Dust in the air suspended ...
HTML-Mail

HTML-Mail

Schon seit langer Zeit können Mail-Programme mit HTML umgehen. Damit ist es möglich, Mails nicht nur als reinen Text, sondern auch wie die eigene Web-Seite gestaltet zu versenden. Der Vorteil: der Look&Feel der Mail kann an das Design der Site angepasst werden, es entsteht ein Wiedererkennungswert, eine durchgehende Identität, heute Corporate Identity genannt. Wenn dann Newsletter verschickt werden, so wie bei Lidl oder beim Otto-Versand, wechselt das Bild beim Anclicken von Links in die eigene Site nicht, es bleibt ein konsistentes Eindruck im Design, was für ein professionelles Auftreten nicht unerheblich ist.

Die meisten Mail-Programme erlauben schon lange das Verfassen von Mail mit Formattierung in HTML, allerdings ohne direkte Gestaltungsmöglichkeiten, sie verpacken lediglich den Text in einem HTML-Rahmen. Um „richtige“ HTML-Mails zu erzeugen, kommen entsprechende Tools wie Adobe Dreamweaver zum Einsatz, es wird in der eigenen WebSite eine Seite gestaltet, die dann als Vorlage für die zu versendenden Mails dient. Eventuelle Bilder müssen in der Site liegen, Links müssen eine vollständige URL haben, damit sie beim Empfänger auch erreichbar sind. Hat man es geschafft, diese Mail zu verschicken, könnte kurze Zeit später von jemandem die Frage kommen, warum man ihm so ein kryptisches Zeugs geschickt hat. In der Regel nutzt dieser Jemand MS Outlook, und man fragt sich, warum das denn jetzt nicht funktioniert hat.

In diesem ersten Artikel also ein Rahmen, wie man solche HTML-Mails erzeugt und wie sie dann auch von Outlook-Nutzern gesehen wie gesendet ankommen. Um das tatsächliche Versenden geht es dann im zweiten Teil.

Aufbau des HTML-Codes

Die zu versendende Mail wird wie eine normale Seite aufbereitet, man sollte allerdings bei der Größengestaltung daran denken, dass eine Mail nicht immer an einem großen Monitor erscheint und daher die Mail schmaler gehalten werden sollte. Bilder etc. werden wie gewohnt eingebettet, müssen hier aber eine vollständige URL haben, sonst bekommt der Mail-Client auf der Empfängerseite diese Bilder nicht mit. Ansonsten bildet man das Design seiner Website möglichst genau nach, dort, wo dann als Webseite der Content steht, kommt später der Mail-Inhalt dazu. Für meine Site sähe das Mail-Template dann etwa so aus. Nicht vergessen sollte man direkt am Anfang, möglichst wenig formattiert, einen Link auf eine Online-Version der Mail, die dann in der eigenen Site steht.

Nun gibt es da ein paar Stolperfallen, die ich erst durch Puzzlelei heraus gefunden habe. Eine davon ist, dass viele Mail-Clients zwar das Nachladen von Bildern in Mails erlauben, aber nicht den Zugriff auf externe CSS-Dateien. Daher muss das komplette CSS bereits in der HTML-Datei mit eingebettet sein, ein externes CSS wird in der Regel ignoriert, und das nicht nur von Outlook. JavaScript ist nicht möglich, nur der Mail-Client Mozilla Thunderbird hat einen Firefox intern, der auch JavaScript ausführt.

Ein weiterer Trick ist, dass sowohl CSS- wie auch HTML-Formattierungen von Mail-Programmen sehr unterschiedlich interpretiert werden. Je weiter die Programme von Open Source entfernt sind, desto eigenwilliger diese Interpretation. Der Gipfel ist …

Outlook

Als ich meinen ersten HTML-Newsletter fertig hatte, so in HTML und CSS codiert wie gewohnt, sah das Ergebnis in Thunderbird auch fast wie gewünscht aus. Sogar in Outlook 2003 waren nur geringe Abweichungen zu sehen. In Outlook 2007 allerdings kam nur Schrott an, die Mail war fast nicht mehr lesbar. Sie war nicht mehr lesbar. Warum? Lange musste ich nicht forschen.

Bis Outlook 2003 war Outlook innerlich zwiespältig. Das Erstellen von HTML-Mails erfolgte mit Komponenten von Winword, das Rendern – Umsetzen von HTML in Grafik – aber mit Komponenten des Internet Explorers. Daher war das, was man in Outlook 2003 schickte, schon nie das, was Outlook 2003 dann anzeigte. Um diese Diskrepanz zu beheben, machte Microsoft etwas, was mit dem Ausschneiden eines Loches in der Hose vergleichbar ist: ab Outlook 2007 werden HTML-Mails nicht nur mit Winword geschrieben, sondern auch empfangene Mails in HTML von Winword gerendert. Da die HTML-Fähigkeiten von Winword eher rudimentär sind, konnte Outlook 2007 mit meinen Divisions und umfangreichen CSS-Formattierungen gar nichts mehr anfangen. Und so sah das Ergebnis auch aus.

