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Schreiben fürs Sprechen – Die zweite
Beim Hörer ankommen
Einer der größten Fehler, die ich am Anfang gemacht habe: mit der Tür ins Haus zu fallen. Direkt in medias res, sofort die volle Breitseite. Erst Stefan Wachtel hat mir mit seinen Büchern bessere Methoden an die Hand gegeben. Neben der Wortwahl, dem Sprachstil und den Formulierungen spielt auch die Struktur von Beiträgen eine wesentliche Rolle. Was mir am Anfang nicht wirklich bewusst war.
Einleiten, Abholen, Wecken
Stellen wir uns eine reale Situation vor. Der Hörer und die Hörerin (ich verwende am jetzt den Begriff Hörer für beide Geschlechter) sitzen beim Abendessen, spülen das Geschirr oder machen gerade sonst etwas. Nun kommt unser Beitrag im Radio. Es wäre zuviel verlangt, dass sofort alle Aufmerksamkeit uns gehört, unserem Beitrag, unserer „Message“. Wir müssen die beiden erst einmal abholen, müssen sie gedanklich an den Lautsprecher holen, Interesse wecken. Die Nachrichten haben es da besser, sie wollen gehört werden, ihnen gilt – in der Regel – eh das volle Interesse. Uns nicht.
Daher Wachtels Regel Nummer Eins: situieren, situieren, situieren. Wir müssen dem Hörer klar machen, dass hier etwas für ihn Interessantes kommt. Und sei es nur etwas Unterhaltendes. Dazu gehört das Situieren, das Einleiten in den Beitrag. Das kann eine Anekdote sein, eine Geschichte oder etwas Verwandtes aus dem Alltag. Der Kniff dabei ist, möglichst viele Menschen anzusprechen, Spezialisierungen sind nicht hilfreich. Mit dieser Einleitung fangen wir den Hörer ein.
Beispiel: das Historische Ereignis in der Zeitzone des Ohrfunks.
Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich Punkte in Flensburg? (Pause) Und wie viele? (Pause) Na, das geht ja noch. Punkte in Flensburg, den Begriff kennt wohl jeder Autofahrer. Heute nämlich, am so-und-so-vielten wurde im Kraftfahrtbundesamt in Flensburg das Allgemeine Verkehrregister eingerichtet …Persönlich werden, persönlich bleiben
Von Sendungen abgesehen, in denen es um Fakten geht, interessiert den Hörer nicht, was er eh schon weiß. Wenn ich über die Beatles spreche, brauche ich dem Hörer nicht zu erzählen, dass sie aus Liverpool kamen. Oder dass John Lennon der Bandgründer war, weil das mein Hörer wohl eh weiß. Eher sollte ich die Beatles aus meiner Sicht schildern, meine Erinnerungen, meine Positionen. Natürlich soll den Hörer das Thema interessieren, aber es sucht neue Aspekte, neue Sichten. Und die kann ich nur aus meiner eigenen Sicht angehen. Es sei denn, es sind Informationen, die wahrscheinlich eher unbekannt sind. Aber der wichtige Punkt ist, dass es meine Sicht, meine Perspektive ist. Und nicht die, die er auch in Wikipedia nachlesen kann.
Die Grenzen des Radios
Im Vergleich zu Fernsehen und Internet unterliegt das Radio einer großen Beschränkung. Wir können nur Töne übermitteln. Was bedeutet, dass wir Bilder nur in den Köpfen unserer Hörer realisieren können, indem wir sie rufen. Was man ausgiebig tun sollte, denn nur Bilder können Stimmungen und Situationen transportieren. Das kann sein, dass wir in der Anmoderation das Wetter draußen, die Atmosphäre im Studio oder die Fahrt zum Sender schildert. Oder dass man eben betont bildhafte Sprache einsetzt. Nicht allein abstrakte Begriffe und Fakten, sondern Bilder. Bilder erhöhen nicht nur die Verständlichkeit und vermitteln Atmosphären, sie machen Texte leichter fassbar. Statt 50%: jeder Zweite. Statt 120.000 Menschen: eine ganze Kleinstadt wie Paderborn. Statt 400 Milliarden Euro: fast soviel wie der Bundeshaushalt.
Struktur wahren
Jeder Beitrag braucht eine Struktur, der der Hörer folgen kann. Der Begriff des narrativen Stils trifft diese Forderung sehr gut, es geht nicht um das Aufzählen von Fakten, Daten und Ereignissen, die Elemente müssen an einem Zeit- oder Themenstrahl ausgerichtet sein. Nichts ist schlimmer, als zwischen den Punkten der Geschichte hin und her zu springen. Der Hörer wird dem nur schwerlich folgen können. Das kann man am besten in einer Grafik darstellen, zum Beispiel anhand eines Beitrages über den Finanzminister, die Steuern und den Bürgern.
Der Themenfluss des Beitrages sollte so linear wie möglich sein, damit der Hörer dem Verlauf folgen kann. Der linke Verlauf tut das eher weniger, er springt zwischen den Fokuspunkten hin und her, was den Hörer verwirrt. Der rechte Verlauf ist besser in der Lage, einen logischen und verfolgbaren Verlauf zu erzeugen. Die Geschichte mag dem Redakteur klipp und klar sein, der Hörer hat diesen Hintergrund nicht, er hat sich nicht mit den Inhalten so beschäftigt.
Narrativ bedeutet auch, dass der Beitrag in sich schlüssig ist, in den Fakten wie in den zeitlichen Zusammenhängen. Ständig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu wechseln, mag interessant aussehen, verständlich ist es nicht.
Ein weiterer Stolperstein ist der, dass man nicht alles Vorwissen beim Hörer voraus setzen kann. Sei es Politik, Wissenschaft oder Fremdwörter und Fachbegriffe. Häufungen von fremden Wörtern veranlassen den Hörer zum Abschalten. Manchmal reicht schon ein einziger Begriff.
Struktur des Beitrages ist ebenso wichtig wie Sprache und Formulierungen. Optimal wird es, wenn man das Thema in eine Geschichte verpacken kann, die mit den berühmten „anregenden Zusätzen“ versehen ist. Das, was den Beitrag interessant und für den Hörer lebensnah macht.
Den Hörer nicht allein zurück lassen
Genau so wichtig wie eine Situierung ist der Abschluss. Die ideale Form ist, im Abspann wieder den Faden des Anfangs aufzunehmen, sei es mit einem Fazit, mit einer Erkenntnis oder einem Witz. Die meiste Aufmerksamkeit beim Beitrag gilt dem Ende, dem Beginn und erst danach dem Inneren der Geschichte. Mit der Situierung hole ich den Hörer hinein, mit dem Abspann lasse ich ihn wieder los und teile ihm das auch mit. Es ist nicht günstig, wie bei den Hard News den harten Strich zu ziehen, Ende der Nachricht, die nächste bitte.
Stattdessen den Beitrag abschließen, ihn abrunden und dabei etwas zurück lassen, an das sich der Hörer vielleicht als Erstes erinnern wird, wenn er sich den Beitrag wieder ins Gedächtnis ruft. Situierung und Abschluss klammern die ganze Geschichte. So wie „Es war einmal …“ und „… lebten sie glücklich für den Rest ihres Lebens.“ ein Märchen klammert. Diese Struktur der Märchen ist nicht zufällig, sie hilft dem Hörer in der Orientierung und er weiß, dass der Beitrag nun zu Ende ist.
Im Grunde sind es wenige und einfache Regeln und Leitlinien, die einen Beitrag verträglich und griffig machen. Wer in das Thema Struktur und Ablauf im Radio noch tiefer einsteigen möchte, kann ich die Bücher von Stefan Wachtel nur wärmstens ans Herz legen.
