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Bernhard Pörksen/Jens Bergmann: Medienmenschen
Bernhard Pörksen: Medienmenschen (Kindle-Edition)
Das Buch ist schon im Jahre 2004 erschienen, trotzdem hat es nichts an Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil, mit Social Media wie Instagram und Facebook ist es noch schlimmer geworden, wie Menschen sich in Szene setzen und eine Wirklichkeit konstruieren, die gar nicht existiert. Auf das Buch bin ich eher zufällig gestoßen, als ich ein anderes Buch des Autors suchte. Professor Dr. Bernhard Pörksen, Jahrgang 1969, studierte Germanistik, Journalistik und Biologie in Hamburg und den USA, volontierte beim Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt und arbeitet neben Forschung und Lehre seit über zwanzig Jahren als Journalist und Sachbuch-Autor. Seine Analysen der Kommunikation und des Kommunikationsverhaltens fand ich immer wieder faszinierend. Was für dieses Buch dann auch gilt. Junge Journalisten interviewen Menschen, die als Politiker oder Stars im Rampenlicht stehen. So simpel das Konzept erscheint, so verblüffend sind die Ergebnisse.
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Bryan Sykes: Darwins Hund
Bryan Sykes: Darwins Hund
Bei den Fuchsies war es eine britische Ökologin, bei Darwins Hund wird es komplizierter. Dieser Autor ist ein emeritierter britischer Professor für Humangenetik an der Universität Oxford. Heißt Bryan Sykes, untersuchte die mitochondriale DNA (ja, ich weiß jetzt, was das ist) von Tausenden Europäern und Europäerinnen und fand nur sieben Grundmuster. Nach seiner Theorie lassen sich alle Menschen der Sorte Homo Sapiens auf nur sieben „Urmütter“ zurück führen. Und die wieder auf eine Afrikanerin aus der so genannten Lara-Familie. Entgegen der Vermutung ist Sykes kein Hundebesitzer und -liebhaber, hat aber eine Katze. Dass sich Sykes den Hunden zuwendet, hat mit dem Evolutionsforscher Charles Darwin zu tun, denn auch der beschäftigte sich mit den Hunden, zur Untermauerung seiner Entwicklungslehre der Arten. Zielthema des Buches: Stammt der Hund vom Wolf und nur vom Wolf ab, und wenn ja, alle diese unterschiedlichen Hunde? Es geht also um Wissenschaft, die Hunde sind nur Mittel zum Zweck. Trotzdem interessant gerade für Hundefreunde. Wenn die es schaffen, sich durch den schwierigen Ausflug in die Genetik durch zu arbeiten.
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Adele Brand: Füchse
Adele Brand: Füchse
Ein interessanter Spagat zwischen Sachbuch, Dokumentation und Unterhaltung. Adele Brand ist britische Ökologin und hat schon als Kind über Füchse geschrieben, die Passion ihres Lebens. Sie hat Füchse auf vier Kontinenten studiert, Forschungsprojekte in fünf verschiedenen Ländern geleitet, verwaiste Fuchswelpen aufgezogen und verletzte Füchse gepflegt. Sie ist wohl für die Füchse das, was Jane Goodall für Schimpansen ist. Zum ersten Mal auf sie aufmerksam wurde ich in Facebook, wo sie mehr oder minder regelmäßig Bilder und Geschichten postet. Mit meiner neu entdeckten Beziehung zu Hunden, damit auch zu den Hundeartigen, verfolge ich ihre Posts schon länger. Zu meinem Geburtstag kam dann nicht nur ein kleiner holziger Fuchs aus dem Erzgebirge, sondern dazu ihr Buch zu mir. Adele Brand bestätigt darin genau meinen Eindruck: dass Füchse die perfekte Mischung aus Hund und Katze sind. Mit der Ausdauer und Belastbarkeit der Hunde und der Eleganz und Intelligenz der Katzen. Ein poetisches, zugleich wissenschaftlich geprägtes Buch über eine bemerkenswerte Tierart.
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Sven Plöger: Zieht Euch warm an, es wird heiß!
Sven Plöger: Zieht Euch warm an, es wird heiß
Das interessanteste Buch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Nicht nur, weil es toll geschrieben ist, weil es Wissenschaft so verständlich und kurzweilig darstellt. Sondern weil es mir klar gemacht hat, dass ich von Klima und Wetter glattweg gar nichts weiß. Besser: wusste. Weil es mich mit nicht nur mit viel Wissen, sondern auch einem Arsenal an Argumenten gegenüber Klimawandel-Leugnern ausgestattet hat. Sven Plöger kenne ich schon seit seinen Anfängen im Fernsehen, als er eher gezwungen als gewollt für den Wetterbericht vor die Kamera musste. Weil der eigentliche Kollege kurzfristig erkrankt war. So ist er inzwischen nicht nur deutscher Diplom-Meteorologe, sondern auch Fernsehmoderator. So unterhaltsam und sympathisch er seine Sache vor der Kamera macht, so überzeugend auch sein letztes Buch. Prädikat: äußerst wertvoll.
