Musik begleitet mich so lange ich denken kann. Meine erste Erinnerung daran war die riesige Musiktruhe meiner Tante, an der ich auf einem Stuhl stehend die Schelllackplatten mit 78 U/min. durchnudelte. Wie hier Freddy Quinn aus den späten 50ern. Mit sechs bekam ich meinen ersten Plattenspieler, ein beiges Gerät aus Italien mit schepperigem Lautsprecher im Deckel. Wenige Monate später kaufte ich meine erste eigene Single. Das war 1962, 45er-Singles waren da noch brandneu. Inzwischen habe ich über 30 Jahre lang in diversen Bands gespielt und seit 2006 eine abgebrochene Klavierausbildung hinter mir. Auf meine 300 Gigabyte MP3-Sammlung könnte ich nie verzichten. Das Meiste davon hatte ich zuvor auf CDs und Schallplatten. Mit solchen Erinnerungen bin ich nicht allein, für viele Menschen ist Musik nicht nur Beiwerk, sondern elementarer Teil ihres Lebens. Wirklich amusisch, also unmusikalisch, sind wenige Prozent der Menschheit. Viele Leute haben vielleicht keine Beziehung zu ihr, doch es können mehr Menschen singen als sie von sich glauben. Ullrich Fichtner meint, Musik sei viel mehr als ein Zeitvertreib oder Unterhaltung. Wahrscheinlich haben schon Menschen gesungen, bevor sie eine ausdifferenzierte Sprache entwickelten. So macht sich Fichtner auf den Weg durch die Geschichte der Musik und des Hörens, wie Musik funktioniert, wie Musik Gesellschaften beeinflusst, warum Menschen eher orientalische oder eher westliche Musik als wohlklingend empfinden. Aktuelle Forschung zeigt Erhellendes. Und dass Musik heilen kann, viel mehr, als die konventionelle Medizin zuzugeben bereit ist. So entsteht ein Buch, das viele Aspekte der Musik beleuchtet. Musik als Teil des Menschseins.
Archiv für das Monat: März, 2026
Im November 2026 wollte mein Auto mal wieder zum Freundlichen. Besser gesagt, nervte mich der Bordcomputer mit blinkenden Anzeigen und Gepiepe. Nicht wegen vieler gefahrener Kilometer, sondern weil ein Jahr herum war. Als ich in meinen Leihwagen einstieg, ein aktueller VW Polo, fiel mir zuerst das riesige Display auf, das mittig auf dem Armaturenbrett pappte. Mit imposanter Höhe in das Blickfeld durch die Frontscheibe ragte. Den Fahrersitz konnte ich noch einstellen, wie ich es seit meinem Sharan Baujahr 1998 bei VW gewohnt war. Beim Einstellen der Seitenspiegel scheiterte ich. Es gab nicht, wie in meinem Golf VII, einen Knopp in der Armstütze der Tür, wo man die Spiegel verstellen konnte. Stattdessen hätte ich mich auf dem Mäusekino durch Menüs tippen müssen. Ich beschloss, die wenigen Kilometer über Landstraßen nach Hause ohne korrekte Außenspiegel zu fahren. Wenigstens schaffte ich es, dem Radio WDR 5 zu entlocken. Während der Fahrt bombardierte mich das Display hinter dem Lenkrad mit aktueller Geschwindigkeit, Außentemperatur, aktuellen Aktienkursen und momentaner Ausdehnung des Universums. Warum die Geschwindigkeit einmal in Groß und einmal in Klein auf dem Display? Weder Klimaanlage noch Radio-Lautstärke ließen sich über physische Regler einstellen, überall nur Touch. Für mich stand fest, dass mir eine solche Kiste nie ins Haus käme. So etwas Ähnliches hat Gabriel Yoran auch erlebt, doch begonnen hat die ganze Geschichte mit der Bedienung seines AEG-Kochfeldes, das ich auch habe. Das hat 0 - 1 - 3 - 5 - 8 - 10 - 14 - A als Heizstufen. Wer denkt sich so etwas aus? Und kann man darüber ein ganzes Buch schreiben? Man kann, man muss nur den Blick weiten.
Schaut man sich Posts, Likes und Kommentare in sozialen Median an, insbesondere Instagram, YouTube und TikTok, müssen Millionen Menschen unter Depressionen, ADHS oder Borderline leiden. Ganz besonderes jüngere Leute. Wer nur halbwegs bei Trost ist, wird wissen, dass gerade die Verfasser dieser Posts weder einen entsprechenden fachlichen Hintergrund haben noch über medizinische Qualifikation zu diesen Themen verfügen. Es geht, wie üblich in diesen Medien, um Clicks und Aufmerksamkeit. Mit immer dem gleichen Ziel: absahnen, Aufmerksamkeit abgreifen. So weit, so klar. Jedoch kann die andere Seite vor dem Display leicht aus dem Blick geraten. Man könnte wegen des breiten Interesses darauf schließen, dass tatsächlich in den letzten Jahren so viele Menschen von psychiatrischen Diagnosen betroffen sind. Medizinische Statistiken helfen da nicht weiter, denn wer endlich in Insta die Lösung für seine Probleme gefunden hat, aus angeblichen Symptomen endlich schließen kann, dass er oder sie ADHS hat (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), geht nicht zum Arzt. Bestellt sich lieber im Internet aus dubiosen Quellen die empfohlenen Medikamente und gesteht sich nicht ein, einfach nur extrem schusselig oder disziplinlos zu sein. In diesem Buch von Laura Wiesböck geht es um beide Seiten. Die Quacksalber und die eingebildeten Kranken. Die eingebildeten Kranken sagen dann, sie hätten keine Diagnose, sondern seien die Diagnose.