Schreiben fürs Sprechen – die Dritte
Vorbereitung ist alles: Text-Layout
Sende-Skript
In der Tat ist es bei längeren und komplexen Themen und Texten sinnvoll, den Beitrag vorzuschreiben. Sinnvoll ist es nicht, ihn so zu schreiben wie sonstigen Text, also schön und optisch ansprechend, und mit optimalem Schrifteindruck. Denn das Ziel bei diesem Text ist es, den Text möglichst fehlerfrei und fließend lesen zu können. Der Text soll das Sprechen unterstützen. Dafür gibt es ein paar Stellschrauben, die werden in Büchern auch genannt. An einigen Stellen bin ich erst durch einen einzelnen amerikanischen Kollegen zurecht gekommen. Das Ganze in Listenform.
Bei einem Layout wie im Screenshot macht eine Seite ca. anderthalb Minuten gesprochenen Text.
Kleine und größere Helferlein
Buchständer
Ein Tisch-Bücherständer leistet gute Dienste beim Einsprechen im Sitzen. Mit etwas Geschick bekommt man sogar drei Seiten platziert. Mit einem solchen Ständer, ein Notenständer oder ein Klemmbrett hilft auch, hat man kein Papier in der Hand und raschelt nicht herum. Jedenfalls bleibt in meinen Händen kein Papier still. YMMV. Blattwechsel schneidet man später heraus oder nimmt in Etappen auf.
Mikrofon-Klemmen
Generell bin ich vom Einsprechen im Sitzen abgegangen. Obwohl es etwas mystisch erscheint, es macht einen großen Unterschied, ob man beim Sprechen sitzt oder steht. Die Atmung verändert sich, im Stehen hat man die Hände frei, kann etwas agieren, die Sprache ist freier. Nimmt man vorwiegend oder nur im eigenen Wohnraum ein, ist ein Orchesterpult optimal. Auf diesem steht das Manuskript, an den oberen Rand kommt eine Klemme für das Mikro. An dieser Klemme findet dann noch gleich der Pop-Schutz Halt. Beide Klemmen stammen von K&M, die große Version hat noch den Vorteil, dass sie fast beliebig positioniert werden kann. Erhältlich beim Musikhändler des Vertrauens oder bei Thomann. Hier die einfache und hier die große Klemme.
Holzpult
Soll es optisch etwas wohnlicher sein, sind die Notenpulte aus Holz von Thomann eine gute Wahl. Nicht ein Muster an Belastbarkeit, aber eher im Wohnbereich akzeptabler. So kommt man an ein Pult, an dem auch gleich das Mikro befestigt werden kann, und das Einsprechen im Stehen klappt.
Telefon-Interviews – kurz und bündig
Der Vorteil von Telefon-Interviews ist offensichtlich: keine Reisen, sie werden quasi automatisch kürzer und kompakter als das Gespräch am Kamin. Um solche Interviews mitzuschneiden, verwenden die Großen, also professionelle Sender, ziemlich teures und aufwändiges Equipment. Was sich in der Klangqualität solcher Interviews auch bemerkbar macht. Für den Hausgebrauch und den Gelegenheits-Interviewer keine Geschichte. Das muss etwas billiger gehen, geht es auch.
Hat man noch ein gutes altes schnurgebundenes Telefon, sind tatsächlich einfache Hardware-Lösungen zu kaufen. Ein Adapter wird zwischen Telefon und Hörer geschaltet, ein Klinkenstecker liefert das abgegriffene Gespräch an einen beliebigen Recorder. Nachteil: die Stimme des präsenten Interviewers ist nicht besonders klangvoll, denn das Mikro ist ja nun das des Telefons. Und wer hat noch ein schnurgebundenes Telefon? Also eine andere Lösung.
Diese hier kommt mit überschaubarem Aufwand an Hardware aus, wobei einige Komponenten meistens schon vorhanden sind. Oder für eine eher kleine Mark anzuschaffen.
Die Verbindung der einzelnen Komponenten ist nicht kompliziert.
Interview-Hardware
Das Behringer-Pültchen hat den Vorteil, dass es direkt vom PC über USB stromversorgt ist und auch mit fast allen Softphones funktioniert. Andere Pulte, wie ein Xenys 1204 USB, wurden vom Softphone nicht als Mikro-Eingang akzeptiert. Und das 302 kann auch Kondensator-Mikros mit Phantomspeisung versorgen, ohne externes Netzteil. Eh man das Gebastel anfängt, sind die 49 Euro Investition sinnvoll.
Für die Konfiguration des Softphones sollte man die Hilfetexte in Anspruch nehmen. Kandidaten sind 3CX Phone oder NinjaLite. Wer seinen Telefonanschluss von 1&1 hat, ist gut dran. Im Benutzerportal bei 1&1 gibt es ein kostenloses Softphone zum Herunterladen, das zwar optisch grauenvoll ist, aber gut funktioniert und dazu mit der eingegebenen Telefonnummer sich selbst konfiguriert. Absolut narrensicher. Wenn man nicht vergisst, im Kundenportal für seine benutzte Telefonnummer ein Passwort einzutragen. Ansonsten reicht zur Installation seine Telefonnummer und eben das gesetzte Passowort.
Ist das Softphone installiert, ist man so gut wie fertig. Für die obige Konfiguration noch ein paar Hinweise:
Die ganze Konfiguration ist eher einfach und nicht schwierig zu handhaben. Was einen nicht davon abhalten sollte, das Interview inhaltlich gut vorzubereiten.
Ein XLR-Stecker? Nein, ein Preamp …
Røde Procaster
Zuerst habe ich Moderationen über das Großmembran-Kondensatormikro Røde NT-1A eingesprochen. Das hat die Vorteile eines warmen, detailreichen Klanges, aber den Nachteil einer hohen Empfindlichkeit. So dass jedes noch so winzige Geräusch, sei es ein knarrender Schuh oder ein Magenbrummeln, sehr deutlich mitgenommen wird. Dann bin ich auf das Røde Procaster umgestiegen, das nun hat die Vorteile eines guten Klanges für Sprecher und einer geringeren Empfindlichkeit für Nebengeräusche. Der Nachteil des dynamischen Procasters ist, dass es bauartbedingt eine nur sehr niedrige Ausgangsspannung liefert. Wie alle dynamischen Mikros, von Bändchenmikros ganz zu schweigen. Alle Versuche, mehr Gain ohne deutliches Rauschen zu bekommen, scheiterten. Auch der ART Tube MP oder ein selbst gebauter Preamp mussten so weit aufgezogen werden, dass das Rauschen nicht mehr akzeptabel war. Einen Preamp im vierstelligen Euro-Bereich, mit geringem Eigenrauschen, wollte ich mir nicht leisten. Ein vor das Procaster geschalteter 1:4-Übertrager nicht billiger Herkunft zog zwar den Pegel in das Pult hoch, machte jedoch auch dem Klang den Garaus. Erst wollte ich damit leben, dann wieder das Procaster in die Musiker-Kleinanzeigen schicken, bis mir zufällig in einem Video in You Tube der Triton Audio FetHead über den Weg lief.
