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Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Seit vielen Jahren höre ich, bedingt durch meine Autobahnfahrten,  im Mittel fünf bis sechs Stunden pro Woche Podcasts. Dank WDR5 und Deutschlandfunk, 4000 Hertz und Spiegel Online bin ich eher überversorgt und kann oft Themen erst einige Wochen nach Ausstrahlung abarbeiten. Manche Sendungen sind informativ und zugleich unterhaltend, wie Alles in Butter mit Helmut Gote, manche üben das Denken und den Verstand, wie Das Philosophische Radio mit Jürgen Wiebicke. Und doch lässt sich dann und wann ein Erkenntnisgewinn verbuchen. Bisher nicht sehr häufig war das beim Spiegel Online-Podcast Der Debatten-Podcast von Sascha Lobo der Fall. Bis dann eine Sendung in meinem Auto ans Laufen kam, die meinen Blick nicht nur auf Soziale Medien, sondern insgesamt auf unsere Gesellschaft nicht unbedingt verändert, aber erklärlicher gemacht hat. Das legt Lobo plausibel und verständlich auf, und das macht die Folge #81 seines Podcastes so bemerkenswert.

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Seit einigen Jahren produziere ich für einen Berliner Radiosender Kurzbeiträge für die Sendung Zeitzone, bisher nur Das historische Ereignis. Seit ein paar Monaten habe ich Die historische Person dazugenommen. Von der Recherche über das Texten bis zum Beitrag selbst, der wie üblich mit einem Jingle beginnt. Das historische Ereignis ist überschaubar, es geht um ein politisches, wissenschaftliches oder technisches Ereignis. Selten auch mal um eine Katastrophe oder etwas Kulturelles. Also etwas, was in einem begrenzten Zeitraum stattfand, mit meist wenigen Beteiligten. Da sind die Themen die Gründung der UNO, der Fall der Berliner Mauer oder die Erfindung des Backpulvers durch Dr. August Oetker. Schon nach einiger Zeit war ich mit meinen Resultaten recht zufrieden. Geschätzt habe ich inzwischen so 250 Beiträge zu diesem Thema produziert. Dann kam eben die historische Person dazu. Mit der historischen Person mache ich das nach dem gleichen Schema, war mein erster Gedanke. Schon im ersten Beitrag scheiterte ich genial, wenigstens nur für mich hörbar, im kleinen Kellerstudio und im Büro unter dem Dach.

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Über eine längere Zeit Sprachbeiträge zu produzieren, die immer die gleiche Aussteuerung und damit Mixqualität liefern, ist oft eine Frage des Materials. Zwar kann mit Nachbearbeitung in Adobe Audition einiges erreicht werden, aber das bedeutet immer Zeitverlust. Für mich wäre eine mögliche Lösung ein analoger Compressor vor dem Audiointerface gewesen, nur bekommt man solche Geräte heute nur noch für satt hoch drei- bis vierstellige Beträge, wie von Warm Audio. Mehr durch Zufall stieß ich beim Equipment-Lieferanten meiner Wahl auf eine angebliche Alternative. Einen Mikrofonvorverstärker plus Compressor plus Gate und noch einige Funktionen mehr in einem Gehäuse. Stammt von der amerikanischen Firma dbx, die gerne brauchbare Systeme für kleines Geld liefert. Also mal ausprobieren, was an den Preisungen des Herstellers Wahrheit und Dichtung ist.

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Ein gut gepflegter und informativer Blog über das Radio-Machen ist der von Sandra Müller, unter der leicht zu erinnernden URL radio-machen.de. Sehr hilfreich und anschaulich sind die Hörbeispiele, die über die Hauptnavigation oben zu erreichen sind. Manchmal etwas plakativ, aber schon wert, einmal auf seine eigenen Ergüsse gespiegelt zu werden.

Zumindestens sagt die Medienanalyse ma 2016 etwas ganz anderes.
Radioszene.de
Radioszene.de hat dazu einen passenden Artikel.

Eine Zeit lang habe ich gerne mit dem Rode NT1-A aufgenommen. Die eine Stärke des Kondensator-Großmembraners ist das fast nicht hörbare Rauschen. Die andere ist für die Aufnahme von Gesang die Fähigkeit, auch kleinste Nuancen und Feinheiten aufzulösen, für eine Sängerin wie Adele unverzichtbar, für einen Sprecher von Texten jedoch eher nervig. Denn diese Feinsinnigkeit des NT1-A bedeutet, dass auch kleinste Unsauberkeiten wie Lippengeräusche, Schmatzen, Zungengeräusche oder nur Geräusche von der Maus in der Aufnahme landen. Das nervte mich. So holte ich wieder mein Rode Procaster aus dem Koffer, stöpselte den geliebten Triton FetHead davor und erfreute mich des warmen, angenehmen Klanges dieses mächtigen Großmembraners der dynamischen Bauweise. Keine Schmatzer mehr, keine Lippengeräusche, ein sonorer Klang, der trotzdem nicht auf Feinheiten in der Stimme und Artikulation verzichtet. Aber oh weh, da war es wieder. Wenn man sich keinen Channel Strip (also einen Mikrofon-Vorverstärker) der 2000 Euro-Klasse leisten kann oder will, ist es so sicher wie das Amen in der Kirche: das Rauschen vom Mikrofon selbst und vom Vorverstärker. Denn aufgrund physikalischer Gegebenheiten rauscht gerade ein dynamisches Mikro eben. Der Kondensator hat da prinzipbedingt die Nase vorn. Also entweder es rauschen lassen, oder … sich etwas detaillierter mit den Rauschreduzierungen in Adobe Audition auseinander setzen. Gesagt, getan. Die Zeit kostet das Erforschen, wie es geht. Hat man das getan, ist das weitgehende Ausschalten des Rauschens nur eine Sache weniger Clicks.

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micscreen

micscreen

Normalerweise habe ich in Niedersachsen mein Kellerstudio, perfekt gedämmt, den PC am anderen Ende des Raumes mit Absorbern akustisch abgetrennt, nur Monitor und Maus auf dem Aufnahmetisch. Gelegentlich möchte ich gerne auch in meiner Behausung in Ostwestfalen kurze Texte einsprechen, manchmal nur wenige Minuten lang. Doch selbst das Schlafzimmer mit Bett und Wandbehang ist zu hallig, wenn auch ruhig. Was tun? In solchen Fällen kann ein Micscreen wie von Thomann helfen.  Hier fängt das Angebot bei knapp unter 50 Euros an, nach oben hin fast offen. Für mich wesentlicher war, dass ich bei nur gelegentlicher Nutzung den Micscreen auch verstauen muss. Und jedes Mal erst in den Keller zu laufen, macht die Sache nicht einfacher. Das muss doch anders, billiger und einfacher gehen. Tut es auch.

Man nehme:

  • Zwei Platten Dämmschaumstoff, billig und mit viel Auswahl beim Pyramidenkönig; Pyramiden dämpfen besser, Noppen sind flacher; ich habe 7 cm-Pyramiden genommen.
  • Zwei Hartschaumplatten 50 x 50 cm aus dem Baumarkt, alternativ auch Sperrholz (schwerer, aber stabiler). Weißer Hartschaum und weißer Schaumstoff sehen besser aus. Sonst das Sperrholz mit Spühfarbe bearbeiten.
  • Zwei kleine Möbelscharniere.
  • Klebstoff, klassisches Pattex für Platten und Scharniere,  oder Sekundenkleber bzw. alternativ Senkkopfschrauben und Muttern für die Scharniere.

Die beiden Platten mit den Scharnieren verbinden, dabei bei den Scharnieren darauf achten, dass die Platten nach hinten ganz zusammen geklappt werden können. Den Schaumstoff auf der Vorderseite der Platten aufkleben, an der Verbindungsseite etwas Abstand lassen. Geht, weil die Schaumstoffplatten nicht ganz 50 cm lang sind. Fertig. Materialaufwand unter 15 Euros, Arbeitszeit eine Viertelstunde. Leicht angewinkelt stehen die Platten auf jedem Tisch. Unbenutzt verschwindet der Billig-Micscreen unter dem Bett oder im Schrank. Zwar kann man mit solchen Mitteln kein Badezimmer in eine Sprecherkabine verwandeln, aber für den Aufwand sind die Ergebnisse ganz brauchbar. Man bekommt den eigentlichen Hall nicht heraus, jedoch werden die hohen Frequenzanteile im Hall reduziert. Vielleicht ordere ich doch mal einen größeren Schirm bei Thomann und vergleiche die Ergebnisse.

Schlafzimmerstudio – ohne Micscreen

Schlafzimmerstudio – mit Micscreen

Scarlett Solo

Scarlett Solo

Das wäre genau das gewesen, was ich damals gesucht hatte. Die optimale Lösung für Podcasts und andere Produktionen, die nur ein Mikro brauchen. Nach dem Scarlett 2i2 mit zwei Mikro-Eingängen hat Focusrite nun das Scarlett Solo heraus gebracht. Das Scarlett 2i2 hatte ich schon früher beschrieben, und was die guten Dinge angeht, unterscheidet sich die kleine Schwester gar nicht. Gleiches stabiles Metallgehäuse, gleiche Elektronik, nur eben nur mit zwei Mono-Eingängen, einer für Mikrofone, einer für E-Instrumente oder Line-Signal. Einziger Kompromiss ist, dass die Ausgänge für das Line-Signal an einen Verstärker oder an Aktivboxen nicht mehr 6,25 mm-Klinken sind, sondern Cinch-Buchsen. Dafür ist das Gehäuse geschrumpft. Klangunterschiede gibt es gegenüber dem Scarlett 2i2 auch keine. Jedenfalls höre ich keine.

