Peter Gabriel: New Blood

Peter Gabriel: New Blood

Das Konzept ist alt, schon geradezu abgegriffen: bekannte Rock-Songs werden mit oder von Symphonieorchestern neu eingespielt. Damit haben schon Deep Purple in der Siebziger Jahren angefangen, EL&P sind gefolgt, Queen ebenso. Was ist bei Peter Gabriel anders? Nichts. Oder eben doch.

Nun war der frühere Genesis-Sänger und seit langer Zeit solo arbeitende Musiker schon immer für Überraschungen gut. Innovative Videos, faszinierende Live-Konzerte, das alles ohne Rockstar-Attitüden und -Skandale. Sein Studioalbum Up aus dem Jahre 2002 brachte Sounds, die man so noch nie gehört hatte. Gabriel hat die Fähigkeit, Weltmusik einzuarbeiten ohne dass es nach erzwungenem, gekünsteltem Multikulti klingt. Seine Texte, die zu einem nicht geringen Teil aus seiner Beschäftigung mit Psychoanalyse und -therapie stammen, waren manchmal Kleinodien und schon allein einer Interpretation wert. Innovation war Gabriels Thema, gelingt das auch mit dem New Blood Orchestra, das eigens für ihn zusammen gestellt wurde und mit dem er längere Zeit tourte?

Bedingt. Nun sind Gabriels Songs schon seit langer Zeit orchestral angelegt, und sie dann am Ende tatsächlich nur mit einem Orchester zu interpretieren, ist nicht so neu wie »Smoke On The Water« mit Streichern und Pauken. Es klingt nicht so wirklich anders, selbst neuere Songs, die in der bisherigen Version mit Synthklängen und mannigfaltigem Perkussion-Set aus dem Rahmen fielen, klingen hier nicht wirklich ungewohnt. Es ist ein wenig eine Falle, ein Hinterherlaufen hinter Trends, was Gabriel hier tut. Innovativ ist es nicht, ein Fortschritt auch nicht. Aber wo Gabriel drauf steht, ist wenigstens  auch Gabriel drin.

»Wallflower«, »In Your Eyes«, »Mercy Street«, selbst »Darkness« vom oben genannten Album »Up« sind tatsächlich wunderschöne Interpretationen. Es ist toll orchestriert, wenn man Orchestermusik und Gabriel mag, die perfekte Kombination. Für hartgesottene Gabriel-Fans ist das Album ein Muss. Für den Rest bringt es nichts Überraschendes, außer man kennt seine Stücke noch gar nicht. Schade, aber Gabriel scheint sich dieses Mal nicht an das Experiment wagen zu wollen. Oder zu dürfen, es riecht zu sehr nach Marketing-Hype als nach Gabrielscher Kreativität. Und doch ist da diese Gabriel-Atmosphäre, der ich mich schlecht entziehen kann. Vielleicht, weil seine Musik einfach schöne und zeitlose Musik ist. Und es ringt mir immer wieder Respekt ab, einen solchen Haufen großartiger Musiker zu bändigen, denn qualitativ ist das allererste Sahne. Und endlich bekommen die Bassisten mal die Position, die ihnen gebührt. 🙂

Vier von fünf möglichen Erythrozyten.

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