Dust in the air suspended ...
Caroline Fourest: Generation Beleidigt

Caroline Fourest: Generation Beleidigt

Die Sicht der Autorin ist eine spezielle. Caroline Fourest ist eine französische feministische Schriftstellerin und Journalistin. Daher öffnet sich ihr Blick auf ihr Thema aus einer künstlerischen Sicht, auf Theater und Film, Literatur und Weltgeschehen. Da gibt es ein Mordsgezeter, weil eine weiße, niederländische Frau ein Gedicht der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten übersetzen soll. Das Original von einer schwarzen Frau geschrieben. Das ginge nicht, weil die Niederländerin ja eben nicht schwarz, sondern weiß sei. Scarlett Johansson wurde abgesprochen, in einem Film eine transsexuelle Person zu spielen, weil sie eben nicht transsexuell sei und weil ihr deshalb das Thema nicht zustehe. Ein weißer Pop-Musiker erntet einen riesigen Shitstorm, weil er zu einer Preisverleihung in einem dem indonesischen Raum zugeordneten Kleidungsstück erscheint. Genauer: einer Hose. Parallel zu den Tiraden vom rechten Rand des politischen Spektrums macht sich eine merkwürdige Identitätspolitik von links breit. Die sich von dem Gerede über Heimat und Identität kaum unterscheidet. Es folgen eine ganze Reihe von konkreten Beispielen, wo jemandem angeblich Dinge nicht zustehen, weil er nicht zu dieser Identität gehört. Eine Uni-Mensa muss vietnamesische Gerichte von der Karte nehmen, weil sie nicht das Original seien. Als wenn nur jemand eine Pizza zubereiten dürfte, wenn er gebürtiger Italiener sei. Der Wahnsinn scheint geradezu Methode zu haben. Doch er weist auf beunruhigende Entwicklungen hin.

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Joachim Bauer: Fühlen, was die Welt fühlt

Joachim Bauer: Fühlen, was die Welt fühlt

Wenn wir nicht zurück kehren zu einer Empathie für die Natur, haben wir keine Chance, den ökologischen Kollaps zu verhindern. Schreibt der Internist, Psychiater und psychosomatische Mediziner Joachim Bauer in seinem Buch Fühlen, was die Welt fühlt aus 2020. Er ist emeritierter Universitätsprofessor an der Universität Freiburg, im Bereich Psychoneuroimmunologie tätig. Mit der Vernunft allein kämen wir nicht weiter, es brauche viel mehr einen „Empathischen Impuls“. Das klingt erst einmal ein wenig esoterisch, aber Bauer ist Wissenschaftler, kein Heiler mit dem Pendel. Jedoch versucht Bauer zu ergründen, warum es so weit gekommen ist, dass der Mensch sich quasi den Ast absägt, auf dem er sitzt. Er führt es auf einen Verlust einer emotionalen Bindung zwischen Mensch und Natur zurück. Entstanden sei dieser Bruch zu einem sehr lange zurück liegenden Zeitpunkt, nämlich mit der neolithischen Revolution, dem Sesshaftwerden des Menschen vor rund 12.000 Jahren. Während der Mensch als Jäger und Sammler in einer holistischen, ganzheitlichen Welt lebte, wurde die Natur mit Ackerbau und Viehzucht zu einem Gebrauchsobjekt. Bei indigenen Völkern, die es zum Glück noch gibt, ist diese Einheit, diese Beziehung zur Natur noch zu finden. Aber warum haben die Menschen sie mit dem Übergang zur Landwirtschaft verloren?

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Magazin der Max Planck-Gesellschaft

Magazin der Max Planck-Gesellschaft

Mal kein Buch, sondern ein Magazin. Es heißt MaxPlanckForschung, erscheint vier Mal im Jahr und kann kostenlos als gedruckte Version oder als E-Book bezogen werden. Die MaxPlanckForschung ist das kostenlose Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft und berichtet über aktuelle Forschungsarbeiten an ihren Instituten. Es hat den Anspruch, wissenschaftliche Themen verständlich aufzubereiten. Das Magazin wendet sich an interessierte Laien, an Schüler, Lehrer und Journalisten. Das stimmt, wenn man wenigstens gewisse Grundlagen in Physik und Chemie hat. Dann liefert MaxPlanckForschung einen wertvollen Überblick über aktuelle Forschung und deren Ergebnisse, sehr gut geschrieben und verständlich, nicht wie eine wissenschaftliche Arbeit, sondern eher im Stil von GEO. Es ist machmal erstaulich, was es alles kostenlos gibt.

Abonnieren kann man MaxPlanckForschung unter abo.mpg.de.

