Im November 2026 wollte mein Auto mal wieder zum Freundlichen. Besser gesagt, nervte mich der Bordcomputer mit blinkenden Anzeigen und Gepiepe. Nicht wegen vieler gefahrener Kilometer, sondern weil ein Jahr herum war. Als ich in meinen Leihwagen einstieg, ein aktueller VW Polo, fiel mir zuerst das riesige Display auf, das mittig auf dem Armaturenbrett pappte. Mit imposanter Höhe in das Blickfeld durch die Frontscheibe ragte. Den Fahrersitz konnte ich noch einstellen, wie ich es seit meinem Sharan Baujahr 1998 bei VW gewohnt war. Beim Einstellen der Seitenspiegel scheiterte ich. Es gab nicht, wie in meinem Golf VII, einen Knopp in der Armstütze der Tür, wo man die Spiegel verstellen konnte. Stattdessen hätte ich mich auf dem Mäusekino durch Menüs tippen müssen. Ich beschloss, die wenigen Kilometer über Landstraßen nach Hause ohne korrekte Außenspiegel zu fahren. Wenigstens schaffte ich es, dem Radio WDR 5 zu entlocken. Während der Fahrt bombardierte mich das Display hinter dem Lenkrad mit aktueller Geschwindigkeit, Außentemperatur, aktuellen Aktienkursen und momentaner Ausdehnung des Universums. Warum die Geschwindigkeit einmal in Groß und einmal in Klein auf dem Display? Weder Klimaanlage noch Radio-Lautstärke ließen sich über physische Regler einstellen, überall nur Touch. Für mich stand fest, dass mir eine solche Kiste nie ins Haus käme. So etwas Ähnliches hat Gabriel Yoran auch erlebt, doch begonnen hat die ganze Geschichte mit der Bedienung seines AEG-Kochfeldes, das ich auch habe. Das hat 0 – 1 – 3 – 5 – 8 – 10 – 14 – A als Heizstufen. Wer denkt sich so etwas aus? Und kann man darüber ein ganzes Buch schreiben? Man kann, man muss nur den Blick weiten.

Gabriel YoranDie Verkrempelung der Welt


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Schaut man sich Posts, Likes und Kommentare in sozialen Median an, insbesondere Instagram, YouTube und TikTok, müssen Millionen Menschen unter Depressionen, ADHS oder Borderline leiden. Ganz besonderes jüngere Leute. Wer nur halbwegs bei Trost ist, wird wissen, dass gerade die Verfasser dieser Posts weder einen entsprechenden fachlichen Hintergrund haben noch über medizinische Qualifikation zu diesen Themen verfügen. Es geht, wie üblich in diesen Medien, um Clicks und Aufmerksamkeit. Mit immer dem gleichen Ziel: absahnen, Aufmerksamkeit abgreifen. So weit, so klar. Jedoch kann die andere Seite vor dem Display leicht aus dem Blick geraten. Man könnte wegen des breiten Interesses darauf schließen, dass tatsächlich in den letzten Jahren so viele Menschen von psychiatrischen Diagnosen betroffen sind. Medizinische Statistiken helfen da nicht weiter, denn wer endlich in Insta die Lösung für seine Probleme gefunden hat, aus angeblichen Symptomen endlich schließen kann, dass er oder sie ADHS hat (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), geht nicht zum Arzt. Bestellt sich lieber im Internet aus dubiosen Quellen die empfohlenen Medikamente und gesteht sich nicht ein, einfach nur extrem schusselig oder disziplinlos zu sein. In diesem Buch von Laura Wiesböck geht es um beide Seiten. Die Quacksalber und die eingebildeten Kranken. Die eingebildeten Kranken sagen dann, sie hätten keine Diagnose, sondern seien die Diagnose.


