Manfred Kriener: Leckerland ist abgebrannt

Manfred Kriener: Leckerland ist abgebrannt

Ich habe mich immer für einen kritischen Esser und Verbraucher gehalten. Aber dieses Buch hat mir noch einmal gezeigt, dass mein Wissen über Lebensmittel und Essen überhaupt noch lange nicht belastbar ist. Eigentlich kenne ich Manfred Kriener aus einer anderen Ecke, nämlich als Gründer der Tageszeitung taz. Beschäftigt sich vor allem mit Umwelt und Umweltpolitik wie auch mit Ernährungsthemen. Dieses Buch aus 2020 will aber nicht der nächste Ratgeber sein, der uns sagt, was wir noch essen dürfen und was nicht, was gut und was falsch ist. Kriener will Wissen über unser Essen vermitteln, wo es herkommt, wie es entsteht, welche Wirkungen es hat, dass wir Produkte nutzen oder nicht. Moralische Aspekte im Sinne der Biogeneration bleiben außen vor. Stattdessen geht es um Fakten, Daten und Informationen. Man weiß bei vielen Dingen nicht, was einem da aufgetischt wird. Das will Kriener ändern, das schafft er sogar unterhaltsam. Trotzdem vergeht einem manchmal der Appetit. Nur wegen der Faktenlage.

Es ist eigentlich erstaunlich, wie viel wir über unser Essen nicht wissen. Oder was uns die Erzeuger einreden, was es sei. Es fängt bei unserem Essverhalten an und wie wir mit Essen heute umgehen, über Fragen zum veganen Leben und Essen, ob irgendwann keine Tiere mehr für unseren Fleischkonsum sterben müssen, weil das Fleisch aus der Retorte kommt. Weiter über Fleisch überhaupt. Wahrheiten und Unwahrheiten über Bio sind auch dran, die Realität über Fisch und speziell Lachs kann einem schon mal die Freude daran verderben. Wobei Kriener nicht nur anlastet, sondern auch Alternativen aufzeigt. Superfoods sind der Star in allen Supermärkten, aber was ist Wahrheit und was ist Marketing? Es ist kein Spoiler, dass das ganze neue Zeugs eher den Verkäufern nutzt als dem Konsumenten. Von den Erzeugern ganz zu schweigen. Und sogar Wein bekommt sein eigenes Kapitel. Aus meiner Sicht endlich mal bodenständig. Kriener entlarvt das ganze Fachchinesisch der Weinbranche, wie inhaltsleer und bedeutungslos das Vokabular daher kommt, das die angeblichen Kenner parlieren.

Es geht Kriener in diesem Buch nicht um Moral oder Ethik. Es geht nur um die Sachlage und wie wenig wir darüber wissen. Zum Beispiel war mir die Rolle des Zuckers im Grunde klar. Wenn man aber mal die Geschichte auf Zahlen reduziert und liest, was Mediziner zum Zucker zu sagen haben, und wo er versteckt überall drin ist, ergeben sich daraus noch wieder neue Erkenntnisse. In diesem Sinne ein informatives und zugleich unterhaltsames Buch. Wer Wert auf gutes Essen und gute Ernährung legt, für den ist das Buch Pflichtlektüre.

Es brodelt in unseren Küchen. Manfred Kriener steht am Herd und misst Koch und Köchin den Puls. Dieses Buch ist kein Ratgeber. Es sagt nicht, was wir essen sollen oder dürfen. Stattdessen serviert es ein Informationspaket, damit der Verbraucher als Souverän über seinen Teller sich selbst kompetent orientieren kann. Nach seinen eigenen Wertmaßstäben. Dieses Buch ist ein Sparringspartner für nachdenkliche Verbraucher. Es wird hierzulande zwar pausenlos über Ernährung geredet, aber oft fehlt es an Wissen und Beurteilungsvermögen. In dieser unübersichtlichen Gemengelage informiert dieses Buch darüber was wir jeden Tag essen, aber lieber nicht so genau wissen wollen. Es informiert, ohne den Sirenenton der Alarmisten, über die rasante Veränderung unserer Esskultur – in dichter Informationsschreibe und mit humorigen Zuspitzungen, für die der mehrfach ausgezeichnete Autor bekannt ist. Wer dieses Buch gelesen hat, geht mit anderen Augen einkaufen. Es schult Skepsis und Kompetenz der Leser, damit sie nicht auf die oft dubiosen Speiseempfehlungen und -moden hereinfallen. Es ist auch ein Buch gegen Ernährungsfanatismus und für selbstbewussten Genuss. (Klappentext Hierzel-Verlag)

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