Triton Audio FetHead
Ein wenig habe ich das Video für einen Marketing-Hype gehalten, aber für unter 80 Euro kann man ja mal einen Fehler machen. Nach wenigen Tagen Lieferzeit ist der FetHead heute aus den Niederlanden angekommen, Bedankt, Erwin. Ab ins Studio, etwas feixend, dass die Kollegen von Triton Audio dann doch am Ende zu viel versprochen haben, ging der FetHead heute online. Er wird einfach zwischen Mikro und Pult geschaltet, es gibt keine Bedienungselemente, sieht aus wie ein zu lang geratener XLR-Stecker. Vollmetall, schwer, stabil, wohl zuverlässig. Stromversorgung geschieht über Phantom Power. Dafür soll er gut 20 dB Gain liefern, abhängig von der Eingangsimpedanz des Pultes. Und das tut er bestens. Ich habe es nicht beweisen können, aber es scheint so, dass das verbleibende Rauschen vom Mikro selbst kommt, denn ohne angestecktes Mikro kommt erst Rauschen vom Preamp im Pult bei hohem Gain. Der FetHead ist absolut still, verstärkt den Pegel des Procasters so weit, dass der Gain-Regler meines Behringer 1204 nicht einmal halb aufgezogen werden muss. Es ist nicht null Rauschen wie beim NT-1A, aber das bisschen Rauschen ist mehr als akzeptabel. Das Procaster darf bleiben. Nein, das Procaster wird ab jetzt das Standard-Mikro.
Als wenn es damit nicht genug wäre, verändert der FetHead zusätzlich im positiven Sinne den Klang des Mikros. Es klingt einen Tucken wärmer, definierter und voluminöser. Ich vermute, dass die höhere Eingangsimpedanz des FetHead – im Vergleich zum Pult – die Spule des Procasters weniger bedämpft und dadurch der Klang besser wird. Mehr Gain, mehr Sound, und das für unter 80 Euro. Eines der wenigen Beispiele, dass ein Produkt nicht nur hält, was versprochen wird, sondern im Grunde mit seiner Rauscharmut viel teurere Preamps degradiert.
Neben der Standardversion gibt es noch den FetHead BC (für Broadcast) für harte Umgebungsbedingungen, der in die Mikroleitung eingeschleift wird, einen konstanten Gain hat und den man wohl mit einem Panzer überfahren darf. Dann ist da noch eine Variante, die die Phantomspeisung durchschleift, das macht der FetHead nicht und schützt so das dynamische Mikro. Noch eine andere Version nimmt als Eingang einen 6,3 mm-Klinkenstecker auf und ermöglicht den Anschluss von E-Instrumenten an ein Pult ohne Höhenverluste. Nette kleine Helferlein, die in dieser Firma zu finden sind.
Dann drücke ich dem noch recht jungen Unternehmen in unserem Nachbarland alle verfügbaren Daumen. Der FetHead ist ein Produkt, das den Preamp-Markt so aufmischen könnte wie damals Behringer den Mischpult-Markt. Hohe Qualität zu einem unglaublich niedrigem Preis.
Nachtrag: ich habe heute mal mein gutes altes SM57 über den FetHead angeschlossen. Kaum zu glauben, wie gut ein solches Standard-Mikro klingen kann. Wenn man ausreichend Abstand zum Mikro behält, wegen des Nahbesprechungseffektes, kann sogar ein SM57 verdammt gut klingen.
Isch ‚abe fettisch
Artikel über LEDs
So sei es, nun darf ich mich also Fachjournalist nennen. War eine Menge Arbeit, aber auch ein Lernschritt.
Meine Abschlussarbeit als PDF, weitgehend bilderfrei, im Gegensatz zum Original. Es geht um LED-Technologie, also eher so etwas wie ein Heimspiel.
Back to the roots
Der Generationenwechsel, sinkende Renten, der Mangel an Fachkräften, all das sind Zeichen einer Veränderung in unserer Gesellschaft. Doch eine Veränderung bleibt bisher unbeachtet: die Folgen des soziologischen Wandels in den späten 60er und frühen 70er Jahren. Die Menschen, die in dieser Zeit sozialisiert wurden, stellen auch neue Anforderungen an ein entsprechendes Leben im Alter.
Stairway To Heaven
Ein eher unscheinbares Gebäude im nördlichen Essener Stadtteil Dellwig. Obwohl erst in 2009 erbaut, erinnert die Fassade mit ihrem Backsteinstil und den rostroten, etwas blinden Sprossenfenstern eher an eine Mietskaserne in Berlin-Kreuzberg. Dieses Haus ist kein gewöhnliches Haus, sondern das erste Pflegeheim, das sich auf einen Generationenwechsel eingestellt hat. So wie Helmuth G., der damals fleißig bei der Aktion Roter Punkt gegen die Essener Verkehrs-AG dabei war, der seine Jugend in der eher berüchtigten als bekannten Kneipe „Podium“ verbrachte, geht es vielen heutigen Rentnern. Helmuth G. hat in seinem Leben noch nie eine Musikantenstadel-Sendung gesehen und kennt WDR4 nur vom Hörensagen. Ihm graute es davor, trotz privater Pflegevorsorge und sparsamen Lebensstandards irgendwann in einem Pflegeheim heutiger Couleur zu enden. Er fand im Alter, geringfügig pflegebedürftig, eine neue Heimat in diesem Haus. „Echt voll geil hier, Du.“ ist sein zufriedenes Urteil.
Robert Pflanz ist Geschäftsführer der »Seniorenresidenz Stairway To Heaven« hoch im Essener Norden. Er erläutert das Konzept dieser Einrichtung so: „Wir müssen uns in naher Zeit auf einen Wechsel unserer typischen Bewohner einstellen. Wenn die Leute in den Pflegebereich einziehen, die mit Led Zepplin und den 68er-Aktionen groß geworden sind, finden die herkömmlichen Pflegeeinrichtungen bei diesen Menschen kein Interesse mehr.“ Auf diese neuen, aktuellen Bedürfnisse geht das Haus ein. Im Keller der Anlage stehen den Bewohnern barrierefrei zahlreiche Proberäume zur Verfügung, ein kleines Studio mit Parkplätzen für Rollatoren ist ebenso vorhanden. Statt der üblichen Cafeteria im Erdgeschoss befindet sich dort die Kneipe »Titty Twister«, in der an jedem Samstag Live-Acts stattfinden. Blues- und Rock-Bands bilden den Standard, für das dreijährige Jubiläum im Juli 2013 ist ein Auftritt von Guru Guru oder Ton, Steine, Scherben geplant. Keine Mühen wurden gescheut, das originale Interieur im 150 Jahre alten Pub »The White Horse« im südenglischen Dover ab- und hier in diesem Unterbezirk von Essen-Borbeck wieder aufzubauen. Natürlich sind dort Guinness, Kilkenny und Jack Daniels genau so im Angebot wie der beliebte Van Nelle Zware und die kaum noch bekannten niederländischen Zigaretten der Marke Black Beauty. Hier wird Service groß geschrieben, gerade für die nächste Generation, die mit den Vorlieben ihrer Eltern und Großeltern so gar nichts mehr anfangen kann. „Die Menschen möchten in ihrem wohl verdienten Ruhestand zu ihren vertrauten Wurzeln zurückkehren, nicht umgepflanzt werden in eine sterile Wohnanlage.“, weiß der Geschäftführer.
Für das Jahr 2020 ist eine zusätzliche Einrichtung am Südufer des Baldeneysees geplant, am Rande von Werden. Im »House Of tl;dr“ verfügt jedes Zimmer über einen 500 MBit-Netzzugang, ist mit einem 17-Zoll-Tablet, einem Android-Senioren-Smartphone, einem Quadcore-Rechner mit 64 Gigabyte Speicher, Lupe und LCD-Projektor ausgestattet. Ein 5 Petabyte-Speichersubsystem im Rechenzentrum der Residenz steht allen Bewohnern kostenfrei zur Verfügung und ist über Glasfaserleitungen an die Zimmer angebunden. Die SysAdmins arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr und sind ständig erreichbar. Die hauseigene Einrichtung »Eat & Never Meet« liefert 24 Stunden lang an sieben Tagen der Woche Pizza, Kaffee und Cola direkt aufs Zimmer. Optional gibt es eine Sushi-Flatrate. „Hier sind wir der Zeit etwas voraus, doch wir sind sicher, dass schon in einigen Jahren der Bedarf an solchen Altenwohnheimen mit flexibler Betreuung, vom betreuten Wohnen bis zur Vollzeitpflege mit einer eigenen Schreibkraft, seinen deutlichen Markt finden wird.“, erklärt Robert Pflanz.
