Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen

Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen

Es war wohl der Titel, der dieses Buch zusammen mit Sascha Lobos Buch in den Einkaufskorb wandern ließ. Namentlich war mir Doris Dörrie schon bekannt, als Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Sie ist aber auch Autorin, bisher hatte ich von ihr jedoch noch nichts gelesen. Den einzigen Film, den ich ihr zuordnen konnte, war Happy Birthday, Türke! Dabei ist ihre Liste an Buchveröffentlichungen und Filmen verdammt lang, wie ihr Wikipedia-Eintrag zeigt. Noch viel mehr als der Buchtitel selbst sprach mich der Untertitel an: Eine Einladung zum Schreiben. Also wohl so etwas wie das wesentlich dickere Buch von Roberta Allan. Tatsächlich ist es das, eine Einladung und auch Anleitung zum Schreiben, genauer zum autobiografischen Schreiben. Dass der schiere Umfang eines Buches nichts über die Qualität oder Alltagstauglichkeit des Inhaltes sagt, ist klar. Tatsächlich geht Dörrie einen anderen Weg als Allan. Nicht unbedingt schlechter, aber anders.

Dörries Buch ist so etwas wie ein Konglomerat, zum einen eine Anleitung zum autobiografischen Schreiben, zum anderen eine Autobiografie über sich selbst. Sie beschreibt ganz am Anfang ihr Vorgehen, ihre Motivation und was sie für die wesentlichen Aspekte dieser Schreibform hält. Danach erzählt sie Momente und Abschnitte ihres Lebens, über ihren Studienbeginn in den USA, über ihre beste Freundin N, über ihr Kind und ihre Wandlung zur Mutter, über den Tod ihres Mannes. Jedem dieser Abschnitte, Kapitel sind umfangreicher, folgen Anregungen diese Fäden aufzunehmen und für sich selbst umzusetzen. Dabei wird sehr deutlich, dass diese Form des Schreibens nichts mit Planen, Durchdenken oder Analysieren zu tun hat. Sie folgt den gleichen Pfaden wie Roberta Allan, dass das Schreiben ein Fließen der Gedanken, Erinnerungen und Eingebungen ist. Dazu schlägt sie Fragen vor, wie dieses Fließen der Gedanken und Erinnerungen in Gang gesetzt werden kann.

Obwohl ich mit ihren Vorschlägen zuerst wenig anfangen konnte, wurde mir beim Lesen des Buches allmählich klar, was Dörrie meint. Es geht nicht darum, perfekte Texte abzuliefern, deshalb empfiehlt sie wie Roberta Allan das Schreiben mit der Hand, in Ruhe, an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten. Zuerst war mein Gedanke, was bei dieser Art des Schreibens denn Sinnvolles heraus kommen soll. Dörrie liefert jedoch mit ihren Texten gleich den Beweis dazu, dass auf diese Weise sehr wohl lesenswerte, interessante und manchmal berührende Texte zustande kommen. Deshalb hält sie sich auch nicht mit langen Erklärungen auf, sondern gibt ein paar Stichpunkte und geht dann wieder direkt ins Thema an sich. In ihre Realisation. Gerade deshalb ist ihr Buch ein praxisnahes und verständliches Beispiel für das Erlernen des Schreibens. Des autobiografischen Schreibens, aber am Ende nicht nur. Auch hier ist weniger mal wieder mehr. Und doch hat das Buch ein nicht zu vernachlässigendes Manko. Die Wortwahl, den Stil und die Farbigkeit der Texte wird man als Anfänger im Schreiben kaum erreichen, da merkt man den Schreibprofi Doris Dörrie. Doch als Einladung zum Schreiben kann man dieses Buch schon annehmen. Es weist einem wenigstens schon mal in eine Richtung, die man selbst weiter erforschen kann.

Dories Dörrie in WDR5 – Neugier genügt

 

 

 

 

Klappentext Diogenes-Verlag

Schreiben heißt für Doris Dörrie, das eigene Leben bewusst wahrzunehmen. Wirklich zu sehen, was vor unseren Augen liegt. Oder wiederzufinden, was wir verloren oder vergessen haben. Es ist Trost, Selbstvergewisserung, Anklage, Feier des Lebens. Doris Dörrie denkt in diesem einzigartigen Buch über das autobiographische Schreiben nach, gibt Tipps und kreative Anleitungen. Und sie legt gleich selbst los und erzählt hinreißend ehrlich von ihrem eigenen Leben.

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