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Harald Lesch/Klaus Kamphausen: Die Menschheit schafft sich ab

Harald Lesch/Klaus Kamphausen: Die Menschheit schafft sich ab

Der Titel des Buches ist steil und provozierend. Jedoch im Gegensatz zum ähnlich betitelten Buch von Thilo Sarrazin handelt es um ein Werk aus wissenschaftlich belegten Zahlen, Daten und Fakten, gesammelt und geordnet von einem Wissenschaftler. Weil Physik sowieso die einzige richtige Wissenschaft ist, wie es mal ein befreundeter Student der Physik formulierte. So widmet sich das Buch einmal der Geschichte des Menschen, wie sie wohl entstanden ist, einschließlich der Frage, warum nur diese Art des Homo überlebt hat. Weiter geht es mit der eigentlich kurzen Zeit, in der Homo Sapiens die Erde erst eroberte, schließlich übernahm und nun auf dem besten Wege ist, sie zu zerstören. So gelangt man aus der Achsenzeit, über Frühzeit und Mittelalter bis in die Gegenwart. Je näher man sich dem Jetzt nähert, desto detaillierter gehen die Autoren in Details. Über die am Ende gefährliche Liaison von Wissenschaft und Wirtschaft, über Fehlentscheidungen am Anfang des letzten Jahrhundert bis zu den nicht so angenehmen Aussichten, den Fragen der Umweltzerstörung und der Vernichtung ganzer Arten von Tieren und Pflanzen, es zeigt genauer den vom Menschen verursachten Schwund des Regenwaldes und was er bedeutet. Der nur deshalb verschwinden muss, damit das Fleisch beim Discounter billig bleibt und die Gewinne der daran teilhabenden Unternehmen hoch. Also ein durch und durch pessimistisches Buch? Nein, denn es kommen Alternativen zur Sprache. Hat ja ein Physiker geschrieben, kein abgewrackter Politiker. Weiterlesen

Richard David Precht: Tiere denken

Richard David Precht: Tiere denken

Mein in den letzten Jahre schwindender Optimismus, was den Zustand der Welt angeht, ist durch dieses Buch nicht mehr geworden. Im Gegenteil, in gewisser Weise bestärkt es mich in dem Glauben, dass die Menschheit nicht mehr bei Trost ist. Am Ende nicht mehr zu retten. Wenn man dann eher zufällig noch in WDR5 einen Beitrag zum Artensterben hört, bestätigt es Precht zusätzlich.

Richard David Precht, unser Sofa-Philosoph, der zu allem etwas zu sagen hat (Biografie hier, wer sie noch braucht), holt in seinem Buch Tiere denken weit aus. Es geht darum, wie das Verhältnis des Menschen zum Tier denn nun ist, von der Menschheitsgeschichte über die Weltreligionen bis in die aktuelle Zeit. Das ist ein dickes Brett, das sich Precht hier vornimmt, so vielschichtig es ist, so unterschiedlich man das Thema angehen kann, so subjektiv und emotional unser Verständnis zu Tieren nun mal ist. Damit wird das Buch ein Parforceritt durch die zeitgenössische und historische Philosophie, durch Fragen der Moral und Ethik, durch die konfuse Sicht von Gesetzen bis hin zur heutigen Realität, in der Tiere umso mehr geschätzt und geschützt werden sollen, je weiter sich der Mensch von der Natur entfernt. Ein Buch, das nur Richard David Precht so schreiben konnte.

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Uwe Schulz: Nur noch eine Tür

