Fallen Empires

Fallen Empires

1994 begannen vier junge Nordiren mit simplem Rock. 17 Jahre später haben sie 11 Millionen CDs verkauft und sind von den Playlists vieler Radiosender nicht mehr weg zu denken. Zu Recht.

Obwohl wenige Leute den Namen der Band kennen, ihre Songs kennt fast jeder, der auch nur gelegentlich Pop-lastige Sender wie  1Live, NJoy oder Radio21 hört. 1998 erschien ihr Debutalbum »Music for Polarbears«, bis zu »Final Straw« in 2003 wurden Snow Patrol der Sortierung Alternative Rock gerecht, eine am amerikanischen Grunge orientierte, raue und direkte Stilform.

In 2006, mit der Veröffentlichung von »Eyes Open«, der Wandel zum Status Quo, Melodik und Form aus dem Grunge, aber nun Sound und Arrangement aus der Pop-Musik. Vermutlich wurde diese Entwicklung  verursacht durch das Dazustoßen des Keyboarders Tom Simpson, aber auch durch die Rückkehr des Produzenten Jacknife Lee, Simpson ist für viele Songs verantwortlich, während die Texte weiter vom Sänger Gary Lightbody stammen. Songs wie »Shut Your Eyes«, »Chasing Cars« oder »You’re All I Have« sind von keiner Playlist moderner Formatsender mehr weg zu denken. Dieses Talent, Songs von gleichbleibender Güte quasi am Band zu produzieren, haben in der Tat wenige Bands. Eingängige Melodien mit komplexen Arrangements und einem großen Repertoire an Sounds und Stilformen, genau diese Linie setzt sich auf »Fallen Empires« fort.

Leichtfüßige Liebeslieder oder simple Balladen sind nichts für Snow Patrol. Vom Grunge ist die Ernsthaftigkeit geblieben, die Optimismus nicht ausschließt und Emotionen in den Vordergrund stellt. Keine simplen Pop-Songs für Aufzug oder Kaufhausberieselung, aber auch keine Musik, die nichts neben sich verträgt. Nicht umsonst holen sich Snow Patrol in den letzten Jahren Preise wie Best Irish Band oder Best British Group in Serie ab. Britischer Pop-Rock-Grunge vom Feinsten. Doch nie seelenlos oder oberflächlich.

Mit »Fallen Empires« wollten Snow Patrol im November 2011 ein weiteres Highlight setzen. Zum großen Teil gelingt das wie mit dem Titelstück »Fallen Empires« oder mit »This Isn’t Everything You Have«. Es ist großartige, klug gemachte und hervorragend produzierte Pop-Musik, hier sind sich Snow Patrol treu geblieben. Einziger Wermutstropfen ist, dass man die gleiche Sache nicht endlos abwandeln kann. Manche Songs klingen wie schon einmal gehört. Dann wieder taucht ein Song wie »The Garden Rules« auf, tatsächlich neu und erfrischend und ein Highlight des Albums.

Kennt man Snow Patrol von den früheren Alben, bringt »Fallen Empires« nicht so viel Neues wie »Eyes Open«, es ist kein Paradigmenwechsel mehr. Es ist das Weiterstricken bekannter Muster. An dieser Stelle könnte man etwas enttäuscht sein. Aber wegen der neuen Songs wird man auch als Snow Patrol-Kenner nicht um dieses Album herumkommen, doch Neues hören und Vertrautes schätzen. Wer gute, abwechselungsreiche Pop-Musik von Razorlight oder The Perishers mag und die Band noch nicht kennt, sollte spätestens mit dieser CD einen Einstieg wagen. An den Abwechselungsreichtum von »Up To Now« reicht »Fallen Empires« – leider – nicht heran.

Urteil: Dreieinhalb von fünf möglichen Schneeflocken.

 

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