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Es waren einmal zwei Berufsgruppen, die für Wissen und Fakten zuständig waren. Leute in der Lehre und im Journalismus. Beide Gruppen haben in den letzten Jahren enorm an Anerkennung verloren. Für Journalistinnen und Journalisten sagt Roger de Weck: selbst schuld. Seit die meisten Menschen eher den sozialen Medien trauen als dem Nachrichtensprecher oder der bundesweiten Tageszeitung, geht es mit Zeitungen und Verlagen bergab. Es wird immer weniger Werbung in Print gebucht, so dass Verlagen das Geld ausgeht. Nicht jedoch den Medien, von Facebook bis TikTok, von SPIEGEL Online bis Nius. Fakten interessieren nicht mehr, Wahrheit schon gar nicht, wie es uns Donald Trump vormacht. Es geht auch nicht mehr um Informationen, sondern knallen muss es. Man möchte wenigstens einmal am Tag seine Meinung abgesondert haben, die Kommentare zu den Kommentaren kommentieren. Journalismus auf dem Abstieg, braucht keiner mehr. Dass damit auch die Demokratie und ihre Regeln den Bach herunter gehen, ist Kollateralschaden. Der Journalismus reagiert, indem er sich den Medien anpasst. Keine Nachricht, die nicht noch zwei Mal aufgewärmt wird, Ich-Journalismus über den eigenen Burnout oder andere psychische Probleme sind schnell und billig produziert, tiefgehende Recherchen einfach zu teuer. Außerdem interessieren Details kaum noch jemanden. Grell und klickgenerierend muss es sein. Was also machen wir jetzt mit dem Journalismus? Als historisches Phänomen abschreiben? Den Dampfplauderern und Untergangspropheten das Feld überlassen? Roger de Weck warnt davor, die Medien den gekauften Influencern zu überlassen, sich nur noch als Lifestyle-Ratgeber zu inszenieren. Stattdessen ruft er seine Kollegen und Kolleginnen auf, den Journalismus zu retten. Weil es ohne ihn auf Dauer nicht geht.


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"Eine Stunde History" in Deutschlandfunk Nova gehört schon lange zu meinen liebsten Podcasts. Nun hat Matthias von Hellfeld 2025 ein Buch herausgebracht, das zufälliger Weise zu einer meiner vorherigen Lektüren passt. Doch gibt es zum älteren Buch einen wichtigen Unterschied, es geht nicht um die Welt, sondern nur um ein Land. Es geht um den Glauben, es gäbe so etwas wie ein historisches Deutschland, oder wie Alexander Gauland von der AfD faselte, eine tausendjährige erfolgreiche Geschichte. Dass das hanebüchener Quatsch ist, sei als bekannt vorausgesetzt. Tatsache ist, lieber Herr Gauland, dass Deutschland als Nation erst im 19. Jahrhundert entstand. Genauer: 1871. Und komm nun niemand mit den Germanen. Im Gegensatz zu Frankreich oder Großbritannien, die wirklich auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurück blicken können. Stattdessen war das Heilige Römische Reich, sozusagen eine Art Vorläufer eines Teils von Deutschland, vom Spätmittelalter bis 1806 eine Ansammlung von 350 Kleinstaaten. Damit haben wir das Stichwort Nummer Eins des Buches, Kleinstaaten. Stichwort Nummer Zwei, man rechnet fast damit, ist Migration. Das sind die beiden Fixpunkte des Buches. Von Hellfeld verfolgt nicht nur diese spezielle Vorgeschichte Deutschlands, sondern auch, warum Wanderungsbewegungen seit dem Römischen Reich der Normalfall waren. Weiter gesehen, schon seit 20.000 Jahren. Nun ist Einwanderung in Deutschland ja ein ganz besonders heikles Thema. Was aber mit dessen Geschichte zusammenhängen könnte. Deshalb war ich auf dieses Buch sehr gespannt. Übrigens wie immer für kleines Geld bei der Bundeszentrale für politische Bildung zu haben.

Matthias von HellfeldDie verunsicherte Nation

Matthias von Hellfeld in der Wrintheit von Holger Klein:

Matthias von HellfeldGeschichtsunterricht mit Holger


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Im japanischen Volksglauben gibt es Geister, die aus achtlos weggeworfenen Dingen geboren werden, so genannte Dinggeister. "Wie sähe der Dinggeist der DDR aus?", fragen sich drei Frauen. Alle drei in Ostdeutschland geboren, Magdeburg, Dresden, Rostock. Also schon wieder ein Buch über die untergegangene Republik? Ja und Nein. Es geht um Anekdoten, Erinnerungen, Reflektionen, am Ende um die Frage, wie wir eigentlich leben wollen. So schreiben sie zusammen ein Buch und nennen es "Drei Ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat". Ein Trialog, mit sieben Kapiteln aus sechs Nächten und einem Tag, mit viel Bowle, Wodka oder Gin. Es ist keine Ostalgie, keine wehmütige noch wütende Erinnerung an die Diktatur, in die sie geboren wurden und wo sie ihre ersten Jahre verbracht haben. Stattdessen wollen sie den Wörtern hinterher gehen, die sie aus der DDR mitgenommen haben, die Losungen, die Partei und auch Umgebung hinterlassen haben. Sätze, Lieder und Gedichte, Sprüche wie "Man bekommt ein Mädchen aus der Diktatur, aber die Diktatur nicht aus dem Mädchen". Es ist, wie zu erwarten, ein Trialog, der von Hölzken auf Stöcksken kommt, mal dahin, mal dorthin wandert. Doch bei aller Unterschiedlichkeit, wie die drei Frauen aufgewachsen sind, was sie geprägt hat, kommen doch die Einheitlichkeiten in der DDR wieder zur Sprache, von der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft bis zum üblichen Fahnenappell mit Lob oder Gelegenheit zur Selbstkritik. Nun von der anderen Kompassseite betrachtet: Bringt es Wessis neue Sichten in einen nicht mehr existierenden Staat? Das gelingt zur Überraschung durchaus. So man sich darauf einlässt.

Gröschner/Mädler/SeemannDrei ostdeutsche Frauen betrinken sich ...
Deutschlandfunk KulturLesart: Drei ostdeutsche Frauen ...


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Als man 1934 bei Kanalarbeiten im heutigen Sachsen-Anhalt ein Grab aus der Mittelsteinzeit fand, ließen die wertvollen reichlichen Grabbeigaben auf eine hochgestellte Persönlichkeit schließen. Das konnte, nach damaliger Weltsicht, nur ein Mann gewesen sein. Erst die Rekonstruktion des Genoms der Person in der heutigen Zeit ergab, dass es sich um das Grab einer Frau handelte. Welche dazu noch eine Behinderung hatte. Die Frau hatte übrigens helle Augen und eine eher dunkle Haut. Bekannt ist sie heute als Schamanin von Bad Dürrenberg. Auch Jesus Christus, so es ihn gab, war sehr dunkelhäutig, wie alle Menschen dieser Gegend. Genauso falsch ist die Annahme, bei den Jägern und Sammlern der menschlichen Frühgeschichte hätten die Männer Mammuts und Säbelzahntiger gejagt, während die Frauen die Höhle gehütet und die Kinder betreut hätten. Anderes Beispiel. Beim alten Rom denken die meisten Leute an mutige Gladiatoren und weise Senatoren in einer nahezu homogenen Gesellschaft des frühen Mittelalters. Tatsächlich war Rom so divers und bunt, dass jeder AfDler das Grauen bekäme. Homosexualität war keineswegs ein Vergehen, sondern selbstverständlich, so lange bestimmte Hierarchien beachtet wurden. Julius Cäsar war ebenso ein Fan von Frauen und Männern, dazu schlank und eher feminin. Überhaupt tendieren gerade westliche Kulturen dazu, heutige Vorstellungen und Maßstäbe nicht nur auf die ganze Welt, sondern sogar auf alle Epochen zu übertragen. Morgane Llanque hat sich die Geschichten genauer angesehen. Stößt auf Kulturen, die Europa lange Zeit technisch und künstlerisch weit voraus waren, Gesellschaften, in denen die Frauen regierten und eine Globalisierung, die schon lange vor Kolumbus die Welt erschloss. Für Rechtskonservative keine leichte Kost, dieses Buch.

