Bei einer Endlagenprüfeinrichtung für bewegliche Weichenteile mit einem Prüfergestänge und einem Prüfergehäuse, in welches das Prüfergestänge eingeführt ist und in welchem wenigstens ein Detektor zur Erfassung einer Endlage des Prüfergestänges angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass das Prüfergestänge an den beweglichen Weichenteil (3) in einer quer zur Schienenlängsrichtung liegenden Vertikalebene schwenkbar angeschlossen ist und dass das Prüfergestänge wenigstens eine Stange (8) mit kreisrundem Querschnitt umfasst, welche Stange (8) in ihrem dichtend in das Prüfergehäuse (12) eintauchenden Bereich an ihrem Umfang wenigstens eine Schaltflanke (13) trägt, welche mit einem Schalterkontakt (16) zusammenwirkt.

Dass geniale Erfinder nicht unbedingt auch geniale Schreiber sein müssen, wird hier klar. Es ist Text aus einem Patent, der die Funktion einer Apparatur beschreibt. Und ein perfektes Beispiel, wie man Sätze formuliert, die nicht mehr verständlich sind. Bei solchen Formulierungen ist das Problem, dass man am Ende des Satzes nicht mehr weiß, was der Anfang war. Dazu ist es hilfreich, wenn man etwas über die Verarbeitung von Informationen und Eindrücken weiß, über die Funktion des Gedächtnisses.

Nehmen unsere Sinne eine Information auf, geht sie als erstes in das Sensorische Register. Dieses bewertet Information nach Interesse und Wichtigkeit. Zwei Leute gehen durch eine Stadt, der eine sieht nur die Gebäude, der andere nur die weibliche Bevölkerung. Ist die Information dort als zu beachten registriert worden, geht sie weiter in das Kurzzeitgedächtnis, zur Zwischenspeicherung. Dort geschehen nun zwei Dinge. Als erste Bewertung wird eine lose Verbindung in das Langzeitgedächtnis aufgemacht, ob diese Information emotional positiv oder negativ besetzt ist. Diese Überprüfung geschieht nicht bewusst, sondern das geht über unbewusste Kanäle. Und sie muss schnell sein, denn eventuell meldet unser Kleinhirn den Befehl zur sofortigen Flucht oder zum Angriff, da wäre Nachdenken nur im Wege. Die Information kann ja sein, dass ein Säbelzahntiger zwei Meter vor uns steht. Ist die Bewertung positiv oder neutral, darf sie weitergeleitet werden. Leider gibt es da ein kleines Problem, das Kurzzeitgedächtnis kann nur maximal fünf bis neun Informationseinheiten behalten, alles, was neu rein kommt, verdrängt Älteres. Erst was es von dort in’s Langzeitgedächtnis geschafft hat, wird bewusst verarbeitet und gespeichert. Und erweist sie sich dort als nutzlos und selten gebraucht, verschwindet sie auch von dort ruckzuck.

Der Text aus dem Patent ist keine in sich abgeschlossene Informationseinheit, sondern eine Häufung von Einheiten. Das Gedächtnis hat keine Chance, diese in eine logische oder zeitliche Sequenz zu bringen. Ihm fehlen die Millisekunden zur Verarbeitung, ihm fehlen die Minipausen, die da heißen Punkt, Ausrufezeichen oder wenigstens ein kleines Semikolon. Nehmen wir einen anderen Satz. Er stieg also wieder aus dem Bus aus, wandte sich unentschieden nach rechts, ging die breite Hauptstraße herunter, aß an einem Imbiss-Stand einen pappigen Hamburger, trank noch einen lauwarmen Kaffee zu Wucherpreisen hinterher, zündete sich eine weitere Zigarette an und überlegte, was er mit dem Rest dieses langweiligen Abends anfangen sollte. Dieser Satz ist kein Problem, weil die einzelnen Informationen in einem zeitlichen Zusammenhang stehen, und vertraute Informationsanteile beinhalten. Bei jedem Komma ist der zeitliche Verlauf klar. Und daher könnte man den Satz auch ohne Schwierigkeiten wiederholen, er läuft in unserem Gedächtnis wie ein Film ab.

Es wird immer wieder die Regel zitiert, ein Satz sollte nicht mehr als 20 oder 30 Wörter haben, sonst sei er zu lang. Diese ist nicht grundsätzlich falsch, ist aber auch nicht die global-galaktische Lösung für verständliche, leserliche Sätze. Richtig ist, dass man Sätze nach Füllwörter wie auch, aber, so, sehr, viel, wenig durchsuchen sollte, ob sie für den Sinngehalt wichtig sind. Genauso kann so manches und gut durch ein Komma ersetzt werden und so Vorteile haben, so Vorteile haben. Zum Beispiel, dass der Stil flüssiger, die Struktur des Satzes interessanter wird. Wichtiger ist es aber, Sätze so zu bilden, dass das Kurzzeitgedächtnis nicht in einen Overflow kommt. Sind die Einzelheiten eines Satzes in einem logischen, zeitlichen oder kausalen Zusammenhang, tut sich unser Gedächtnis leichter. Und die Verständlichkeit wird besser.

Um Satzstrukturen klar zu gliedern und aufzubauen, ist gerade das notwendig, was beim Schreiben am meisten vernachlässigt wird: Organisation und Planung. Weil der Satz als Element des Gesamten, des gesamten Textes fungiert. Dann sollte sich klare Struktur nicht nur auf den einzelnen Satz, sondern auf den gesamten Text beziehen. Also erst ein paar Mal vorher nachdenken, und dann schreiben. Und nicht umgekehrt.

Man sollte sich immer die wichtigste Regel des Schreibens vor Augen halten: den Leser zu interessieren, ihn bei Stange zu halten und das Weiterlesen interessant machen. Das kann durch witzigen Stil, ausgefeilte Sprachkonstuktionen oder geplante Abweichung von der Norm geschehen. Aber witzige Manuals sind nicht jedermanns Sache. Und eine lyrische Software-Dokumentation auch nicht. Aber einen klaren, verständlichen und strukturierten Text lesen ist immer willkommen. So wie Pasta, Fischstäbchen und Kartoffelpüree. Man muss nicht lange kauen, um satt zu werden. Übrigens aufgefallen, was nicht selten passieren kann, im obigen Satz? Dass pappig und lauwarm schon emotional besetzt sind, und wahrscheinlich im Gedächtnis am ehersten hängen bleiben, wenn man den Satz zitieren müsste. Dort greift die emotionale Bewertung und zeigt schön die Funktion des Kurzzeitgesetzes.

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