Es waren einmal zwei Berufsgruppen, die für Wissen und Fakten zuständig waren. Leute in der Lehre und im Journalismus. Beide Gruppen haben in den letzten Jahren enorm an Anerkennung verloren. Für Journalistinnen und Journalisten sagt Roger de Weck: selbst schuld. Seit die meisten Menschen eher den sozialen Medien trauen als dem Nachrichtensprecher oder der bundesweiten Tageszeitung, geht es mit Zeitungen und Verlagen bergab. Es wird immer weniger Werbung in Print gebucht, so dass Verlagen das Geld ausgeht. Nicht jedoch den Medien, von Facebook bis TikTok, von SPIEGEL Online bis Nius. Fakten interessieren nicht mehr, Wahrheit schon gar nicht, wie es uns Donald Trump vormacht. Es geht auch nicht mehr um Informationen, sondern knallen muss es. Man möchte wenigstens einmal am Tag seine Meinung abgesondert haben, die Kommentare zu den Kommentaren kommentieren. Journalismus auf dem Abstieg, braucht keiner mehr. Dass damit auch die Demokratie und ihre Regeln den Bach herunter gehen, ist Kollateralschaden. Der Journalismus reagiert, indem er sich den Medien anpasst. Keine Nachricht, die nicht noch zwei Mal aufgewärmt wird, Ich-Journalismus über den eigenen Burnout oder andere psychische Probleme sind schnell und billig produziert, tiefgehende Recherchen einfach zu teuer. Außerdem interessieren Details kaum noch jemanden. Grell und klickgenerierend muss es sein. Was also machen wir jetzt mit dem Journalismus? Als historisches Phänomen abschreiben? Den Dampfplauderern und Untergangspropheten das Feld überlassen? Roger de Weck warnt davor, die Medien den gekauften Influencern zu überlassen, sich nur noch als Lifestyle-Ratgeber zu inszenieren. Stattdessen ruft er seine Kollegen und Kolleginnen auf, den Journalismus zu retten. Weil es ohne ihn auf Dauer nicht geht.
Archiv für das Monat: Februar, 2026
„Eine Stunde History“ in Deutschlandfunk Nova gehört schon lange zu meinen liebsten Podcasts. Nun hat Matthias von Hellfeld 2025 ein Buch herausgebracht, das zufälliger Weise zu einer meiner vorherigen Lektüren passt. Doch gibt es zum älteren Buch einen wichtigen Unterschied, es geht nicht um die Welt, sondern nur um ein Land. Es geht um den Glauben, es gäbe so etwas wie ein historisches Deutschland, oder wie Alexander Gauland von der AfD faselte, eine tausendjährige erfolgreiche Geschichte. Dass das hanebüchener Quatsch ist, sei als bekannt vorausgesetzt. Tatsache ist, lieber Herr Gauland, dass Deutschland als Nation erst im 19. Jahrhundert entstand. Genauer: 1871. Und komm nun niemand mit den Germanen. Im Gegensatz zu Frankreich oder Großbritannien, die wirklich auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurück blicken können. Stattdessen war das Heilige Römische Reich, sozusagen eine Art Vorläufer eines Teils von Deutschland, vom Spätmittelalter bis 1806 eine Ansammlung von 350 Kleinstaaten. Damit haben wir das Stichwort Nummer Eins des Buches, Kleinstaaten. Stichwort Nummer Zwei, man rechnet fast damit, ist Migration. Das sind die beiden Fixpunkte des Buches. Von Hellfeld verfolgt nicht nur diese spezielle Vorgeschichte Deutschlands, sondern auch, warum Wanderungsbewegungen seit dem Römischen Reich der Normalfall waren. Weiter gesehen, schon seit 20.000 Jahren. Nun ist Einwanderung in Deutschland ja ein ganz besonders heikles Thema. Was aber mit dessen Geschichte zusammenhängen könnte. Deshalb war ich auf dieses Buch sehr gespannt. Übrigens wie immer für kleines Geld bei der Bundeszentrale für politische Bildung zu haben.
Matthias von Hellfeld in der Wrintheit von Holger Klein:
