Long time no see

Geboren im Sommer 1956 im Ruhrgebiet, in Essen-Borbeck, als noch Zechen und Stahlwerke um uns herum Arbeit gaben, aber auch Unmengen an Dreck verteilten. Besuch des Gymnasiums Essen-Borbeck, unehrenhafter Abgang nach der Obertertia, Lehre als Rundfunk- und Fernsehtechniker bei Hermann Weiß in Essen-Frohnhausen. Danach kam die Fachoberschule für Elektrotechnik am Westbahnhof. So schaffte ich doch noch ein Studium, an der Fachhochschule Dortmund in der Ingenieur-Informatik. Mein Schwerpunkt war erst die Hardware, bevor mich Prof. Swik mit Mikroprozessoren und Betriebssystemen infizierte.

Mit 17 Jahren schickten mich meine Eltern auf eine sommerliche Sprachreise nach Hastings in Südengland. Dabei ereignete sich etwas Merkwürdiges: ich fühlte mich dort zuhause. Seitdem hat sich zu England und insbesondere Wales eine große Vertrautheit entwickelt. Fast jedes Jahr verbringe ich in England oder Wales meinen Urlaub, für Fujitsu habe ich längere Zeit in Bracknell bei London bearbeitet. 2010 hatte ich tatsächlich vor, endgültig dorthin auszuwandern, was private Entwicklungen verhindert haben. Leider. Noch heute stellt sich ein heimeliges Gefühl ein, wenn ich die White Cliffs of Dover sehe, am Churchill Guesthouse vorbei schaue und mich auf den Weg über M20 und M25 nach Norden mache. Daher stammen meine Reiseberichte, die viele Jahre zurück gehen.

Von 1980 bis 1982 war ich Werkstudent in der Karstadt HV in Essen-Bredeney, wo ich nach dem Diplom noch bis Ende 1985 als Softwareentwickler blieb. Der Wunsch meiner damaligen Ehefrau nach mehr ländlicher Ruhe führte uns nach Paderborn. Da Informatiker sich eher gegen Jobs wehren mussten, fand sich schon lange vor dem Umzug eine Stelle bei der Nixdorf Computer AG. Erst in der Zentrale des technischen Kundendienstes, später im Produkt-Marketing Handel und im Corporate Marketing. Meine Jobs haben mich um die Welt gebracht, ein halbes Jahr in die USA und Monate nach Australien, durch ganz Europa und einmal nach Südafrika. Aus Nixdorf wurde Siemens-Nixdorf, dann Siemens und Fujitsu-Siemens, zuletzt Fujitsu. Noch erwähnenswert ist vielleicht das Ende meiner musikalischen Karriere in 2006, als die letzte Band, in der ich als Bassist seit den Siebzigern diente, die Selbstauflösung beschloss. Musik hat mich mein ganzes Leben begleitet, bis heute. Seit ich mit sechs Jahren meinen ersten eigenen Plattenspieler bekam. Heute nur noch passiv, jedoch auch vermittelnd und in einem öffentlichen Sinne.

Im Sommer 2009 dann der Schnitt. Das gesamte Corporate Marketing als Teil einer 700 Leute betreffenden Personalreduzierung erwischte auch mich. Versuche als Lehrer am b.i.b. oder einer allgemeinbildenden Schule unterzukommen, scheiterten am nicht anerkannten zweiten Staatsexamen. Also machte ich eine Ausbildung zum zertifizierten Trainer mit dem Plan der Selbstständigkeit als freier Trainer für Kommunikation. Kurz davor der Schwenk. Wie immer unerwartet. Eine schon verschollen geglaubte Bewerbung bei der ecue GmbH in Paderborn als technischer Redakteur war wieder aufgetaucht. Das Bewerbungsgespräch mit dem Geschäftsführer Dirk Beiner führte in einen Vertrag. Ab Juni 2010 war ich wieder in Lohn und Brot. Aus ecue wurde Traxon Technologies, daraus dann OSRAM, die immer Muttergesellschaft war. Parallel dazu kam eine alte Liebe zum Tragen. Zwar habe ich schon immer viel geschrieben, wie meine Website Just Chords zeigt, ich wollte aber das Schreiben auf eine professionelle Basis setzen. An der Freien Journalistenschule Berlin leistete ich mir eine berufsbegleitende Ausbildung zum Fachjournalisten. In einem Workshop für Radioproduktion kam ich in näheren Kontakt mit Sigurd Seifert, der leitete mich weiter und so wurde ich ehrenamtlicher Redakteur und Moderator beim Ohrfunk. Radio war und ist meine Passion, aktiv und passiv. Das Brotbacken nicht zu vergessen.

2013 wurde ich Bürger des kleinen Nienhagens im Kreis Celle, Ende 2016 warf ich bei OSRAM in Paderborn das Handtuch und zog endgültig nach Niedersachsen. Statt der erhofften Arbeitslosigkeit ereilten mich dann Anfang 2017 zwei Angebote: als Online Manager in der Evangelischen Kirche Deutschland und Redakteur bei der ISSENDORFF KG in Laatzen-Rethen. Ich entschied mich für die letztere Stelle, was ich nicht bereut habe. Mein Thema ist nun die Gebäudeautomation mit dem Local Control Network (LCN). Deren Website ich mit verbrochen habe, denn ich kümmere mich um das gesamte Online-Business, neben Fachartikeln, Pressearbeit und den anverwandten Aufgabengebieten. Das sind dann auch die Nebenkriegsschauplätze, die sich bis ins Private ziehen, Arduino und Raspberry Pi. Ich bastle immer noch gerne, man wird nach einer gewissen Zeit den Ingenieur nicht mehr los, der sich festgefressen hat.

Wenn ich zurück blicke und entscheiden sollte, was ich im Leben richtig und was falsch gemacht habe, habe ich eine klare Erkenntnis. Nach der Fachoberschule wollte ich an der damals neu gegründeten Gesamthochschule Duisburg Journalismus und Musikwissenschaft studieren, was mir mein Vater verbot, weil Musik-Journalist brotlose Kunst sei. Dass ich mich damals nicht gegen alle Widerstände durchgesetzt habe, bereue ich heute zutiefst. Denn es sind das Schreiben, Recherchieren und die Suche nach der Wahrheit, die mir wirklich am Herzen liegen. Es sind die Sprache, die Form und der Inhalt, die mir nahe sind. So bin ich heute Informatiker und auch Journalist. Kein schlechtes Ergebnis, doch mit mehr Mut und Bereitschaft zum Risiko hätte mehr daraus werden können. Ein paar Jahre habe ich hoffentlich noch. Es liegt an mir, das Beste daraus zu machen. Who serves everybody is paid by nobody. Eine weise Erkenntnis.