Roberta Allen: Short Shortstories schreiben

Roberta Allen: Short Shortstories schreiben

Ein nicht einfaches Buch. Nicht wegen mangelnder Fähigkeiten oder unklarer Sprache der Autorin, sondern wegen des Inhaltes. Die Qualifikation bringt sie nämlich in jedem Fall mit. In mehr als 300 Literaturzeitschriften sind Kurzgeschichten von Roberta Allen publiziert. Neun Bücher, darunter Anthologien über Kurzgeschichten, eine Novelle und ihre Autobiografie hat sie veröffentlicht. Dozentin an der New School for Social Research, lehrt an der New York University und im The Writer‘ s Voice, einem alternativen Literaturzentrum. Was das Buch schwierig macht ist die scheinbare Leichtigkeit und Überschaubarkeit, wie Roberta Allen das Thema angeht, und sich doch nicht zwingend sofortiger Erfolg einstellen muss. Trotzdem halte ich das Buch für einen der wirklich guten Einstiege ins Schreiben im Sinne von Autorenschaft. Journalisten wie ich, so schreibt sie es auch, müssen sich nämlich von ihrer gewohnten Arbeitsweise entfernen. Zum Glück lässt sie den journalistischen Leser nicht allein.

Es geht um das Schreiben von ganz kurzen Kurzgeschichten, Short Shortstories oder Micro Stories, die einerseits eine besondere Herausforderung sind, andererseits den Zugang zum Schreiben erleichtern. Denn man braucht erst einmal nicht den ganz großen Plot, die vielen Charaktere und die umfangreiche Gliederung. Ziel der Sache sind, wie angesprochen, nicht journalistische Texte, sondern eben Kurzgeschichten. Allen strukturiert diese Einführung ausgesprochen gut. Zuerst bietet sie eine recht umfangreiche Beispielsammlung dieser Short-Shortstories, widmet sich dann dem Schreiben an sich und was diese Geschichten ausmacht, welche Merkmale und Kniffs eine gute Geschichte ausmachen. Tatsächlich bietet sie hier griffiges Handwerkszeug, nicht einfach Theorie. Wo andere Schreiblehrer sich im Ungefähren verlieren, bleibt Allen konkret. Der nächste Schritt ist das Herangehen an die Themenfindung und der reale Prozess des Schreibens. An dieser Stelle punktet das Buch ganz besonders im Vergleich zu anderen Schreibeinführungen, Allen leitet zum inneren Schreiben an, beschreibt den inneren Vorgang beim Schreiben. Gute Geschichten verortet sie im Unbewussten und erklärt, wie man dieses Unbewusste in Geschichten umsetzt. Es folgt ein umfangreiches Kapitel zum Überarbeiten nach dem ersten Annähern an den Text. Allen geht auf technische, strukturelle und inhaltliche Schwächen ein, mit Beispielen, wie Texte straffer, aussagefähiger und packender werden, es geht also weniger um ihre Methode als um Schreiben von Texten an sich. Auch dieser Abschnitt ist immer exemplarisch, konkret und nachvollziehbar, nie theoretisch oder ausschweifend. Im folgenden Teil Zwei des Buches führt Roberta Allen nochmals kurz in ihre Fünf-Minuten-Methode ein, gibt danach eine mehr als reichliche Sammlung an Themenvorschlägen mit auf den Weg. Zuletzt kommen noch Ratschläge und kurze Anleitungen wie man mit ihrer Methode zu längeren Texten oder sogar ganzen Stories kommt. Wobei sie nicht verschweigt, dass viele unterschiedliche Wege zum Ziel führen können.

Das ganze Buch zeugt davon, dass Roberta Allens Buch nicht noch eine weitere Anleitung zur Autorenschaft ist. Man merkt, dass sie nicht nur selbst schreibt, sondern dass sie auch ein Konzept für eine Ausbildung darin hat. Es ist sinnvoll gegliedert, durchdacht und praxisnah. Mit vielen positiven und weniger gelungenen Beispielen. Sie lässt aber nie die Wissende heraus hängen, wähnt sich nicht im Besitz der letzten und einzigen Wahrheit, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass sie ihrer Methode vertraut. Das macht das Buch lesbar und sympathisch. Und sie könnte da durchaus recht haben. Ich bin ihre Methode noch nicht wirklich praktisch angegangen, aber es ist das erste Buch, dass mir wirklich etwas an die Hand gegeben hat, was machbar und umsetzbar ist. Es ist eine Anleitung zur Praxis des Schreibens, bis hin zur Arbeitsumgebung und realen Maßnahmen ans Schreiben zu kommen. Ob ich nun dadurch zum Autor werde, bleibt abzuwarten. Aber am Ende des Buches, das man bestimmt noch öfter zum Nachlesen aufklappt, hat man eine gute Vorstellung davon wie man Kurzgeschichten schreibt und welche Hürden es zu nehmen gibt. In diesem Sinne ein schwieriges, weil inhaltsintensives Buch, aber auch ein gutes. Für mich persönlich das beste, dass ich zum Thema Autorenschaft bisher gelesen habe.

Mit nur zehn Wörtern könne er eine ganze Geschichte erzählen, hatte Ernest Hemingway mit Schriftstellerkollegen gewettet. Die hielten dagegen und legten jeder 10 Dollar auf den Tisch, heißt es. Hemingway schrieb „For sale: Baby shoes, never worn“ – und kassierte den Gewinn. Ob die Story wahr ist, weiß niemand. Aber sie zeigt, dass sich auch in wenigen Worten eine Geschichte erzählen lässt. Mit Roberta Allens Fünf-Minuten-Methode schreiben Sie nicht nur Short-Shortstorys, Sie können auch längere Erzählungen und sogar Romane damit entwickeln. Mit dem Buch von Roberta Allen und ihrer Fünf-Minuten-Methode gewinnen Sie ein neues Schreibinstrument für eine Literaturform, die Ihre unbewussten Kräfte freisetzt, zu überraschenden Bildern führt und ihre Kreativität weckt. (Klappentext Autorenhaus-Verlag)

 

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