Abhilfe konnte also nur sein, lediglich soviel HTML und CSS zu verwenden, dass Winword es noch versteht. Wenigstens hilfreich dabei ist, dass Microsoft die HTML-Fähigkeiten von Winword in diesem und einem zweiten Dokument aufgelistet hat. So musste ich einen Schritt zurück machen, weg von modernem CSS und HTML und zurück zu Tabellen. Denn Tabellen sind das Einzige, was Winword halbwegs versteht.

Das Resultat

Dieses Mail-Template arbeitet nun wieder mit Tabellen, und mit etwas Mühe und Probieren ist es auch mit Tabellen möglich, einigermaßen ein Layout zu realisieren. Hier ist einmal der HTML-Quellcode, jedoch gibt es auch darin Workarounds. So kann Winword keine Images vernünftig formattieren, daher wird für den Rahmen um Bilder einmal CSS verwendet, für Outlook ist ein vspace=“5″ im Tag erforderlich.

Dieser HTML-Code ist nun für alle Mail-Clients einigermaßen kompatibel.

Fazit

Zuerst scheint es eher übersichtlich zu sein, HTML-Mails zu verschicken. Tatsächlich stolpert man von einem Problem zum anderen und hat rasch einige Stunden verbracht, bis auch Outlook die Mail in etwa so anzeigt wie gewünscht. Vielleicht gibt mein Beispiel etwas Hilfe.

Im zweiten Teil geht es dann darum, wie man nun die HTML-Seite als Mail vor die Tür bekommt, denn direkte Eingabe von HTML erlaubt praktisch kein Mail-Client. Außer Thunderbird.

Es soll Zeiten gegeben haben, so um Ernest Hemingway herum, da hat man sich einfach mit einer Schreibmaschine und einigen Blättern Papier hingesetzt und hat geschrieben. Erst viel später wurde das Tippex erfunden, eine Erlösung für den Seltenschreiber. Kurz nach der Erfindung des Faxgerätes kamen PCs und damit Word und Multiplan, endlich konnte man schreiben, wieder laden und sich verschreiben, konnte speichern und wieder editieren. Ja, ich sprach gerade von den seligen Zeiten mit MS-DOS und rein textlichen Oberflächen.

Programme, mit denen man nur schreibt und trotzdem die wichtigsten Parameter im Blick hat, nämlich Anzahl Zeichen mit Leerzeichen und ohne, Zeilen, Wörter, es gibt sie wieder. Programme, bei denen nichts ablenkt, wo die Konzentration nur auf dem Schreiben liegt. Drei davon seien hier vorgestellt, die ersten beiden im Grunde sehr ähnlich, das dritte ausgefeilter und trotzdem nicht verschwiegen, weil Tools wie Notepad in der Bedienung überlegen.

Q10

Q10

Q10 (http://www.baara.com/q10/) ist ein Fullscreen-Editor, der in seinem Schriftbild den Wünschen des Nutzers weitgehend angepasst werden kann. Es gibt keine Menues oder Icons, in der Info-Leiste werden die wichtigen Eigenschaften des Textes angezeigt. Die nicht wenigen Funktionen des Editors sind über Funktionstasten erreichbar. Die Tippgeräusche einer Schreibmaschine können eingeblendet werden, auch Papier- und Textfarben sind einstellbar. Sollte man die Funktionstasten vergessen haben, reicht die Taste F1 und man bekommt eine Übersicht.

WriteMonkey

WriteMonkey

WriteMonkey (http://writemonkey.com/) ist Q10 ähnlich, aber in viel weiteren Grenzen einstellbar und mit mehr Funktionen gesegnet. Das Prinzip ist das gleiche wie in Q10, es gibt nur noch einen Bildschirm ohne Kommando-Icons, Funktionen, Buttons oder Menus. Nur ein Blatt und die Schrift darauf. Auch WriteMonkey zeigt die Zahl der Buchstaben, Wörter und Zeilen an, zusätzlich können Seitensteuerungen leicht eingegeben werden, wie z. B. ein +++ für den Seitenwechsel oder >> und >>> für Einrückungen.

Notepad++

Notepad++

Wer es nicht ganz so radikal reduziert haben möchte, kann auf Notepad++ (http://notepad-plus-plus.org/) zurück greifen. Im Gegensatz zu Q10 und WM ist Notepad++ ein vollständiger Texteditor, der ursprünglich für das Edititieren von Quelltexten für Programmierer gedacht war, sich aber zum reinen Texterfassen prima eignet. So werden als Beispiel selektierte Wörter zusätzlich im gesamten Text hervor gehoben, so dass dann Häufungen von Wörtern schnell sichtbar sind.

Schön an allen drei Tools ist, dass sie Freeware und damit kostenlos zu haben sind. Alle drei zeigen die gesamte oder selektierte Zeichenzahl, Zeilen oder Absätze an, sind in Farben und Schriftarten anpassbar. Bei mir hat sich übrigens MS Consolas als Schriftart gut bewährt, ist in Windows 7 vorinstalliert und ansonsten in der Microsoft-Site kostenlos zu bekommen.

Dimavery SG

Was soll man von einer Gitarre halten, die ein Händler wie folgt beschreibt:

  • Hersteller: Dimavery
  • SG-Form, schwarz
  • Hals: Ahorn
  • Korpus laut Anbieter: Amerikanische Linde
  • Griffbrett: Palisander, 22 Bünde
  • Pickups: 2 x Humbucker
  • Regler: 2 x Volumen, 2 x Ton
  • PU Schalter: 3-Way Switch
  • Brücke: Tune-O-Matic
  • Preis: 79 Euro inkl. Versand

Meine erste Reaktion war, dass das nur Schrott sein kann, denn zuverlässige Instrumente renommierter Hersteller beginnen frühestens bei ca. 500 Euro. Was ist also mit so einem Instrument, würde es für einen Anfänger reichen, zum Beispiel für einen Jugendlichen, der gerne Gitarre lernen möchte, aber es eventuell auch nach drei Monaten wieder aufsteckt?

Herkunft

Hergestellt werden die Instrumente, die unter dem Namen Dimavery verkauft werden, vermutlich in China. Import und Vertrieb übernimmt eine Firma Steinigke Showtechnic GmbH im bayrischen Waldbüttelbrunn. Und das nicht nur für Gitarren unterschiedlichster Coleur, sondern auch für Schlagzeuge, Verstärker bis hin zu Lichtsystemen für die Bühne. Diese Firma gibt es schon seit 1993, also kann es zumindestens kein Betrug sein. Alles, was ins Haus stünde, wäre eine herbe Enttäuschung. Aber warum nicht, bestelle ich einen solchen SG-Klon mal und sehe, was ankommt.

Lieferant ist hier die Firma Redcoon, ein eher gesettleter Internet-Anbieter für Elektronik. Und wie von ihm gewohnt, ist die Bestellung nach 48 Stunden in meinen Händen. Verpackt in einem üblichen Karton, das Instrument steckt gut geschützt in einer Plastiktüte in einem einfachen Gigbag, nichts Besonderes, aber zweckmäßig. Auch ein kürzeres Kabel ist dabei, keine Pleks oder ein Gurt, wie in der Anzeige von Redcoon versprochen. Nun gut, bei diesem Preis mag das so vorkommen.

Nach dem Auspacken erste Verblüffung: die Anmutung der Gitarre ist nicht Billigstschrott. Zwar ist die mattschwarze Lackierung kein Meisterstück, es gibt ein paar Dellen und einen Spalt zwischen Decke und Korpus, aber es ist weitaus besser als vermutet. Selbst Bridge und Stoptail sehen nicht übel aus, alles ordentlich verchromt. Alle Kunststoff- und Metallteile sind abgeklebt, die Tuner funktionieren im Grunde ohne Fehl und Tadel. Eine Demontage des Reglerfachs bringt wenigstens Holz zum Vorschein, es ist kein Schichtholz. Und der Setup aus der Fabrik ist grundsätzlich akzeptabel, die Saitenlage mittel, nicht für Flitzefinger, Intonation stimmt überraschend, generell ok. Nein, die 79 Euro sieht man der Gitarre erst mal nicht an.

Dann lassen wir mal einen gestandenen Gitarristen ran …

So,

Rainer war gestern bei mir (Spaltertreffen) und wir nahmen das gute Stück in Augenschein. Zu den Materialien kann Rainer euch mehr sagen. Ich sage erstmal was zum generellen Eindruck: gut verarbeitet, nicht super, aber keine, keine offensichtlichen Schlampereien. Werkssetup besser als manches von bekannten Namen.

Der Body dieser 79€ SG ist bleischwer. Es soll Birke sein (nee, ist Linde, Ferdi; d. Red.), die ja zu den Harthölzern zählt, und nicht zu den leichtesten. Eine Les Paul von diesem Hersteller wird es wohl eher nicht geben. Nochmal: die Gitarre fällt zuallererst durch ihr Gewicht auf. Von der Hoffnung, Kopflastigkeit könne bei einem so schweren Body ja kein Thema sein, stirbt auch der letzte Rest bei der Gurtprobe. Der Hals ist ebenfalls bleischwer und pendelt sich am Gurt in der Waagerechten ein. Mit einem glatten, nicht aufgerauten Gurt hängt die Dame quer, nichts zu machen. Von dem federleichten SG-Charme ist insgesamt da nicht zu spüren… die Küchenwaage sagt 3981g.

