Einträge von Rainer

Juli Zeh: Corpus Delicti

Durch ihren Roman «» war ich zum ersten Mal mit der Autorin Juli Zeh in Kontakt gekommen. Nach einigen schwergewichtigen Sachbüchern konnte ein Roman zwischendurch mal eine willkommene Abwechslung sein, weil mir mein erstes Buch von Juli Zeh doch sehr positiv in Erinnerung geblieben war. Erstmals 2009 erschienen, wird «Corpus Delicti» als eine Art Science […]

Thomas Brudermann: Die Kunst der Ausrede

Auf einer Familienfreier kam irgendwann das Thema Klimawandel, Kohlendioxid-Emissionen und Autos. Ein Verwandter meinte dazu im Brustton der Überzeugung: „So lange die Chinesen nix machen, mache ich auch nix!“. Der Vollständigkeit halber möchte ich hinzufügen, dass er einen sehr fleischzentrierten Ernährungsstil pflegt, was an seinem enormen Bauchumfang abzulesen ist. Doch es gibt noch mehr Ausreden. […]

Volker Ullrich: Hitler

Volker Ullrich mausert sich langsam zu einem meiner liebsten Autoren in Sachen Geschichte. Er schreibt auf den Punkt, sehr lesbar, geradezu unterhaltsam und mit vielen Details. Vorher waren schon und dran. Im Vergleich zu den früheren Werken ist «Hitler» eher ein schmales Büchlein. Ich habe es trotzdem bestellt, obwohl ich meinte, es brächte jetzt nicht […]

Laure Adler: Die Reisende der Nacht

Das Spannende an Büchern ist, dass man nie so genau weiß, was einen erwartet. Erst recht interessant wird es, wenn man selbst vom Thema Betroffener ist. So erwartete ich wegen des Titels erst so etwas wie einen Roman. Doch Laure Adler macht sich in eine andere Richtung auf, ohne sich auf ein bestimmtes Ziel zu […]

Dierk Hoffmann (Hrsg.): Die umkämpfte Einheit

Die Treuhand ist an allem schuld. So jedenfalls eine nicht selten gehörte Aussage, gerade aus den östlichen Bundesländern. Mit dem Ablauf der gesetzlichen Sperrfrist von 30 Jahren öffnen sich nun die Archive, weshalb Historikern wie Politologen Einzelheiten über die THA, die Treuhandanstalt, zugänglich werden. Das Buch mit Beiträgen verschiedener Autoren fasst viele Themen und Einzelheiten […]

Andreas Dörner: Fernsehen in Deutschland

Weder geht es um die Geschichte des Fernsehens, noch um technische Hintergründe. Das Buch von Andreas Dörner beschäftigt sich mit der inhaltlichen, speziell politischen Rolle des Fernsehens. So ist es weniger der allgemeinen Literatur zuzuordnen, sondern eher ein journalistisches Lehrbuch. In meiner journalistischen Ausbildung im Rundfunk-Journalismus hätte mir ein solch tiefgehendes und umfangreiches Buch zum […]

Christina Morina: Tausend Aufbrüche

Noch ein Buch über die deutsche Wiedervereinigung. Denn man kann dieser Geschichte eine Menge Perspektiven und Aspekte abgewinnen. Wahrscheinlich wird man nie zu einem Ende kommen. Auch Christina Morina stellt noch einmal eine andere Betrachtung an. Es geht nicht grundsätzlich um die Wiedervereinigung an sich, sondern um die unterschiedlichen Arten von Verständnis als Staatbürgerinnen und […]

Ian Kershaw: Der Mensch und die Macht

Ian Kershaw ist nicht nur ein bekannter Historiker, speziell für das 20. Jahrhundert in Deutschland, sondern auch ein fleißiger Autor. Dieses Buch stammt aus 2022, schon davor gab es von ihm neun bzw. zehn Bücher speziell über die NS-Herrschaft. Hier widmet er sich nicht allein der deutschen, sondern der europäischen Geschichte. Die Eingangsfrage ist, wie […]

T. C. Boyle: Sind wir nicht Menschen

Wenn auch kein Fan von Romanen und Kurzgeschichten, habe ich die von Mark Twain, oder die Bücher von oder gerade das von sehr gerne gelesen. T. C. Boyle war mir nicht unbekannt. Über seinen Geschichtenband schreibt der Deutschlandfunk: Eine große Leserschar hängt T.C. Boyle dabei regelrecht an den Lippen. Sie wird angesichts der enormen Produktivität […]

David Graeber/David Wengrow: Anfänge

Jean-Jacques Rousseau behauptete, die Ungleichheit der Menschen hätte begonnen, als nach dem Übergang vom Jäger und Sammler zur Landwirtschaft ein Bauer seinen Acker einzäunte und zu seinem Privateigentum erklärte. Man muss dem Genfer Philosophen zugute halten, dass man zu seiner Zeit über die Frühzeit des Homo Sapiens so gut wie nichts wusste. Erst moderne Methoden […]

