• Link zu Bluesky
  • Link zu Mastodon
The Writer's Pit
  • Famous first words
    • TEXTURA-Kochbuch
      • BesserEsser
      • Übersicht
      • Quellen für gutes Mehl
      • Der Leidensweg zum selbst gebackenen Toast
      • Neues Rezept
      • Dutch Oven
      • Mittelwerte
      • Mengenangaben
      • Umrechnung Cups in Gramm
      • Mahlzeit!
  • The Writer’s Pit
  • Radio
  • Reiseberichte
  • Diario de Duna
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
The Writer’s Pit
Allgemein

Anne Applebaum: Die Verlockung des Autoritären

Anne Applebaum ist hier zu Lande eher unbekannt. Sie schreibt überwiegend für US-amerikanische und britische Medien, früher, vor der Ausschaltung des unabhängigen Journalismus in Polen, auch für polnische Zeitungen. Nicht nur durch ihre Anerkennung als Journalistin, sondern auch durch ihren Ehemann, den früheren polnischen Außenminister Radek Sikorski, hat sie ihren eigenen Zugang zu amerikanischen und britischen Persönlichkeiten und Politikern. So ist ihr Buch eher eine journalistische Arbeit, wenn auch mit historischen Details und Themen belegt. Anne Applebaum hat die politischen Veränderungen in Polen selbst erlebt, wie sich enge Freunde von einer konservativ-liberalen Haltung zur Befürwortung von Nationalismus und autoritären Positionen wandten. Doch diese Veränderungen sind keine einzelne Entwicklung in Polen. Ob Ungarn und Orban, Spanien und die Vox, die USA mit der Alt-Right-Bewegung, an vielen Stellen wenden sich Menschen von den Grundprinzipien der Demokratie ab. Stattdessen wird Verschwörungsmythen, platten Lügen und Halbwahrheiten gefolgt. Diese Positionen seien keine Entwicklung der Neuzeit, sie seien schon im 19. Jahrhundert weit verbreitet gewesen. Ist also mal wieder das Internet schuldig, sind Facebook und Twitter, Telegram und YouTube die Verantwortlichen? Ganz so einfach sei die Sache nicht, aber wie immer ist darin ein Körnchen Wahrheit enthalten.

Was ist an der heutigen Zeit so anders geworden als an der in den Siebzigern und Achtzigern? Diese früheren Jahre waren geprägt von einer weitgehend harmonisierten Diskurskultur. Es gab die großen Zeitschriften und Magazine, es gab überwiegend öffentlich-rechtliche Medien, Journalisten kuratierten Meldungen und Meinungen. Heute diskutieren Rechtsradikale aus Deutschland mit Faschisten in Italien, Evangelikalen in den USA. Sie verbünden sich nicht mit Gruppen mit gleichen Werten, sondern mit gleichen Zielen. Ein Ziel, hinter da sich viele stellen können, ist der Umsturz der demokratischen Staaten und Regierungen. So merkwürdig das zuerst klingt, sieht Applebaum diese Tendenzen in einem speziellen Zusammenhang. All die Nostalgie, von den Träumen von einer angeblich besseren Vergangenheit, bis zum Rücksturz in diese Zeit, nutzen diese rückwärts gerichteten Kräfte gerade das, was sie erst in diese prekäre Lage gebracht hat. Globalisierung, eine immer komplexere und schwerer zu durchschauende Welt, die Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit und das Gefühl, die eigene Wirkmächtigkeit verloren zu haben. Zwei Seiten der gleichen Medaille, das Internet als Ursache und Waffe gegen eine liberale, offene und globalisierte Gesellschaft. Dort sieht Applebaum die wesentlichen Triebfedern, Angst und Nostalgie. Bei den Brexiteers wie bei der AfD wie in den USA bei den Evangelikalen.

