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Eine wiederkehrende Situation sind Sendungen mit Musikstücken aus verschiedenen Quellen und aus verschiedenen Zeiten. Während das alte Supertramp-Album relativ leise ist, haut ein Metallica-Stück danach die Membranen aus den Lautsprechern. Mein erster Ansatz war, jeweils ein Stück über das Kontextmenü unter der rechten Maustaste auf eine bestimmte Loudness zu bringen. Das dann halt für jedes Stück. Neben der Zeit, die das Verfahren benötigte, war das auch sonst kontraproduktiv. Beim finalen Abhören der gesamten Sendung waren dann doch wieder Unterschiede in der Lautheit zu hören, weil zwar die absolute Lautheit jedes einzelnen Stücks gesetzt war, aber nicht in Relation aller beteiligten Stücke. Dazu hat Audition nämlich ein spezielles anderes Tool an Bord.

Im Hauptmenü findet man unter Fenster die Funktion Lautstärke-Anpassung. Die eigentlich Lautheits-Anpassung heißen müsste. Mit diesem Fenster kann man mehrere oder gleich alles Aufnahmen oder Stücke in einem Beitrag auf einheitliche Lautheit bringen. Dazu zieht man aus der Medien-Bibliothek die betreffenden Stücke in das Fenster für die Anpassung. Natürlich kann man mit Shift-Klick auch alle betroffenen Einträge markieren und in dieses Fenster ziehen. Danach wählt man das gewünschte Lautheits-Modell aus, ich nutze ITU-R mit -15 LUFS Ziel für Radiosendungen, andere Quellen empfehlen -18 LUFS. Danach Ausführen klicken und Audition bringt alle beteiligten Stücke auf gleiche Lautheit.

Das funktioniert in der Tat sehr gut. In einem Beispiel habe ich einmal vier Stücke mit sehr unterschiedlicher Lautheit genutzt. Einmal eine alte Supertramp-Aufnahme, eher leise gemastert, aktuelle Singer-Songwriter-Sachen und die auf maximale Lautheit gemasterte Aufnahme von Magellan. Beim Abhören sind die Stücke nun tatsächlich gut aufeinander abgestimmt, was sich auch in den unterschiedlichen Pegeln in der Track-Ansicht zeigt. Berücksichtigen muss man, dass die Quelldateien verändert werden, also die verwendete Musik immer als Kopien nutzen, nicht das Original.

Natürlich hatte ich in der Vergangenheit den Hard Limiter in Adobe Audition schon benutzt. Allerdings nur, um irgendwelche Spitzen im Signal zu beschneiden. Aber wie so oft, versteht man die Funktion eines Werkzeuges erst, wenn man sich damit mal an der Hand eines Experten beschäftigt hat. Das gilt auch für den Hard Limiter, wie er in Adobe Audition wie in anderen Audio-Programmen zu finden ist. Der Sinn des Hard Limiters ist nämlich nicht einfach, eventuelle Spitzen zu bescheiden, sondern das Signal auch gleichförmiger zu gestalten. Was ja im Radio eine sinnvolle Maßnahme ist. Deshalb hier jetzt mal der Hard Limiter in richtig. Und meine Lernkurve dazu.

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Original-Signal

Original-Signal

Es war mir schon mal aufgefallen, ich hatte es jedoch ignoriert: Aufnahmen von Moderationen waren irgendwie schief, die Signale oberhalb der Nulllinie waren deutlich schwächer als die unterhalb. Ich schob das auf die Elektronik und ließ es gut sein, denn akustisch war ja alles in Ordnung. Bis ich eine neue Runde einlegte, den eingesprochenen Text für die Aussendung möglichst gut einzupegeln und Spitzen durch Schmatzer, Klicker oder Atmer zu nivellieren. Das geht ganz gut mit dem Hard Limiter in Adobe Audition, werde ich noch einmal separat beschreiben. Der Limiter brachte aber nur teilweise Besserung, denn ihm war es ja egal, ob die Signale positiv oder negativ waren. Das Ergebnis war ein schön nivelliertes Signal im positiven Bereich, aber der negative sah aus wie mit der Schere abrasiert. Was tun? Und warum ist das Signal so schräg? Wenn man es weiß, ist es plausibel.

