Hans Demmel/Friedrich Küppersbusch: Anderswelt

Was macht es mit einem, wenn man als liberaler Journalist seine gewohnten Medien, wie Spiegel, Süddeutsche Zeitung und Zeit, ignoriert und sich nur noch aus alternativen Medien informiert? Diesem Experiment unterzog sich Hans Demmel, indem er für sechs Monate nur bei KenFM, Compact oder Politically Incorrect las. Dazu sich in YouTube und Twitter in die Richtung der Querdenker und Corona-Leugner bewegte. Seine Frage war, ob diese geballte Portion an Desinformation, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien seine Denkweise tatsächlich beeinflussen würde. Das Schlimmste befürchtend, holte er sich den Kollegen Friedrich Küppersbusch zur Seite, der gelegentlich über Demmel wachte. Ob da nicht etwas aus dem Ruder lief. Das Ergebnis ist eine Art Tagebuch, das Demmel über die Zeit geführt hat, was er wo gelesen hatte, wie ihn diese »Anderswelt«, wie auch das Buch heißt, beeinflusste. Das erwartbare Ende sei vorweg genommen. Es hat ihn nicht umgewandelt, hat ihn nicht von seinen liberalen, demokratischen Einstellungen abgebracht. Doch es hat trotzdem ein wichtiges Resultat gezeigt. Die Methoden, wie die alternativen Medien der Neurechten arbeiten, welche Methoden und Tricks sie anwenden. Und wie diese Leute zu denken und zu interpretieren pflegen.

Hans DemmelAnderswelt


Was im August 2020 begann und im Januar 2021 ohne bleibende Schäden endete, ist weit mehr als ein Experiment. Ohne dass es so gemeint war. Es schildert einmal, welche Mechanismen hinter den sozialen Medien wirken, wie sie ein Verbleiben in der eigenen Meinungs– und Informationssphäre fördern. Aber es wird dazu sichtbar, dass der Kreis der Protagonisten, wie Ken Jebsen, Michael Ballweg oder Roland Tichy, eher überschaubar ist. Gemein ist ihnen ein geradezu fanatischer Hass auf den liberalen Staat, auf Presse und Medien, auf Migranten und Flüchtlinge. Dazu wird ein Weltbild aufgebaut, das mit der Realität nur noch wenig zu tun hat. Das, was in der etablierten Presse Aufmerksamkeit findet, wie die US-Wahlen oder der Sturm auf das Capitol, ist in den alternativen Medien nur Randgeschehen. Dagegen werden vorwiegend lokale Ereignisse, Angriffe von Migranten auf Polizisten oder Demonstrationen im Lager Moria, zu globalen Mega-Events hochstilisiert. Eigentlich als Fakten interpretierte Fälle, wie der rassistisch motivierte Anschlag des Rechts­extremisten Tobias Rathjen in Hanau, werden zum Bandenkrieg zwischen Russen und Muslimen verdreht. Was Hans Demmel belastet und irritiert, sind die Lawinen von Hass und Hetze, von Verdrehungen bis hin zu schlechthin Lügen. Wobei ihm irgendwann nicht mehr klar ist, ob den Autoren dieser medialen Exzesse das bewusst ist, ob Absicht oder Verirrung dahinter steht. Zum Glück liefert ihm Friedrich Küppersbusch zwischendurch immer Faktenchecks zu Personen, Ereignissen und Organisationen.

Demmel schildert außer den Erfahrungen in dieser Parallelwelt auch, wie es ihm selbst dabei geht. Wie stark es ihn belastet, praktisch unermüdlich mit all den Widersprüchen konfrontiert zu werden, zwischen dem, was in seiner beruflichen und persönlichen Laufbahn verinnerlicht hat, und was da auf ihn einstürmt. So bekommt man, ohne es sich selbst anzutun, einen guten Einblick in die unergründliche Welt der alternativen Medien, der Querdenker und Verschwörungtheoretiker. Ein wenig kommt der Leser mit in die Rolle des Korrektors Küppersbusch, man ist geradezu erleichtert, wenn er die abstrusen Behauptungen der Neurechten mit stabilen Fakten ad absurdum führt. Gefehlt hat mir in diesem Buch am Ende eine zusammen gefasste Interpretation der Geschehnisse. Noch einmal detaillierter aufzuführen, mit welchen speziellen Methoden und Effekten diese Quasi-Medien arbeiten, welche psychologischen und mentalen Kniffe sie anwenden, um den Leser ihrer Werke in der Blase zu halten. Dazu, dass gerade soziale Medien wie YouTube eine Gefahr für die Demokratie darstellen, indem sie die Tendenzen der Radikalisierung immer noch verstärken. Aber ansonsten ist »Anderswelt« ein interessantes und informatives Buch.