Das ist im Grunde schon der wesentliche Faden im Buch. Mit journalistischer Sicht auf die Welt reist die Autorin durch ihre Heimat Polen, aber auch durch Großbritannien, die USA und Spanien. Vergleicht die historische und politische Situation heute und sowohl vor als auch nach dem zweiten Weltkrieg. Was in Polen und Ungarn nach 1989 passierte, woran es sich festmachen lässt. Wie sich Menschen, die man gut zu kennen glaubte, veränderten und anpassten. Nicht, weil sie mussten, sondern weil sie es wollten.  In der Regel mit der Sehnsucht nach einer harten und starken Hand, die das Leben wieder regelt und leitet. Die die Unüberschaubarkeit und Verwobenheit des modernen Lebens, und der Politik, wieder auf klare und einfache Prinzipien zurück führt. Das Buch ist somit ein Streifzug und eine detailgenaue Betrachtung dieser Entwicklungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es geht Applebaum nicht um Wahrheitsfindung oder das Entdecken der großen, einmaligen Lösungen. Sie beginnt bei ihrer eigenen Vergangenheit, Silvester 1999, zeichnet auf, welche Veränderungen sie in Staaten und in Menschen beobachtet hat und versucht, nicht zu erklären, sondern zu verstehen. Da sie das aus ihrer ganz eigenen Warte, mit ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen tut, ist das Buch realistisch, mit vielen Einzelheiten gespickt, ergänzt um teilweise kuriose Blicke auf die seelische Verfasstheit der ZeitgenossInnen. So ist das Buch keine historische Analyse, keine politische Wertung, geschweige denn der Versuch einer Antwort. Es ist das galoppierende Leben. Interessant deshalb, weil es von einer sehr wachen und reflektierten Frau stammt.

Anne Elizabeth Applebaum (* 25. Juli 1964 in Washington, D.C.) ist eine US-amerikanische Journalistin und Historikerin. Ihre Arbeiten über die jüngere Geschichte Osteuropas wurden mehrfach ausgezeichnet. […] Applebaum begann ihre journalistische Arbeit 1988 als Korrespondentin des Economist in Warschau. Von 2002 bis 2006 war sie Mitglied des Redaktionsausschusses der Washington Post. Sie schreibt weiterhin Op-Eds für die Washington Post. Zudem hat sie für The New York Review of Books, The Wall Street Journal, The New York Times, Financial Times, International Herald Tribune, Foreign Affairs, The New Criterion, The Weekly Standard, The New Republic, National Review, The New Statesman, The Independent, The Guardian, Prospect, Die Welt, Cicero, Gazeta Wyborcza, The Times Literary Supplement und weitere Zeitungen und Zeitschriften geschrieben. Applebaum war im Frühjahr 2008 Fellow an der American Academy in Berlin. Im selben Jahr wurde sie vom US-amerikanischen Magazin Foreign Policy zu den hundert einflussreichsten Intellektuellen gezählt. In London leitete sie eine Abteilung des Legatum Institute, eines Thinktanks zur Förderung von Demokratie und Kapitalismus. Sie hat an verschiedenen Hochschulen in den USA (Yale, Harvard, Columbia und Texas A&M, Houston), in Großbritannien (Oxford, Cambridge, London und Belfast), in Deutschland (Heidelberg und Humboldt, Berlin), in Maastricht und Zürich gelehrt. 2012–2013 hatte sie den Phillipe-Roman-Lehrstuhl für Geschichte und Internationale Beziehungen der London School of Economics inne. Ende 2019 beendete Anne Applebaum ihre Tätigkeit als Kolumnistin bei der Washington Post und wechselte als „staff writer“ zur Zeitschrift The Atlantic. Weiterhin ist sie Professor „of Practice“ an der London School of Economics und „senior fellow“ an der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University.

Dieser Text basiert auf dem Artikel Anne Applebaum aus der freien  Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

30. April 2022
Schlagworte: Bücher, Gesellschaft, Populismus, Wirklichkeit
Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2022-04-30 13:50:112022-04-30 13:50:11Anne Applebaum: Die Verlockung des Autoritären
Das könnte Dich auch interessieren
Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden
Thomas De Padova: ALLES wird ZAHL
Markus Gabriel: Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten
Henning Beck: Irren ist nützlich
Michael E. Mann: Moment der Entscheidung
Ernst Peter Fischer: Wider den Unverstand!
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

The Writer's Voice

Neueste Beiträge

  • Justus Bender: Deutschland 2033
  • Ruprecht Polenz: Wie ein Volk den Verstand verliert
  • Ernst Piper: Auschwitz
  • Meller/Michel/van Schaik: Die Evolution der Gewalt
  • Annette Dittert: Dear Britain

Tagsonomy

BildungBücherFJSGeschichteGesellschaftHörbuchJournalismusKommunikationMedienPhilosophiePodcastPolitikPopulismusRadioReisenSchreibenSoundsSpracheTechnikWirklichkeitWirtschaftWissenschaft

Feed Me!