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Nein, ich bin nicht arm. Nicht wirklich. Aber ich habe in meiner neuen Wohnung das Problem, dass die Wohnung sehr groß ist. Also ein Luxusproblem. Mein Arbeitszimmer ist ein Schlauch, der nur mit großem Aufwand für Sprachaufnahmen ruhig zu bekommen ist. Daran arbeite ich noch. Aber was bis dahin mit den Beiträgen, die in den nächsten Wochen abgeliefert werden müssen? Eine richtige Sprecherkabine möchte ich nicht, und sie wäre teuer und aufwändig.

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Es hat mich interessiert, wie sich meine fünf Mikros so schlagen, wenn sie in gleicher Aufnahmesituation, mit gleichem Text, an den Start gehen. Ich wollte einfach wissen, welches mein Favorit ist. Am Ende war es wie vorher klar.

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Wie zu jedem Jahresende beglückt Adobe seine Anwender mit einer neuen Version der Creative Suite. Fast alle Anwendungen haben neue Funktionen bekommen, wie InDesign, Photoshop, Dreamweaver und auch Audition. Seit ich nicht mehr täglich stundenlang InDesign benutze, war ich auf Adobe Audition CC 2018 gespannt, was nun zu meiner bevorzugten Anwendung geworden ist. Inzwischen habe ich so einige Neuerungen erkundet. Spektakulär oder revolutionär sind die neuen Funktionen nicht, aber hilfreich und praktisch. Drei Abschnitte, die mir besonders aufgefallen sind.

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Eine Zeit lang habe ich gerne mit dem Rode NT1-A aufgenommen. Die eine Stärke des Kondensator-Großmembraners ist das fast nicht hörbare Rauschen. Die andere ist für die Aufnahme von Gesang die Fähigkeit, auch kleinste Nuancen und Feinheiten aufzulösen, für eine Sängerin wie Adele unverzichtbar, für einen Sprecher von Texten jedoch eher nervig. Denn diese Feinsinnigkeit des NT1-A bedeutet, dass auch kleinste Unsauberkeiten wie Lippengeräusche, Schmatzen, Zungengeräusche oder nur Geräusche von der Maus in der Aufnahme landen. Das nervte mich. So holte ich wieder mein Rode Procaster aus dem Koffer, stöpselte den geliebten Triton FetHead davor und erfreute mich des warmen, angenehmen Klanges dieses mächtigen Großmembraners der dynamischen Bauweise. Keine Schmatzer mehr, keine Lippengeräusche, ein sonorer Klang, der trotzdem nicht auf Feinheiten in der Stimme und Artikulation verzichtet. Aber oh weh, da war es wieder. Wenn man sich keinen Channel Strip (also einen Mikrofon-Vorverstärker) der 2000 Euro-Klasse leisten kann oder will, ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: das Rauschen vom Mikrofon selbst und vom Vorverstärker. Denn aufgrund physikalischer Gegebenheiten rauscht gerade ein dynamisches Mikro eben. Der Kondensator hat da prinzipbedingt die Nase vorn. Also entweder es rauschen lassen, oder … sich etwas detaillierter mit den Rauschreduzierungen in Adobe Audition auseinander setzen. Gesagt, getan. Die Zeit kostet das Erforschen, wie es geht. Hat man das getan, ist das weitgehende Ausschalten des Rauschens nur eine Sache weniger Clicks.

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micscreen

micscreen

Normalerweise habe ich in Niedersachsen mein Kellerstudio, perfekt gedämmt, den PC am anderen Ende des Raumes mit Absorbern akustisch abgetrennt, nur Monitor und Maus auf dem Aufnahmetisch. Gelegentlich möchte ich gerne auch in meiner Behausung in Ostwestfalen kurze Texte einsprechen, manchmal nur wenige Minuten lang. Doch selbst das Schlafzimmer mit Bett und Wandbehang ist zu hallig, wenn auch ruhig. Was tun? In solchen Fällen kann ein Micscreen wie von Thomann helfen.  Hier fängt das Angebot bei knapp unter 50 Euros an, nach oben hin fast offen. Für mich wesentlicher war, dass ich bei nur gelegentlicher Nutzung den Micscreen auch verstauen muss. Und jedes Mal erst in den Keller zu laufen, macht die Sache nicht einfacher. Das muss doch anders, billiger und einfacher gehen. Tut es auch.

