Manchmal bekomme ich EMails, deren Sinn und Inhalt sich mir auch nach mehrmaligem Lesen nicht erschließt. Vor einiger Zeit stellte ich einem Kollegen eine Frage, und ich bekam als Antwort etwas, was mit der Frage aus meiner Sicht nichts zu tun hatte. Also formulierte ich die Frage um und präzisierte sie, aber die Anwort war immer noch die gleiche. Würde man diese Leute nun direkt auf ihre Kommunikations-Schwierigkeiten ansprechen, wäre Unverständnis das Ergebnis. Abgesehen davon, dass dieser Hinweis wahrscheinlich als Angriff interpretiert würde. Also verkneift man sich den Hinweis.

Mit dem Schreiben hat diese Geschichte insofern zu tun, dass sie von einem wichtigen Thema für Trainer und auch Coaches handelt, der Selbstreflexion. Selbstreflexion heißt, dass man sein eigenes Handeln, auch seine Annahmen, Urteile und Prinzipien in Frage stellt, einen Schritt zurück tritt, sie betrachtet und sich fragt, ob sie sinnvoll oder zielführend sind. Ich halte dieses Vorgehen für einen Schreibenden für unverzichtbar. Aber 97% der Leute tun dies nicht, halten ihr Vorgehen und Handeln für richtig und wichtig. Ohne dass sie dafür Feedback von außerhalb bekommen. Es reicht also nicht, sich seine Texte auf Fehlerfreiheit und Logik anzusehen, sondern es lohnt sich, das Papier ein paar Zentimeter weiter weg zu halten und zwischen den Zeilen zu lesen, ob denn der meinige Weg so wirklich nur gut gemeint, aber nicht gut gemacht ist. Man könnte es auch Selbstkritik nennen, aber es ist mehr, es geht tiefer.

Das Reflexionsrad von Maturana zeigt diesen Prozess. Nur setzt dieser Prozess in unserem Fall drei Dinge voraus: die Bereitschaft und Fähigiet zur Selbstkritik, die Bereitschaft und Fähigkeit zur Veränderung und das unspezifische Gefühl, dass wir etwas besser machen könnten. Die schwierigste Hürde ist das Erkennen der Schwachpunkte, wären sie offensichtlich, wäre es leichter sie abzustellen. Aber ich denke, man findet Anhaltspunkte genug, wenn man sich den Gedanken und Eindrücken freien Lauf lässt.

  • Folgt mein Text einer logischen, temporalen und sinngemäßen Linie, gibt es einen Faden?
  • Wie ist die Struktur meiner Texte? Ist das Kriterium erfüllt, dass ein Absatz ein Gedankenende ist, oder brauche ich ihn nur, weil ich mich in Nebenkriegsschauplätze und einem Problemsee versenke?
  • Warum benutze ich Füllwörter, Unschärfen und Verallgemeinerungen? Hat es internalisierte Gründe?
  • Ist das, was ich schreibe und wie es schreibe, wirklich für jeden verständlich?
  • Kommen meine Gedanken, Ideen und Absichten klar an’s Tageslicht?
  • Halte ich den Leser durch Verbindungen, Überraschungen und Ruhepunkte wach und bei der Stange?

Sobald man nur vage das Gefühl hat, an Stellen etwas besser machen zu können, sollte man dem nachgehen. Und sich selbst der beste Freund sein und damit schonungslos. Um Dinge auch andauernd und anhaltend zu verändern.

Aber was bekommt man für diese Mühe? Eine ganze Menge.

  1. Man schreibt besser.
  2. Selbstreflexion kann neue oder andere Potenziale in uns finden.
  3. Warum ich bestimmte Dinge so tue, wird durch Selbstreflexion klar.
  4. Die Kommunikations-Fähigkeit verbessert sich, weil man sich damit gezielt auseinandersetzt.

Ein Buchvorschlag gefällig? „Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion“ von Sigfried Greif.

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