Michael Winterhoff: Deutschland VERDUMMT

Michel Winterhoff: Deutschland VERDUMMT

Michel Winterhoff: Deutschland VERDUMMT

8. März 2021, die Buchhandlungen öffnen wieder. Also auf nach Salzkotten und die Buchhandlung Meschede mal persönlich in Augenschein nehmen. Leider kaum Sachbücher im Angebot, nur Romane und Reiseliteratur, also werde ich bestellen und abholen müssen. Doch ein Buch fiel mir auf. Leider erinnerte mich der Titel an ein unsägliches Werk eines rechtspopulistischen Autors, doch nachdem ich den Autor dieses Buches und den Untertitel sah, nahm ich das Buch doch mit. Von Michael Winterhoff habe ich schon einige Bücher gelesen, deutscher Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeut und Autor. In seinem neusten Buch aus 2021 setzt er sich mit dem deutschen Schulwesen auseinander. Natürlich nicht als eingebildeter Pädagoge, sondern aus seiner Sicht als Psychiater und Psychotherapeut. Hobby-Virologen und eingebildete Wissenschaftler haben wir zur Zeit schon genug. Und er tut das genau so wie in seinen früheren Büchern auf Basis seiner Erfahrungen und seinem Wissen über Kinder und ihre psychische Entwicklung, aus seinen Tätigkeiten als Berater in Politik und Wirtschaft. Zwar bin auch ich kein Pädagoge, aber als Nachhilfelehrer schon mit den Merkwürdigkeiten und Eigenheiten des aktuellen Nachwuchses konfrontiert. In gewisser Weise hat mich Winterhoff beruhigt, dass ich mit meiner Wahrnehmung nicht alleine da stehe. Weniger beruhigt hat mich der Zustand unseres Bildungssystems. Das er treffend und klar analysiert.

Dass in unseren Schulen irgendetwas schief läuft, habe ich schon vor längerer Zeit in der Nachhilfe gemerkt. Schüler der achten oder neunten Klasse scheitern an der Rechenaufgabe 4 x 7, Schreiben wird eher rudimentär beherrscht, ständig haben sie keinen Bock, Mathe brauchen sie nicht, weil sie eh Karriere bei YouTube machen. Einen mathematischen Term umformen geht so flüssig wie bei mir Walzer tanzen. Nämlich Null. Michael Winterhoff kennt die Problemfälle aus seiner Praxis, kennt die Verzweiflung vieler Eltern nicht nur bei schulischen Leistungen, sondern auch hinsichtlich Aggressivität, Mediensucht oder sozialem Verhalten. Das betrachtet Winterhoff jedoch aus seinem Fachgebiet heraus, der kindlichen Psyche. Wie entwickelt sich die kindliche Psyche heute, was bestimmt Wachsen, Steckenbleiben oder Verkümmern, welche Rolle spielen die Kindergärten und Schulen an dieser Stelle? Ein zentrales Problem identifiziert er sehr schnell, das Steckenbleiben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer Frühkindlichkeit. Doch er geht einen Schritt weiter und zeigt, warum gerade die Schulen daran einen erheblichen Anteil haben, nicht zuletzt durch ideologische und experimentelle Versuche, eine „moderne“ Schule zu etablieren. Leider nicht mehr als eine Ausrede, wenn dahinter genau so Sparmaßnahmen und eine falsch verstandene Liberalität stehen. Noch schlimmer: Die Unfähigkeit intuitiv zu spüren, was Kinder und Jugendliche wirklich brauchen und wollen. Keinen Lernbegleiter, sondern einen Menschen, der führt, anleitet und begleitet. Doch es geht nicht um ein „Früher war alles besser“, sondern um die Besinnung auf bewährte, erfahrungsbasierte und kindgerechte Lehrmethoden. Anstatt Kleinkinder vor ein Tablet zu setzen und erfolglos zu hoffen, dass Kinder eine belastbare und gesellschaftlich nützliche Seelenverfassung entwickeln. Weil Kinder und Lehrer auf Augenhöhe bedeutet, dass sich die Lehrer nach unten begeben müssen.

Winterhoff zeigt in seinem Buch die Nutzlosigkeit oder sogar Schädlichkeit moderner Lehrmethoden auf. Vom autonomen Lernen über das Konstrukt der Kompetenzentwicklung bis hin zu einer falsch verstandenen Kumpelschaft zwischen vorne und hinten im Klassenraum. Er zeigt aber auch, warum diese angeblichen Fortschritte in Schule und Kindergarten die seelische Entwicklung der Kinder geradezu sabotieren. Wenn dazu Eltern eine symbiotische Beziehung zu ihren Kindern unterhalten, oder glauben, dass sich Kinder von ganz allein zu verantwortungsbewussten und autarken Menschen entwickeln, ist den Kindern kaum noch zu helfen. Winterhoff stellt sich nicht ans Pult und doziert, er untermauert diese Schieflagen mit Interviews mit Eltern und Lehrern, mit Fallbeispielen aus seiner Praxis und Begründungen, auf die man bei leichtem Nachdenken eigentlich selbst kommen könnte. Er bleibt aber nicht bei einer Analyse, sondern liefert am Ende einen klaren Punkteplan, was sich in unseren Schulen dringend ändern muss. Zum Beispiel der Rauswurf von Computern und Industrieunternehmen aus den Grundschulen.

Ein interessantes, aufschlussreiches und lesenswertes Buch. Gerade für Nicht-Pädagogen.

Bildung in Deutschland: eine Katastrophe. Michael Winterhoff redet Klartext: Aufgrund seiner langjährigen Praxis als Kinder- und Jugendpsychiater sowie durch zahlreiche Rückmeldungen zu seinen Büchern und Vorträgen weiß er, was heute in Kitas und Schulen falsch läuft – so falsch, dass er die Zukunft unserer Gesellschaft gefährdet sieht. Leidtragende sind Kinder, die man quasi sich selbst überlässt. In seinem Buch skizziert er nicht nur konkrete Lösungen, sondern fordert eine groß angelegte Bildungsoffensive: weg von Kompetenzorientierung und den unfreiwillig zu Lernbegleitern degradierten Lehrern, hin zu echter Bildung und Pädagogen. Seid den Kindern wieder ein echtes Gegenüber! (Klappentext Penguin-Verlag)

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