Über das Dritte Reich gibt es sehr umfangreiche Dokumentation, aus politischer, gesellschaftlicher oder historischer Sicht. Sogar aus philosophischer. Braucht es dann noch ein Buch speziell über das Konzentrationslager Auschwitz? Mein Wissensstand zu Auschwitz und anderen Lagern, dem Dritten Reich und seiner Vorgeschichte habe ich bisher aus einem ganzen Abschnitt meines Bücherregals, trotzdem habe ich mir das Buch der BPB vorgenommen, in der Hoffnung auf einen anderen Blickwinkel und zusätzliche Informationen. Ich gebe zu, dass ich erst nicht ganz so optimistisch war, nach eben viel anderer Literatur zum Thema. Meine Erwartung war eher eine endlose Liste an Namen und Daten, Zahlen von Opfern und Namen von Tätern. Wie es mir in anderen geschichtlichen Werken geboten wurde. Schon das erste Kapitel zeigt, dass Piper anders vorgeht. Es geht nicht nur darum, Daten und Fakten aneinander zu reihen, sondern einen weiter reichenden Überblick zu liefern. So beginnt er in gewisser Weise mit den Anfängen des Dritten Reiches, um sich dann in den weiteren Kapiteln detaillierter mit den verschiedenen Aspekten zu beschäftigen, wie und warum es zu Auschwitz überhaupt kam. Dieses Untergliedern in unterschiedliche Themenblöcke verschafft dem Buch nicht nur eine sehr logische Struktur, sondern auch eine Lesbarkeit, die wenige Autoren von Sachbüchern erreichen. So zeigt Piper, dass geschichtliche Werke eben nicht langweilig sein müssen. Genauer und verständlicher kann man das Thema Konzentrationslager wohl kaum behandeln.
Archiv für das Monat: August, 2026
Nach der Bibel wissen wir vom ersten Massenmörder der Menschheit: Kain, der seinen Bruder Abel erschlug. Kain und Abel waren die Kinder von Adam und Eva. Kain erschlägt Abel aus Neid, nachdem Gott Abels Opfer bevorzugt hat. Die Geschichte gilt als frühes biblisches Beispiel für Brudermord und wird oft als Erzählung über Eifersucht, Gewalt und die Frage nach Schuld gelesen. Denkt man der Geschichte allerdings genauer hinterher, wird die Sache fraglich. Wenn die beiden Brüder in der Bibel außer ihren Eltern die einzigen Menschen waren, wie ging die Geschichte der Menschheit denn dann weiter? Auf jeden Fall wird dieser Mord auch so interpretiert, dass Mord und Töten quasi in unser Menschsein eingeschrieben sind. Also in unseren Genen verankert, somit Mord bis hin zu Kriegen Teil unseres genetischen Erbes. Das Buch hinterfragt diese Annahme auf Basis verschiedener wissenschaftlichen Richtungen, der Biologie, der Primatenforschung, der Archäologie, der Verhaltensforschung, der Geschichte. Angefangen von Gewalt gegenüber einzelnen Personen, zwischen Gruppen und Stämmen bis hin zu den großen Kriegen, wie dem Dreißigjährigen und den Weltkriegen. Nicht ohne Grund beginnt das Buch bei unseren Verwandten im Tierreich, den Schimpansen und Bonobos. Ob diese nahen Verwandten des Menschen auch Kriege kennen und wie sie Gewalt untereinander ausüben und aus welchen Gründen. Wie zu erwarten, gibt es zwischen Primaten und Hominiden erhebliche Unterschiede. Damit beginnt die Suche, wo sich dieses Verhalten verändert hat und warum. Doch nur Biologie und Ethnologie allein helfen nicht weiter. Darum kommen weitere Forschungsfelder zum Zuge.
