Bill Bryson: Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers

Beinahe hätte ich gedacht, ich hätte seine Masche durchblickt. Man sammle Unmengen unglaublicher Fakten, mische sie mit Sprachwitz, Humor und Charme und fertig ist ein typisches „Eine kurze Geschichte …“-Bryson-Buch. Aber so einfach ist die Sache nicht. So einfach schreibt man keine Bücher, die ein Leser ungern vor dem bitteren Ende aus der Hand gibt. Sein erstes Buch für mich war seine Reise durch seine Wahlheimat Großbritannien. Seitdem stehen alle deutschen und auch einige englische Ausgaben seiner Bücher in meinem Regal.  Bill Bryson, 1951 in Des Moines in Iowa geboren, zog 1977 nach Großbritannien und schrieb dort mehrere Jahre für die Times und den Independent. Aber erst mit seinem Buch Reif für die Insel gelang Bill Bryson der Durchbruch. Heute ist er in England der erfolgreichste Sachbuchautor der Gegenwart.

Aber nicht nur, er war von 2005 bis Ende 2011 Kanzler der britischen University of Durham, die ihm dann die Ehrendoktorwürde verlieh. Dieses letzte Buch von ihm erschien 2019, noch vor der Corona-Krise. Eigentlich schade, denn Bryson hätte sicher dieser Geschichte auch noch ganz andere Seiten abgewonnen. Aber was ist dann der Kniff, was macht ihn so erfolgreich?

Natürlich ist es erst einmal sein Stil, Daten und Fakten in ein ganz spezielles Licht zu setzen, zu interpretieren und danach hinter das Vordergründige zu schauen. So beginnt er eine Reise durch den menschlichen Körper, so ziemlich von oben nach unten und von innen nach außen. Er erzählt, was wir heute über den Menschen wissen, wozu dieses Organ und jener Knochen gut ist. Dazu gehört jedoch auch, was wir alles noch nicht wissen. Wozu wir einen Appendix am Blinddarm haben, außer für das Einkommen der Chirurgen, ist bis heute unklar. Das unterscheidet Bryson von vielen anderen Sachbuchautoren, er schaut wie mit den Augen eines Kindes auf die Dinge, stellt Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt. Um sich dann geradezu darüber zu freuen. In diesem Sinne demaskiert Bryson auch Wissenschaft. Es geht aber nicht nur um Leber und Herz, Gehirn und Rückenmark. Es geht auch um Fragen, was uns als Mensch besonders prägt und von den anderen Tieren unterscheidet.

Brysons Bücher haben fast immer auch einen historischen Anteil, dieses Buch wieder einen ausgesprochen großen. Wer wann und wie Dinge heraus gefunden hat, sei es der bekannte Robert Koch oder der vergessene Albert Schatz, der das zweitwichtigste Antibiotikum entdeckte, dem sein Chef allerdings den Verdienst stahl. Dabei macht Bryson um unangenehme oder intime Themen keinen Bogen, sei es Sexualität, sei es Krebs oder das unrühmliche Ende unseres Daseins, der Tod. Dabei hat er die bewundernswerte Art, die Dinge immer ein Stück aus der Ferne zu betrachten, nicht oberflächlich, aber sachlich und detailgenau. Zusammen mit dem britischen Humor und seinem Sprachwitz kann er das alles, ohne sich nur einmal als Wissenschaftler darzustellen. Bryson bleibt Bryson, er nimmt den Leser einfach nur an die Hand und führt durch ein Thema wie ein guter Kumpel. Meistens augenzwinkernd.

Auch dieses Buch war wieder erstaunlich schnell durchgeackert. Was den Leser so frappierend an der Leine hält, ist das Bewusstsein, dass die Dinge, die Bryson erzählt, überwiegend kein wirkliches Interesse verdienen. Dinge, die man eigentlich nicht wissen muss oder will. Aber diesem Stil, dieser schon fast pathologischen Neugier, kann man sich nicht entziehen. So ernst manche Themen wie Krankheiten und Tod auch sind, kann man sich bei Bryson gerade dann ein Grinsen nicht verkneifen. Ich wüsste keinen anderen Autor, dessen Bücher ich so uneingeschränkt weiter empfehlen würde, wie Bill Bryson. Und deshalb gönne ich ihm von Herzen seinen Erfolg. Er hat ihn sich redlich verdient.

In seinem neuen Buch erzählt Weltbestsellerautor Bill Bryson die grandiose Geschichte des menschlichen Körpers, von der Haarwurzel bis zu den Zehen. Das ganze Leben verbringen wir in unserem Körper, doch die wenigsten haben eine Ahnung davon, wie er funktioniert, welche erstaunlichen Kräfte darin wirken und was tief im Inneren ab- und manchmal auch schiefläuft. »Eine kurze Geschichte des menschlichen Körpers« lädt ein zu einer unvergleichlichen Forschungsreise durch unseren Organismus. Mit ansteckender Entdeckerfreude erzählt Bryson vom Wunder unserer körperlichen und neurologischen Grundausstattung. Alles, was man wissen muss, faszinierend, mitreißend, witzig und leicht verständlich erzählt: ein echter Bryson! (Klappentext Goldmann-Verlag)

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