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Das Thema treibt mich mittlerweile in den Wahnsinn. Wie mische ich eine Sendung so ab, dass Sprache und Musik subjektiv gleich laut klingen, so dass die Sprache verständlich bleibt, man aber bei der nächsten Musik nicht gleich wieder einen Sprint ans Radio einlegen muss? Bisher bin ich das Thema weitgehend experimentell angegangen, war aber mit den Ergebnissen nicht immer wirklich zufrieden. Für mich war die Reproduzierbarkeit wichtig, damit ich nicht bei jedem neuen Beitrag wieder ans Ausprobieren komme. Die Antwort war naheliegend, aber nicht bewusst.

Mal die Profis fragen

Es gibt tatsächlich von den verschiedenen Sendern Vorgaben, wie Sendungen in meinem Sinne zu produzieren sind. Ist zum Beispiel bei ARTE oder beim IRT für ARD und ZDF zu finden. Darin ist auch der Zielwert für Fernsehsendungen zu finden, dass die mittlere Lautheit -23 LUFS nicht überschreiten soll. Erst an eher versteckter Stelle finden sich auch Richtwerte fürs Radio. Daraus lässt sich destillieren, wie diese mittlere Lautstärke in Radiosendungen erfüllt wird, nämlich als Zielwert -15 LUFS. Dieser Wert schwankt für die verschiedenen Formate, bei 1LIVE mit jungem Publikum ist das eher -13 LUFS, bei klassischem Material gegen -18 LUFS. Das wären die Zielwerte, aber es sagt noch nichts über das ausgewogene Verhältnis zwischen Musik und Moderation aus. Oder doch?

In der Praxis ist kein Unterschied

Bleibt man bei den schon zur Verfügung stehenden Tools in Adobe Audition, liegt die Antwort nahe: Sprache und Musik bekommen den gleichen LUFS-Wert, und siehe da, dann klappt das auch im Verhältnis Moderation und Musik. Audition hat ja schon ein brauchbares Tool in den letzten Versionen an Board, mit dem man den LUFS-Wert von Quellen ermitteln und justieren kann. Zu finden über das Menu Fenster | Lautstärke-Anpassung. Zieht man Dateien in dieses Fenster, kann man den ITU-Wert setzen lassen. Macht man das nun einmal für Musik und einmal für Sprache, stellt sich heraus, dass trotz unterschiedlicher Pegelanzeigen im VU-Meter und unterschiedlicher Ausdehnung in den Spuren die Sprache genau so laut ist, wenn beide Quellen auf -15 LUFS gesetzt werden. Damit kommt eine alte Faustregel der Toningenieure wieder ins Spiel. Nach der soll die Musik -3 dB unter der Moderation liegen. Das ist bei gleichem LUFS-Wert nicht ganz der Fall, kommt dem aber nahe.

Damit habe ich einen Workflow, der gut automatisiert verwendet werden kann. Die Moderation egalisiere ich mit Normalisierung und Hardlimiter, wie hier beschrieben. Nicht wegen der Lautheit, sondern um Spitzen und Schwankungen in der Stimme zu beseitigen, lasse sie dann mit dem Zielwert -6 dB als Spitzenwert stehen. Danach kommt die Lautstärke-Anpassung zum Einsatz, Musik auf -15 LUFS, Sprache auf -15 LUFS. Und siehe da, so funktioniert es dann ziemlich zuverlässig.

Was ist mit dem Bett?

Gemeint ist natürlich das Musikbett, das unter einer Moderation liegt. Auch dazu finden sich in den Richtlinien von ARTE oder ARD Antworten, wiederum an versteckter Stelle. Da funktioniert die Vorgabe zwischen fremdem Interviewtext und der Übersetzung ins Deutsche ganz gut. ARTE gibt folgenden Bereich vor:

Entsprechend den Festlegungen in 3.3.1.5.1 Short-term Messung gemessene Abweichungen der Lautheit sind wie folgt zulässig:
– Programme einer Länge über 2’00: Gespräch: ± 7 LU, gemessen auf Basis der „Short-term Loudness“ bezogen auf den Lautheits-Zielwert.
Lautheitsbereich (LRA Loudness Range): Der LRA-Wert darf höchstens 20 LU (siehe EBU Tech 3342) betragen.
Empfehlung für den Herstellungsprozess: In der Praxis ist es empfehlenswert, zur Vermeidung eines übermäßig „dichten“ Abhöreindrucks den LRA-Wert zwischen 5 und 15 LU zu halten.

Heißt in Deutsch: zwischen Musikbett und Moderation sollen mindestens etwa 5 dB und maximal 15 dB Abstand liegen. 10 dB sind ein guter Mittelwert. Wird die Moderation also auf einen Maximalpegel von -6 dB gelegt, sollte das Musikbett bei -16 dB landen. Hängt ein bisschen vom Material ab, ob es ruhige Klaviermusik ist oder heftiger Synthesizer-Sound. Denn diese beiden Quellen haben sehr unterschiedliche Lautheitswerte.

