Christian Eisert: Kim & Struppi

Christian Eisert: Kim & Struppi

Neben den vielen klugen und lehrreichen Büchern zu Integration und Inklusion, zu Journalismus und zu Medien, gibt es noch die „normalen“ Bücher. Die einfach nur Geschichten erzählen. Das tut Christian Eisert in seinem Reisebericht zu Nordkorea, das scheinbar vertraute Land aus seiner DDR-Vergangenheit. Denn in der DDR pflegte man Beziehungen zu Nordkorea, auch wenn die Darstellung über den Stand dieser Nation eher geschönt war. Wo der gemalte Blick von außen ein anderer war als der tatsächliche von innen. Für die meisten Bewohner unserer Region ist Nordkorea ein unzugänglicher und unverständlicher Staat, den wir höchstens aus Zeitungsberichten oder Nachrichtenmeldungen kennen. Bilder entstehen dazu kaum. Das kann Eisert nicht grundlegend ändern. Aber relativieren.

Seine Reise zusammen mit seiner Freundin Than nach Nordkorea ist von einer Schnapsidee nicht weit entfernt. Im Kern geht es darum, eine Rutsche wieder zu finden, die sich in seiner kindlichen Erinnerung eingenistet hat. So fliegen sie in das weit entfernte Land, schildern ihre Erlebnisse mit ihren beiden ständigen Begleitern, ihre Sicht auf Nordkorea von innen, von Hotels fast auf westlichem Standard und Hotels, die den Namen nicht verdienen. Von der permanenten Überwachung und dem Scheitern, mit Bewohnern des Landes in Kontakt zu kommen. So viel sei verraten: sie finden die Rutsche nicht, ein aufgelassener Vergnügungspark muss als Symbol für die erfolgreiche Suche herhalten. Dazwischen viele Details, wie dieses Land tickt und wie weit dieses Leben von unserem entfernt ist.

Eisert schildert seine Erlebnisse in Nordkorea in vielen Details und mit dem unverhohlenem Blick des Westeuropäers. Es ist mehr ein Reisetagebuch als eine Reiseerzählung, aber das macht das Buch fast noch interessanter als chronologische Linientreue wie bei Bryson. Eisert erzählt durchaus farbig und lebendig, manche Blicke aus den oberen Stockwerken und über die Straßen werden zu realen Bildern im Leser. Dazu ist es witzig und humorvoll, Eisert zieht jedoch niemals über das für uns Rückständige und Primitive her, er beschönt auch nicht das Leben in einer Diktatur unter permanenter Kontrolle des Regimes. So bleibt dieses Buch außerhalb der Sphäre der großen Literatur, aber es ist mit Spaß zu lesen, erreicht die Mitte zwischen sachlicher Analyse und Unterhaltung. Wenn schon keine Weltliteratur, dann wenigstens eine Lektüre zum Entspannen und eben zum Unterhalten.

Wie viele Touristen jährlich Nordkorea besuchen, lässt sich exakt sagen: wenige. Dabei hält so ein Urlaub im Reich von Kim Jong-un viele Überraschungen bereit: Autobahnen ohne Autos, Hotels, in denen der fünfte Stock fehlt, und ein Tänzchen an der gefährlichsten Grenze der Welt – zu den Klängen von „Tränen lügen nicht“. Christian Eisert ist 1.500 Kilometer durch die Demokratische Volksrepublik gereist. Mit gefälschter Biographie. Unter ständiger Beobachtung des Geheimdienstes. Und immer auf der Suche nach Kim Il-sungs legendärer regenbogenfarbener Wasserrutsche. Das Ergebnis ist einfach irre – und sehr komisch. (Klappentext Ullstein-Verlag)

 

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