Morgane LlanqueVielfalt
Morgane LlanqueVielfalt als Normalität


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Innerhalb kurzer Zeit hat das Thema "Künstliche Intelligenz", die KI, englisch AI, Jahrzehnte eher schlummerndes Thema in der Informatik, breite Beachtung bekommen. Spätestens mit ChatGPT-40, ein Large Language Model (LLM) von OpenAI, kommt man einer künstlichen Intelligenz scheinbar immer näher. Modelle wie Gemini von Google oder Llama von Meta können, so scheint es, natürliche Fragen verstehen, Antworten generieren und dazu umfangreiche Recherchen durchführen. Neuer Höhepunkt sind Social Bots, auf KI beruhende Mentoren und Berater, die als Partner und mehr dienen sollen. Vor kurzer Zeit las ich, dass eine Frau ihren Social Bot geheiratet hat. Diese Modelle, so scheint es, können Emotionen und Gefühle haben, Empathie leisten und vieles mehr. Aber können Computerprogramme, deren Reaktionen eher auf riesigen Datenmengen aus dem Internet und Wahrscheinlichkeiten beruhen, wirklich Gefühle haben? Das können sie nicht, auch Staubsauger und Airfryer sind nicht zu Emotionen fähig, ein LLM ist auch nur eine Maschine, eine Software. Warum dann der Hype um die Social Bots? Es liegt in der Hauptsache an den Unternehmen, die hinter der künstlichen Intelligenz stehen, und die letzten Endes damit Geld verdienen möchten. So geht Eva Weber-Guskar auch nicht primär auf die Technik dahinter ein, sondern widmet sich philosophischen und psychologischen Aspekten hinter dem "Affective Computing", dem Versuch, der künstlichen Intelligenz Emotionen beizubringen. Wobei Emotionen und Gefühle zwei unterschiedliche Sachen sind, die gerne verwechselt werden. Ganz zu schweigen von den Lügen und Fehlinformationen, die sich Elon Musks KI geleistet hat. Wollen wir das durch Emotionen gesteigert auf die Menschheit loslassen?

Eva Weber-GuskarGefühler der Zukunft


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Neben dem Lesen von drögen Sachbüchern haben Podcasts inzwischen reichlich Zuwendung bekommen. Die werde ich in den nächsten Posts einmal vorstellen. Gelegentlich kann es passieren, dass ich auch auf Hörbücher stoße, wenn sie nicht gerade über 96 Stunden laufen, was meine übliche Tageseinteilung sprengen würde. Zuletzt passierte das in WDR 5, wo ein schon älteres Buch nochmals eingesprochen wurde: «Bartleby der Schreiber». Das Buch hat nur 50 Seiten, dementsprechend kann man die Geschichte zeitlich übersichtlich anhören. «Bartleby der Schreiber» ist eine Erzählung des amerikanischen Schriftstellers Herman Melville, die unter dem Originaltitel «Bartleby the Scrivener» veröffentlicht wurde. Es ist das erste Werk, das Melville nach Moby Dick verfasste, und wurde zunächst anonym im November und Dezember 1853 in zwei Teilen in der Zeitschrift "Putnam’s Monthly Magazine" veröffentlicht.

Die deutsche Sprache hat in der Welt keinen sonderlich guten Ruf. Weder ist sie so malerisch wie das Französische, noch so majestätisch wie das Englische, weit vom Melodiösen des Italienischen entfernt. Der irische Komiker Dylan Moran sagte einmal, die deutsche Sprache klinge wie eine Schreibmaschine, die Alufolie frisst und die Kellertreppe heruntergetreten wird. Nur wenn ein Holländer wie Herman van Veen in ihr singt, bekommt sie eine ungewöhnliche Breite und Weichheit. Vergessen wird dabei oft die Detailtiefe und Exaktheit, die das Deutsche gerade vom Englischen unterscheidet. Hauke Goos, bekannter als Redakteur im «SPIEGEL», sammelt "Stellen". Momente in der Literatur, wo das zum Glänzen kommt, was als Kern des Stils betrachtet wird: Die Übereinstimmung von Form und Inhalt. Man könnte auch sagen, Goos hätte die Ratschläge von Schreiblehrern wie Ludwig Reimers oder Sol Stein eingeatmet. Im Herbst 2025 ist ein weiteres Buch von Goos erschienen, in dem er Glanzlichter aus seiner Sammlung zeigt, von Kafka bis Loriot. Doch das Buch sammelt keineswegs nur Zitate aus der Literatur, so einfach macht sich Hauke Goos die Sache nicht.

