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Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse

Beispiele für das sogenannte Böse zu finden, ist fast noch am einfachsten. Hitler, Stalin, Mussolini, Kim Jong-un und der Iran. Das Gute? Mutter Theresa, Albert Einstein, und natürlich Willy Brandt nicht zu vergessen. Aber sind diese einfachen Antworten auf eine einfache Frage überhaupt logisch, schlüssig und valide? Bilder von Adolf Hitler mit seiner kleinen Nichte stellen das absolute Böse in Frage, die Berichte der Brandt-Söhne über ihr Elternhaus kratzen bald am Lack. Und überhaupt setzen wir quasi einen Willen voraus, dass Hitler sich vorgenommen hatte, eben ganz besonders böse zu sein. Auch Einstein hatte seine Ecken und Kanten. Nach welchen Gründen entscheiden denn wir überhaupt, Dinge zu tun oder zu lassen? Wir glauben in unserem Kulturkreis, und unter linksliberal ausgerichteten Menschen besonders, frei in unserem Willen zu sein. Wir glauben, zu jeder Zeit Entscheidungen treffen zu können zwischen Handlungsoptionen. Dabei legen wir Begriffe zugrunde, deren Bedeutung uns scheinbar klar ist, das Gute und das Böse, das Moralische und das Unmoralische, das Ethische und das Unethische. Michael Schmidt-Salomon räumt mit den Vorstellungen der Eindeutigkeit gründlich auf. Woraufhin man irgendwo in der Mitte des Buches fast die Übersicht verliert, was denn jetzt noch ein zuverlässiger Wegweiser für unsere Entscheidungen ist. Doch Schmidt-Salomon führt dabei nicht nur einen philosophischen Diskurs, sondern bindet ausgerechnet die Hirnforschung als wissenschaftliche Grundlage ein. Damit relativiert sich der philosophische Blick. So führt er uns zeitweise unangenehm vor Augen, auf welch wackeligem Fundament unsere ach so vernünftigen Überzeugungen ruhen. Zum Glück lässt er Leserin und Leser nicht im Unklaren. Am Ende jedenfalls nicht. Sondern schlägt Alternativen vor.

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Le Monde diplomatique: Großrbritannien

Le Monde diplomatique: Großbritannien

Nicht selten fragen mich Leute, was denn bloß da drüben in Großbritannien los sei. So wegen Brexit und überhaupt. Ich gelte halt als Großbritannien-Versteher. Einmal, weil ich dort längere Zeit gearbeitet und gewohnt habe, aber auch wegen meiner regelmäßigen Aufenthalte in Wales und England. Bisher war ich relativ ratlos, so ratlos wie bei Fragen nach AfD, Pegida und der Neuen Rechten. Denn rational erklären kann man da nichts. Weder beim Brexit noch bei der AfD. Das ändert sich seit einiger Zeit, nachdem ich nun das eine oder andere Buch, den einen oder anderen Artikel in TAZ, Spiegel oder SZ gelesen habe.  Vollends informiert fühle ich mich seit dem Studium der Edition Le Monde diplomatique. Und so langsam verstehe ich sogar den Brexit. Der mit der EU so wenig zu tun hat wie die AfD mit Demokratie. Trotzdem bleiben Wales und England my home from home. Weil sich – wie in Sachsen – manche Dinge niemals ändern werden.

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Michael Schmidt-Salomon: Die Grenzen der Toleranz