Ortwin Renn: Gefühlte Wahrheiten

Geht man einmal dreihundert Jahre zurück, sammelten Menschen Erfahrungen und Wissen aus ihrer direkten Umwelt. Was in Haus und Hof funktionierte und was nicht, was stimmte und was nicht. Wir dagegen haben es im Vergleich dazu schwer. Unsere Umwelt ist so komplex und unüberschaubar geworden, dass wir ständig auf die Aussagen und Urteile anderer Leute […]

Juli Zeh: Über Menschen

Romane kommen mir eher selten in die Hände. Es sei denn, das Bücherbudget für den Monat ist aufgebraucht, der vierte Band von Precht zur Philosophie ist zu teuer und das örtliche Sortiment zu überschaubar. Obwohl eher zweifelhafte Orientierung, ließ mich dann die Position in der Spiegel-Bestsellerliste zu diesem Buch greifen. Was ich am Ende nicht […]

Arlt/Becker/Mann/Wirtz: Einsam in Gesellschaft (Wolf Schneider KI)

Kaum ein Journalist kann mit dem Namen Wolf Schneider nichts anfangen. In Wikipedia heißt es über ihn: Von 1995 bis 2012 hielt Wolf Schneider Sprachseminare für Presse und Wirtschaft und war Ausbilder an Journalistenschulen. Er schrieb 28 Sachbücher, darunter Standardwerke wie Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergaß (1994), Deutsch für Kenner. Die […]

Ralf Zerback: Triumpf der Gewalt

Da wären dann Bücher, die sich auf eine ganze Epoche beziehen, auf ein einzelnes Jahr wie bei Volker Ullrich, oder sogar nur auf eine einzelne Woche. Ralf Zerbach widmet sich in seinem Buch drei Jahren, jedoch drei in der deutschen Geschichte entscheidenden Jahren. In denen die Reichskanzler Brüning und dann von Papen versuchten, die Weimarer […]

Arlt/Becker/Mann/Wirtz: Einsam in Gesellschaft

Sozialwissenschaftliche Untersuchungen belegen zunehmende Einsamkeit, bei älteren Menschen in der letzten Lebensphase und eher unerwartet bei jüngeren Menschen zwischen 19 und 25 Jahren. Beide Gruppen deshalb, weil bei ihnen starke Veränderung im Lebensverlauf auftreten. Einerseits Eintritt in den Ruhestand, Verlust der Partnerin oder des Partners, Verselbstständigung der Kinder. Dann wieder Studienbeginn, Umzug, Wegbrechen der gewohnten […]

Pia Lamberty & Katharina Nocun: Gefährlicher Glaube

Hat man in Facebook nur gelegentlich auf so etwas reagiert, wenn auch nur aus Neugier, wird man damit überschüttet. Leute, die Terpentin trinken, sich mit ätzenden Desinfektionsmittel einreiben oder abstruse Heilungsmethoden anbieten. Bevorzugt irgendetwas mit Geistern, Astralwesen oder kosmischen Kräften. Der Eindruck, dass Esoterik und Aberglaube gerade wieder groß in Mode sind, täuscht nicht. Leider […]

Carlo Masala: Weltunordnung

Als 1990 die Berliner Mauer fiel und das Ende der Sowjetunion absehbar war, war es nicht nur das Ende des kalten Krieges zwischen den beiden großen Machtblöcken. Der Westen, also die USA und Europa, hatten sich durchgesetzt. Nicht nur durch militärische, sondern gerade durch ökonomische Überlegenheit. Mit dem Entfall der Bedrohung durch den Osten erwartete […]

MaxPlanckForschung

MaxPlanckForschung ist das Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft und berichtet über aktuelle Forschungsarbeiten an ihren Instituten aus vielen Gebieten. Von Grundlagen über Medizin und Biologie bis zur Informationstechnik. Es hat den Anspruch, wissenschaftliche Themen allgemeinverständlich aufzubereiten. Die Zielgruppe sind interessierte Laien, Schüler, Lehrer und Journalisten.Veröffentlicht werden Berichte aus den Rubriken: „Zur Sache“, „Physik & Astronomie“, „Biologie & […]

Benjamin Lahusen: Der Dienstbetrieb ist nicht gestört

Wen könnte dieses Thema interessieren, außer vielleicht Juristen? Wenn man Bücher bei der Bundeszentrale für politische Bildung ordert, kann man sicher sein, dass der Inhalt von allgemeinem Interesse ist. Dass das auch hier der Fall ist und um welches Oberthema es sich dreht, macht der Autor Benjamin Lahusen schon unterhaltsam in der Einleitung klar. Da […]

Stephan Lessenich: Nicht mehr normal

„Deutschland. Aber normal.“ war eine Wahlparole der AfD in der letzten Bundestagswahl. Was die AfD unter „normal“ versteht, ist klar. Eine normale Familie besteht für sie aus Vater, Mutter und Kindern, ein normaler Mann findet nur Frauen sexuell attraktiv, normal ist es, wenn der Titel Doktor selbstverständlich auch Doktorinnen einschließt. Dabei ist der Begriff der […]