Helmuth G. geht in die liebevoll eingerichtete Kantine mit den abgeschabten alten Barhockern und den Hausbesetzer-Glühlampen an der Decke. Das ausgewogene und abwechslungsreiche Angebot, heute Käse-Brötchen oder Döner von gestern, dazu ein lecker Frankenheim, findet immer mehr Anklang. Danach ein Mittagsschläfchen, einen doppelten Espresso und heute Abend geht es mit der hauseigenen Fahrbereitschaft auf Schalke. Helmuth G. war ein Vorreiter, doch das Haus füllt sich nun zunehmend mit Menschen seines Schlages. Ein Konzept, das offensichtlich Anklang gefunden hat und dem seine große Zukunft noch bevor steht. So sieht es auch Robert Pflanz. Und eilt in die Kneipe, am nächsten Samstag sind Man im »Titty Twister«, da muss die Bühne glänzen.
Eine einseitige Geschichte
Die Globalisierung begann in der Wirtschaft, nun schwappt sie auch ins Privatleben. Die Anzahl an Fernbeziehungen nimmt zu, in Zügen und Flugzeugen viele Menschen auf dem Weg zur Beziehung oder zurück zur Arbeitsstelle. Doch wie bei der gelobten Mobilität im Job stellt sich in der Fernbeziehung die Frage, wie es den Menschen dabei geht.
(Namen wurden aus Personenschutzgründen geändert)
Bleib!
Die Autobahn A2, eine endlose Kette von LKWs aus Litauen, Polen oder sogar aus dem fernen Russland, von Oberhausen bis Berlin. Längere Fahrten auf ihr eine Mischung aus Stress und aufkommendem Fernweh. Wie an jedem Freitag fährt Raimund von Nordrheinwestfalen nach Niedersachsen. Weil Pferde und Katzen nicht allein bleiben können, und weil Ilka ein großes Haus mit Garten hat. Die Ausfahrten kennt er inzwischen auswendig. Am steilen Berg vor Lauenau ist Vorsicht geboten, LKWs scheren unerwartet aus, genau an dieser Stelle passieren viele Unfälle. Bisher ist er glimpflich davon gekommen, dank ABS und Routine. Im Sommer eine schöne Strecke, sie geht durch das hügelige, grüne Weserbergland, im Winter bei Dunkelheit, Nebel und Regen werden aus den knapp 200 Kilometern gefühlte 500. Am Sonntagabend schafft er die Strecke schon mal in 90 Minuten, am Freitagnachmittag können es mit Baustellen sogar drei Stunden werden. Am Freitagnachmittag treibt ihn die Aussicht auf ein gemeinsames Wochenende, am Sonntagabend auf dem Weg zurück bleibt ein Gefühl der Unruhe und Unzufriedenheit, wenn der Job ihn wieder in das leere 30-Quadratmeter-Apartment zwingt. Gesund fühlt sich das nicht an.
Schätzungen gehen davon aus, dass jede achte Partnerschaft „auf Distanz“ gelebt wird. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung spricht in einer gerade erschienen Studie von 13,4% der Paare, die entfernt zusammen leben. Die tatsächliche Zahl dürfte um ein Vielfaches höher liegen, wenn man diejenigen Paare berücksichtigt, bei denen ein Partner beruflich bedingt in den entfernten Zeiten in Hotels wohnt. So geht man im Schnitt davon aus, dass Akademiker im Laufe ihres Berufslebens bis zu 25% der Zeit in einer Fern- bzw. Wochenendbeziehung leben.
Barbara und Elo haben sich wie Raimund und Ilka übers Internet kennengelernt. An jedem Wochenende pendelt Barbara drei Stunden mit der Bahn von Düsseldorf nach Ratzeburg und wieder zurück. Auch hier ist es das malerisch in der Nähe des Ratzeburger Sees gelegene Haus, ein Traum für jeden, der sonst in Düsseldorf jeden Tag schon den Kampf um einen Parkplatz neu durchstehen muss. Während für Raimund die Fahrt anstrengend und nervenraubend ist, hat Barbara als freiberufliche Sozialpädagogin Schwierigkeiten, sich die sechs Stunden Fahrt von ihrem engen Zeitplan abzuknapsen. Wie für das Paar aus Niedersachen und Ostwestfalen ist es der ständige Wechsel zwischen Nähe und Distanz, der immer wiederkehrende Abschied, das Abbrechen von bisherigen sozialen Beziehungen und die Phasen des Zweifels und der Einsamkeit, die schon mal das Gefühl mit sich bringen, die Orientierung verloren zu haben.
Globalisierung, Mobilität und Flexibilität sind die Schlagworte der modernen Gesellschaft. Nicht nur der Beruf fordert, dass man heute hier und morgen dort arbeitet. Auch das Privatleben wird zunehmend globalisiert. Das Partnersuche-Portal Parship sieht den Anteil Paare, die sich über das Internet finden, nahe bei der 10%-Marke. Dass diese Menschen nicht in der gleichen Stadt wohnen, ist quasi vorprogrammiert, man verliebt sich nicht, weil man den gleichen Wohnort hat. Erst jetzt erforschen Wissenschaftler, wie an der Universität Mannheim, welche psychosozialen Folgen der Verlust eines eindeutigen Lebenszentrums und einer konstanten Beziehung haben. Dass Fernbeziehungen viel häufiger scheitern als konventionelle, nämlich zu 65%, haben sie schon belegt.
Was die Arbeitswelt aufgezwungen hat, findet so Eingang in das Privatleben: thematische, räumliche und seelische Mobilität wird zur täglichen Anforderung, auch jenseits der Fünfzig. Die Verlässlichkeit und Berechenbarkeit, wie sie für Generationen in den Wohnorten und sozialen Umgebungen noch normal war, ist Vergangenheit. Doch die Flexibilität, die die Wirtschaft von den Menschen einfordert, bietet sie ihnen im Gegenzug nicht.
Im März 2012 hat Barbara den nicht leichten Weg gewählt und ist zu Elo in den Norden gezogen. Ihren Kundenstamm im öffentlichen Sozialbereich muss sie mühsam neu aufbauen. Raimund sucht seit Monaten einen neuen Job in der jetzigen Heimat. Bisher vergeblich.
Alle Jahre wieder
Was dem Einen seine Volksmusik, ist dem Anderen Death Metal oder Punk. Dann wären da noch die Freunde der Klassik und die Anhänger des Irish Folk, gerade die Deutschen scheinen ein Volk zu sein, das Schubladen braucht. Auch und gerade in der Musik. Doch gibt es Musiker, die in vielen Lagern Zuspruch erhalten, weil sie eben keine Schublade bedienen und zwischen diesen Welten wandern. Einer dieser Ausnahmemusiker ist der norwegische Saxophonist Jan Garbarek. Und der war am 11. Oktober 2012 wieder in der kleinen Großstadt an der Pader zu sehen und zu hören.