Quellen

Einheitliche Lautheit im Radion (RBB)

Die Richtlinie R128 verstehen und anwenden (sae)

Aussteuerung Sprache/Musik (BR)

Funkspotmischung/Sounddesign (Schellenberger)

Technische Richtlinie (ARTE)

Eigentlich ist im Moment Sascha Lobo Realitätsschock dran, was sich schon sehr gut anlässt. Dann höre ich gerade auf der Fahrt nach Essen meine Podcasts von WDR5 durch, und wer spricht da? Die Autorin des nächsten Buches, Doris Dörrie. Über genau das Buch, das ich hier liegen habe. Aber nicht nur. Nette Sendung mit Sabine Brandi.

Redezeit – Neugier genügt im WDR5

Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Seit vielen Jahren höre ich, bedingt durch meine Autobahnfahrten,  im Mittel fünf bis sechs Stunden pro Woche Podcasts. Dank WDR5 und Deutschlandfunk, 4000 Hertz und Spiegel Online bin ich eher überversorgt und kann oft Themen erst einige Wochen nach Ausstrahlung abarbeiten. Manche Sendungen sind informativ und zugleich unterhaltend, wie Alles in Butter mit Helmut Gote, manche üben das Denken und den Verstand, wie Das Philosophische Radio mit Jürgen Wiebicke. Und doch lässt sich dann und wann ein Erkenntnisgewinn verbuchen. Bisher nicht sehr häufig war das beim Spiegel Online-Podcast Der Debatten-Podcast von Sascha Lobo der Fall. Bis dann eine Sendung in meinem Auto ans Laufen kam, die meinen Blick nicht nur auf Soziale Medien, sondern insgesamt auf unsere Gesellschaft nicht unbedingt verändert, aber erklärlicher gemacht hat. Das legt Lobo plausibel und verständlich auf, und das macht die Folge #81 seines Podcastes so bemerkenswert.

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Seit einigen Jahren produziere ich für einen Berliner Radiosender Kurzbeiträge für die Sendung Zeitzone, bisher nur Das historische Ereignis. Seit ein paar Monaten habe ich Die historische Person dazugenommen. Von der Recherche über das Texten bis zum Beitrag selbst, der wie üblich mit einem Jingle beginnt. Das historische Ereignis ist überschaubar, es geht um ein politisches, wissenschaftliches oder technisches Ereignis. Selten auch mal um eine Katastrophe oder etwas Kulturelles. Also etwas, was in einem begrenzten Zeitraum stattfand, mit meist wenigen Beteiligten. Da sind die Themen die Gründung der UNO, der Fall der Berliner Mauer oder die Erfindung des Backpulvers durch Dr. August Oetker. Schon nach einiger Zeit war ich mit meinen Resultaten recht zufrieden. Geschätzt habe ich inzwischen so 250 Beiträge zu diesem Thema produziert. Dann kam eben die historische Person dazu. Mit der historischen Person mache ich das nach dem gleichen Schema, war mein erster Gedanke. Schon im ersten Beitrag scheiterte ich genial, wenigstens nur für mich hörbar, im kleinen Kellerstudio und im Büro unter dem Dach.

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Über eine längere Zeit Sprachbeiträge zu produzieren, die immer die gleiche Aussteuerung und damit Mixqualität liefern, ist oft eine Frage des Materials. Zwar kann mit Nachbearbeitung in Adobe Audition einiges erreicht werden, aber das bedeutet immer Zeitverlust. Für mich wäre eine mögliche Lösung ein analoger Compressor vor dem Audiointerface gewesen, nur bekommt man solche Geräte heute nur noch für satt hoch drei- bis vierstellige Beträge, wie von Warm Audio. Mehr durch Zufall stieß ich beim Equipment-Lieferanten meiner Wahl auf eine angebliche Alternative. Einen Mikrofonvorverstärker plus Compressor plus Gate und noch einige Funktionen mehr in einem Gehäuse. Stammt von der amerikanischen Firma dbx, die gerne brauchbare Systeme für kleines Geld liefert. Also mal ausprobieren, was an den Preisungen des Herstellers Wahrheit und Dichtung ist.

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Ein gut gepflegter und informativer Blog über das Radio-Machen ist der von Sandra Müller, unter der leicht zu erinnernden URL radio-machen.de. Sehr hilfreich und anschaulich sind die Hörbeispiele, die über die Hauptnavigation oben zu erreichen sind. Manchmal etwas plakativ, aber schon wert, einmal auf seine eigenen Ergüsse gespiegelt zu werden.

Zumindestens sagt die Medienanalyse ma 2016 etwas ganz anderes.
Radioszene.de
Radioszene.de hat dazu einen passenden Artikel.