Posts RSS
Podcasts RSS

Urheberrecht

Alle Texte dieses Blogs inkl. Audio-Produktionen stehen unter der Lizenz Creative Commons CC BY-NC-ND 3.0 Unported (Kurzfassung). Das heißt, sie können mit Nennung der Quelle, nichtkommerziell und unverändert frei genutzt werden.

Archiv

Auch zu hören im

 

© 2025 - Rainer Böttchers
  • Link zu Bluesky
  • Link zu Mastodon
  • Datenschutzerklärung
  • Sitemap
  • Diary
  • Impressum
Link to: Michael Seemann: Die Macht der Plattformen Link to: Michael Seemann: Die Macht der Plattformen Michael Seemann: Die Macht der Plattformen Link to: Marcia Bjornerud: Zeitbewusstheit Link to: Marcia Bjornerud: Zeitbewusstheit Marcia Bjornerud: Zeitbewusstheit
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen

Diese Site nutzt Cookies. Wenn Du weiter die Seite nutzt, gehen wir von Deinem Einverständnis aus.

OkMehr dazu×

Cookie- und Datenschutzeinstellungen



Wie wir Cookies verwenden

Wir können Cookies anfordern, die auf Ihrem Gerät eingestellt werden. Wir verwenden Cookies, um uns mitzuteilen, wenn Sie unsere Websites besuchen, wie Sie mit uns interagieren, Ihre Nutzererfahrung verbessern und Ihre Beziehung zu unserer Website anpassen.

Klicken Sie auf die verschiedenen Kategorienüberschriften, um mehr zu erfahren. Sie können auch einige Ihrer Einstellungen ändern. Beachten Sie, dass das Blockieren einiger Arten von Cookies Auswirkungen auf Ihre Erfahrung auf unseren Websites und auf die Dienste haben kann, die wir anbieten können.

Notwendige Website Cookies

Diese Cookies sind unbedingt erforderlich, um Ihnen die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen zur Verfügung zu stellen.

Da diese Cookies für die auf unserer Webseite verfügbaren Dienste und Funktionen unbedingt erforderlich sind, hat die Ablehnung Auswirkungen auf die Funktionsweise unserer Webseite. Sie können Cookies jederzeit blockieren oder löschen, indem Sie Ihre Browsereinstellungen ändern und das Blockieren aller Cookies auf dieser Webseite erzwingen. Sie werden jedoch immer aufgefordert, Cookies zu akzeptieren / abzulehnen, wenn Sie unsere Website erneut besuchen.

Wir respektieren es voll und ganz, wenn Sie Cookies ablehnen möchten. Um zu vermeiden, dass Sie immer wieder nach Cookies gefragt werden, erlauben Sie uns bitte, einen Cookie für Ihre Einstellungen zu speichern. Sie können sich jederzeit abmelden oder andere Cookies zulassen, um unsere Dienste vollumfänglich nutzen zu können. Wenn Sie Cookies ablehnen, werden alle gesetzten Cookies auf unserer Domain entfernt.

Wir stellen Ihnen eine Liste der von Ihrem Computer auf unserer Domain gespeicherten Cookies zur Verfügung. Aus Sicherheitsgründen können wie Ihnen keine Cookies anzeigen, die von anderen Domains gespeichert werden. Diese können Sie in den Sicherheitseinstellungen Ihres Browsers einsehen.

Andere externe Dienste

Wir nutzen auch verschiedene externe Dienste wie Google Webfonts, Google Maps und externe Videoanbieter. Da diese Anbieter möglicherweise personenbezogene Daten von Ihnen speichern, können Sie diese hier deaktivieren. Bitte beachten Sie, dass eine Deaktivierung dieser Cookies die Funktionalität und das Aussehen unserer Webseite erheblich beeinträchtigen kann. Die Änderungen werden nach einem Neuladen der Seite wirksam.

Google Webfont Einstellungen:

Google Maps Einstellungen:

Google reCaptcha Einstellungen:

Vimeo und YouTube Einstellungen:

Datenschutzrichtlinie

Sie können unsere Cookies und Datenschutzeinstellungen im Detail in unseren Datenschutzrichtlinie nachlesen.

Datenschutzerklärung
Accept settingsHide notification only