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The Writer’s Pit

Rainer
Allgemein

Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden

Mit gut 1.400 Seiten ist das Buch «Die Vernichtung der europäischen Juden» eher nicht zum Lesen gedacht. Sondern es ist eine Dokumentation und Referenz. Lediglich die ersten Kapitel über die historischen Hintergründe des Antisemitismus und die Rolle und Bedeutung der Juden sind linear angelegt und machen verständlich, wann und warum der Antisemitismus überhaupt entstand. Also bestimmt kein Werk, das man von vorn nach hinten durchliest. Aufgrund anderer Rezensionen und Stellungnahmen hatte ich erst etwas Zweifel, wie weit das Buch überhaupt relevant ist, wie weit es auf Tatsachen beruht. Ob es eher eine Interpretation ist. Am Ende sind geschichtliche Betrachtungen aber immer Interpretationen, wichtig sind deshalb die Gründe, warum der Autor zu bestimmten Schlüssen gekommen ist. Bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, warum das Buch stark in der Kritik stand. Ähnlich wie die Funktionalisten unter den Historikern, namentlich Martin Broszat, Hans Mommsen und Christopher Browning, deutete Raul Hilberg den Entschluss zum Holocaust als prozesshaften Vorgang einer kumulativen Radikalisierung, der allerdings ohne die Person Hitlers nicht denkbar gewesen wäre. So schafft das Buch nicht nur einen detaillierten Blick auf die Vernichtung der Juden in ihren Details, sondern widerspricht zugleich vielen Mythen, die um den Holocaust gesponnen werden. Die Deutschen hätten nichts davon gewusst, die Wehrmacht sei immer sauber geblieben und es seien ja nur die SS und Gestapo beteiligt gewesen. Eben nicht.


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23. August 2024
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Rainer
Allgemein

Steffen Mau: Ungleich vereint

Noch ein Buch über den Osten, das Billy-Regal droht zusammen zu brechen. Langsam hätte ich eine Tendenz, Bücher zu diesem Thema zu ignorieren. Wenn dann nicht der Autor Steffen Mau hieße, den ich aus anderen Veröffentlichungen schon kenne. Findet Steffen Mau noch andere Aspekte in der Sache? Im Rahmen des Möglichen schafft er das durchaus. Dazu geht Mau auf Daten und Fakten ein, die zwar im Grunde bekannt, aber selten wirklich bewusst sind. Nämlich die Unterschiede zwischen Ost und West hinsichtlich Sozialstruktur, Demografie, Fragen der Demokratie, Geschichtsverständnis und Identitätspolitik. Malt man nun eine Karte der Bundesrepublik mit allen Bundesländern, färbt man die Länder unter diesen Aspekten ein, so ist immer noch zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland die ehemalige Zonengrenze deutlich sichtbar. Nun stellt sich die Frage, was man mit diesen Erkenntnissen macht, die Mau in den ersten sechs Kapiteln des Buches im Detail beschreibt. Hier hat Mau etwas Unerwartetes in der Tasche, das er im letzten Kapitel hervor zaubert. Er hat tatsächlich Ideen, wie man die historisch und politisch gewachsenen Unterschiede zwischen dem westlichen und östlichen Teil Deutschlands angehen kann. Das klingt sogar richtig gut und machbar. Ich wäre auf jeden Fall dabei.

(Einen Beitrag von Steffen Mau zum Thema findet man auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung.)

Steffen Mau
Ungleich vereint
Steffen MauUngleich vereint
Steffen MauUngleich vereint
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WDR 5 Neugier genügt
Steffen Mau - Extremistische Zeitenwende
WDR 5 Neugier genügtSteffen Mau - Extremistische Zeitenwende
WDR 5 Neugier genügtSteffen Mau - Extremistische Zeitenwende
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21. August 2024
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Rainer
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Juli Zeh/Simon Urban: Zwischen Welten

Juli Zehs Roman «Über Menschen» hatte es mir schon ziemlich angetan. Da ich mir das aktuelle 1.400 Seiten-Monsterbuch nur nach und nach erarbeite, brauche ich zwischendurch Auszeiten. Also mal wieder ein Roman. Theresa und Stefan haben einmal zusammen gewohnt, sind dann aber getrennte Wege gegangen. Nach über 20 Jahren treffen sie sich zufällig wieder. Stefan ist Redakteur in einem Hamburger Magazin, Theresa hat den Hof von ihrem Vater in Brandenburg übernommen. Zwei Welten treffen auf einander, hier der immer mit Gendersternchen schreibende Journalist mit Gutmenschentum, dort die mit den Problemen der Landwirtschaft ausgelastete Landwirtin. Ein persönliches Treffen in Hamburg endet im Desaster. Trotzdem tauschen sie sich weiter aus, über Messenger und E-Mail. Streiten sich, belehren sich, machen die Spaltung der Gesellschaft greifbar. Eher unerwartet eskalieren die beiden Geschichten. Ein unbedachter Spruch des Chefredakteurs des "BOTEN" über eine neue Kollegin führt zum existenzgefährdenden Shitstorm, ausbleibender Regen und der Brand einer Trockungsstrecke für die Biogasanlage sind nur die Vorboten der weiteren Entwicklungen. Juli Zeh und Simon Urban nehmen sich die komplette heutige Lebenswelt im Digitalen und Analogen vor.