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Hasnain Kazim: Auf sie mit Gebrüll
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Kyle Harper: FATUM
Kyle Harper: FATUM
AIDS, Fika, Ebola, SARS, Corona. Sind das Zufälle, dass in der letzten Zeit neue und gefährliche Viren und Erreger auftauchen, quasi als menschliches Schicksal? Nein, sagt Kyle Harper, Dekan der Universität Oklahoma und Fachmann für die römische Geschichte. Der Untergang des mächtigen römischen Reiches war lange Zeit nicht erklärbar, nun zeigen aktuelle Forschungen die tatsächlichen Gründe. Die Fortschritte in der Mikrobiologie, neue Methoden der Genomanalyse und immer weiter in Details gehende Forschungen an Pflanzen und Eisbohrkernen beweisen, dass das römische Reich an mehreren Faktoren scheiterte. Es war die Kombination vieler Einflüsse, klimatische Veränderungen, jedoch genau so ökonomische und ökologische. Der Einfall der Antoninischen und später der Justinianischen Pest, und die Klimaveränderungen im Mittelmeerraum, all das war nicht nur naturgegeben, sondern die Menschen dieser Zeit hatten erheblichen Einfluss darauf, was damals geschah. Was jedoch an diesem Szenario erschreckt, sind die Parallelen zu unserer heutigen Zeit. Und die noch immer vorherrschende Meinung, die Menschheit hätte alles im Griff, man brauche nur die richtige Technologie und die Märkte würden schon alles regeln und gut machen. Dieser landläufigen Überzeugung setzt Harper eine detaillierte und beunruhigende Analyse der antiken Geschichte entgegen.
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Richard David Precht: Erkenne dich selbst
Richard David Precht: Erkenne dich selbst
Band zwei der Philosophiegeschichte des Richard David Precht, nach der Bewältigung des ersten Bandes. Es war wohl nicht ganz einfach, die jeweiligen Zeitpunkte der beiden Bände festzulegen. Precht nennt als Zeitraum des zweiten Bandes Renaissance bis zum deutschen Idealismus. Konkret setzt die Geschichte ungefähr bei 1420 ein, mit einem Bild und einem Maler, von dem aus Precht die weitere Entwicklung aufspannt. Näher betrachtet werden Cusanus, Ramon Llull, Lorenzo Valla, in weiteren Blicken die vorherrschenden Medici und Niccolò Machiavelli. Obwohl historisch wichtig, ist hier eine kleine Durststrecke zu bewältigen, bevor es wieder näher an unsere heutigen Interessen geht: Erasmus von Rotterdam, Martin Luther, die Wege der Reformation und dazu parallel Nikolaus Kopernikus. Die Geschichte der religiösen Bewegungen schildert Precht hier anders als das, was wir aus Schulbüchern und vielen Medien kennen. Dass Luther eher ein im mittelalterlichen Denken verhafteter Besserwisser war als ein Revolutionär. Diese Sicht der Reformation in Europa und deren Konsequenzen waren für mich neu. Prechts Bewertung scheint jedoch durchaus logisch und plausibel. Wie er überhaupt an vielen Stellen mit den üblichen Sichtweisen hart aufräumt. So ist gerade in diesem zweiten Band so manche Kröte zu schlucken.
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Richard David Precht: Erkenne die Welt
Richard David Precht: Erkenne die Welt
Auf vier Bände angelegt, schreibt der Verlag? Da habe ich ja noch etwas vor mir. Deshalb zuerst mal der Band Nummer Eins. Richard David Precht, Medien-, Sofa- und Zeitabschnitts-Philosoph, nennt sein Werk Eine Geschichte der Philosophie, nicht Die Geschichte. Das ist klug und offenbart, dass der Autor keineswegs in Anspruch nimmt, die letztgültige Version einer Historie zu liefern, über die sich schon unzählige Generationen von Philosophen gestritten haben. Trotzdem führt der Titel ein wenig in die Irre, denn es geht nicht allein um die Geschichte der Philosophie, sondern auch um die Geschichte der Kultur, des Denkens und Betrachtens, der Naturwissenschaften und der Mathematik, und am Ende genau so um Kulturgeschichte. Precht wäre jedoch nicht Precht, wenn er die Sache nicht aus einer Sicht angehen würden, die dem Normalleser und Philosophie-Interessierten gerecht wird, die verständlich und anschaulich bleibt. Also Philosophie Light? Ja und Nein. Von allem Etwas, und etwas mehr.