Jan Gabarek Band
Meistens im Herbst erwartet man ihn. Er kommt leider nicht regelmäßig, manchmal wartet man mehrere Jahre. Und dann kommt er nicht im Herbst, sondern im späten Winter. Nein, nicht von einem jahreszeitlichen Sturm ist die Rede, sondern vom norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek. Am 11. Oktober 2012 war es wieder so weit. Die Jan Garbarek Band in der Paderhalle.
Hängen die ersten Plakate, ist nicht mehr viel Zeit für den Besuch des Vorverkaufs, oft sind in kurzer Zeit seine Konzerte ausverkauft. Sie sind in Paderborn eine Institution geworden, wie das Volksfest Libori oder das Schützenfest. Dass Jan Garbarek so regelmäßig in dieser Stadt in Ostwestfalen auftritt, hat wohl mehrere Gründe. Einer ist sicherlich, dass das Jazz-Publikum hier ihn hör- und spürbar schätzt, weil er die Mentalität dieser schon irgendwie norddeutschen Gegend so trifft wie wenige andere. Der Tenor-Saxophonist, der den nordischen Jazz wie kaum jemand sonst populär machte, ihn in gewisser Weise repräsentiert. Als typischer Nordeuropäer hat sich Garbarek dann in den 70er Jahren sein Image erworben: kühl, kontrolliert, beinahe distanziert. Doch dieser Abend sollte zeigen, dass das Bild angepasst werden muss.
Der amerikanische Musiker und Komponist George Russell bezeichnete Garbarek als „Das größte Jazzmusik-Talent, das Europa nach Django Reinhardt hervorgebracht hat.“ Geboren am 4. März 1947 in Mysen in Norwegen, begann er mit 14 Jahren Saxophon zu spielen und gehört neben Terje Rypdal, Arild Andersen und John Christensen nun schon seit vielen Jahren zu den Big Four der norwegischen Jazz-Szene.
Der Abend des 11. Oktober, es ist noch nicht richtig Herbst, klar und trocken, nordisches Wetter. Ein stetiger Strom von Besucher verschwindet ruhig hinter den Türen der Paderhalle, im Foyer sammelt sich ein Publikum, das man am besten als gehobenes, liberales Bürgertum bezeichnen kann. Viele Leute jenseits der 50, wenige nahe der 30 Jahre. Die von Beton und wenig Holz geprägte kühle Atmosphäre will wohl so etwas wie einen Vorgeschmack der Musik Jan Garbareks geben. Ebenso der große Saal mit seinen fast 1000 Plätzen, die spärliche Bühnenausstattung mit einem großen Tuch im Hintergrund, das nur zwischen den Stücken die Farbe wechselt. Ausverkauft ist das Konzert dieses Mal nicht, aber sehr gut besucht. Das übliche Gemurmel vor Konzertbeginn, doch es ist nur leise, es trägt Vorfreude und Spannung auf die derzeitige Band von Garbarek. Weil man bei Jan Garbarek nie weiß, was einen nun erwartet.
Auf der aktuellen Tournee ist er mit seinem langjährigen Begleiter am Piano, Rainer Brüninghaus, dem Inder Trilok Gurtu an den Percussions und dem Brasilianer Yuri Daniel am Bass unterwegs. „Die menschliche Stimme ist mein Ideal“, sagt Jan Garbarek und es gibt wohl kaum einen Saxophonisten, der diesem Ideal so nahe gekommen ist. Ulrich Greiner schreibt über ihn in der ‚Zeit‘: „Die Utopie des unendlichen Atems und des natürlichen Wohlklangs treibt Garbareks Musik an, sie schwitzt nicht, sie ist heiter im Sinn des Worts, das vom griechischen Aither kommt und klarer Himmel, reine Luft bedeutet.“
Es ist kurz nach acht. Die Band beginnt mit einigen älteren Stücken von Garbareks Alben »Belonging« und »Places«. In dieser Besetzung gerät man schnell in die Gefahr wie die Fusionband Weather Report zu klingen. Doch nicht bei dieser Band, Garbareks Stimme und Ausdruck an diesem Instrument sind unverwechselbar, Rainer Brüninghaus ist ein exzellenter, aber genauso eigenwilliger Pianist in allen Stilen. Yuri Daniel spielt einen bundlosen elektrischen Fünfsaiter, zurückhaltend, sanft, sich nie in den Vordergrund spielend. Trilok Gurtu spielt Schlagzeug, indische Tablas, südamerikanische Congas und alles, was an Percussion verfügbar ist. Nach den eher klassischen Stücken Übergang zu moderneren Kompositionen. Und es kommt genau das, was so einmalig bei Garbarek ist: die Vier schöpfen aus allen musikalischen Stilen, vom klassischen Jazz über den Cool Jazz bis hin zu Melodien und Klängen aus dem Mainstream, Pop und Rock. Stetiger Wechsel der Solisten, Dialoge zwischen Bass und Saxophon, Piano und Bass, Schlagzeug und Saxophon. Brüninghaus und Gurtu liefern sich sogar einen Dialog zwischen Percussion und Piano, witzig, augenzwinkernd, mit einer Spielfreude, die man selten auf Jazzbühnen sieht. Dazwischen ein lächelnder, manchmal witzelnder Jan Garbarek.
Doch der große Teil des Abends gehört den anderen, Jan Garbarek zieht sich immer wieder zurück, überlässt seinen drei Mitmusikern das Feld. Bass- und Schlagzeug-Solos, in der populären Musik fast verschwunden, feiern hier ihre Rückkehr. In einem Moment noch sphärische, schwebende Klänge vom Saxophon und breite Klangteppiche vom Keyboard, dann wieder Rückkehr zu Sounds, die man eher im Hardrock erwartet. Es grooved, es stampft, es rockt. Dann wieder nur der Flügel, an dem sich Rainer Brüninghaus von der Neoklassik a’la George Winston über den Ragtime bis in den Freejazz arbeitet. Ständig ändern sich die Atmosphäre und der Klang, mal Solos, mal Duetts, dann wieder die komplette Band, doch immer passt es, immer ist es stimmig. Und alles ist erlaubt, auch Anleihen beim Pop und Synthesizer-Sounds. Das ist der Jan Garbarek, den sein Publikum liebt. Ständig präsent, aber nie vordergründig. Ständige Veränderung, aber immer er selbst. Und mit einer Stimme, die unverwechselbar und einmalig ist.
Gegen Ende gehört dem Inder Trilok Gurtu noch einmal allein die Bühne. Er beginnt mit einem Schlagzeug-Solo, geht über auf Tablas und Congas, legt einen Scat-Gesang darüber, es folgt eine Reise durch die Welt der Percussion, zu der bei ihm auch ein mit Wasser gefüllter Blecheimer gehört. Am Ende steigt Garbarek mit einer Obertonflöte ein und Garbarek und Gurtu beenden die Einlage mit einem furiosen Duo für Percussion und Flöte.
Nach weit über zwei Stunden Reise durch die Möglichkeiten, was Jazz auch sein kann, endet der Auftritt mit Standing Ovations und zwei Zugaben, die letzte schon unter Saalbeleuchtung. Vier großartige Musiker, zusammen wohl 100 Jahre Jazz-Erfahrung und dazu schier unglaubliches musikalisches und technisches Können.
Eintritt erwünscht
Hier ein Lächeln auf den Gesichtern der Zuschauer, dort aber manchmal auch ein Grinsen. Weil diese Musiker sich selbst nicht immer ernst nehmen, sich nicht in den Olymp setzen, sondern auf dem Boden der musikalischen Realität bleiben. Und was macht die Jan Garbarek Band so einmalig? Dass sie sich aus allen Schubladen bedient und am Ende in keine mehr hinein passt. Und damit Freunde aus allen Schubladen findet.