Die Bundbearbeitung ist ok. Nicht super, aber ok. Keine scharfen Grate – nirgens. Meine Squier Tele greift sich sympathischer, aber der Fretjob ist nicht besser. Das Griffbrett ist in ein Bindung gefasst (die Bundenden nicht), das auch ok verarbeitet ist. Keine Patzer. Die Griffbretteinlagen können sich sehen lassen, mit der Ausnahme von einer einzigen sind es echt schmucke und gut passend eingesetzte Perlmutt-Kopien.

Hm, hm, hm. Der Lack ist lückenlos und scheint steinhart. Das ist ja eher gut. Kein (gibsontypischen) „Stufen“ im Lack (am Übergang von lackiert zu nicht lackiert). Die Hardware erfüllt ihren Job (keine Verstimmungen seitens der Mechaniken zB), ist aber aus billigem Guss. Die Elektrik ist, oh wunder, extrabillig. Dickes Plus: keine Pickup-Mikrofonie. Keine. Nachdem ich den Halspickup weit runtergeschraubt hatte und den am Stege weiter rauf, waren die Lautstärkeverhältnisse ok.

Kommen wir zur Praxis :-)

Fuhrpark:

  • DiMavery SG, schwarz wie die Nacht
  • vintage „no name“  Spiralkabel (mein bestes bestes bestes)
  • Boss TU2
  • VoodooLab Microvibe
  • Boss FZ-5 Fuzz
  • Analogman KingOfTone
  • MXR Carbon Copy
  • Klotz Kabel
  • „modded by Ritter Amps“ JTM 45
  • vertikale TT 2×12 mit Electro Voice (!!!) 12L und Tonehunter G12H.

Alles nur vom Feinsten, wenn es sch**** klingt, kann es also nur an der Gitarre liegen :-)

So: Clean oder Crunch kommt eine Spur dünner, plärriger und blecherner Klang immer durch – das leisten vor allem die Pickups, denke ich – und zum Solieren, sorry, greift sie sich einfach zu unsexy, lässt sich der Ton zu wenig modulieren, der Ton lässt sich durch Bendings und Vibrato einfach nicht so richtig zum Blühen brinmgen – sie tut nicht, was ich will. Das „sie ist ein Teil von mir“-Gefühl will sich so gar nicht einstellen. Akkorde klingen aber einigermaßen gleichmäßig aus. Zum heavy Abrocken mit Akkordgeschrammel – so Black Sabbath-Rhythmuszeuch zB – tut sie es aber. Das kann schon richtig Spaß machen.

Ich würde sagen, für eine so hell klingende Holzbasis – der typische SG-Mahagoni-Ton ist so gar nicht da – müssten da mindestens ausgeprägt warm klingende, vielleicht sogar richtig heiße Pickups rein, ev. sogar ein Super Distortion am Steg und was Passendes in die Halsposition. Dann würde aus der sustainmäßig an sich gesunden Substanz unterm Strich ein Sound, mit dem man arbeiten kann. Für den Riffrocker wäre das dann eine brauchbare Arbeitsgitarre. Für den Solisten eher weniger.

Soweit erstmal. Preis/Leistung ist erstaunlich.

Nun legt der gestandene Gitarrist natürlich die Latte ein wenig höher. Aber sagen wir mal so: hätte ich einen jungen Sohn, der unbedingt Gitarre spielen möchte, und bei dem ich nicht weiß, wie lange er es durch hält, würde ich ein solches Instrument in Betracht ziehen. Mit einem Satz gebrauchter, ordentlicher Pickups, einem kleinen Amp aus der Transistorfraktion und ein oder zwei Tretminen soll der Youngster zeigen, dass er durch hält. Tut er es, geht es nach einem Jahr zum Musikhändler meines Vertrauens und man begutachtet Fender, Gibson oder sonst etwas. Wirft er aus irgendwelchen Gründen das Handtuch, sind 100 Euro und das Delta aus dem Verkauf des Amps investiert, aber mehr auch nicht.

Der Gerechtigkeit halber muss man aber erwähnen, dass eine Epiphone Les Paul Standard bei Thomann auch für 99 Euro zu bekommen ist, eine SG Junior für 88 Euro, und bei ca. 150 Euro beginnen die Squier-Instrumente a la Tele und Strat. Gerade den Squier-Gitarren kann man mehr zutrauen, und sie sind bei der Gesamtinvestitionssumme dann nur ein Teil des Betrages, der 50 Euro oder wenig mehr ausmacht.