Eine Zeit lang habe ich gerne mit dem Rode NT1-A aufgenommen. Die eine Stärke des Kondensator-Großmembraners ist das fast nicht hörbare Rauschen. Die andere ist für die Aufnahme von Gesang die Fähigkeit, auch kleinste Nuancen und Feinheiten aufzulösen, für eine Sängerin wie Adele unverzichtbar, für einen Sprecher von Texten jedoch eher nervig. Denn diese Feinsinnigkeit des NT1-A bedeutet, dass auch kleinste Unsauberkeiten wie Lippengeräusche, Schmatzen, Zungengeräusche oder nur Geräusche von der Maus in der Aufnahme landen. Das nervte mich. So holte ich wieder mein Rode Procaster aus dem Koffer, stöpselte den geliebten Triton FetHead davor und erfreute mich des warmen, angenehmen Klanges dieses mächtigen Großmembraners der dynamischen Bauweise. Keine Schmatzer mehr, keine Lippengeräusche, ein sonorer Klang, der trotzdem nicht auf Feinheiten in der Stimme und Artikulation verzichtet. Aber oh weh, da war es wieder. Wenn man sich keinen Channel Strip (also einen Mikrofon-Vorverstärker) der 2000 Euro-Klasse leisten kann oder will, ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: das Rauschen vom Mikrofon selbst und vom Vorverstärker. Denn aufgrund physikalischer Gegebenheiten rauscht gerade ein dynamisches Mikro eben. Der Kondensator hat da prinzipbedingt die Nase vorn. Also entweder es rauschen lassen, oder … sich etwas detaillierter mit den Rauschreduzierungen in Adobe Audition auseinander setzen. Gesagt, getan. Die Zeit kostet das Erforschen, wie es geht. Hat man das getan, ist das weitgehende Ausschalten des Rauschens nur eine Sache weniger Clicks.

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micscreen

micscreen

Normalerweise habe ich in Niedersachsen mein Kellerstudio, perfekt gedämmt, den PC am anderen Ende des Raumes mit Absorbern akustisch abgetrennt, nur Monitor und Maus auf dem Aufnahmetisch. Gelegentlich möchte ich gerne auch in meiner Behausung in Ostwestfalen kurze Texte einsprechen, manchmal nur wenige Minuten lang. Doch selbst das Schlafzimmer mit Bett und Wandbehang ist zu hallig, wenn auch ruhig. Was tun? In solchen Fällen kann ein Micscreen wie von Thomann helfen.  Hier fängt das Angebot bei knapp unter 50 Euros an, nach oben hin fast offen. Für mich wesentlicher war, dass ich bei nur gelegentlicher Nutzung den Micscreen auch verstauen muss. Und jedes Mal erst in den Keller zu laufen, macht die Sache nicht einfacher. Das muss doch anders, billiger und einfacher gehen. Tut es auch.

Man nehme:

  • Zwei Platten Dämmschaumstoff, billig und mit viel Auswahl beim Pyramidenkönig; Pyramiden dämpfen besser, Noppen sind flacher; ich habe 7 cm-Pyramiden genommen.
  • Zwei Hartschaumplatten 50 x 50 cm aus dem Baumarkt, alternativ auch Sperrholz (schwerer, aber stabiler). Weißer Hartschaum und weißer Schaumstoff sehen besser aus. Sonst das Sperrholz mit Spühfarbe bearbeiten.
  • Zwei kleine Möbelscharniere.
  • Klebstoff, klassisches Pattex für Platten und Scharniere,  oder Sekundenkleber bzw. alternativ Senkkopfschrauben und Muttern für die Scharniere.

Die beiden Platten mit den Scharnieren verbinden, dabei bei den Scharnieren darauf achten, dass die Platten nach hinten ganz zusammen geklappt werden können. Den Schaumstoff auf der Vorderseite der Platten aufkleben, an der Verbindungsseite etwas Abstand lassen. Geht, weil die Schaumstoffplatten nicht ganz 50 cm lang sind. Fertig. Materialaufwand unter 15 Euros, Arbeitszeit eine Viertelstunde. Leicht angewinkelt stehen die Platten auf jedem Tisch. Unbenutzt verschwindet der Billig-Micscreen unter dem Bett oder im Schrank. Zwar kann man mit solchen Mitteln kein Badezimmer in eine Sprecherkabine verwandeln, aber für den Aufwand sind die Ergebnisse ganz brauchbar. Man bekommt den eigentlichen Hall nicht heraus, jedoch werden die hohen Frequenzanteile im Hall reduziert. Vielleicht ordere ich doch mal einen größeren Schirm bei Thomann und vergleiche die Ergebnisse.

Schlafzimmerstudio – ohne Micscreen

Schlafzimmerstudio – mit Micscreen