Hauke GoosDie Magie der deutschen Sprache


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Das letzte Kapitel des Buches beginnt Tim Engartner so: "In regelmäßigen Abständen wird die Bildungskatastrophe entdeckt, beschworen, diskutiert – und wieder vergessen. Und von Jahr zu Jahr werden die Versäumnisse schwerwiegender. Wenn wir nicht auf den endgültigen Kollaps unseres Bildungswesens warten wollen, müssen wir endlich handeln." Berichte in den Medien über unsere Schulen und Hochschulen, über die Bildung der Kinder und alles, was mit diesen Themen zusammen hängt, hört man eigentlich jeden Tag im Radio oder liest es an allen Ecken. Verdreckte Toiletten, zerbröselnde Turnhallen und Schwimmbäder. 25% der Kinder können beim Wechsel auf die weiterführende Schule nicht wirklich lesen und schreiben. Leere Kassen bei Kommunen und Ländern, Grundschulkinder, die mehrere Stunden des Tages am Handy verbringen und Klassen mit einem Migrantenanteil von 90% in Brennpunktschulen. Probleme also zuhauf. Was fällt den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ein? Elektronische Gadgets und ChatGPT sollen alle Probleme lösen. Also stopfen sie Tablets in die Klassenzimmer, Meta, Alphabet und Microsoft liefern kostenlose Lernsoftware. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. WLAN-Netze sowie IT-Dienste dürfen die Schulen dann gefälligst selbst stemmen. An den Unis nicht besser, immer mehr Studierende in riesigen Hörsälen, in die immer noch nicht alle Studienanfänger passen. Von denen die Hälfte bald wieder wechselt oder aussteigt. Doch wie schlimm es um die Schullandschaft in Deutschland wirklich bestellt ist, fasst Tim Engartner in diesem Buch zusammen. Kurzes Résumé: Es ist erschreckend, wie wir mit unseren Kindern umgehen. Und mit Deutschlands Zukunft.

Tim EngartnerRaus aus der Bildungsfalle


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Was haben Wladimir Putin, Donald Trump und die AfD gemeinsam? Sie phantasieren eine Vergangenheit herbei, die es nicht gegeben hat. Weder waren die 50er und 60er Jahre in der BRD eine Insel der Glückseligkeit, noch hatten in den USA alle Leute Arbeit und Vermögen, und die Sowjetunion war kein Hort des Friedens und der Gleichheit. Aber die Absicht ist klar, die Vergangenheit umzudeuten, Begriffe und Erinnerungen umzudefinieren. Da wird gelogen und getrickst, umgedeutet und erfunden. Die NSDAP mutiert da plötzlich zur linken Partei, weil in ihrem Namen ja "sozialistisch" und "Arbeiter" vorkommen. Putin bastelt einen Frankenstein aus Sowjetunion und Zarenreich zusammen, das seinem Bild seines Russlands entspricht und seine wirren Aktionen rechtfertigen. Rechte Führungskräfte, die erst deutlich nach 1990 nach Thüringen und Sachsen kamen, gerieren sich als die Ostversteher an sich. So wird dann sogar aus der durchmilitarisierten DDR ein Land, in dem Mitmenschlichkeit und Empathie herrschten. So haben Rechte und Rechtsextreme in den letzten Jahren Narrative entwickelt, die ganz besonders in den ostdeutschen Ländern greifen. Ostalgie als Methode der Neonazis und Identitären. Mit der Parole "Simson statt Lastenrad" kann man mit der verunstalteten DDR sogar noch dem politischen Gegner eins rein geben.

WDR 5 - Volker WeißWie die extreme Rechte Geschichte umschreiben will


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Auch die Quantenphysik nie verstanden? Wird nach Lesen dieses Buches nicht anders sein. Jedenfalls in Details und Einzelheiten. Es ist auch kein Buch über Quantenphysik, sondern eher über die Geschichte der Menschen, die sie maßgeblich geprägt haben: Einstein, Bohr, Planck und Heisenberg. Ein Buch von Thomas De Padova ist mir schon einmal in die Hände gekommen, «Alles wird Zahl», in dem er zeigt, wie die moderne Mathematik in der Renaissance entstand. De Padova ist sowohl Physiker als auch Autor. Schon im erwähnten Buch konzentriert er sich nur am Rande für mathematische Details. Viel wichtiger ist ihm die Geschichte hinter dem jeweiligen Thema, so auch hier. Er versucht eben nicht, unvorbelasteten Leserinnen und Lesern das Verständnis dieses hochkomplexen Bereiches der Physik zu erklären, sondern nur, was grundsätzlich dahinter steht. Und wie es so gekommen ist. Mehr sind historische Einzelheiten Hauptsache des Buches, das Zusammenwirken der Wissenschaftler. Zugleich war die Phase nach dem Ersten Weltkrieg eine spannende Zeit, zugleich schwierig und problematisch. Der Kapp-Putsch fiel in diese Zeit, die Gründung der Weimarer Republik, das Ende des Kaiserreiches, erste Anzeichen der nationalsozialistischen Zukunft Deutschlands. Was eben heißt, dass man kein Kernphysiker sein muss, um das Buch zu lesen. Nur an Geschichte sollte man deutlich interessiert sein. Und an Physik.


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