Man nehme:

  • Zwei Platten Dämmschaumstoff, billig und mit viel Auswahl beim Pyramidenkönig; Pyramiden dämpfen besser, Noppen sind flacher; ich habe 7 cm-Pyramiden genommen.
  • Zwei Hartschaumplatten 50 x 50 cm aus dem Baumarkt, alternativ auch Sperrholz (schwerer, aber stabiler). Weißer Hartschaum und weißer Schaumstoff sehen besser aus. Sonst das Sperrholz mit Spühfarbe bearbeiten.
  • Zwei kleine Möbelscharniere.
  • Klebstoff, klassisches Pattex für Platten und Scharniere,  oder Sekundenkleber bzw. alternativ Senkkopfschrauben und Muttern für die Scharniere.

Die beiden Platten mit den Scharnieren verbinden, dabei bei den Scharnieren darauf achten, dass die Platten nach hinten ganz zusammen geklappt werden können. Den Schaumstoff auf der Vorderseite der Platten aufkleben, an der Verbindungsseite etwas Abstand lassen. Geht, weil die Schaumstoffplatten nicht ganz 50 cm lang sind. Fertig. Materialaufwand unter 15 Euros, Arbeitszeit eine Viertelstunde. Leicht angewinkelt stehen die Platten auf jedem Tisch. Unbenutzt verschwindet der Billig-Micscreen unter dem Bett oder im Schrank. Zwar kann man mit solchen Mitteln kein Badezimmer in eine Sprecherkabine verwandeln, aber für den Aufwand sind die Ergebnisse ganz brauchbar. Man bekommt den eigentlichen Hall nicht heraus, jedoch werden die hohen Frequenzanteile im Hall reduziert. Vielleicht ordere ich doch mal einen größeren Schirm bei Thomann und vergleiche die Ergebnisse.

Schlafzimmerstudio – ohne Micscreen

Schlafzimmerstudio – mit Micscreen

Scarlett Solo

Scarlett Solo

Das wäre genau das gewesen, was ich damals gesucht hatte. Die optimale Lösung für Podcasts und andere Produktionen, die nur ein Mikro brauchen. Nach dem Scarlett 2i2 mit zwei Mikro-Eingängen hat Focusrite nun das Scarlett Solo heraus gebracht. Das Scarlett 2i2 hatte ich schon früher beschrieben, und was die guten Dinge angeht, unterscheidet sich die kleine Schwester gar nicht. Gleiches stabiles Metallgehäuse, gleiche Elektronik, nur eben nur mit zwei Mono-Eingängen, einer für Mikrofone, einer für E-Instrumente oder Line-Signal. Einziger Kompromiss ist, dass die Ausgänge für das Line-Signal an einen Verstärker oder an Aktivboxen nicht mehr 6,25 mm-Klinken sind, sondern Cinch-Buchsen. Dafür ist das Gehäuse geschrumpft. Klangunterschiede gibt es gegenüber dem Scarlett 2i2 auch keine. Jedenfalls höre ich keine.

Die Bedienung des Scarlett Solo ist im Vergleich zum 2i2 reduziert. Es gibt nur einen Regler für den Ausgangspegele von Line-Out und Kopfhörer, wenigstens die Umschaltung zum direkten Mithören der Aufnahme statt über den Ausgang des PCs ist erhalten. Für direkte Aufnahmen beim Einsprechen aber auch unverzichtbar.

Was bleibt, in der ganzen Scarlett-Familie, ist die fehlende Eignung für dynamische Mikrofone, da fehlen einige dB Verstärkung. Man muss den Eingangspegel bis zum Anschlag aufziehen, so dass doch deutlich vernehmbares Rauschen auftritt. Außer eben mit dem Triton FETHead. Nettes Audiointerface, das problemlos in die Laptop-Tasche passt. Das Scarlett Solo ist die kleine Recordinglösung für den Podcaster oder Moderator. Was man braucht ist da, aber auch nicht mehr. Guter Klang, solide gebaut. Unter 100 Euro.