Ach ja, so war das
Aktuelle Arbeiten an einer Reportage riefen mir eine Geschichte wieder in Erinnerung, die schon in den Analen der Geschichte versunken schien. Es muss 1972 gewesen sein, das 2. Internationale Jazz-Festival in Moers. Die Stadt war überlaufen, Unterkünfte kaum zu bekommen, und alle Restaurants und Kneipen hoffnungslos überfüllt. Wir schliefen auf dem Dachboden einer Schule, wo wir durch Glück und Zufall gelandet waren, unter diesen Bedingungen fast eine luxuriöse Bleibe. Und lustig war es dazu, denn bis zum Abend hatte sich der Dachboden mit einer gut gelaunten Gemeinde gefüllt. Wir hatten da diesen Wettbewerb, wer im Schlafsack hoppelnd am schnellsten von einer Ecke des Bodens zur anderen kam. Ok, da muss auch eine Menge Bier im Spiel gewesen sein.
Jan Gabarek
Was jedoch nicht gegen den Hunger half. Unser Trupp spaltete sich auf, weil für zwei oder drei Leute eher etwas zu finden war als für ein herum streunendes Dutzend. Doch es schien aussichtslos. Eher aus der Not heraus erkundigten wir uns in einem jugoslawischen Restaurant. Alle Tische voll besetzt. Bis auf einen einzigen, an dem zwei Männer saßen. Als ich den Tisch näher inspizierte, wollte ich wieder gehen. Doch mein Freund Helmuth, für den Zurückhaltung kein sonderlich bekanntes Wort war, schleppte mich zu diesem Tisch zurück, fragte kurz, ob die beiden Plätze noch frei wären und bekam ein positives Signal. Wir setzten uns, ich mit einem etwas mulmigen Gefühl. Das war der Abend, als ich mit dem Posaunisten Albert Mangelsdorff und dem norwegischen Saxophonisten Jan Gabarek, zwei ganz großen Namen im Jazz, zu Abend aß.
Helmuth in seiner jungenhaften und freundlichen Art redete sofort los. Und es entstand schnell ein Gespräch. Was mir aber am meisten im Gedächtnis blieb, war nicht die freundliche, offene und feingeistige Art von Albert Mangelsdorff, sondern Jan Gabarek. Wie er mit der Nase über seinem Teller hing, das Essen nur mit der Gabel in unfassbarer Geschwindigkeit in sich hinein schaufelte und dabei kein einziges Wort sprach. Kaum war er fertig, warf er die Serviette auf den Teller, nickte Mangelsdorff kurz zu, sprang auf und verschwand. Wir sprachen noch eine ganze Weile, dann rief Mangelsdorff den Kellner, bezahlte, verabschiedete sich höflichst und ging. Ein denkwürdiger Abend.
Was ich damals partout nicht verstehen konnte, war die Tatsache, dass ein Mensch wie Jan Gabarek auf der Bühne eine so unglaublich emotionale und tiefgehende Musik machte, aber am Restauranttisch eine sehenswert proletenhafte Vorstellung ablieferte. Ich war noch zu jung um zu wissen und zu verstehen, dass Menschen so viele unterschiedliche Facetten haben können. Und dass das Eine nichts mit dem Anderen zu tun haben muss. Dass Mr Jekyll und Mr Hide keine Erfindungen sind, sondern wir alle diese Seiten haben.
Es sind diese Geschichten, die letzten Endes unsere Sicht der Welt prägen und die nicht umsonst so verhaftet sind. Und so ein grauer Kopp hat eine Menge solche Geschichten auf Lager. Am 11. Oktober sehe und höre ich Jan Gabarek wieder. Nur so nahe wie 1972 werde ich ihm nicht mehr kommen. Und doch habe ich das Gefühl, ich kenne ihn ein ganz klein wenig mehr als die anderen Besucher. Ich sage nur: Zigeunerspieß.
Wer es noch glaubt
Benzinpreis und Rohölpreis
Wenn man an beliebiger Stelle zu beliebiger Zeit über die Benzinpreise diskutiert, sind die Antworten der Ölmultis immer gleich und immer klar: es ist der Ölpreis, der den Benzinpreis bestimmt. Sieht man bei den Rohölhändlern nach, zum Beispiel bei Tecson, so stellt man fest, dass im Juni der Preis einen Tiefstand bei ca. 90 US$ pro Barrel hatte, im Moment liegt er bei 110 US$, das ist eine Schwankung von ca. 22%. Ich kann mich erinnern, dass ich im Juni zum Teil noch Diesel für 1,30 Euro getankt habe, gestern lag er bei 1,57 Euro. Ok, da sind die 22%. Was aber nicht erklärt, warum der Spritpreis hin- und herspringt, denn laut Statistiken verläuft die Rohölpreis-Kurve in dieser Zeit ziemlich linear aufsteigend. Heute Diesel 1,40, morgen 1,50, übermorgen 1,42 Euro. Das kann wohl kaum etwas mit dem Rohölpreis zu tun haben. Und Moment mal, der Ausgangsstoff Öl macht ja keine 30% des Benzinpreises aus. Demnach müsste eine Steigen des Rohölpreises um 20% nur ein Steigen des Benzinpreises um ca. 6% bewirken. Der Tankstellenpächter bekommt immer den gleichen Anteil, ein bis anderthalb Eurocent. Also sind Ölmultis und der Staat die großen Gewinner. Da reicht ein Taschenrechner zu 2 Euro, um diese Lüge nachzuweisen.
Bevorratungssteuer ist auch im Benzinpreis enthalten? Dann stellen wir doch dem Staat in Rechnung, dass wir Perso, Führerschein und sonstigen Kram immer dabei haben müssen. Sind vielleicht gar nicht die Ölmultis so böse, sondern ein Staat, der uns aus der Tasche zieht was nur eben geht?
Dann wundert man sich, in Hannover bei Aral Diesel für 1,48 den Liter getankt zu haben, und eine Stunde später in Paderborn kostet er bei Shell 1,57. Ist der Rohölpreis in Hannover ein anderer als in Paderborn? Nein, denn auch in Paderborn findet man auf wenigen Kilometern Strecke den Diesel bei 1,50 Euro bei einer Freien, 1,57 Euro bei Shell. Das sind der Wettbewerb und regionale Unterschiede, singen die Ölmultis im Chor. Aha, dann macht Shell seinen Sprit so teuer, damit sie mehr davon verkaufen. Zwischen den beiden Preisen liegen gut zwei Kilometer.
Nun aber gar nicht mehr zu verstehen: zwei Wochen Urlaub in Wales und der Benzinpreis schwankt in dieser Zeit nicht mal um einen einzigen Penny. Schon gibt es ein oder drei Pence Unterschied zwischen Caernarfon und Chester. Aber keine solchen Schwankungen von Tankstelle zu Tankstelle oder Tag zu Tag wie in Deutschland. Ach ja, ein Liter Diesel in UK kostet so 1,35 Pfund. Das ist nicht viel mehr als in Deutschland und Diesel ist dort nicht steuerbegünstigt. Super kostet nämlich das Gleiche, umgerechnet ca. 1,60 Euro. Wo doch die Lebenshaltungskosten in Großbritannien im Mittel um 25% höher sind als in Deutschland. Das verwirrt dann doch alles sehr.
