Cafés und Bistros bieten Speisen und alkoholfreie Getränke zum halben Preis an. Deshalb gestern in Burford der billige Cappuccino. So bekam ich heute in Gloucester ein wirklich großes Tomaten-Mozzarella-Panini und einen Cappuccino für gerade mal 3,10 £. Dafür habe ich dann gerne ein ordentliches Trinkgeld in die Schale an der Kasse geworfen.

Auch heute hier wieder beobachtet, dieses Mal in einer großen Stadt. Auf den Straßen hatte die Hälfte der Leute eine Maske auf, in den Restaurants und Geschäften alle, bis auf eine Frau im Einkaufszentrum. Man sah auch nirgendwo eine Nase heraus hängen. Ansonsten wird hier diszipliniert gegen Corana angegangen. Wo immer möglich, sind Eingangswege und Ausgangswege getrennt. Marker auf dem Boden helfen beim Abstand halten. Wären die Briten von Anfang an so gegen die Infektionen vorgegangen, hätten sie sich eine Menge ersparen können. Aber Boris wollte es ja so, dafür hat er dann seine Lektion auf die harte Tour gelernt.

Was mir noch gestern so nebenbei auffiel: Der Brexit ist wohl vergessen worden. Weder im Fernsehen, noch in den Zeitungen, noch sonst irgendwo wird der Brexit erwähnt. Ob nun die Corona-Pandemie den Brexit wie auch den Klimawandel so überstrahlt, oder ob den Briten vielleicht ein bisschen aufgegangen ist, wie verletzlich und fragil ihre Wirtschaft und Gesellschaft ist, das werde ich mal mit Gareth diskutieren müssen. Oder ihnen ist klar geworden, wie schnell die britische Wirtschaft abstürzen kann. Hier ist jedenfalls von Brexit nix zu sehen.

Donnerstag, 20. August 2020: Charlbury, Wychwood Forest

Charlbury

Charlbury

Schon am Morgen scheint die Sonne von einem wolkenlosen Himmel herunter in mein Zimmer. Hat Gareth also Recht behalten. Nach einem heute mal sehr ausgiebigen Frühstück auf den Weg nach Charlbury, ein nach den Beschreibungen eher kleiner und sehr stiller Ort, zwischen Chipping Norton und Oxford gelegen. Tatsächlich durchreist man auf dem Weg dahin gleich drei Grafschaften, Worchestershire, Warwickshire und Oxfordshire. Obwohl es nur eine gute halbe Stunde mit dem Auto dauert.

Und noch ein Reiterhof

Und noch ein Reiterhof

Tour #15 aus dem Pathfinder Guide, viele sind nicht mehr übrig, führt in den Wychwood Forest. Der war lange Zeit aus Naturschutzgründen gesperrt, ist nun seit einiger Zeit wieder freigegeben. Im Vergleich zur ursprünglichen Größe, als es ein Jagdgebiet der normannischen Könige war, ist er heute nur noch ein kümmerlicher Rest. Die Tour beginnt in Charlbury, hinter dem coop ist ein Parkplatz, eine ganze Menge Plätze dürfen nur 60 Minuten belegt werden, aber ich erwische einen normalen. Von hier geht es rechts herunter, zur Kreuzung Church Street und Sheep Street, wo die Tour beginnt. Die Befürchtung, dass ich erst länger im Ort an Straßen entlang muss, bewahrheitet sich nicht. Kurz hinter dem Bahnhof geht es in die Felder.

Cornbury Park

Cornbury Park

Der Weg zieht sich nun einen längeren Abschnitt durch Felder, bis man am eigentlichen Forst ankommt. Wer nun allerdings einen Wald wie Teuto oder Harz erwartet, wird enttäuscht sein. Nur einige wenige Kilometer kann man es ernsthaft als Wald bezeichnen. Gegen Ende geht es nach Finstock, ein ganz kleines Fleckchen, dann noch einmal über Felder zurück nach Charlbury. Vor dem Endpunkt liegt Cornbury Park und Cornbury House, diese gehören zu Charlbury, dort war mal ein sehr großer Wildpark. Von Rotwild ist heute nichts mehr zu sehen, doch die Gegend ist nett gestaltet, es gibt einige Fischteiche und die Wege sind sehr deutlich innerhalb des Privatgeländes markiert. Das Ende bildet wie am Anfang je eine Brücke über den River Evenlode und eine Bahnstrecke.

Charlbury Church

Charlbury Church

Kaffeedurst wird in Charlbury leider nicht gestillt. Es gibt zwar zwei oder drei Pubs im Ort, aber kein Café. Dann ins Auto und zurück nach Chipping Norton in das schon aus früheren Jahren vertraute Caffeé Nero. Dort kann man übrigens im Moment nur kontaktlos mit Kreditkarte zahlen. Zum Glück habe ich im letzten Jahr eine neue Master Card mit NFC-Chip bekommen. Sinniger Weise muss man beim kontaktlosen Bezahlen keine PIN eingeben, auch gestern beim Kauf der Hundileine nicht.

