Sprachaufnahmen mit Adobe Audition: die Fortsetzung

Beim Produzieren eines Beitrages fiel mir vor einiger Zeit auf, dass der Mix in Audition noch ganz ok klang, der exportierte Mix aber deutlich schlechter. Eher grottig, die Stimme klang verwaschen und undefiniert. Verglichen mit dem Original. Am Mikro konnte es nicht liegen, der Export lief mit 192 kBit/s. Sollte also alles im grünen Bereich sein, war es aber nicht.

Wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt, wird klar, was da passierte. Eine Fußangel bei der Verwendung des MP3-Formates, die ich intuitiv musste, aber nicht bedachte.

Die Erkenntnis, dass MP3 ganz nett ist, aber auch seine Tücken hat. Die Sprachaufnahmen zu Beiträgen fürs Radio machte ich als MP3 mit 256 kBit/s, um etwas Headroom zu haben. Dann wurde der endgültige Beitrag mit 192 kBit/s exportiert. Was passierte? Die eh schon stark an Details reduzierte Aufnahme der Sprache wurde im Export noch einmal reduziert. Es blieb also am Ende von der tatsächlichen Aufnahme nicht mehr viel übrig. Das Resultat war eine miese Klangqualität der Sprache. Die Lösung ist offensichtlich: Sprachaufnahmen grundsätzlich im RAW-Format aufzeichnen. Heißt WAV-Format, mindestens 16 Bit und 44,1 kHz, eher noch besser, wenn es möglich ist, wie 24 Bit und 48 kHz. Damit ergibt sich nur eine einmalige Reduktion der Details im Sprachanteil beim Export des Mixes. Es bleibt mehr übrig. Das Musikbett ist eh nur Beiwerk, da fallen Qualitätsmängel weniger auf.

Wie ich darauf gekommen bin? Es ist doch prima, wenn man einen Profi fragen kann.

Essential Sound und seine Grenzen

Seit einiger Zeit gibt es in Adobe Audition das Fenster Essential Sound. Dahinter verbirgt sich, vereinfacht gesagt, eine Art Werkzeugkasten, mit dem ein Benutzer Tools wie Compressor, Limiter und EQ über eine Reihe von Presets vorkonfigurieren kann. Es ist also eine Sammlung von Effekten für bestimmte Zielszenarios für Anwender, die mit den einzelnen Tools nicht vertraut sind. Oder nicht wissen, wie man einen Compressor oder einen EQ einstellt. Nette Idee. Hat aber seine Grenzen.

Diese Funktion habe ich eine ganze Zeit benutzt, weil sie einfach verfügbar und der Faulheit des Menschen dienlich ist. Bis meine Aufnahmeumgebung von Niedersachsen ins Paderborner Land umzog. In Ermangelung eines Studios nutze ich nun das Schlafzimmer zum Einsprechen, bis mir ein Dröhnen im Bassbereich auffiel. Ein- und Ausschalten des Essential Sound bewirkte, dass mit Essential Sound das Dröhnen zunahm, auch wenn insgesamt die Stimme dichter klang. Obwohl per Definition die EQ-Funktion in der Voreinstellung Dialog für den Audiotyp doch die Bässe reduzieren sollte. Tat sie auch. Aber an der falschen Stelle. Die hypothetisch angenommen Werte der Absenkung im Bassbereich passen nicht für jede Aufnahmesituation. Schon gar nicht für jeden Raum.

Es ist natürlich der Raum, der trotz seiner idealen Abmessungen und des vielen Stoffs Raummoden bildet. Herausfinden, wo die liegen, und sie zugleich eliminieren, macht der Parametrische EQ in Audition sehr gut. Dazu wählt man im Effekt-Rack der Spur mit der Sprache in Filter und EQ den Effekt Parametrischer Equalizer. Der zeigt nämlich nicht nur die EQ-Kurve, sondern hat netter Weise einen Spektrum-Analyser an Board.

Für meinen Fall sieht man an den Buckeln deutlich, dass sich zwei Bereiche mit hoher Energie hervor tun. Einmal im Bereich 100 Hz, und noch im Bereich 200 Hz. Mit den Zielfrequenzen des EQs habe ich nun eine Kurve eingestellt, die ab 300 Hz abwärts abfällt, die dröhnenden Frequenzen damit reduziert. Ab ca. 500 Hz bleibt alles beim Alten, der Tiefeneindruck bei meiner Stimme wird erhalten. Man könnte noch einen Schritt weiter gehen und nur diese beiden Frequenzwerte gezielt absenken. Da der Bassbereich nicht so kritisch ist, habe ich einfach mit der Heckenschere gearbeitet. Eine zusätzliche leichte Anhebung um 3,5 kHz bringt ein wenig mehr Glanz ins Timbre.

Im Grunde macht der EQ nichts viel anders als der EQ in Essential Sound. Dieses Mal aber genau darauf angepasst, wie sich Dröhnen ausbildet. Das weiß der Preset in Essential Sound ja nicht. Überhaupt kann man mit dieser Kombination EQ und Analyzer sehr genau und individuell zu ausgeglichenen Frequenzverläufen kommen.

 

 

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