Vielleicht helfen andere Beobachtungen. In Großbritannien kann man sich DSL von dem einen Anbieter, Festnetz von einem Anderen und Handy vom dritten holen. Die erzwungene Paketbildung wie bei uns ist unbekannt. Kann man haben, muss man aber nicht. DSL kostet dort pro Monat ca. 4 Pfund, bei Vodafone, nicht einem Exoten. Unlimitiert, in den Großstädten bis 50.000er. Ist nur UK? Der Preis einer Prepaidkarte fürs Handy in Österreich treibt einem die Tränen in die Augen. Weil er so niedrig ist, für das, was man damit telefonieren kann. In Belgien kostet ein Päckchen Tabak 4,40 Euro. Mit 50 Gramm, nicht 40 wie in Deutschland. Zurück nach UK. Das Nutella ist dort inzwischen billiger als bei uns. Das war nicht immer so, Nutella ist dort eine Spezialität, aber heute ist der Preis eben dieser.
Tatsche ist, dass die Anbieter und Hersteller in Deutschland eine unverschämte Hochpreispolitik betreiben, der deutsche Kunde wird ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Sei es Benzin, Telefon oder Nutella. Bleiben wir beim Benzin in UK als Aufhänger, nach den Steuersätzen auf der Insel und den realen Einkommen müsste das Benzin mindestens 20 oder 30 Pence teurer sein. Und wenn die Schwankungen des Benzinpreises auf das Rohöl zurück zu führen sind, warum dann nicht in Großbritannien?
Weil die Preisbildung im deutschen Markt schon lange nicht mehr auf den Gesetzen von Angebot und Nachfrage beruht, sondern auf der harmonisierten Abzocke einiger weniger Anbietergruppen. Und je weniger Deutsche zum Urlaub mal etwas weiter weg fahren, desto weniger wird das sichtbar. Noch die Explosion des Milchpreises im Sommer 2007 im Gedächtnis, als selbst bei den Discountern ein Pfund Butter fast 1,50 Euro kostete, weil nach Aussage der Milchindustrie angeblich die Chinesen alles Milchpulver aufkauften? In den Niederlanden kostete in diesen Tagen ein Pfund holländische Markenbutter in einem kleinen Spar-Markt einer Touristenhochburg … 85 Eurocent.
Gegen den Trend
Gut besucht sind die Kirchen nur noch am Heiligabend. Doch dieser Trend herrscht nicht überall vor, es hängt davon ab, wer die Kirche repräsentiert. Wie Pfarrer Oliver Peters es tut.
Ein dunkler Adventsabend in Paderborn, die Straßen sind unter einer dicken Schneedecke verschwunden und es schneit weiter. Kein Wetter, bei dem man das Haus gerne verlässt. Trotzdem ist die Christus-Kirche im Ortsteil Schloss Neuhaus gut besucht. An den vier Sonntagabenden vor Weihnachten gibt es in dieser Kirche Adventsandachten, eine halbe Stunde lang, ohne Orgel und Liturgie, dafür mit etwas Klaviermusik oder Klängen von der Veeh-Harfe. Alles künstliche Licht ist gelöscht und nur Kerzen auf dem Altar und Topfkerzen in den Händen der Besucher tauchen die moderne und schlichte Kirche in ein warmes, heimeliges Licht. Ein Moment zum Innehalten im Trubel der Weihnachtsvorbereitungen.
Pfarrer Oliver Peters meditiert zu Bildern, die Themen dieser Jahreszeit darstellen. Seine ruhige und warme Stimme füllt den Raum, etwas ist anders als in anderen Kirchen. Denn er spricht eine Sprache, wie sie auch die Besucher sprechen, es ist eine lebendige Sprache, er spricht über das Leben, über Sorgen und Nöte, aber auch über Freude und Hoffnung. Seine Worte erreichen die Menschen, sie sind verständlich und betreffen das Leben, hier gibt es keine Barriere zwischen Pfarrer und Gemeinde. Einige Minuten in der Andacht sind für Stille und eigene Worte an Gott reserviert. Wie bekommt Oliver Peters die Menschen in die Andachten, und auch in die Gottesdienste, eher gegen den Trend?
Oliver Peters mit einem Modell des Kolumbariums
Zur Theologie kam Oliver Peters über Umwege. 1968 im sauerländischen Hemer geboren, plante er zuerst ein Studium der Medizin. Doch der wenig auf den Menschen ausgerichtete Medizinbetrieb, den er während seines Zivildienstes in der Paracelsus-Klinik kennenlernte, ließ ihn umdenken. Zu wenig war vom Menschen die Rede, stattdessen von „der Galle“ oder „der Hüfte“, sagt er. Sein späterer Schwiegervater, selbst Pfarrer, brachte ihn zur Theologie, weil nur dort der Mensch in seiner Einheit von Leib und Seele gesehen wird. Dies war die Sichtweise, die Oliver Peters leben wollte, mit der Kirche war er eh durch Chor und musikalische Arbeit verbunden. So studierte er von 1989 bis 1996 evangelische Theologie in Bielefeld-Bethel, Göttingen und Heidelberg. Nach dem Vikariat in Hagen-Dahl und Schwerte kam er 2001 als Pfarrer im Entsendungsdienst in die Kirchengemeinde Schloss Neuhaus. Seit März 2006 ist er dort Pfarrer der 1. Pfarrstelle und wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Pfarrhaus nahe der Kirche. Er bescheinigt sich selbst einen »Helferinstinkt«, in diesem Sinne ist er sich auch im Wechsel von der Medizin zur Theologie treu geblieben.
Würde man Oliver Peters außerhalb seiner Tätigkeit als Seelsorger kennenlernen, würde man nicht sofort in ihm einen Geistlichen erkennen. Seine Bodenständigkeit, seine unprätentiöse, humorvolle, manchmal fast burschikose Art erwartet man so nicht unbedingt von einem Pfarrer, er entspricht nicht dem stereotypen Bild. Als ein Konfirmand nach dem Gottesdienst durch eine Seitentür der Kirche zurück ins Gemeindehaus geht und etwas erschreckt „Oh Gott!“ murmelt, weil er Oliver Peters nicht hinter der geöffneten Tür erwartet hatte, lächelt Oliver Peters ihn an und entgegnet „Pfarrer Peters reicht.“
Seine Aktivitäten in der Gemeinde sind vielfältig. Neben den üblichen Pflichten und Zuständigkeiten eines Pfarrers ist da das Projekt Kolumbarium, eine Urnengrabstätte, das anstatt des 2008 wegen Bauschäden abgerissenen Glockenturms gebaut werden soll. Er engagiert sich in der Ökumene und in der Partnerschaft mit anderen Gemeinden, auch außerhalb Deutschlands. Er ist Familiare der Klostergemeinschaft Amelungsborn, als Laienmitglied der Ordensgemeinschaft, der außerhalb des Klosters „in der Welt“ ist. Das Bild vom gemütlich in seinem Gemeindehaus sitzenden Pfarrer passt nicht zu ihm, der Beruf des Pfarrers hat auch viel mit dem eines Managers zu tun. Er gilt als Arbeitstier, ist oft bis spät abends unterwegs, engagiert, immer ansprechbar. Doch was eben am meisten heraus sticht, ist seine direkte Wirkung in der Kirche, wie er Gemeinde zusammen hält und wie es ihm ein Anliegen ist, den Leuten einen Grund zu geben am Sonntag in die Kirche zu kommen.
Was macht er anders, wo ist er anders und füllt selbst an unwirtlichen Abenden mit den Adventsandachten diese Kirche? Zum Einen spürt man, dass er hinter dem Wort steht, das er verkündet, und, ganz wesentlich, dass er Gottesdienst nicht als Verwaltungsakt sieht. Er sagt darüber: „Der Gottesdienst ist mir schon immer nahe gewesen.“ und „Er darf kein liturgischer Akt sein, sondern muss mit Leben gefüllt werden, authentisch sein. Er darf eine Form haben, einen Rahmen, in dem man sich lebendig entfalten kann.“ Und er füllt diesen Rahmen mit Leben, mit Bühnenbildern, die mit den Konfirmanden gestaltet werden, und zur Verbildlichung von Themen kann auch mal ein Blumentopf bewusst auf dem Boden der Kirche in die Brüche gehen. Zum Anderen erlebt man, dass er nicht die Gemeinde, sondern die Menschen vor sich anspricht. Oder wie es ein Gemeindemitglied formuliert: „Er verkündet keine theologischen Weisheiten und kirchlichen Richtlinien, sondern übersetzt Kirche für die Menschen vor ihm.“ Er verwirklicht eine Kirche im Leben der Menschen, nicht neben ihrem Leben.
