Aladin El-Mafaalani: Das Integrations-Paradox

Aladin El-Mafaalani: Das Integrations-Paradox

Die besten und treffendsten Bücher über Migration und Integration schreiben die,  die mit diesem Thema am meisten zu tun haben. Aladin El-Mafaalani ist eine Ruhrpott-Pflanze Jahrgang 1978. Studierte in Bochum Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft und Arbeitswissenschaft, war Lehrer am Berufskolleg in Ahlen, später Professor für Politikwissenschaft und politische Soziologie an der Fachhochschule Münster. Aktuell  arbeitet er im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf. Dass mir solche Bücher in der letzten Zeit vermehrt auf dem Tisch landen, liegt an der eigentlich spannenden und komplexen Natur der Fragen, die uns seit 2015 mehr denn je betreffen. Hat man einige Bücher zum Thema Integration durch, stellt man verwundert fest, dass alle Autoren dem Thema immer neue Aspekte und Betrachtungsweisen abgewinnen. So auch Aladin El-Mafaalani. Schon vorab bemerkt ein Buch, das ich allen empfehlen würde, die mit dem Thema Migration und Integration zu tun haben. Mehr noch allen, die irgendwo mit Minderheiten umgehen und das Konfliktpotential kennenlernen möchten, das aus Integration erwächst. Denn so paradox der Untertitel zuerst scheinen mag, beweist El-Mafaalani sehr schlüssig, dass uns die wirkliche Integrationsleistung noch bevorsteht. Nicht nur mit Migranten und Flüchtlingen.

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Bernhard Pörksen: Die große Gereiztheit

Bernhard Pörksen: Die große Gereiztheit

Bernhard Pörksen ist Jahrgang 1969, studierte Germanistik, Journalistik und Biologie und ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Einem breiteren Publikum wurde er durch seine Arbeiten zur Skandalforschung bekannt. Über das Thema hörte ich ihn in der interessanten Sendung in WDR5, Teil der Serie Neugier genügt – Redezeit. Nun ist das Thema der allgemeinen Gereiztheit nicht grundsätzlich neu und jeder, der irgendwie mit sozialen Medien, Foren und dem Internet überhaupt zu tun hat, kennt die eskalierenden Diskussionen, Shitstorms und Desinformationskampagnen. Von links wie von rechts. Da werden Filmchen aus dem Jahre 2009 ausgegraben und als Beweise für die Gefährlichkeit von Flüchtlingen in 2016 benutzt. Plakate, Zeitungsausschnitte und Fotos werden gefälscht und manipuliert. Wikileaks hat sich eher als Problem denn als Lösung herausgestellt. Damit scheint Pörksens Buch erst einmal nichts Neues anzusprechen. Nun ist er aber kein Krimi-Autor oder Lyriker, sondern Medienwissenschaftler. Deshalb steht die Analyse bei ihm im Vordergrund, was Vorteile und Nachteile hat. Man kann seinem Text auch als Otto-Normal-User einige neue Aspekte wie Sichtweisen abgewinnen, obwohl ich im letzten und zentralen Kapitel nicht mehr seiner Meinung bin.

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Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Seit vielen Jahren höre ich, bedingt durch meine Autobahnfahrten,  im Mittel fünf bis sechs Stunden pro Woche Podcasts. Dank WDR5 und Deutschlandfunk, 4000 Hertz und Spiegel Online bin ich eher überversorgt und kann oft Themen erst einige Wochen nach Ausstrahlung abarbeiten. Manche Sendungen sind informativ und zugleich unterhaltend, wie Alles in Butter mit Helmut Gote, manche üben das Denken und den Verstand, wie Das Philosophische Radio mit Jürgen Wiebicke. Und doch lässt sich dann und wann ein Erkenntnisgewinn verbuchen. Bisher nicht sehr häufig war das beim Spiegel Online-Podcast Der Debatten-Podcast von Sascha Lobo der Fall. Bis dann eine Sendung in meinem Auto ans Laufen kam, die meinen Blick nicht nur auf Soziale Medien, sondern insgesamt auf unsere Gesellschaft nicht unbedingt verändert, aber erklärlicher gemacht hat. Das legt Lobo plausibel und verständlich auf, und das macht die Folge #81 seines Podcastes so bemerkenswert.