Die Tour #15 fällt in die Kategorie „Kann man machen, muss man aber nicht“. Es gibt nichts wirklich Besonderes zu sehen, obwohl die Runde etwas Meditatives und Entspannendes hat. Natürlich wie immer Steigungen, hält sich aber in Grenzen. Was jedoch Wald angeht, bin ich als Ostwestfale andere Dimensionen gewohnt. Nette Runde, leckerer Kaffee, schönes Wetter mit 26 Grad und leichtem Wind.

Freitag, 21. August 2020: Cheltenham, Chipping Campden

Am Morgen sieht es ganz übel aus, Regen, reichlich Wind, den man als Sturm bezeichnen darf. Zwar lockert es später wieder auf, aber das Wetter wird sich den ganzen Tag nicht entscheiden können, was es will. Sonnenschein, gefolgt von Schauern, und das im Viertelstundentakt.

Ich entscheide mich für einen Ausflug nach Cheltenham, um eventuell noch das eine oder andere Souvenir einzusammeln. Die Stadt, und Cheltenham ist eine richtige Großstadt, hatte ich schon 2019 besucht. Zum Stöbern und Bummeln keine schlechte Wahl. Was nun allerdings etwas bedrückend wirkt, ist die Edel-Einkaufsmeile The Promenade. 2019 lebhaft und mit viel Auswahl an feinen Dingen, steht nun gefühlt jedes fünfte Geschäft leer. Da hat es wohl Cheltenham in diesem Sektor hart erwischt. Drüben im normalen Teil der Innenstadt, wo die Läden des alltäglichen Bedarfs sind, sieht alles wie zuvor aus. Da beweist sich, dass in Zeiten von Krisen die Luxusprodukte als erste betroffen sind.

Chipping Campden

Chipping Campden


Chipping Campden

Chipping Campden

Auf dem Rückweg, nach dem Tanken bei Tesco für sagenhafte 1,12 £ pro Liter Diesel, schaue ich noch einmal in Chipping Campden vorbei. Es ist wirklich der Ort in den Cotswolds, der unverzichtbar und unverwechselbar ist. Obwohl wegen des gehobenen Standards auch hier überwiegend teure Läden angesiedelt sind, ist kein Leerstand zu sehen. Wahrscheinlich kaufen hier Touristen, denen das Pfund ein bisschen lockerer in der Tasche liegt.

Ein wenig Wehmut kommt auf, denn dies ist wohl mein letzter Aufenthalt in dieser Gegend. Wenn das Hundi bei mir eingezogen ist, was am 12. September passieren wird, ist die Lowerfield Farm passé. Nun gäbe es noch reichlich andere Unterkünfte, auch dog friendly, in dieser Gegend zu finden. Wie das Cottage drüben am Broadway Court. Aber es wird Zeit für Neues. Oder für Altes, neu entdeckt. Wie Snowdonia, The Gower oder Lake District. Oder Yorkshire Dales oder Peak District. Auch die South Downs habe ich noch nicht wirklich durch. Oder gleich Schottland?

Zurück nach Willersey Fields, heute Abend packen, morgen noch ein anständiges Frühstück und Rücksturz in Richtung Dover. Mit Abstecher.

Samstag, 22. August 2020: Abbrüche und neue Eindrücke

Solche Tage kann man getrost ins große Buch der Schicksalsschläge schreiben. Erst entschließe ich mich gegen die lange Runde über Bath, sondern widme mich der näherliegenden Sehenswürdigkeit: Oxford. Als ich auf die Innenstand von Oxford zusteuere, geht da gar nicht mehr auf der Straße. Wie muss es dann erst in der Innenstadt zugehen. Ich streiche Oxford und nehme als nächstes Ziel Hastings ins Visier. Dort, wo meine englische Geschichte begann. Doch hatte ich unterschätzt, wie weit es von der Autobahn M20 noch bis nach Hastings ist, nämlich fast 40 Kilometer. Egal, durch. In der mittelalterlichen Stadt Rye, durch die ich hindurch muss, geht auch nichts mehr. Weil nämlich alle Parkplätze belegt sind, die Stadt platzt vor lauter Touris aus dem Nähten.