Michael Schmidt-Salomon: Die Grenzen der Toleranz

Nach dem Lesen seines Buches Keine Macht den Doofen war ich auf das nächste Buch im Stapel gespannt. Während Michael Schmidt-Salomon dieses vorherige Buch schon auf dem Cover deutlich als Streitschrift definiert, ist Die Grenzen der Toleranz ein philosophischer Diskurs. Schmidt-Salomons Grundfragen sind: Was ist überhaupt eine offene Gesellschaft und was grenzt sie von einer geschlossenen Gesellschaft ab? Wie war die historische und gesellschaftliche Entwicklung? Und: Wie begegnen wir aktuell der Situation, dass eine nicht unwesentliche Zahl von Menschen dringend wieder eine geschlossenen Gesellschaft fordert? Um es gleich vorweg zu nehmen, ist dieses Buch als philosophisches Werk keine Literatur für den Nachttisch oder für das Lesen so nebenbei. Waren die Doofen noch ein überschaubares Thema mit dem Hintergrund einer teilweise humorvollen Betrachtung, geht Schmidt-Salomon hier ins sozialphilosophische Detail. Flapsig formuliert holt er hier den wissenschaftlichen Hammer raus. Dass dabei keine staubtrockene und langweilige Fachliteratur heraus kommt, liegt an der vielschichtigen und sehr realitätsnahen Sichtweise auf ein sehr dringendes Thema. Dabei ist es Schmidt-Salomons Verdienst, eine scheinbar aktuelle Frage auf historische Entwicklungen zurück zu führen. Wobei dann verblüffende Tatsachen ans Licht kommen. Die Leseprobe deutet es an.

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Michael Schmidt-Salomon: Keine Macht den Doofen

Michael Schmidt-Salomon: Keine Macht den Doofen

Schaut man mit einigermaßen klarer Sicht auf den Irrsinn, der uns jeden Tag umgibt, kann man schon mal den Glauben an die Menschheit verlieren. Autofahrer auf der Autobahn, die sich zwischen Vollgas und Vollbremsung wechselnd auf der linken Spur vorwärts arbeiten, Prügeleien an der Supermarktkasse, Menschen, die voller Überzeugung behaupten, sie müssten jeden Tag Fleisch essen, das sei die Natur des Menschen. Neben diesem alltäglichen Blödsinn betrachtet Michael Schmidt-Salomon den noch weiter reichenden Irrsinn, der bis in die höchsten Ebenen der Politik und Wirtschaft gelebt wird, mit Entscheidungen, die jeder Vernunft widersprechen. Mit einer endlosen Litanei an Floskeln und hohlen Phrasen von Leuten mit höchster akademischer Bildung. Das ist denn auch die Aufgabe von Philosophen wie Dr. Schmidt-Salomon, freischaffender Philosoph und Schriftsteller, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. Auf seine Spur brachte mich ein Interview mit ihm in WDR5, Neugier genügt. Obwohl der Titel des Buches etwas arg plakativ ist, ist der Inhalt des Buches das, als was es Schmidt-Salomon bezeichnet, eben als Streitschrift. Und streiten kann man sehr wohl über seine These, der Homo Sapiens sei eher ein Homo Demens. Wer sich vom Inhalt provoziert fühlt, liest es trotzdem weiter. Weil an seinen Behauptung nämlich etwas dran ist. Oder sogar eine Menge.

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Aladin El-Mafaalani: Das Integrations-Paradox

Aladin El-Mafaalani: Das Integrations-Paradox

Die besten und treffendsten Bücher über Migration und Integration schreiben die,  die mit diesem Thema am meisten zu tun haben. Aladin El-Mafaalani ist eine Ruhrpott-Pflanze Jahrgang 1978. Studierte in Bochum Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft und Arbeitswissenschaft, war Lehrer am Berufskolleg in Ahlen, später Professor für Politikwissenschaft und politische Soziologie an der Fachhochschule Münster. Aktuell  arbeitet er im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf. Dass mir solche Bücher in der letzten Zeit vermehrt auf dem Tisch landen, liegt an der eigentlich spannenden und komplexen Natur der Fragen, die uns seit 2015 mehr denn je betreffen. Hat man einige Bücher zum Thema Integration durch, stellt man verwundert fest, dass alle Autoren dem Thema immer neue Aspekte und Betrachtungsweisen abgewinnen. So auch Aladin El-Mafaalani. Schon vorab bemerkt ein Buch, das ich allen empfehlen würde, die mit dem Thema Migration und Integration zu tun haben. Mehr noch allen, die irgendwo mit Minderheiten umgehen und das Konfliktpotential kennenlernen möchten, das aus Integration erwächst. Denn so paradox der Untertitel zuerst scheinen mag, beweist El-Mafaalani sehr schlüssig, dass uns die wirkliche Integrationsleistung noch bevorsteht. Nicht nur mit Migranten und Flüchtlingen.