Doch seine lebendige und an der Lebenswirklichkeit orientierte Gestaltung des Gottesdienstes hat ihm nicht nur Freunde gemacht. Über die oft noch praktizierte klassische, distanzierte Ausgestaltung eines Gottesdienstes sagt er: „Manche Leute sind damit groß geworden, und so möchten sie es und es soll immer so weiterlaufen.“ Doch möchte er nicht in eine hochkirchliche Ecke geschoben werden, nur weil für ihn Liturgie und Ausgestaltung von Gottesdiensten so wichtig sind, wie er selbst sagt. Aber wenn man in der Christus-Kirche Leute trifft, die in ganz anderen Stadtteilen wohnen, muss das Gründe haben. Und die sind offensichtlich: Authentizität, Humor, Glaube als Grund zur Freude, nicht das Ständige Betonen von Sünde und Vergänglichkeit, wie es andere Geistliche schon mal tun. Ein Gottesdienst für und mit den Menschen in der Gemeinde, nicht eine vorgegebene Verpflichtung. Nicht zuletzt ist es der Vorteil der evangelischen Geistlichen, mit ihren Familie mitten im Leben zu stehen. Und dieses Leben auch mit in den Gottesdienst zu nehmen. Das Leben außerhalb eines theologischen Elfenbeinturms, seine Wurzeln in der Gemeinde, seine Liebe zur Musik und zum Theater, seine Glaubwürdigkeit und Offenheit machen Kirche real.
Die gut gefüllte Kirche an diesem Adventsabend gibt ihm Recht. Würden mehr Pfarrer und Pastoren seiner Sicht folgen, kirchliche Veranstaltungen lebendig und kreativ gestalten, die Menschen direkt ansprechen, Gottesdienste nicht als Pflichtveranstaltungen betrachten, sähe es an den Sonntagmorgen in so mancher Kirche anders aus als es leider heute ist. Eine Umkehr des Trends wäre möglich.
Alte Ingenieure sind gefährlich!
Development 2018
Da berichtet der VDI in einem Report: „Die Zahl der arbeitslosen Ingenieure ist im Januar 2012 gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich um 21 Prozent auf 19.188 Personen gesunken. Gegenüber dem Vormonat Dezember ist sie nur leicht angestiegen – normalerweise ist die Zunahme in einem Januar saisonbedingt deutlich stärker. Da gleichzeitig die Zahl der offenen Stellen leicht gestiegen ist, liegt die Ingenieurlücke fast unverändert bei 80.000. Das bedeutet einen Anstieg um 62,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.“. Toll. Was hieße, dass man den Bedarf an Ingenieuren auf einen Schlag um fast ein Viertel senken könnte. Wenn denn nicht …
Noch mal der VDI, an anderer Stelle: „In den asiatischen Ländern mit ihren Herrscharen nachrückender junger Arbeitskräfte gehört fast jeder Arbeitnehmer mit 50plus zum alten Eisen und wird in den Ruhestand geschickt. In Deutschland sagt die Theorie, dass im Zuge des demographischen Wandels ältere Arbeitskräfte benötigt werden und die gegenseitige Befruchtung von Jung und Alt immense unternehmerische Vorteile birgt. Warum also nicht diese Vorteile so lange wie möglich nutzen? Die Theorie ist die eine Seite, die Praxis die andere. Wer als Ingenieur mit 50plus arbeitslos wird, kann ein Lied davon singen. Viele Ingenieure dieser Altersklasse haben einerseits noch zehn Berufsjahre oder mehr vor sich, sehen sich andererseits jedoch vor erheblichen Hürden, die sich neuen Beschäftigungsverhältnissen entgegenstellen.“
Da lungern in den Arbeitsämtern Tausende von Elektrotechnikern, Maschinenbauern und Informatikern herum, die alle das persönliche Pech haben, leider vor 1960 geboren zu sein. Qualifizierte und engagierte Ingenieure, die für vertretbare Gehälter, ohne verquaste Karrierevorstellungen und mit hoher sozialer Kompetenz in Betrieben mehr als wertvoll wären. Gut, vielleicht technologisch nicht mehr auf dem allerneusten Stand, aber was nutzt die angeblich durch das makabre Bologna-Modell erzeugte hochwissenschaftliche Qualifikation der jungen Generation, wenn diesen schon ein Kundengespräch, eine Präsentation oder die Leitung eines Teams den Schweiß auf die Stirn treibt? Weil es an der doch so wichtigen sozialen Kompetenz mangelt, die im großen Chor von den Personalern und Chefs herbei gebetet wird. Und für die weder in der Schule, noch im Studium Zeit geblieben ist. Unwissen seitens der Unternehmen ist das nicht, eher Dummheit. Und wie es mit sozialer Kompetenz in den Unternehmen und bei den Personalanteilungen ist, merken die Bewerber spätestens dann, wenn sie sich bewerben: keine Eingangsbestätigung, keine Absagen, kein Kontakt, kein Danke für die Bewerbung.
Was hätten die Unternehmen gerne? Junge und hochqualifizierte Ingenieure mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung und einem Gehalt deutlich unter 30.000 Euro, bereit zur 60-Stundenwoche und belastbar bis zum Schlaganfall oder Tinnitus. Nur gibt es die nicht, so bescheuert ist eben niemand. Also muss mal eine Green Card, dann eine Blue Card, demnächst eine Yellow oder Pink Card her. Damit aus dem Ausland Abertausende von Fachkräften ins Land strömen und die Löcher füllen. Dass dann alle Meetings in Englisch ablaufen müssen (nicht alle Akademiker können dies automatisch), weil die Neuen kein Deutsch können, dass interkulturelle Differenzen zum Problem werden, dass die neuen Kollegen zwar hervorragende Zeugnisse mitbringen, aber nicht mal einen Nagel in die Wand bekommen, darüber kann so mancher Personalchef ein Lied singen. Man muss halt erst einmal auf die Nase fallen, bis man merkt, dass orientierungsloses Losrennen nicht immer eine Lösung ist.
Zurück bleiben deutsche oder deutschsprachische Ingenieure, die schön weiter von einem Job träumen, aber leider nach dem Geschmack der Unternehmen zu alt, wahrscheinlich zu krank und schwächlich sind, wohl schon mit 50 komplett verkalkt. Oder hat das Ganze System? Können so eine Menge Manager verschleiern, dass der Grund für das Nichtfunktionieren vieler Firmen Unfähigkeit zur Kommunikation und Planlosigkeit sind? Dass wie meistens der Fisch zuerst am Kopf stinkt? In diese Sinne ist es eine Hilfe, blödsinnige Forderungen nach Import von Fachkräften zu verbreiten, möglichst aus Asien oder Indien. Dann passt es zusammen. Diese Manager müssen vor sozial kompetenten, erfahrenen und patenten Ingenieuren über 50 Angst haben. Denn sonst könnte es passieren, dass deren Unfähigkeit offenbar wird. Lass die alten Säcke also mal lieber auf den Fluren der Arbeitsämter. Da sind sie ungefährlich. Für die tollen Manager.