Dust in the air suspended ...

Mal kein Buch, sondern ein Magazin aus der Reihe Biografie des SPIEGELs. Es ist sicher schon eine Menge über Angela Merkel geschrieben worden, sogar mehrere umfangreiche Biografien. Diese SPIEGEL-Sonderausgabe konkurriert nicht, sondern liefert einen kompakten und doch detaillierten Überblick über die Kanzlerin. Die die erste war. Übernommen sind viele Artikel aus dem SPIEGEL seit ihrem Amtsantritt bis zum Sommer 2021. Zusammen ergibt sich ein gutes Bild über den Menschen und die Politikerin, die uns nun 16 Jahre begleitet hat. Das Gesamtbild ist weitreichend, von ihren Verdiensten bis zu den Gebieten, wo sie versagt oder ignoriert hat.

Ergänzt werden die Texte durch Bilder ihrer Kanzlerinnenschaft, die viel aussagen über den Menschen Angela Merkel. Eine kompakte und journalistisch hervorragende Zusammenfassung. Wer keine Zeit für dicke Bücher hat, ist mit diesem Magazin gut versorgt.

 

Wahrscheinlich ist es eher selten, dass ich mit Bill Gates und Barack Obama einer Meinung bin. Was dieses Buch angeht dann aber schon. Beide bezeichnen es als ein sehr lesenswertes und inspirierendes Buch. Es geht um unser Denken und unsere Vorstellung der Wirklichkeit. Wobei das Thema an sich für mich nicht ganz so neu war, denn auch die Bücher von Gerd Gigerenzer und Daniel Kahneman beschäftigen sich mit der Frage, warum wir mit unseren Bauchgefühlen und Intuitionen so oft falsch liegen. Rosling beweist das nicht nur besonders anschaulich, sondern zeigt unsere Fehleinschätzungen der Realität besonders plakativ und überraschend zugleich. Dabei war Rosling nicht Psychologe oder Soziologe oder gar Philosoph, sondern kam aus der Medizin. Genau dort stieß er jedoch auf Hinweise, dass wir mit unseren Einschätzungen und Urteilen weit unter Zufallsergebnissen liegen. Und sogar schlechter in Fragenkatalogen zu medizinischen, politischen und sozialen Themen abschneiden als eine Horde Schimpansen. Das führt er auf einige, wie er sie nennt, Instinkte in unserem Denken zurück. Wie der Instinkt der Dringlichkeit. Deshalb dieses Buch lesen! Sofort! Ehe es zu spät ist!!!

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Mit ins Deutsche übersetzten Büchern amerikanischer Autoren tue ich mich manchmal schwer. Es sei denn, es geht um Musiktheorie oder Physik. Zu unterschiedlich sind, trotz aller politischen und wirtschaftlichen Parallelen, Werte und soziale Normen in Deutschland und den USA. Auch Michael J. Sandels Buch über das Ende des Gemeinwohls fußt auf amerikanischen Verhältnissen und der amerikanischen Geschichte. Besonders in diesem Fall den Verhältnissen an Universitäten und der Gesellschaft jenseits des Atlantiks. So konzentriert sich Sandel auf die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft, der Machtverhältnisse und wirtschaftlichen Lage in seinem Land. Also zuerst gesehen fern der bundesdeutschen Realität, könnte man meinen. Doch es täuscht. Sandel liefert eine gelegentlich etwas abgehobene, detailverliebte und dann wieder sehr feinsinnige Analyse, warum Brexit, Donald Trump und Rechtpopulismus weltweit solche Siegeszüge antreten konnten. Oder wie der Spruch lautet, dass die Entwicklungen in Deutschland denen in den USA nur um zehn Jahre hinterher hinken. Da ist etwas dran.

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Das Erscheinen dieses Buches sei ein Großereignis, so wird Steven Pinker* auf dem Cover zitiert. Ziemlich starker Tobak. Worum es geht, macht der Titel des Buches klar, nämlich über zwei verschiedene Betriebsarten unseres Denkens. Einmal die schnelle Beurteilung von Situationen und das schnelle Entscheiden, auf der anderen Seite das gezielte und mühsame Nachdenken und Urteilen durch Abwägung von Argumenten, Fakten und Vorwissen. Klingt eher einfach, füllt dann am Ende doch fast 600 Seiten. Hat man sich durch das dicke Buch gearbeitet, und ja, es fällt leicht, denkt man zumindest ein wenig anders über sein eigenes Denken. Daniel Kahneman beginnt sein Werk kurz, eher etwas kryptisch, warum, versteht man am Ende des Buches. Danach führt er in die Unterscheidung der zwei Betriebsarten ein. Das eine Denkschema nennt er System 1, was wir landläufig mit Intuition, Bauchentscheidung oder Selbstverständlichkeit bezeichnen. System 1 ist schnell, meistens unbewusst und basiert auf naheliegenden Erinnerungen. System 2 dagegen ist das wirkliche rationale und kritische Nachdenken über etwas. Dazu braucht es den Zugriff auch auf lang zurückliegende Erinnerungen, auf spezialisiertes Wissen und die Fähigkeit zur Selbstkritik. Kahneman führt uns auf diesem Wege in die Systematik unseres Denkens ein. Die Erkenntnisse daraus sind manchmal erschütternd. Und stellen unser Denken und seine Zuverlässigkeit auf eine harte Probe.

*) Professor am Harvard College des Fachbereiches Psychologie der Harvard-Universität

 

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Der Mittelteil seiner Trilogie Eine kurze Geschichte der Menschheit, 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert und Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen. Während der erste Teil auf die Entstehung des Homo Sapiens zurückblickt und der letzte in die ferne Zukunft unserer Spezies voraus, geht Harari hier in die nahe Zukunft des Menschen. Wie er das tut, ist etwas ungewöhnlich, wenn auch nicht revolutionär. Er nimmt sich 21 Stichwörter in fünf Bereichen oder Kapiteln und, nun ja, philosophiert darüber. Wofür stehen Menschen bei diesen Begriffen und was wird daraus in der nächsten Zeit werden? Welche Rolle spielen sie aktuell und welche in der nahen Zukunft? Das sind Begriffe wie Desillusionierung, Gleichheit, Religion, Demut oder Postfaktisch. In diesem Sinne tendiert das Buch eher in eine philosophische Richtung als in eine historische, anstatt Sachbuch oder Analyse zu sein. So steht eine Prognose im Vordergrund, noch mehr eine Reflektion, trotz des Blicks in die Zukunft. Mal wieder ein sperriges Buch von Harari, nix für die Sonnenliege auf Malle. Trotzdem klug, faszinierend und erhellend. Ein Buch, dem es gelingt, einen auf eigene Gedanken zu bringen.

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Wenn man beinahe alle üblichen Bücher über das Texten und Journalismus hinter sich hat, findet man dann noch andere Aspekte oder Sichtweisen? Ich versuche es jedenfalls. So tauchte das Buch von Gisela Goblirsch in einer Verlagsliste zu Neuauflagen bei Springer auf. Was mich neugierig machte, war der Untertitel Systemische Textmodelle, systemische Sichtweisen kannte ich bisher aus der Psychologie oder verwandten Wissenschaften. Tatsächlich nähert sich Goblirsch Texten aus einer Konstellation, die eben mit systemischen Ansätzen an das Thema herangeht. Eine gewisse andere Welt musste sich damit zwangsläufig auftun.

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