Uwe Schulz: Nur noch eine Tür

Lange genug habe ich Bögen um dieses Buch gemacht. Dabei ist der Autor eine meiner liebsten Stimmen im WDR. Uwe Schulz, Journalist, Autor, Moderator, Trainer, seit 1993 war er bei Eins Live, dem WDR-Fernsehen, WDR 2 und in der WM-Redaktion 2006 des ARD-Hörfunks beschäftigt. Aktuell hört man ihn oft in WDR 5, vom Morgenecho über Alles in Butter bis zur Medienschelte in Töne, Texte, Bilder. Eine Zeit lang war er stellvertretender Studioleiter in Bielefeld und hatte eine Korrespondenten-Vertretung im ARD-Studio in London. Sein Buch Nur noch eine Tür behandelt ein Thema, mit dem die Beschäftigung mit 30 noch leicht fällt, aber um so schwerer, wenn man wie ich die 60 schon länger hinter sich gelassen hat. Dabei ist es weder eine philosophische, noch eine wissenschaftliche, noch eine theoretische Betrachtung. Es ist eine Art Reflektion über diesen letzten Weg, diese letzte Tür, durch die wir alle irgendwann gehen müssen. Uwe Schulz leuchtet aus, was der Tod in unserem Alltag bedeutet, mit Menschen, bei denen eben diese letzte Tür zum Alltag oder sogar zu ihrem Beruf gehört. Oder die selbst das Ende ihres irdischen Daseins vor Augen haben. Denn mal mutig ans Werk. Spoileralarm: es lohnt sich.

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Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt

Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt

Was zeichnet ein gutes Buch aus? Dass man nach dem letzten Zuklappen erst einmal einen Moment nachdenken muss. Also muss dieses Buch ein gutes Buch sein. Von Abdel-Samad hatte ich vor einiger Zeit schon ein Buch über Mohamed gelesen, daher hier nur eine Kurzbiografie: deutsch-ägyptischer Politikwissenschaftler und Publizist, als Student war er Mitglied der radikal-islamischen Muslimbruderschaft, kam im Alter von 23 Jahren nach Deutschland. Studierte Englisch und Französisch in Kairo, arbeitete als Wissenschaftler in Erfurt und Braunschweig sowie in Japan, wo er sich für Shintoismus und Buddhismus interessierte. Während er in seinem Buch über Mohamed mit dem Propheten abrechnet, daher auch mit dem Islam in seiner Gesamtheit, ist seine These in diesem Buch noch etwas steiler. Er behauptet, dass der Islam in nicht all zu ferner Zukunft verschwinden wird. Nicht wegen eines Angriffs von außen, er wird in sich zusammen brechen, durch eigene Schuld. Seine Belege dafür sind nicht nur frappierend, sondern leisten sich einen anderen Blick auf den Islam. Der dabei nicht gerade gut weg kommt.

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Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen

Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen

Es war wohl der Titel, der dieses Buch zusammen mit Sascha Lobos Buch in den Einkaufskorb wandern ließ. Namentlich war mir Doris Dörrie schon bekannt, als Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Sie ist aber auch Autorin, bisher hatte ich von ihr jedoch noch nichts gelesen. Den einzigen Film, den ich ihr zuordnen konnte, war Happy Birthday, Türke! Dabei ist ihre Liste an Buchveröffentlichungen und Filmen verdammt lang, wie ihr Wikipedia-Eintrag zeigt. Noch viel mehr als der Buchtitel selbst sprach mich der Untertitel an: Eine Einladung zum Schreiben. Also wohl so etwas wie das wesentlich dickere Buch von Roberta Allan. Tatsächlich ist es das, eine Einladung und auch Anleitung zum Schreiben, genauer zum autobiografischen Schreiben. Dass der schiere Umfang eines Buches nichts über die Qualität oder Alltagstauglichkeit des Inhaltes sagt, ist klar. Tatsächlich geht Dörrie einen anderen Weg als Allan. Nicht unbedingt schlechter, aber anders.

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Sascha Lobo: Realitätsschock

Sascha Lobo: Realitätsschock

Ich war ein wenig überrascht, als dieses Buch von Sascha Lobo angekündigt wurde. Bisher kannte ich ihn nur als Blogger und Journalist. In der Hauptsache als Wissenden in Sachen Internet, vermischter Realität und digitalen Technologien, mit Schwerpunkt auf die Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung. Er war es auch, der angesichts der globalen Überwachungs- und Spionageaffäre rund um die NSA feststellte: „Das Internet ist kaputt!“ Seine Kolumne Die Mensch-Maschine mit Stellungnahmen zu Kommentaren der Leser in SPIEGEL Online gehört schon lange zu meinen regelmäßig gehörten Podcasts. Lobo verfügt nicht nur über ein sehr detailliertes Wissen rund um digitale Technologien, sondern hat dazu ein gewissen Händchen, die Entwicklungen und Konsequenzen daraus politisch und gesellschaftlich zu interpretieren. Daher ahnte ich so ungefähr, worum es in dem Buch gehen würde. Ich wurde nicht enttäuscht.

