Manchmal liest man in technisch orientierten Fachzeitschriften einen Artikel, und man blättert nach wenigen Zeilen weiter. Technische Details ohne Ende, aufgelistet und aufgereiht, aneinander geklebt und gespickt mit Fachbegriffen. Manche kennt man als Fachmann, aber es gibt auch Autoren, die es schaffen, sogar den Fachmann zu verwirren. Ist man selbst Autor von Fachartikeln, könnte man sich fragen, was denn einen Beitrag lesenswert macht. Oder noch einen Schritt weiter: wann liest man einen Beitrag gerne und zu Ende? Ohne über Kollegen herfallen zu wollen, vielen Autoren scheint das eher egal zu sein, als ginge es nur darum, die notwendigen Textlängen inklusive Leerzeichen abzuliefern. Dabei sollte doch auch der Fachautor ein Interesse haben, dass seine Artikel gelesen werden. Was zur Frage führt, wann ein Beitrag lesenswert wird, angenommen wird, Spaß macht. Auch wenn der Spaß im beruflichen Umfeld nicht unbedingt erste Priorität hat.

Natürlich kommen als erste Maßnahme die altbekannten Regeln zum Einsatz. Möglichst farbige Verben, keine Substantivierungen, kein Amtsdeutsch, kurze und lange Sätze wechseln sich ab. Hamburger Verständlichkeitsmodell, logische Verläufe des Texts. Wie der Mathematiker sagt, ist das notwendig, aber nicht hinreichend. Auf der Suche nach Modellen, die „gute“ Texte, auch im technischen Umfeld erlauben, fiel mir wieder dieses Heftchen in die Hände. Aus der Zeit auf der Journalistenschule. Über die Königsklasse des Journalismus, über das Feature.

Was ist ein Feature?

Live from tape

Live from tape

Das Feature ist eine journalistische Darstellungsform. Features haben sowohl Merkmale einer Reportage als auch einer Dokumentation. Das Feature ist vor allem im Hörfunk gern genommen, aber auch im Fernsehen im Einsatz. Meistens behandelt das Feature eine allgemeine Frage oder Problemstellung, verdeutlicht sie dann anhand eines konkreten Beispiels. Zum Beispiel ein Feature über die Integration von Flüchtlingen anhand eines einzelnen Menschen oder einiger konkreten Personen. Der Kern des Features, und was uns in diesem Zusammenhang interessiert, ist die Form der Darstellung. Textlich wechselt das Feature zwischen Fakten und Grundinformationen einerseits und erzählerischen, bildlichen Abschnitten andererseits. Eine Regel ist, dass ein Feature einen szenischen Einstieg hat, eine Stimmungsschilderung, eine Atmosphäre, eben emotional geprägt. Im fachlichen Kontext muss das nicht sein, da geht auch die Schilderung einer Problemstellung oder ein Status Quo, wenn das nicht auch irgendwie ein szenischer Einstieg ist.

Beispiel aus eigener Hand ein Feature, das ich zur Übung in einem Seminar geschrieben habe. An diesem Beispiel wird deutlich, dass das Feature umschaltet, von Daten/Zahlen/Fakten zur Geschichte, von trockenen Abschnitten zu emotional gefärbten Textteilen. Dadurch bekommt ein Feature die narrativen Anteile, die ein Lesen erleichtern oder sogar interessant machen. Und warum dieses Prinzip nicht auch in Fachbeiträgen verwenden? Es muss ja nicht extrem wechselnd sein, aber die unterschiedlichen Sichtweisen können beibehalten werden, der Fokus wechselt abschnittsweise.

Technik und Emotionen

Nun mag der geneigte Leser einwenden, es ginge in einem Beitrag in einem Fachmagazin doch um harte Fakten, Positionierung im Wettbewerb und Marketing schlechthin. Außendarstellung nicht zu vergessen. Das ist auch so, aber das meint wiederum nicht, das ein Fachbeitrag zum Gähnen sein muss. Es muss ja nicht gleich heißen, dass man den Elektriker oder IT-Entwickler zu Tränen rühren muss. Gemeint ist lediglich, den Text in dem Sinne aufzubauen, dass „trockene“ Abschnitte mit eher alltäglichen, greifbaren und erfahrbaren Aspekten eines Themas wechseln. Wenn ich zum Beispiel über Eigenschaften oder Vorteile eines Produktes rede, kommt es um so eher auf der anderen Seite an, wenn ich diese Eigenschaften in einer realen Umgebung zeige, wenn etwas eben erfahrbar wird und der Leser es auch für sich selbst abbilden kann.

Es geht beim Feature um das Prinzip des Wechsels zwischen Fakten und Story. Die Fakten sind das, was ich vermitteln möchte (oder muss). Die Story, das Alltägliche, eher emotionaler Anteil, ist der bindende Kitt. Wenn ich das Grundprinzip des Features nutze, erreiche ich den Leser in seiner Person und in seinem Umfeld, anstatt endlos technische Details oder Value Propositions aufzuführen. Zur Erinnerung zwei Prinzipien des Journalismus. Erstens der Küchenzuruf von Karlheinz beim Zeitunglesen: „Else, wusstes Du schon, dass die jetzt …“. Zweitens der Kern des Storytellings: „Show, don’t tell“. Mache das Erzählte fühlbar, aktiviere im Leser das Kopfkino. Noch ein Beispiel, in dem ich versucht habe, eher wie in einem Feature zu schreiben als in einem technischen Bericht. Über altergerechtes Wohnen im Smart Home. Das war ein erster Versuch, aber ich werde in Zukunft das Feature deutlich öfter nutzen. Weil es einfach ist.

 

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