Roger de Weck: Das Prinzip Trotzdem
Es waren einmal zwei Berufsgruppen, die für Wissen und Fakten zuständig waren. Leute in der Lehre und im Journalismus. Beide Gruppen haben in den letzten Jahren enorm an Anerkennung verloren. Für Journalistinnen und Journalisten sagt Roger de Weck: selbst schuld. Seit die meisten Menschen eher den sozialen Medien trauen als dem Nachrichtensprecher oder der bundesweiten Tageszeitung, geht es mit Zeitungen und Verlagen bergab. Es wird immer weniger Werbung in Print gebucht, so dass Verlagen das Geld ausgeht. Nicht jedoch den Medien, von Facebook bis TikTok, von SPIEGEL Online bis Nius. Fakten interessieren nicht mehr, Wahrheit schon gar nicht, wie es uns Donald Trump vormacht. Es geht auch nicht mehr um Informationen, sondern knallen muss es. Man möchte wenigstens einmal am Tag seine Meinung abgesondert haben, die Kommentare zu den Kommentaren kommentieren. Journalismus auf dem Abstieg, braucht keiner mehr. Dass damit auch die Demokratie und ihre Regeln den Bach herunter gehen, ist Kollateralschaden. Der Journalismus reagiert, indem er sich den Medien anpasst. Keine Nachricht, die nicht noch zwei Mal aufgewärmt wird, Ich-Journalismus über den eigenen Burnout oder andere psychische Probleme sind schnell und billig produziert, tiefgehende Recherchen einfach zu teuer. Außerdem interessieren Details kaum noch jemanden. Grell und klickgenerierend muss es sein. Was also machen wir jetzt mit dem Journalismus? Als historisches Phänomen abschreiben? Den Dampfplauderern und Untergangspropheten das Feld überlassen? Roger de Weck warnt davor, die Medien den gekauften Influencern zu überlassen, sich nur noch als Lifestyle-Ratgeber zu inszenieren. Stattdessen ruft er seine Kollegen und Kolleginnen auf, den Journalismus zu retten. Weil es ohne ihn auf Dauer nicht geht.


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