St Leonard's Blick auf Hastings

St Leonard’s Blick auf Hastings

Endlich in Hastings angekommen. Auch dort Stop and Go, gleiches Bild. Alle Parkplätze am Hafen überfüllt, trotzdem fahren Leute immer wieder hinein und der Verkehr bricht zusammen. Zudem schieben sich durch den Hafen mit seinen Restaurants, Cafés und Spielhöllen Horden von Leuten. Altstadt gegenüber das gleiche Bild. Wie geht da eigentlich social distancing? Altstadt und Hafen sind mit Leuten dicht an dicht gefüllt. Nö, muss nicht. Gut, dass ich mich hier auskenne. Ich fahren ein paar Meilen weiter bis St Leonard’s. Da sind alle Parkplätze frei, kaum Leute, kein Wunder, da ist ja auch nichts los und Schwimmen ist zur Zeit kaum angesagt, bei 19 Grad und Windstärke 6. Kleine Runde, weiter nach Dover. Die Landstraße, die früher von Hastings nach Folkestone führte, scheint nicht mehr zu existieren, auch das Navi zog sie nicht in Betracht. Also wieder hoch bis auf die M20.

Da ist alles normal. Mir fällt auf, dass „mein“ Zimmer Blenheim gestrichen ist, das Regal in der Wand ist ausgeräumt. Obwohl Alex den Charme und die Atmosphäre erhalten hat, hat er viel vereinfacht und renoviert. Mir fehlen jedoch die 79 Jahrgänge National Geographic, die hier sonst immer im Regal lagen. Es war hier nie unordentlich oder schmutzig, aber mit Alex als Chef wirkt es aufgeräumter und sauberer. Neue Farbe, neue Haustür, die Pflanzen im Hinterhof zurück geschnitten. Sogar das WLAN scheint schneller geworden zu sein.

Dover Pier

Dover Pier


Dover Seafront und Dover Castle

Dover Seafront und Dover Castle

Die Western Docks in Dover sind fast fertig, der westlichste Teil ist noch in Arbeit. Das Pier aber ist freigegeben und reicht ganz weit in den Hafen hinaus. Auch liegen hier jetzt die ersten großen Schiffe, für die der alte Hafen zu klein war. Ein neues Fischrestaurant gibt es, ein kleines neues Café, mehr soll im noch in Bau befindlichen Teil entstehen. Dover gewinnt deutlich an Charakter und an Vielfalt. Das ist schön, wo es mal kurz vor dem völligen Absturz war. Zwar hat Dover immer noch seine Schmuddelecken, aber die Innenstadt kann sich bald sehen lassen.

Alex hatte im letzten Jahr noch den großen runden Tisch im Frühstücksraum durch einen viereckigen als Maßanfertigung ersetzt. Nun kann das Zimmer nicht genutzt werden, weil dann die vorgeschriebenen Abstände nicht mehr eingehalten werden können. Blöd.

Morgen viel Zeit, weil späte Fähre. Ich werde früh einschiffen und mich mit meinem Band III des philosophischen Kollegen Richard David Precht irgendwo zurück ziehen. Hoffentlich lässt der Wind etwas nach, sonst riecht es auf dem Schiff wieder so streng. Fehlt noch das unverzichtbare Fazit, aber das mache ich zuhause.

Sonntag, 23. August 2020: Noch eine Runde durch die Gemeinde

Da im sonst genutzten Frühstücksraum des Churchill Guesthouse die Mindestabstände nicht eingehalten werden können, gibt es das Frühstück aufs Zimmer. Man kann sich online sein Frühstück zusammenstellen und eine Uhrzeit auswählen, dann gibt es ein Tablett vors Zimmer, weil nach den Bestimmungen niemand außer mir das Zimmer betreten darf, bis ich wieder weg bin. Das war in der Lowerfield Farm genau so. Sue entsorgte nur den Inhalt des Mülleimers, den Rest mussten die Gäste selbst erledigen.

Da ich noch gut zwei Stunden Zeit habe, bevor ich für die Fähre einchecken kann, möchte ich noch eine Runde durch Dover machen. Die Western Heights, mein geplantes Ziel, kann ich knicken, denn die sind gesperrt. Auch der Tunnel zum Hafen ist geschlossen, ins Dover Castle darf man nur mit vorgebuchten Tickets. Auf die Cliffs habe ich heute keine Lust, weil das doch eine größere Tour würde. Also einfach einen Rundgang durch Dover machen. Die Ergebnisse sind in den Bildern unten zu sehen. Auf diese Weise, einfach mal hier und da entlang gehen, bekomme ich eine Menge vom Alltagsleben in dieser Stadt mit. Und das ist genau so profan wie bei uns auch. Es erstaunt mich, dass gerade die größeren Häuser alle Souterrain-Wohnungen haben, manche sehen aus wie Müllhalden, andere wieder sind auf den zwei Quadratmetern vor der Tür wunderschön gestaltet.

Nach dem Einfahren auf die Spur 113 vor der Fähre fällt mein Blick auf einen alten VW-Bus zwei Reihen weiter. Mit Celler Kennzeichen. Ein Brite, der 1972 mit der Armee nach Bergen kam, inzwischen in Rente auch dort geblieben ist. Ein längerer Plausch stellt sich ein, über den Brexit und die Unterschiede zwischen deutschem und britischem Leben, über die Zukunft der EU und und und. Normalerweise meide ich Smalltalk über Politik, dieses mal sind wir beide uns ziemlich einig.

Es gab mal wieder einen Gutschein für ein Mittagessen auf dem Schiff, den ich schon gleich wegwerfen wollte. Da ich so früh eingecheckt hatte, war ich auch als einer der ersten Passagiere auf dem Schiff. So komme ich die Treppe hoch und vor dem Restaurant steht … niemand. Innen drin an der Ausgabe drei Leute vor mir. So konnte ich doch noch Fish and Chips genießen. Nicht besonders gut, aber reichlich. Wie die Leute diese Portionen bloß auf bekommen, ich lasse die Hälfte der Chips übrig. Als ich dann Minuten später mit meinem Tablett am Tisch ankam, stand vor dem Restaurant schon eine lange Schlange. The early bird catches the worm. The early worm gets eaten. Leider ist das Seaside Cafe geschlossen, also kein Kaffee mehr auf der Fähre. Auf der Rückfahrt nach Essen zu meinem letzten Stop reichlich Verkehr, aber keine Staus oder sonstige Verzögerungen. Die letzten 700 von 2.600 Kilometern.

Lessons learned: You never stop to learn

Lowerfield Farm, Willersey

Lowerfield Farm, Willersey Fields

Dritter Urlaub auf der Lowerfield Farm und in den Cotswolds. Wie immer niemals eine Wiederholung, sondern ein Wiederentdecken. Doch noch ganz neue Wege gegangen, neue Orte gefunden, neue Eindrücke bekommen. Bis auf zwei Touren habe ich den Pathfinder Guide durch. 26 von 28. Von Cheltenham war ich im letzten Jahr nicht begeistert. In diesem Jahr fand ich die Stadt viel angenehmer. Weil ich sie schon kannte? Hidcote Garden habe ich nicht zum dritten Mal besucht, dafür Snowshill Manor das zweite Mal. Wenn auch ungeplant. Nein, nichts war langweilig, nichts war überflüssig, unter Umständen würde ich sogar ein viertes Mal hinfahren, jedoch gibt es auch den Ruf in neue Gegenden. Midwales wollte ich noch besuchen, der Norden des Lake District ist noch völlig unentdeckt, also Ullswater und Umgebung. Dann jedoch mit Hundi. Das wird noch einmal ganz anders, schon bei der Anreise.

Dann die Corona-Geschichte. Außer auf den Fähren mit der großen Zahl von Osteuropäern ohne oder mit halber Maske habe ich mich in England fast sicherer gefühlt als in Deutschland. Nicht nur, weil die Briten konsequent und ohne Aufstände Masken tragen, sondern wegen der Maßnahmen in Geschäften und Restaurants. Ein- und Ausgangswege sind getrennt, wo immer möglich. Keine Speisekarten mehr, keine Zuckerpötte oder Milchkännchen, in den Supermärkten wird jeder Einkaufswagen einzeln desinfiziert. Social distancing liegt den Briten eh im Blut, das war schon vorher so. Bezahlt wurde, wo irgendwie möglich, kontaktlos mit Kreditkarte. Um so faszinierender, dass alle so taten, als sei das schon immer so gewesen. Anstatt über die Masken zu meckern, versucht jeder, eine möglichst individuelle zu haben, es waren kaum die selbst genähten Billigmasken zu sehen, sondern fast nur professionell wirkende Versionen.

Auf der anderen Seite war ich mit dem Bewusstsein unterwegs, dass mal wieder größere Veränderungen vor der Tür stehen. Demnächst ein Hundi an meiner Seite, Renteneintritt Januar 2021, Umzug zurück nach Ostwestfalen. Wieder ein Abbruch und ein Neuorientieren. In diesem Sinne war es gut, noch einmal in dieser wunderschönen Ecke Englands für eine Woche Ruhe zu haben, mich morgens bedienen zu lassen, die kleinen Gespräche mit Sue, Gareth oder auch mit Leuten auf Parkplätzen und im Supermarkt.

Empfehlen kann ich die Cotswold Hills als Wander- und Urlaubsgebiet nur allerwärmstens. Broadway ist ein toller Ort mit viel Abwechselung und Anregung, ideal zum Stöbern und Shoppen, fürs Essen und einfach abschalten. Ohne Hektik, ohne albernen Touristenkram. In diesem Sinne werde ich Broadway, Willersey Fields und Chipping Campden vermissen. Aber es war immer wieder eine tolle Erfahrung, zur Lowerfield Farm zurück zu kommen und die mit den Armen wedelnde Sue zu sehen. A home from home. A real home. Will miss you, Sue and Gareth.

Bilder, Bilder, Bilder …