Also bitte auf der Straße bleiben und nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig erwarten. Für 79 Euro ist diese Dimavery-SG ein akzeptables Angebot und erfüllt definierte Zwecke. Eine PRS oder Gibson SG Standard kann dann ja später kommen.

Tori Amos: Night Of Hunters

Tori Amos: Night Of Hunters

Es war still geworden um Tori Amos. Nach den anfänglichen Erfolgen mit Little Earthquakes, Under the Pink und Boys for Pele in den Neunziger Jahren, mit dem Cornflake Girl und Crufify. Die folgenden Veröffentlichungen waren oft sperrig, schwergängig. Ob nun Night of Hunters erfolgreicher wird? Ich befürchte fast nicht.

Tori Amos ist zu ihren Wurzeln zurück gegangen, zur klassischen Musik, die sie als Mädchen lernen und spielen musste, aber nicht wollte. Und deshalb aus dem Studium ausstieg, obwohl sie als sehr talentierte Pianistin galt. Nun hat sie diese Spuren der Vergangenheit wieder hervor geholt, Satie und Bach, Schubert und Debussy. Interessanterweise alles Komponisten, die ich kenne und schätze, was mich umso neugieriger auf ihre Sicht dieser Musik machte. Diesen klassischen Grundlagen hat sie neue Melodien und Texte hinzugefügt und daraus eine Sammlung von 14 mehr oder weniger freien Interpretationen klassischer und bekannter Stücke gemacht. Ein mutiges Unterfangen.

Wie gelungen ist das Ganze geworden? Ich bin zwiespältig. Einerseits ist diese Musik großartig, die große Pianistin Tori Amos scheint immer wieder durch, wer weiß, was auf dem geraden Weg aus ihr geworden wäre. Sicher ein Name in der Welt der klassischen Pianisten. Andererseits passt Amos‘ Art des Gesangs und ihre Art der Melodiebildung selten wirklich zum Ausgangsmaterial. Es bleibt meistens künstlich, am extremsten kommt dies bei Satie und Bach zum Vorschein. Das passt nicht wirklich zusammen, diese Harmonik, die Melodien und der Gesang. Sicher muss man solche Experimente wagen, auch Walter/Wendy Carlos ist in den Sechzigern für verrückt erklärt worden, als er/sie Bach auf dem Moog spielte. Aber Tori Amos bleibt zu nahe bei den klassischen Vorlagen und zu wenig bei sich selbst. So funktioniert das wenig. Eigentlich gar nicht. Schade.

Weitere Hörbeispiele finden sich in YouTube.

Zwei von fünf möglichen Cornflakes.

 

Bride of the Noisemakers

Bride of the Noisemakers

Normalerweise schätze ich Live-Aufnahmen eher weniger. Weil die Soundqualität meistens nicht stimmt, doch bei dieser Aufnahme habe ich zuerst gar nicht gemerkt, dass es eine Live-Aufnahme ist, so perfekt ist die Qualität, so dicht und right-into-your-face. Und weil das Feeling des Gigs nicht zuhause im Wohnzimmer ankommt, weil man nur hört, nicht fühlt und sieht. Diese CD hat mich eines Besseren belehrt.

Die Sammlung von Live-Auftritten des amerikanischen Pianisten und Keyboaders Bruce Hornsby und seiner Band The Noisemakers aus den Jahren 2007 bis 2009 arbeitet sich in unglaublich konsistenter Form durch altes und aktuelles Material. Was die Aufnahmen so hörenswert macht, ist nicht nur die wortwörtliche Spielfreude der Band, sondern auch die beachtliche Flexibilität von Bruce Hornsby, seine unglaublichen Live-Fähigkeiten. Da wird aus vier einzelnen Songs plötzlich einer, da geht es nahtlos von Fortunate Son (Hornsby) zu Comfortably Numb (Pink Floyd), wobei das Publikum erst einige Zeit braucht, es zu begreifen. Hornsby lavriert dabei oft an der schwierigen Grenze zwischen Jazz und Pop, und er ist einer der wenigen Musiker, die das können ohne sich selbst nicht treu zu bleiben. Die sogar Free Jazz-Elemente einbauen können, ohne gezwungen oder krampfhaft zu wirken. Die von Pop bis Jazz authentisch bleiben. Und auch noch alles an Stilen verwursten, bis das Original kaum mehr erkennbar bleibt.

Das Resultat ist eine Live-Musik, die sich qualitativ nicht hinter Studioaufnahmen zu verstecken braucht, dafür noch zusätzlich eine Lebendigkeit und einen Abwechselungsreichtum bieten, der Studioaufnahmen eben abgeht. Für Hornsby-Fans absolutes Must-Have, für Noch-Nicht-Fans eine Möglichkeit, mit diesem großen amerikanischen Musiker warm zu werden.