Hans Demmel wuchs in Rosenheim auf und machte dort am Ignaz-Günther-Gymnasium das Abitur. Sein Berufsweg begann 1976 mit einem Volontariat beim Oberbayrischen Volksblatt. 1979 wechselte er als freier Mitarbeiter zum Bayerischen Fernsehen, wo er für verschiedene Redaktionen (Rundschau, Tagesschau, Abendschau und Zeitspiegel) arbeitete. Von 1990 bis 1994 arbeitete Demmel für SAT.1, bevor er zu RTL wechselte. Von 1995 bis 1998 lehrte er parallel als Dozent an der bayerischen Akademie für Fernsehen in München. Von 2002 bis 2005 war er Chefredakteur und Mitarbeiter bei VOX und kehrte 2006 als Bereichsleiter zurück zur Mediengruppe RTL. Von 2007 bis Februar 2019 verantwortete er als Geschäftsführer den zur Mediengruppe RTL gehörenden Nachrichtensender n-tv und war Mitglied der Geschäftsleitung der Mediengruppe RTL. Seit September 2016 ist Hans Demmel Vorstandsvorsitzender des Privatrundfunkverbandes VAUNET (vormals VPRT). Außerdem absolviert er diverse Jury-Tätigkeiten unter anderem bei CNN-Journalist of the year, Medienpreis des deutschen Mittelstandsverbands, CMO of the year (Serviceplan), Dokumentar-Filmpreis der SOS-Kinderdörfer und beim Dokumentarfilmfestival München. Er ist Geschäftsführer der „Stop Medien GmbH und Co KG“. 2021 veröffentlichte er zusammen mit dem Journalisten Friedrich Küppersbusch eine Mischung aus Tagebuch, Dokumentation, Reportage und Interviews über rechte Medien in Deutschland. Demmel konsumierte dazu selbst über sechs Monate primär sogenannte „alternativen Medien“. Demmel und Küppersbusch kamen zu dem Schluss, dass das Gefährdungspotential für die demokratische Gesellschaft in Deutschland nicht nur unbekannt ist, sondern sträflich unterschätzt wird.

Friedrich Wilhelm Küppersbusch (* 24. Mai 1961 in Velbert) ist ein deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Bekannt wurde er mit der WDR-Politsendung ZAK. […] Küppersbusch war als Journalist in wöchentlichen Kolumnen im Radio Bremen Zwei (Gemeinschaftsprogramm von NDR und Radio Bremen) (seit 2009/mittwochs in Nachgeschlagen – Das Wort zur Woche) und auf Radio Eins (seit 1998, montags morgen) zu hören. Die taz veröffentlicht seit 2003 jeden Montag die Interview-Kolumne Wie geht es uns, Herr Küppersbusch? Seit 2017 schreibt er regelmäßig  Gastbeiträge in der Allgemeinen Zeitung (Mainz) sowie im Wiesbadener Kurier. […] Anfang 2009 wurde ihm die Intendanz von Radio Bremen angetragen, was er jedoch ablehnte. 2012 wurde Friedrich Küppersbusch in den Beirat des Medieninnovationszentrums Babelsberg (MIZ) berufen. Vom 10. Juni 2013 bis zur Bundestagswahl am 22. September 2013 moderierte er die Sendung Tagesschaum, die sich dreimal in der Woche jeweils gut zehn Minuten lang auf satirische Art und Weise mit dem politischen Thema des Tages beschäftigte. 2014 wurde Tagesschaum für den Grimme-Preis nominiert. Aufgrund der Fangemeinde und großen Interesses an Küppersbuschs halb-satirischen Politikkommentaren startete er am 13. Februar 2014 mit Lukas Heinser den Podcast Lucky & Fred. Als podcast in residence gastieren Lukas Heinser und Friedrich Küppersbusch mit Lucky & Fred seit 2019 im Dortmunder Theater Fletch Bizzel. In der dritten Staffel der Fernsehserie Babylon Berlin übernahm Küppersbusch eine kleine Nebenrolle: Er stellte einen Richter dar. Seit 2016 ist Friedrich Küppersbusch im Beirat des Grimme-Institutes.

Dieser Text basiert auf dem Artikel Hans Demmel aus der freien  Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Dieser Text basiert auf dem Artikel Friedrich Küppersbusch aus der freien  Enzyklopädie Wikipedia  und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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