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Roberta Allen: Short Shortstories schreiben

Roberta Allen: Short Shortstories schreiben

Ein nicht einfaches Buch. Nicht wegen mangelnder Fähigkeiten oder unklarer Sprache der Autorin, sondern wegen des Inhaltes. Die Qualifikation bringt sie nämlich in jedem Fall mit. In mehr als 300 Literaturzeitschriften sind Kurzgeschichten von Roberta Allen publiziert. Neun Bücher, darunter Anthologien über Kurzgeschichten, eine Novelle und ihre Autobiografie hat sie veröffentlicht. Dozentin an der New School for Social Research, lehrt an der New York University und im The Writer‘ s Voice, einem alternativen Literaturzentrum. Was das Buch schwierig macht ist die scheinbare Leichtigkeit und Überschaubarkeit, wie Roberta Allen das Thema angeht, und sich doch nicht zwingend sofortiger Erfolg einstellen muss. Trotzdem halte ich das Buch für einen der wirklich guten Einstiege ins Schreiben im Sinne von Autorenschaft. Journalisten wie ich, so schreibt sie es auch, müssen sich nämlich von ihrer gewohnten Arbeitsweise entfernen. Zum Glück lässt sie den journalistischen Leser nicht allein.

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Christian Eisert: Kim & Struppi

Christian Eisert: Kim & Struppi

Neben den vielen klugen und lehrreichen Büchern zu Integration und Inklusion, zu Journalismus und zu Medien, gibt es noch die „normalen“ Bücher. Die einfach nur Geschichten erzählen. Das tut Christian Eisert in seinem Reisebericht zu Nordkorea, das scheinbar vertraute Land aus seiner DDR-Vergangenheit. Denn in der DDR pflegte man Beziehungen zu Nordkorea, auch wenn die Darstellung über den Stand dieser Nation eher geschönt war. Wo der gemalte Blick von außen ein anderer war als der tatsächliche von innen. Für die meisten Bewohner unserer Region ist Nordkorea ein unzugänglicher und unverständlicher Staat, den wir höchstens aus Zeitungsberichten oder Nachrichtenmeldungen kennen. Bilder entstehen dazu kaum. Das kann Eisert nicht grundlegend ändern. Aber relativieren.

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Slow Food Genussführer

Slow Food Genussführer

Ende 2018 von Helmut Gote in seiner schönen Sendung Alles in Butter in WDR5 vorgestellt. Mal kein Buch einfach nur zum Lesen, sondern ein Verzeichnis der besten Restaurants, Gasthäuser und auch Bistros in Deutschland, erschienen im oekom-Verlag. Die Organisation Slow Food setzt sich für regionales und saisonales Essen ein, für den Erhalt von Lebensmitteln und all dem, was so langsam zu verschwinden droht. Erstickt vom Einerlei in den Angeboten unserer Supermärkte, ignoriert von den Konsumenten von Tütensuppen und Rindfleisch für 4,99 pro Kilo. Vorläufer dieser Ausgabe war die italienische Version, die immerhin aktuell 1.400 Gasthäuser, Osterias und Albergos listet. Ganz so dicke ist die deutsche Ausgabe noch nicht, aber sie wächst. Gemeinsamkeit aller von den Slow Food-Genussteams getesteten Gaststätten: sie präsentieren eben regionales Essen, nach klassischen Rezepten ohne großen Schnickschnack, bevorzugt mit Zutaten aus der Region. Das kann mal ein Vier-Sterne-Hotel sein, eher aber eine Braugaststätte oder ein Landgasthof. Dabei bleibt man auf dem Teppich, Bio wird bevorzugt, aber nicht erzwungen. Ziel ist qualitativ und ökologisch gutes Essen, keine Sterne-Küche.