Fünf von fünf möglichen Pianotasten.

Bruce Hornsby and the Noisemakers – „Funhouse“
from Bruce Hornsby on Vimeo.

Bruce Hornsby and the Noisemakers – „White-Wheeled Limousine“
from Bruce Hornsby on Vimeo.

Speaker's Corner

Speaker’s Corner

Podcasts überall, nicht nur in Blogs und anderen Web-Quellen, auch viele Sendungen der Rundfunkanstalten, welch altmodisches Wort, sind als Podcasts verfügbar. Gut, was so viele scheinbar können, sollte einfach sein. Ist es auch, wenn man die Technik im Griff hat und sich über Inhalte klar ist. Hier also eine Anleitung zum Erstellen von Podcasts, was man braucht und was nicht.

Beginnen wir mit der Technik, meistens das größte Hindernis, trotz der Annahme, dass heute selbst ein Grundschüler einen PC konfigurieren könnte.

Hardware

Vorausgesetzt, der PC ist komplett vorhanden, brauchen wir minimal noch:

  • entweder ein an den PC direkt anschließbares Mikro, Quelle PC-Händler, und einen Kopfhörer, oder alternativ
  • ein Headset, Kopfhörer und Mikro in einem, beides für den direkten Anschluss an die Soundkarte des PCs. Quelle wie zuvor. Empfehlungen: LOGITECH PC860 (ca. 10 Euro) bis zu SENNHEISER PC151 (ca. 70 Euro). Sennheiser baut sehr ordentliche Headsets, auch im Bereich von 30 Euro. Bitte einen Hörer mit zwei Seiten nehmen, die einseitigen treiben einen schnell in den akustischen Wahnsinn.

Das wäre die Hardware-mäßige Minimal-Ausstattung. Möchte man es semiprofessionell machen, sähe die Liste etwas anders aus:

  • Ein kleines Mischpult mit eingebautem USB-Interface, z. B. ALESIS MULTIMIX 4USB, oder ähnliche Pulte von Behringer. Darauf achten, dass das Pult Phantomspeisung für Mikrophone unterstützt!
  • Einen Kopfhörer mit höherem Qualitätsanspruch, wie den AKG K-271 MK II oder ähnlich. Er muss nicht ohrumschließend sein, es hat aber seine Vorteile.
  • Ein Kondensator-Mikrophon, das THE T.BONE SC400 ist bei einem Preis von 70 Euro ein guter Kompromiss zwischen Preis und Qualität.
  • Ein ausreichend langes XLR-Kabel zwischen Mikro und Mischpult.
  • Einen Tischhalter für das Mikro, ich benutze den MILLENIUM DS100, zusätzlich noch einen Pop-Filter, den gibt es bei Thomann im Bundle mit dem Mikro.

Für die Minimalkonfiguration ist die Sache einfach: die beiden Stecker für Mikro und Hörer sind farblich codiert, grün und rosa, und kommen in die entsprechenden Anschlüsse der Soundkarte des PCs. Für die größere Lösung sollte man schon etwas mit Audiotechnik vertraut sein, schwierig ist es aber auch nicht: USB-Pult mit einem USB-Anschluss des PCs verbinden, Mikro über ein XLR-Kabel auf einen Mikro-Eingang des Pultes, Hörer an Headphone Out des Pultes, bei Kondensator-Mikrophonen das Einschalten der Phantomversorgung nicht vergessen. Wer etwas über Mischpulte lesen möchte, findet an dieser Stelle einen Artikel dazu. Danach sollte die Unwissenheit über die Bedienung eines Pultes kein Hindernis mehr darstellen. So weit die harte Ware.

Software

In der letzten Zeit hat sich auf der Softwareseite ein kostenloser Standard etabliert: Audacity, kostenlos und erstaunlich leistungsfähig. Bezüglich Konfiguration und Bedienung ist in der Site genug zu finden, so dass auch Unerfahrene schnell zu Ergebnissen kommen. Kleine Tücke ist, dass in der Konfiguration von Audacity bei Verwendung eines USB-Pultes oder Wandlers als Ein- und Ausgang der USB Audio Codec gewählt werden muss.

Tatsächlich ist es ein größerer Schritt, wenn man mit diesem Thema noch nicht beleckt ist, aufzunehmen und zu bearbeiten. Nicht erschrecken, nicht abschrecken lassen und die Anleitungen für Audacity durch arbeiten. Es ist nicht so schwierig, wie es auf den ersten Blick aussieht. Audacity zum Aufnehmen zu wählen, hat eine Menge Vorteile, denn man kann nicht nur Patzer oder Seitenblättern herausschneiden, sondern auch später Jingles oder externe Aufnahmen mit hinein mischen, im Prinzip wie in einem „richtigen“ Tonstudio. Und nicht vergessen, sich den LAME MP3 Encoder dazu zu laden, um direkt aus Audacity MP3-Dateien erzeugen zu können.