Ein Effekt statt drei

Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Aber besser man lernt, als immer bei den gleichen Dingen zu bleiben. Oder neben dem Neuen auch das Bessere zu entdecken. Oder wenigstens das Einfachere.

Effect-Rack CS6

Effect-Rack CS6

Bisher hatte ich zum Processing von Sprachaufnahmen in Adobe Audition CS6 (aktuell nun CC2015) ein Effekt-Rack benutzt. Das bestand aus einem De-Esser, einem EQ und einem Multiband-Compressor. Mit dem De-Esser nahm ich scharfe S-Laute heraus, mit dem EQ senkte ich rumpelnde Frequenzen unter 100 Hz heraus und hob für etwas Glanz den Bereich um 4 kHz an, der Multiband-Compressor sorgte für eine gleichmäßige Lautstärke. War auch so weit eine gute Lösung. Mir fehlte jedoch in den Ergebnissen so etwas wie eine Klarheit und Direktheit. Und mir erschien mit der Zeit der Klang etwas dumpf und undeutlich. Also begann ich zu forschen und stieß in einem amerikanischen Artikel auf einen anderen Ansatz.

Mastering in Audition CS6 und danach

Mastering-Effekt

Mastering-Effekt

Seit der Version CS6 kommt Audition mit einem umfangreichen Satz an Effekten daher, die für die üblichen Zwecke den Verzicht auf VSTi-Plugins möglich machen. Seit der Version CC könnten das eh nur noch 64 Bit-Plugins sein, was die Ausnahme ist. Einen Effekt hatte ich zwar gesehen, aber nicht gewusst, dass er auch ein gutes Tool für Sprachaufnahmen ist: der Mastering-Effekt.

Dazu wählt man im Effekt-Rack der entsprechenden Spur den Effekt „Special | Mastering“ aus und geht von den Standard-Einstellungen aus. Die wenigen Parameter für den Effekt haben jeweils umfangreiche Auswirkungen, weil hinter einem Parameter eine Reihe von Effekten steht.

Mastering

Mastering

Für meinen Geschmack haben sich diese Werte ergeben:

  • Reverb: Fügt einen festen Hall-Anteil dazu. Da ich sehr trocken aufnehme, füge ich 10% Hall dazu, für etwas mehr Raumgefühl.
  • Exciter: Ein Kern des Masterings. Ein Exciter ist eigentlich ein Compressor, jedoch mit sehr speziellen Einstellungen. Je höher der Wert, desto kerniger und lauter das Ergebnis. 80% sind ein starker Effekt, bei Frauenstimmen würde ich auf 50 bis 60% zurück gehen. Drei Arten des Exciters, Retro, Tape und Tube, fügen unterschiedliche Obertonreihen dazu und ahmen die Sättigung der klassischen analogen Signalwege nach.
  • Widener: Da die Stimme mono ist, hier ohne Einfluss, also 0%.
  • Loudness Maximizer: Das ist wieder ein klassischer Compressor. Der einzige Parameter steuert zugleich Ratio und alle anderen Parameter. 50% lassen weitgehend Natürlichkeit zu, aber bügeln leise Passagen gut aus.
  • Output Gain: Bei mir -3 dB, so dass ich am Ende bei meinen -6 dBFS lande.

Zusätzlich zur Kompression hat der Mastering-Effekt noch einen EQ an Board. Hier habe ich alle drei Bereiche aktiviert. „Low Shelf Enable“ senkt Rumpeln und Tischgeräusche herab, mit „High Shelf Enable“ wird der Glanz in den Höhen etwas heraus geputzt. Ansonsten kann man gut spielen, wie man seinen persönlichen Geschmack trifft, da man die Parameter beim Abspielen der Spur ändern und abhören kann. Diese Einstellungen speichert man als Preset für den Effekt ab und hat ihn dann jeder Zeit zur Verfügung.

Zum Vergleich Ausgangsmaterial mit und ohne Mastering. Beide Aufnahmen haben einen Sprachanteil, dessen Pegel laut VU-Meter um die -6 dBFS liegen. Trotzdem liegen die Ergebnisse weit auseinander.

Ohne Mastering

Mit Mastering