Henning Beck: Irren ist nützlich

Henning Beck: Irren ist nützlich

Die Neurowissenschaften sind immer ein Beinahe-Garant für gute Verkaufszahlen. Deshalb tauchen in jedem Monat auch neue Bücher über das menschliche Gehirn auf. Oder auch über das der tierischen Kollegen. Dieses Buch landete auf der SPIEGEL-Bestsellerliste und kam so in meinen Fokus. Nicht ganz uneigennützig, denn als Nachhilfelehrer und Trainer suche ich gerne nach neuen Erkenntnissen, die Lernen und Lehren erleichtern.

Henning Beck ist promovierter Biochemiker, arbeitet an der University of California, hält Vorträge über Hirnforschung und Kreativität. In seinem Buch Irren ist nützlich geht es in der Hauptsache um ein Thema: dass die Fehler und Irrtümer unseres Gehirns nicht Fehlfunktionen sind, sondern für unser Überleben notwendig. Ja, dass wir ohne diese gelegentlichen Pleiten und Pannen in unserem Denkorgan zum Untergang verurteilt wären, sobald sich in unserer Umwelt nur ein Jota verändert. Beck beschreibt, wie und warum unser Gehirn manchmal so versagt, er beschreibt die wichtigsten Funktionsbereiche und wie sie zusammen spielen, welche Bereiche sich die Arbeit aufteilen und was unser Gehirn von einem Computer so wesentlich unterscheidet. Ohne diese Fehler wäre Kreativität gar nicht möglich, nur so kann neues Wissen entstehen und Erkenntnis. Würde unser Gehirn so zuverlässig arbeiten wie ein Computer, könnten wir nicht lernen, nicht erfahren und nicht erfinden. Das alles erzählt er in lockerem Plauderton ohne wissenschaftliche Attitüden oder verzichtbare Fremdwörter. Und er räumt auch gerne mit alten Annahmen und Legenden auf, die aktuelle Forschungen widerlegt haben. Man erfährt eine Menge, und nimmt so manches Aha-Erlebnis mit. Dazu sogar Erkenntnisse für den eigenen Alltag.

So verständlich, informativ und lesbar Henning Beck schreibt, fehlt dem Buch leider eine Struktur, ein Faden durch das Buch und das Thema. Beck arbeitet sich an Themen und Überschriften ab. Zwar ist jedes Kapitel in sich stimmig und fokussiert, es entsteht jedoch am Ende kein umfassendes Bild. Das schadet zwar insgesamt nicht der Information, aber auch ein Sachbuch sollte so etwas wie einen Weg gehen und den Leser durch das Thema hindurchführen. Abgesehen von dieser Schwäche ist Irren ist nützlich ein interessantes und informatives Werk. Was nicht immer selbstverständlich ist.

Viele glauben, dass man konzentriert, effizient und fokussiert arbeiten muss, um Probleme zu lösen und erfolgreich zu sein. Wir sind aber oft langsam, abgelenkt, ungenau und vergesslich. Doch gerade diese Fehler führen zu neuen Ideen und überraschend guten Entscheidungen. Henning Beck zeigt, warum die vermeintlichen Schwächen des Gehirns seine wahren Geheimwaffen sind. Erst durch Irrtümer des Gehirns sind wir kreativ – etwas, das Künstliche Intelligenz uns so schnell nicht nachmacht. Dieses Buch ist ein neurobiologischer Mutmacher, der uns spielerisch leicht zu mehr Konzentration und Entscheidungsstärke und Kreativität verhilft. (Klappentext Random House)

 

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  1. […] funktionierte bei der historischen Person nicht, weder als Text noch in der Struktur des Beitrages. Henning Beck hat wohl recht. Das Gehirn kommt zu Lösungen, indem es Dinge falsch macht und daraus analytisch […]

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