Die wirklichen Knackpunkte

Nun wollte ich nicht detailliert auf die Hardware und Software eingehen, denn dazu finden sich im Netz genug Hilfen zur Auswahl und zur Konfiguration. Die anderen Fragen sind die, wie man einen solchen Podcast gestaltet und welche sonstigen Voraussetzungen wichtig sind. Diese Geschichte fängt mit der akustischen Gestaltung an.

Macht man seine ersten Aufnahmeversuche, wird man einige Merkwürdigkeiten feststellen, an die man zuerst nicht gedacht hatte. Die eine sind Nebengeräusche, da fährt ein LKW am Haus vorbei, der Nachbar geht duschen oder der Tisch macht Geräusche, so bald man sich auch nur minimal bewegt. Von Maus-Clicks ganz zu schweigen, oder der PC-Lüfter ist im Hintergrund zu hören. Die Clicks beim Starten der Aufnahme sind noch das kleinste Problem, die kann man in Audacity (ich nutze n-Track zum Mischen und Goldwave zum Aufnehmen und Bearbeiten) herausschneiden, ebenso Geräusche, die in Sprechpausen entstanden sind. Aber den LKW oder die Dusche eben nicht. Daher empfiehlt sich für das Aufnehmen ein möglichst geschützter Raum, in dem keine Nebengeräusche zu hören sind. Bei mir ist das der Keller, dort habe ich einen stabilen Tisch und sämtliches Equipment, so dass ich nicht auf- oder abzubauen brauche. Und die einzige mögliche Störquelle ist ein Wasserrohr, aber das alles ist berechenbar. Von einem Amerikaner habe ich gelesen, dass er im Abstellraum aufnimmt. Auch eine Variante.

Speaker's Booth

Speaker’s Booth

Die Möglichkeit, sein Studio im Keller zu errichten, ist sicher nahe am Optimalen, weil es dort meistens am ruhigsten ist. Aber dann kommt ein neues Problemchen auf: Raumakustik. Es ist hallig, die nackten Wände eines Kellers sorgen für eine unruhige Akustik, die Stimme verschwimmt. Dazu muss nicht mal ein Keller her, in so manchem größeren Wohnzimmer oder Arbeitszimmer hat man genug Raumhall, der die Verständlichkeit stört. Es klingt einfach schlecht. Bei einem Headset tritt dieser Effekt übrigens nicht so ausgeprägt auf, ein Großmembran-Kondensatormikrophon dagegen lässt selbst einen unruhigen Fuß noch klar in der Aufnahme präsent werden. Dagegen hilft nur eins: Dämmen. Da man im Keller wohl weniger Ärger mit der Dame des Hauses bekommt, wenn man die Wände mit Dämmmatten tapeziert, diese sind ein probates Mittel, bekommt der Keller wieder Attraktivität. Ansonsten helfen Teppiche, Vorhänge oder Polstermöbel. Wie man den Raum nun akustisch trockener bekommt, ist sehr individuell. Ist der Raum groß, ist es günstiger, die Dämmungen auf Schaumplatten oder Sperrholz zu kleben und mittels Holzlatten ein Gestell zu bauen, das die Konstruktion im Raum frei platzierbar macht. So in meinem Keller geschehen. Dann brauchen zwar noch ein oder zwei Wände eine Dämmung, aber es hält sich geldlich und optisch im Rahmen. Tatsächlich sollte man sehen, dass man den Raum akustisch so trocken wie möglich bekommt. Professionelle Studios haben einen Speaker’s Booth, einen kleinen Raum, der akustisch sehr ruhig ist, mit einem Fenster zur Kommunikation. In diese Richtung sollte man möglichst kommen. Es muss übrigens gar nicht so teuer werden, sein Studio auszustatten. Um die Kellerregale zu verstecken und den Raum weiter zu dämmen, habe ich billige Decken von IKEA und eine Vorhangstange verwendet. Macht das Kellerstudio wohnlicher und akustisch angenehmer. Die Dämmmatten kann man von Thomann kaufen, manche Schaumstoffhändler haben diese aber auch als Verpackungsmaterial.