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Interviews
Quelle: Wikipedia Datei:WikiCon 2018 SRF1-Interview.jpg – Wikipedia
Noch einmal sehr schön zusammen gefasst von den Profis:
https://www.deutschlandfunk.de/politischer-journalismus-die-kunst-des-guten-interviews.2907.de.html
Doris Märtin: Erfolgreich texten
Doris Märtin: Erfolgreich texten
Ich misstraue kleinen Büchern zu großen Themen. Der Anspruch der Autorin, auf knapp 180 Seiten in DIN A5 jemandem die Grundlagen des Textens zu vermitteln, erschien mir doch etwas groß. Auch ihr Name war mir noch nie untergekommen. Nicht mal der Verlagsname sagte mir etwas. Am Ende musste ich zurück rudern. Natürlich kann man in diesem Format nicht alle Feinheiten des Stils wie bei Wolf Schneider oder eine belastbare Kenntnis über Typographie vermitteln. Das will Doris Märtin auch nicht, an der Stelle ist sie ehrlich und erhebt gerade diesen Anspruch nicht. Sondern liefert eine überschaubare, dabei praxisnahe Einführung ins professionelle Schreiben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Harald Lesch/Klaus Kamphausen: Die Menschheit schafft sich ab
Harald Lesch/Klaus Kamphausen: Die Menschheit schafft sich ab
Der Titel des Buches ist steil und provozierend. Jedoch im Gegensatz zum ähnlich betitelten Buch von Thilo Sarrazin handelt es um ein Werk aus wissenschaftlich belegten Zahlen, Daten und Fakten, gesammelt und geordnet von einem Wissenschaftler. Weil Physik sowieso die einzige richtige Wissenschaft ist, wie es mal ein befreundeter Student der Physik formulierte. So widmet sich das Buch einmal der Geschichte des Menschen, wie sie wohl entstanden ist, einschließlich der Frage, warum nur diese Art des Homo überlebt hat. Weiter geht es mit der eigentlich kurzen Zeit, in der Homo Sapiens die Erde erst eroberte, schließlich übernahm und nun auf dem besten Wege ist, sie zu zerstören. So gelangt man aus der Achsenzeit, über Frühzeit und Mittelalter bis in die Gegenwart. Je näher man sich dem Jetzt nähert, desto detaillierter gehen die Autoren in Details. Über die am Ende gefährliche Liaison von Wissenschaft und Wirtschaft, über Fehlentscheidungen am Anfang des letzten Jahrhundert bis zu den nicht so angenehmen Aussichten, den Fragen der Umweltzerstörung und der Vernichtung ganzer Arten von Tieren und Pflanzen, es zeigt genauer den vom Menschen verursachten Schwund des Regenwaldes und was er bedeutet. Der nur deshalb verschwinden muss, damit das Fleisch beim Discounter billig bleibt und die Gewinne der daran teilhabenden Unternehmen hoch. Also ein durch und durch pessimistisches Buch? Nein, denn es kommen Alternativen zur Sprache. Hat ja ein Physiker geschrieben, kein abgewrackter Politiker.
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Richard David Precht: Tiere denken
Richard David Precht: Tiere denken
Mein in den letzten Jahre schwindender Optimismus, was den Zustand der Welt angeht, ist durch dieses Buch nicht mehr geworden. Im Gegenteil, in gewisser Weise bestärkt es mich in dem Glauben, dass die Menschheit nicht mehr bei Trost ist. Am Ende nicht mehr zu retten. Wenn man dann eher zufällig noch in WDR5 einen Beitrag zum Artensterben hört, bestätigt es Precht zusätzlich.
Richard David Precht, unser Sofa-Philosoph, der zu allem etwas zu sagen hat (Biografie hier, wer sie noch braucht), holt in seinem Buch Tiere denken weit aus. Es geht darum, wie das Verhältnis des Menschen zum Tier denn nun ist, von der Menschheitsgeschichte über die Weltreligionen bis in die aktuelle Zeit. Das ist ein dickes Brett, das sich Precht hier vornimmt, so vielschichtig es ist, so unterschiedlich man das Thema angehen kann, so subjektiv und emotional unser Verständnis zu Tieren nun mal ist. Damit wird das Buch ein Parforceritt durch die zeitgenössische und historische Philosophie, durch Fragen der Moral und Ethik, durch die konfuse Sicht von Gesetzen bis hin zur heutigen Realität, in der Tiere umso mehr geschätzt und geschützt werden sollen, je weiter sich der Mensch von der Natur entfernt. Ein Buch, das nur Richard David Precht so schreiben konnte.
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