Wenn man beinahe alle üblichen Bücher über das Texten und Journalismus hinter sich hat, findet man dann noch andere Aspekte oder Sichtweisen? Ich versuche es jedenfalls. So tauchte das Buch von Gisela Goblirsch in einer Verlagsliste zu Neuauflagen bei Springer auf. Was mich neugierig machte, war der Untertitel Systemische Textmodelle, systemische Sichtweisen kannte ich bisher aus der Psychologie oder verwandten Wissenschaften. Tatsächlich nähert sich Goblirsch Texten aus einer Konstellation, die eben mit systemischen Ansätzen an das Thema herangeht. Eine gewisse andere Welt musste sich damit zwangsläufig auftun.

Die Fragestellung ist zuerst einmal die, die jeder Journalist oder Redakteur aus dem Alltag kennt. Komplexe Sachverhalte oder schwer darstellbare Themen verständlich aufbereiten. Für Goblirsch ist jedoch die entscheidende Frage, wie Leserinnen und Leser der Weg zum Verständnis des Textes geöffnet wird. Man kann viel schreiben, ob und wie der Text ankommt, entscheidet nicht nur der Stil und das Thema, sondern wie der Text auf den Rezipienten zugeschnitten wird. Dazu nutzt Goblirsch die vorhandenen Modelle der Textverständlichkeit und systemischen Strukturen der Texterfassung, entwickelt so praxisorientierte Modelle für unterschiedliche journalistische Textsorten bis hin zu Flyern, Websites, Serien und Dossiers. Zum Beispiel als Strukturen „neutrale Schnecke“ und „emotionale Schleife“. Zwei Textstrukturen, die jeweils eher auf neutrale Inhaltsübermittlung oder emotionales Herangehen hinausgehen. Weitere Schwerpunkte sind Textzugang anhand sogenannter Glaubenspolaritäten, wie man Flyertexte aufbaut oder das Tetralemma, eben eine Struktur, die mit den Modellen der Systemik harmoniert.

Hat man Wolf Schneider oder Sol Stein verinnerlicht, ist das Buch schon eine andere Welt. Zum Teil ein wenig esoterisch und nicht immer leicht verständlich, schon wegen der Rückgriffe auf systemische Sichtweisen, die einem Journalisten oder Redakteur nicht unbedingt naheliegen. Wie sie mit praktischen Beispielen zeigt, kommen so dann doch gute Texte zustande. Auch wenn der Weg dahin nach ihrer Methode nicht unbedingt der einfache war. Für den Neuling im Schreiben ist das Buch nicht unbedingt die erste Wahl, für den erfahrenen Schreiberling jedoch eine sinnvolle Erweiterung oder neue Sicht, die die Routine erheblich auflockern kann.

Studium in München und Augsburg, 15 Jahre Journalismus in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Seit 1985 Erfahrung als Dozentin, Seit 1995 Erfahrung in PR, Ausbildung als systemische Strukturaufstellerin, u.a. Syst-Institut München, Prof. Matthias Varga von Kibéd, Ausbildung als Moderatorin (Großgruppenmoderation), Ausbildung in lösungsfokussierter Gesprächsführung (Coaching), Insa Sparrer, Hypno-systemische Grundlagen (Coaching), Dr. Gunther Schmidt (PR-Comtetence)

 

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