Sind diese Fragen gelöst und man vielleicht sogar seinen eigenen Speaker’s Booth, bleibt noch das Material als Störquelle. Viele PCs haben einen Lüfter, der laut und vernehmlich tönt, was dann in der Aufnahme nicht zu überhören ist. Ideal sind daher Netbooks und Nettops, die keinen Lüfter haben, oder nur einen sehr kleinen und leisen. Aber auch professionelle PCs, die gebraucht schon um die 150 Euro zu bekommen sind, können erstaunlich leise sein. Mein Fujitsu ESPRIMO E5915 jault beim Verbinden mit dem Stromnetz einmal auf, danach ist er aber nicht mehr zu hören. Bestehen diese materiellen Möglichkeiten nicht, kann man mit Hilfe eines Reparatur-fähigen PC-Händlers versuchen, seinen Rechner leiser zu bekommen, zum Beispiel durch Montage von Gummidämpfern für Lüfter und Festplatten, oder durch Austausch des Netzteiles. Letztes Mittel ist ein großer Karton, der innen mit Dämmplatten beklebt wird, aber noch Platz für den Wärmeaustausch lässt, so dass der PC sein eigenes Speaker’s Booth bekommt und nicht so sehr durch Geräusche stört.

Problem gelöst, neue Probleme

Hat man das alles hin bekommen, alle Hardware und Software am Laufen, sein schönes und inspirierendes Plätzchen, dann, ja dann geht es an die Inhalte selbst. Vorausgesetzt, man hat es Ideen, was man in seinem Podcast machen möchte, können ein paar Gedanken über die Ausgestaltung nicht falsch sein.

Es gibt Leute, die schreiben sich für eine halbe Stunde Sprechen drei Stichworte auf eine Karteikarte und leisten sich nicht ein einziges Äh. Andere schreiben den kompletten Text aus und verhaspeln sich doch achtmal. Ich denke, es kommt auf den Text an. Ist man mit den Themen sehr vertraut, ist freies Sprechen mit einiger Übung möglich. Ablesen von Text verleitet zu eher monotonem Sprechen, was absolut kontraproduktiv ist, denn die Hörer schlafen ein oder schalten ab. Man muss an diesem Punkt seine eigene Wohlfühlgrenze ausloten, wie viel an Inhalt und Text man vorproduziert. Zu bedenken ist, dass man den Text dann auch vor Augen haben muss, so kommen die Probleme mit raschelndem Papier oder Maus- und Tastaturgeräuschen wieder in den Vordergrund. Und man kann nicht alles heraus schneiden, was stört, wenn es hinter der Sprache liegt. Optimal ist es, wenn die Notizen auf eine DIN A4-Seite passen, oder auf einen Bildschirm. Und das groß genug, denn je größer die Schrift, desto weniger Gefahr sich zu verhaspeln oder im Text zu verlieren. Ausprobieren.

Nichts ist gefährlicher als eine langweilige Stimmführung, nichts ist nerviger als eine Wiedergabe mit Pop-Geräuschen bei den explosiven Konsonanten oder ein zu leiser Sprecher, nichts ist einschläfernder als eine Kettung von Bandwurmsätzen oder eine Sprache, die von Substantiven überquillt, Beamtensprache. Den ersten Punkt muss man üben und man muss sich trauen, variabler und mit weiterer Stimmführung als vielleicht im Alltag zu sprechen. Die Pop-Geräusche kann der Filter vermeiden, man sollte aber auf dem Abstand zum Mikro achten, eine Handspanne ist meistens am besten, für den Pegel die Anzeigen in der Aufnahmesoftware beachten, der Pegel sollte so bei -3 bis -6dB liegen. Ein Software-Kompressor (soft knee) in der Aufnahmesoftware hilft, Übersteuerungen zu vermeiden. Bleibt die Sprache als solche, daran muss man, wie bei den Webinaren schon geschildert, arbeiten. Die Texte sollten abwechselungsreich und farbig, aber nicht grell oder schrill sein.

Blieben noch die übrigen Gestaltungsmöglichkeiten. Jingles, also Musiksequenzen oder andere Einstreuungen, sind hilfreich für den Wiedererkennungswert und wecken ein wenig, brechen die längeren Textsequenzen auf. Aber Finger weg von urheberrechtlich geschütztem Material von CDs oder aus dem Netz, das kann teuer werden. Entweder nach freien Jingles suchen, oder selbst welche gestalten. Musiker an Gitarre oder Klavier/Keyboard sind hier besser dran. Ansonsten sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt: Außenaufnahmen mit einem Diktiergerät, Familie oder Freunde um Abschnittsbeiträge bitten, den Text mit unauffälligen Sounds unterlegen. Also z. B. Musik ohne Soloinstrumente oder Gesang, möglichst gleichförmig. Hier kommt die Kreativität ins Spiel und der Bereich, wo der individuelle Podcast gestaltet wird.

Vom eigentlichen Thema ganz abgesehen. Denn das bleibt das Schwierigste.