Die Bedienung des Scarlett Solo ist im Vergleich zum 2i2 reduziert. Es gibt nur einen Regler für den Ausgangspegele von Line-Out und Kopfhörer, wenigstens die Umschaltung zum direkten Mithören der Aufnahme statt über den Ausgang des PCs ist erhalten. Für direkte Aufnahmen beim Einsprechen aber auch unverzichtbar.

Was bleibt, in der ganzen Scarlett-Familie, ist die fehlende Eignung für dynamische Mikrofone, da fehlen einige dB Verstärkung. Man muss den Eingangspegel bis zum Anschlag aufziehen, so dass doch deutlich vernehmbares Rauschen auftritt. Außer eben mit dem Triton FETHead. Nettes Audiointerface, das problemlos in die Laptop-Tasche passt. Das Scarlett Solo ist die kleine Recordinglösung für den Podcaster oder Moderator. Was man braucht ist da, aber auch nicht mehr. Guter Klang, solide gebaut. Unter 100 Euro.

Ein Effekt statt drei

Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Aber besser man lernt, als immer bei den gleichen Dingen zu bleiben. Oder neben dem Neuen auch das Bessere zu entdecken. Oder wenigstens das Einfachere.

Effect-Rack CS6

Effect-Rack CS6

Bisher hatte ich zum Processing von Sprachaufnahmen in Adobe Audition CS6 (aktuell nun CC2015) ein Effekt-Rack benutzt. Das bestand aus einem De-Esser, einem EQ und einem Multiband-Compressor. Mit dem De-Esser nahm ich scharfe S-Laute heraus, mit dem EQ senkte ich rumpelnde Frequenzen unter 100 Hz heraus und hob für etwas Glanz den Bereich um 4 kHz an, der Multiband-Compressor sorgte für eine gleichmäßige Lautstärke. War auch so weit eine gute Lösung. Mir fehlte jedoch in den Ergebnissen so etwas wie eine Klarheit und Direktheit. Und mir erschien mit der Zeit der Klang etwas dumpf und undeutlich. Also begann ich zu forschen und stieß in einem amerikanischen Artikel auf einen anderen Ansatz.

Mastering in Audition CS6 und danach

Mastering-Effekt

Mastering-Effekt

Seit der Version CS6 kommt Audition mit einem umfangreichen Satz an Effekten daher, die für die üblichen Zwecke den Verzicht auf VSTi-Plugins möglich machen. Seit der Version CC könnten das eh nur noch 64 Bit-Plugins sein, was die Ausnahme ist. Einen Effekt hatte ich zwar gesehen, aber nicht gewusst, dass er auch ein gutes Tool für Sprachaufnahmen ist: der Mastering-Effekt.

Dazu wählt man im Effekt-Rack der entsprechenden Spur den Effekt „Special | Mastering“ aus und geht von den Standard-Einstellungen aus. Die wenigen Parameter für den Effekt haben jeweils umfangreiche Auswirkungen, weil hinter einem Parameter eine Reihe von Effekten steht.

Mastering

Mastering

Für meinen Geschmack haben sich diese Werte ergeben:

  • Reverb: Fügt einen festen Hall-Anteil dazu. Da ich sehr trocken aufnehme, füge ich 10% Hall dazu, für etwas mehr Raumgefühl.
  • Exciter: Ein Kern des Masterings. Ein Exciter ist eigentlich ein Compressor, jedoch mit sehr speziellen Einstellungen. Je höher der Wert, desto kerniger und lauter das Ergebnis. 80% sind ein starker Effekt, bei Frauenstimmen würde ich auf 50 bis 60% zurück gehen. Drei Arten des Exciters, Retro, Tape und Tube, fügen unterschiedliche Obertonreihen dazu und ahmen die Sättigung der klassischen analogen Signalwege nach.
  • Widener: Da die Stimme mono ist, hier ohne Einfluss, also 0%.
  • Loudness Maximizer: Das ist wieder ein klassischer Compressor. Der einzige Parameter steuert zugleich Ratio und alle anderen Parameter. 50% lassen weitgehend Natürlichkeit zu, aber bügeln leise Passagen gut aus.
  • Output Gain: Bei mir -3 dB, so dass ich am Ende bei meinen -6 dBFS lande.

Zusätzlich zur Kompression hat der Mastering-Effekt noch einen EQ an Board. Hier habe ich alle drei Bereiche aktiviert. „Low Shelf Enable“ senkt Rumpeln und Tischgeräusche herab, mit „High Shelf Enable“ wird der Glanz in den Höhen etwas heraus geputzt. Ansonsten kann man gut spielen, wie man seinen persönlichen Geschmack trifft, da man die Parameter beim Abspielen der Spur ändern und abhören kann. Diese Einstellungen speichert man als Preset für den Effekt ab und hat ihn dann jeder Zeit zur Verfügung.

Zum Vergleich Ausgangsmaterial mit und ohne Mastering. Beide Aufnahmen haben einen Sprachanteil, dessen Pegel laut VU-Meter um die -6 dBFS liegen. Trotzdem liegen die Ergebnisse weit auseinander.

Ohne Mastering

Mit Mastering