Maja Göpel: Unsere Welt neu denken

Maja Göpel: Unsere Welt neu denken

Will man ihre Botschaft in einem Satz zusammen fassen, würde der lauten: Wir können so nicht weiter machen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sich in den letzten 30 Jahren die Welt grundlegend verändert. Der Westen, allen voran die USA, betrachtet sich als Sieger im Wettlauf um die bessere Gesellschaftsform und verhält sich dementsprechend. Die Globalisierung hat Ausmaße angenommen, die vor 30 Jahren noch nicht vorstellbar waren. Unternehmen sind unabhängig von Staaten geworden, sie lassen sich dort nieder, wo der maximale Gewinn lockt. Es geht uns auf der Nordhalbkugel richtig gut. Aber das Wohlstandsmodell hat seinen Preis, Umweltschäden und Klimawandel bedrohen unsere Zukunft, Demokratien drohen zu zerfallen. Doch „der Markt“ und die Politik verkünden immer nur eine Richtung. Weiter machen wie bisher, bloß nichts verändern, bloß nicht verzichten. Stattdessen immer mehr, niemals weniger. Jedes sechste online gekaufte Paket geht zurück. Scheinbar kostenlos. Auch wenn es die kleinen Anbieter ruiniert. Scheinbar, weil niemand die Energie und Arbeit für den Rücktransport einrechnet. Vom zusätzlichen CO2 ganz zu schweigen. Wie bei den billigen Flugtickets, um den entstehenden Müll soll sich jemand anders kümmern. Das nennt man externalisierte Kosten.

Maja Göpel ist Politökonomin, Transformationsforscherin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin. Wissenschaftliche Direktorin der 2020 in Hamburg gegründeten Denkfabrik The New Institute. Hat eine Honorarprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg. Ihr Buch Unsere Welt neu denken gibt es schon länger, bei mir ist es in der Auflage von 2021 gelandet, wohl weitgehend gegenüber früheren Auflagen überarbeitet. Es ist eine radikale Abrechnung mit einem ausufernden Lebensstil, der die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zwischen arm und reich, globalem Norden und Süden, Umwelt und Konsum nur weiter verstärkt. Statt zu einem nachhaltigen Wirtschaften zu kommen, Umwelt und Gesellschaft zu schonen, wird der Wahnsinn des westlichen Verbrauchs an Ressourcen nur immer weiter gesteigert. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber Maja Göpel setzt die Zusammenhänge neu zusammen. Und fordert ein radikales Umdenken.

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Gabriele Krone-Schmalz: Respekt geht anders

Gabriele Krone-Schmalz: Respekt geht anders

Ihre Frisur ist vielleicht nicht ganz so spektakulär wie die von Sascha Lobo, aber ebenfalls von hohem Wiedererkennungswert. Aber nicht nur deshalb ist Gabriele Krone-Schmalz, Historikerin,  hauptsächlich unterwegs als Journalistin und Publizistin, so bekannt. Lange Zeit war sie Moskau-Korrespondentin der ARD. Man kann sie als wirkliche Russland-Versteherin bezeichnen, im positiven Sinne, war sie doch die Erste, die Michael Gorbatschow für deutsche Medien interviewte. Seit 2011 ist sie Professorin für Fernsehen und Journalistik an der University of Applied Sciences Europe in Iserlohn. Für mich gehört sie zu den beachtenswerten und ernsthaften Medienschaffenden, vertraut ist sie mir fast seit meiner Kindheit. Nun hat sie in 2021 dieses Buch geschrieben, der Buchbeschreibung des Verlages und dem Klappentext nach geht um den aktuellen Zustand der deutschen Gesellschaft, um die breit vorherrschende Respektlosigkeit, die Zerrissenheit der deutschen Bevölkerung und den Verlust der Fähigkeit zum Diskurs. Um eine Gesellschaft, deren Bürger die höchsten individuellen Freiheiten wie Sicherheiten genießen und trotzdem von einer Merkel-Diktatur faselnd durch die Großstädte ziehen. Doch ich würde das Buch noch etwas anders lesen: Als mahnenden Ruf einer gestandenen Journalistin an die Medienschaffenden dieser Zeit. So denn nur interessant für Journalisten? Nicht wirklich. Wie immer hat das, was sie sagt, Hand und Fuß.

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Pörksen/Narr: Schöne digitale Welt

Pörksen/Narr: Schöne digitale Welt

Seit ich meine Bücher nicht mehr beim großen A bestelle, sondern im Online-Shop der kleinen Buchhandlung in der nahen Kleinstadt, nutze ich auch die Möglichkeit, bestimmten Autoren zu folgen. Damit ich ihre neusten Veröffentlichungen mitbekomme. So sah ich auch Ende 2020 das neue Buch von Bernhard Pörksen, Schöne digitale Welt, was es direkt auf die Wunschliste des Online-Shops brachte. Erst beim Abholen wurde klar, dass Pörksen und Narr nur Herausgeber waren, nicht Autoren in eigentlichen Sinne. Stattdessen ist das Buch eine Zusammenstellung von Reden und Essays diverser wohlbekannter Leute, zuvorderst für mich Sascha Lobo, Ranga Yogeshwar und Miriam Meckel. Also keine neuen Gedanken des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen, der den Begriff der Erregungsgesellschaft geprägt hat, sondern die von Leuten, denen bei der Betrachtung der aktuellen Gesellschaftslage einige Kompetenz zugesprochen werden kann. Spoiler vorweg: keine brandneuen Erkenntnisse, keine Lösung der dringendsten Fragen und Schwierigkeiten. Aber dafür eine breit angelegte Zusammenfassung des Status Quo. Was auch keine leichte Aufgabe ist.

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