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Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Sascha Lobo: Der Debatten-Podcast

Seit vielen Jahren höre ich, bedingt durch meine Autobahnfahrten,  im Mittel fünf bis sechs Stunden pro Woche Podcasts. Dank WDR5 und Deutschlandfunk, 4000 Hertz und Spiegel Online bin ich eher überversorgt und kann oft Themen erst einige Wochen nach Ausstrahlung abarbeiten. Manche Sendungen sind informativ und zugleich unterhaltend, wie Alles in Butter mit Helmut Gote, manche üben das Denken und den Verstand, wie Das Philosophische Radio mit Jürgen Wiebicke. Und doch lässt sich dann und wann ein Erkenntnisgewinn verbuchen. Bisher nicht sehr häufig war das beim Spiegel Online-Podcast Der Debatten-Podcast von Sascha Lobo der Fall. Bis dann eine Sendung in meinem Auto ans Laufen kam, die meinen Blick nicht nur auf Soziale Medien, sondern insgesamt auf unsere Gesellschaft nicht unbedingt verändert, aber erklärlicher gemacht hat. Das legt Lobo plausibel und verständlich auf, und das macht die Folge #81 seines Podcastes so bemerkenswert.

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Gegen falsche Toleranz und Panikmache

Über Integration von Migranten und Flüchtlingen reden viele. Für die Einen sind sie der Untergang des Abendlandes, die unsere Kultur bedrohen und den Sozialstaat aussaugen. Für Andere, wie es mal die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt formulierte, ein Geschenk des Himmels. Für Leute gerade aus dem linksliberalen Spektrum ein Heer von Opfern und Kuscheltieren. Dass beide Stereotypen nicht zutreffen, ist  logisch. Bleibt die Frage, wie man diese Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan hier heimisch machen kann, sie in die deutsche Gesellschaft integriert. Ahmad Mansour, deutsch-israelischer Psychologe und Autor mit arabischen Wurzeln, sollte die Antwort wissen müssen. Nur werden Einigen die Antworten nicht gefallen.

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Will man den Inhalt des Buches auf einen griffigen Satz reduzieren, ist es wohl dieser: Den Erfolg der AfD haben nicht die wirtschaftlich, sondern die kulturell Abgehängten bewirkt. Aber so einfach und plakativ lässt Michael Hartmann seine Leser nicht davonkommen. Davor zeigt er, wie sich nicht nur Deutschland, sondern auch Europa und die USA in den letzten zwanzig Jahren politisch, wirtschaftlich und kulturell entwickelt haben. Leicht macht er es sich und den Lesern nicht. Aber seine Analyse wird genau dadurch umso klarer und glaubwürdiger. Weil sie die betrifft, die tatsächlich in fast allen Bereichen das Sagen haben. Die Eliten.

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Vor drei Monaten habe ich mich weitgehend bei Facebook verabschiedet. Weitgehend deshalb, weil ich die Social Media-Kanäle des Unternehmens beackere, für das ich broterwebsmäßig unterwegs bin. Ein Résumé über die Zeit nach Facebook. Oder wenigstens der vorsichtige Versuch.

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Berge von The Lodge aus

Berge von The Lodge aus

Es waren nur zwei Wochen in England und Wales, aber hat sich wie vier Wochen angefühlt. Ist man jeden Tag unterwegs, mit immer neuen Eindrücken und Erlebnissen, vergeht die Zeit nicht in der Routine des Alltags. Gespannt war ich auch, ob es bei dieser Reise an zwei Orte, die Cotswold Hills in England und die Brecon Beacons in Südwales, so etwas wie einen Gewinner geben würde. Ob dieser eine Ort interessanter, spannender oder intensiver sein würde. Das Resultat hat mich etwas überrascht. Wie habe ich heute Morgen gedacht? Jetzt wieder in Broadway sein, oder wenigstens in Brecon.