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Eigentlich ist im Moment Sascha Lobo Realitätsschock dran, was sich schon sehr gut anlässt. Dann höre ich gerade auf der Fahrt nach Essen meine Podcasts von WDR5 durch, und wer spricht da? Die Autorin des nächsten Buches, Doris Dörrie. Über genau das Buch, das ich hier liegen habe. Aber nicht nur. Nette Sendung mit Sabine Brandi.

Redezeit – Neugier genügt im WDR5

Zwei Bücher hatte ich mir für den Oktober vorgenommen, neben den üblichen Standards wie TAZ und die Publikationen der Max-Planck-Gesellschaft, dem Wathlinger Boten und Psychologie Heute, Spiegel, National Trust Magazine … dazu zwei Bücher aus dem Oktober. Eins von Michael Schmidt Salomon, und von Steven Levitsky/Daniel Ziblatt. Die leider nicht so recht überzeugten.

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Peter Maxwill: Die Reise zum Riss

Peter Maxwill: Die Reise zum Riss

Es ist kein Buch, das Erkenntnisse übermitteln will, es ist auch keine Analyse. Eher beschreibt es den aktuellen Zustand in Deutschland, für den oft der Begriff des Risses verwendet wird. Peter Maxwill ist Jahrgang 1987, Rheinländer und Zeithistoriker. Studierte in Münster, Hamburg und Rom, absolvierte parallel die Journalistenausbildung am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München. Arbeitete zwischen 2004 und 2014 als freier Journalist – unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, den WDR sowie die Nachrichtenagenturen dpa, KNA und Associated Press. Ab Januar 2015 Volontär bei SPIEGEL ONLINE, seit März 2016 Redakteur. Er berichtet in einzelnen Kapiteln von seinen Reisen in Deutschland, im Osten wie im Westen, von Gesprächen mit Menschen, auch von den Versuchen, die beiden Seiten des politischen Spektrums an einen Tisch zu setzen. Es ist ein Buch mit Geschichten eines Landes, das vielfach gespalten erscheint und in dem oft von einer Identitätskrise die Rede ist. Es sind Erzählungen, in denen es um Rechtsterrorismus und Islamismus, den Zusammenhalt in Gemeinschaften, Priester, Lehrer, Lokalpolitiker, Teenager und Dorfbewohner geht. Aber auch um Heimat oder Globalisierung. Was kann eine solche Beschreibung liefern, die wir doch meinen, gut genug zu kennen?

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Ahmad Mansour: Generation Allah

Ahmad Mansour: Generation Allah

Inzwischen habe ich so einige Bücher durch, die sich entweder mit dem Islam als solchem oder den soziologischen und politischen Einflüssen auf unsere Gesellschaft beschäftigen. Die meisten dieser Bücher gehen die Themen wissenschaftlich oder zumindest analytisch an. Ahmad Mansour dagegen ist ein Mann der Praxis. Der 39-jährige arabische Israeli, wie er sich selbst nennt, ist seit 2004 in Deutschland und hat seit 2017 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er wurde in wenigen Jahren zum wichtigen Ansprechpartner rund um die salafistische und islamistische Jugendszene in Deutschland. Aktuell engagiert er sich in leitender Funktion im Berliner Anti-Gewalt-Projekt Heroes, das sich unter anderem gegen patriarchale Familienstrukturen und religiös aufgeladene Frauenverachtung engagiert. Von 2012 bis 2014 war Ahmad Mansour Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Rein beruflich ist er Psychologe und Autor. Qualifiziert ist er nicht nur deshalb, sondern auch durch seine eigene Historie, er war in Israel Mitglied der Muslimbrüderschaft und einmal selbst auf dem Weg in die Radikalisierung. Dann wählte er einen anderen Weg, zum Glück. Sein Buch Generation Allah ist kein wissenschaftliches Werk, sondern mehr Erfahrungsbericht aus seiner Praxis. Aber kommt er auch zu machbaren, wirksamen und realistischen Vorschlägen, wie man Jugendliche vom Weg in den Salafismus und Islamismus abbringt?

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