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Im journalistischen Alltag oft nicht zu vermeiden ist das Transkribieren, zu Deutsch Verschriftlichen von Interviews oder Beiträgen in einer Fremdsprache zum Übersetzen. Das Problem dabei ist, dass unsere Finger auf der Tastatur kaum so schnell sind wie ein normaler Sprecher. Dazu habe ich mir immer einen Fußschalter gewünscht, mit dem ich einen Medienplayer auf dem PC mit der Aufnahme des Interviews starten und stoppen kann. Tatsächlich gibt es solche Geräte, meistens von den großen Anbietern von Bürogeräten wie Olympus oder Tascam. Die werden in einen USB-Anschluss gestöpselt und senden Tastaturkommandos an das jeweilige Programm. Solche Fußschalter liegen dann in den Preisregionen deutlich oberhalb von 100 Euro. Das muss doch billiger gehen. Tut es auch. Wenn man sich mit Einplatinenrechnern wie dem Arduino oder Leonardo auskennt und etwas löten kann. Oder jemanden kennt, der es kann. Zeitbedarf: ca. eine halbe Stunde, Kosten bei 30 Euro, je nach Schönheit und Komfort.

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Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker

Richard David Precht: Medienstar, gern gesehener Talkrundengast, Philosoph. Manche bezeichnen ihn auch als Sofaphilosophen, der zu allem etwas zu sagen hat, zu jedem Thema eine Meinung hat, über alles reden kann. Nicht wenige beurteilen ihn als arrogant, besserwisserisch und abgehoben. Seine Bücher verkaufen sich in schwindelerregenden Stückzahlen, belegen fast immer die oberen Plätze der Bestsellerlisten. Das echte Problem an ihm: er ist wahrscheinlich einer der klügsten Köpfe unserer Zeit. Sein Buch Jäger, Hirten, Kritiker ist nicht ganz neu, aber 2018 in einer 5. Auflage erschienen. Precht hat stark überarbeitet und ist nahe an aktuellen Ereignissen. Gekauft habe ich das Buch eher deshalb, weil mich der zuerst etwas unverständliche Titel neugierig gemacht hat. Precht erklärt ihn jedoch gleich im ersten Kapitel. Der Verlag bewirbt das Werk mit dem Untertitel „Eine Utopie für die digitale Gesellschaft“. Es geht um den derzeitigen Stand der Dinge, um eine mögliche Zukunft unserer Gesellschaft und des Einzelnen, ausgehend von den Entwicklungen, die sich heute abzeichnen.

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Seit einigen Jahren produziere ich für einen Berliner Radiosender Kurzbeiträge für die Sendung Zeitzone, bisher nur Das historische Ereignis. Seit ein paar Monaten habe ich Die historische Person dazugenommen. Von der Recherche über das Texten bis zum Beitrag selbst, der wie üblich mit einem Jingle beginnt. Das historische Ereignis ist überschaubar, es geht um ein politisches, wissenschaftliches oder technisches Ereignis. Selten auch mal um eine Katastrophe oder etwas Kulturelles. Also etwas, was in einem begrenzten Zeitraum stattfand, mit meist wenigen Beteiligten. Da sind die Themen die Gründung der UNO, der Fall der Berliner Mauer oder die Erfindung des Backpulvers durch Dr. August Oetker. Schon nach einiger Zeit war ich mit meinen Resultaten recht zufrieden. Geschätzt habe ich inzwischen so 250 Beiträge zu diesem Thema produziert. Dann kam eben die historische Person dazu. Mit der historischen Person mache ich das nach dem gleichen Schema, war mein erster Gedanke. Schon im ersten Beitrag scheiterte ich genial, wenigstens nur für mich hörbar, im kleinen Kellerstudio und im Büro unter dem Dach.

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Henning Beck: Irren ist nützlich

Henning Beck: Irren ist nützlich

Die Neurowissenschaften sind immer ein Beinahe-Garant für gute Verkaufszahlen. Deshalb tauchen in jedem Monat auch neue Bücher über das menschliche Gehirn auf. Oder auch über das der tierischen Kollegen. Dieses Buch landete auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und kam so in meinen Fokus. Nicht ganz uneigennützig, denn als Nachhilfelehrer und Trainer suche ich gerne nach neuen Erkenntnissen, die Lernen und Lehren erleichtern.

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