Slow Food Genussführer

Slow Food Genussführer

Ende 2018 von Helmut Gote in seiner schönen Sendung Alles in Butter in WDR5 vorgestellt. Mal kein Buch einfach nur zum Lesen, sondern ein Verzeichnis der besten Restaurants, Gasthäuser und auch Bistros in Deutschland, erschienen im oekom-Verlag. Die Organisation Slow Food setzt sich für regionales und saisonales Essen ein, für den Erhalt von Lebensmitteln und all dem, was so langsam zu verschwinden droht. Erstickt vom Einerlei in den Angeboten unserer Supermärkte, ignoriert von den Konsumenten von Tütensuppen und Rindfleisch für 4,99 pro Kilo. Vorläufer dieser Ausgabe war die italienische Version, die immerhin aktuell 1.400 Gasthäuser, Osterias und Albergos listet. Ganz so dicke ist die deutsche Ausgabe noch nicht, aber sie wächst. Gemeinsamkeit aller von den Slow Food-Genussteams getesteten Gaststätten: sie präsentieren eben regionales Essen, nach klassischen Rezepten ohne großen Schnickschnack, bevorzugt mit Zutaten aus der Region. Das kann mal ein Vier-Sterne-Hotel sein, eher aber eine Braugaststätte oder ein Landgasthof. Dabei bleibt man auf dem Teppich, Bio wird bevorzugt, aber nicht erzwungen. Ziel ist qualitativ und ökologisch gutes Essen, keine Sterne-Küche.

Das Buch beginnt nach einer Darstellung der Ziele von Slow Food mit etwas Warenkunde, über Brot und Fleisch, Fisch und Gemüse, Wasser und Bier. Es schließt sich eine Übersicht an, welche Rezepte in welchen Regionen eben klassisch genannt werden dürfen, wo die Gerichte herkommen und was sie auszeichnet. Dazu, was in welchen Regionen typische Gerichte sind, die Eierschecke in Sachsen, der Wirsingstampf im Ruhrgebiet, Gie Soß, Gebabbel und Wisperforelle in Hessen. Alles sehr lesefreundlich und ideologiefrei geschrieben, mit vielen Details und Lokalkolorit. Zum Beispiel, warum es im Ruhrgebiet so viele polnische Anwandlungen beim Essen gibt, weil nämlich Ende des 19. Jahrhunderts viele Polen in das sich gerade industrialisierende Ruhrgebiet kamen. Danach schließt sich nach Bundesländern die Liste der Gaststätten an. Dabei sind aus den Ballungszentren wie Berlin und Hamburg natürlich die meisten Einträge zu finden, aber auch der Freiburger Gegend und Bayern. Für mich hier in Celle sind es nur zwei, ein Braugasthof in Lüneburg und ein Wellness-Hotel in Hornbostel. Für Leute, die beruflich herum kommen, aber eine gute Übersicht, wo man gut und sauber sowie regional und saisonal essen kann.

Schön gemacht, gut geschrieben und schon wegen der Warenkunde und der Liste lokaler Spezialitäten ein interessantes und zugleich unterhaltsames Buch. Zu bestellen über die Slow Food-Website.

Von Aachen bis Zossen, von Amrum bis Oberstdorf finden Sie in dieser vierten Ausgabe des Genussführers genau 548 Lokalitäten versammelt, in denen Gewähr für einen genussvollen Besuch geboten wird. Und dass sich Genuss nicht allein im Gaumenkitzel niederschlägt, sondern viele Dimensionen hat, von denen Regionalität, Frische, Saisonalität, Authentizität, Transparenz bei den Grundstoffen, Nachhaltigkeit, Tierwohl und Gastfreundschaft nur die wichtigsten sind, ist schon seit langem unser Credo. Ich hoffe, dass unser Buch diese Grundgedanken Seite für Seite wiederspiegelt und wünsche Ihnen möglichst viele schöne Stationen auf Ihrer Genussreise quer durch die deutschen Regionen. (Klappentext Slow Food)

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