Juli Zeh/Simon Urban
Zwischen Welten
Juli Zeh/Simon UrbanZwischen Welten
Juli Zeh/Simon UrbanZwischen Welten


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11. August 2024
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Rainer
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Elke Heidenreich: Altern

Ein früherer Entschluss von mir war, Bücher, die ich jetzt nicht so lesenswert fand, nicht zu rezensieren. Diese Zurückhaltung habe ich seit einem Buch von T. C. Boyle aufgegeben. Auch bei Elke Heidensreichs Buch «Altern» blieb ich am Ende mit der Frage zurück, was mir das Buch eigentlich sagen wollte. Trotz des Papperls(*) der SPIEGEL-Bestenliste. Elke Heidenreich erzählt ihr Leben, ihre Erfahrungen mit dem Alter, wie ihr Leben im Alter heute, mit über Achtzig, aussieht. Wie sie lebt, was ihr noch wichtig und was ihr unwichtig ist. Dazu besteht das Buch zu fast einem Drittel aus Zitaten aus anderen Büchern, deren Zusammenhang mit dem umgebenden Text eher nebulös bleibt. Dass das Buch auf der SPIEGEL-Liste erscheint, ist wohl eher der Popularität der Autorin geschuldet, der Inhalt ist weder Autobiografie, noch nähert er sich dem Thema mit allgemeinem Bezug. Mir ist nicht einmal ein Untertitel dazu eingefallen, außer vielleicht "Elke Heidenreich erzählt aus ihrem Leben". Trotzdem ich selbst nicht mehr der Jüngste bin, konnte ich weder Heidenreichs Erkenntnisse noch die Zitatsammlung verwerten. Sorry für die Offenheit, aber dieses Buch kann man sich einfach sparen.

(*) Bayrisch: Aufkleber


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7. August 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-08-07 21:35:302024-08-19 18:04:42Elke Heidenreich: Altern
Rainer
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Agnès Arp/Élisa Goudin-Steinmann: Die DDR nach der DDR

Wenn man möchte, kann man mit Büchern über die DDR, die Wiedervereinigung und die Jahre danach ein großes Billy-Regal 80 x 220 bestücken. Auch bei mir sind eine ganze Menge Bücher zu diesen Themen zusammen gekommen. Eines kann man sich allerdings abschminken: die eine Erkenntnis, warum es so gelaufen ist, was falsch war, warum der Osten noch heute so anders tickt als Lüdenscheid oder Freilassing. Und doch habe ich mir ein weiteres Buch der BPB zum Thema angetan. Dieses ist tatsächlich anders als viele andere Beiträge. Einmal stammt es aus der französischen Forschung, dann geht es anders vor, dazu sind die Schwerpunkte anders gelegt. Entstanden ist es über den Weg der "Oral History" mehrerer Wissenschaftler, was mehr ist als nur mündliche Berichte über die Vergangenheit. Es ist eine andere Form der Interviewtechnik. 30 Menschen erzählten ihre Lebensgeschichte in der DDR und was im Nachhinein davon übrig blieb. In diesem Sinne ist «Die DDR nach der DDR» nicht die Sicht von oben, also von Staat, Politik und System nach unten, sondern aus dem Erleben von ehemaligen DDR-Bürgerinnen und -Bürgern nach oben. Damit ergeben sich andere Sichtweisen und Interpretationen, wird die Fokussierung der Betrachtungen auf den real existierenden Sozialismus anders gelegt. Am intensivsten werden auch nicht Wirtschaft und Politik betrachtet, sondern Kultur, Kunst, Privatleben, Alltagserfahrungen. Ich muss zugeben, öffnet das Buch doch noch neue Sichten und Sichtweisen auf die DDR. Und was von ihr übrig blieb. Und warum.

Agnès Arp/Élisa Goudin-Steinmann
Die DDR nach der DDR
Agnès Arp/Élisa Goudin-SteinmannDie DDR nach der DDR
Agnès Arp/Élisa Goudin-SteinmannDie DDR nach der DDR


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29. Juli 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-07-29 13:07:402024-07-29 19:07:24Agnès Arp/Élisa Goudin-Steinmann: Die DDR nach der DDR
Rainer
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Thomas Biebricher: Mitte/Rechts

Man sollte Wissenschaftlern, bevor sie Bücher schreiben, eine journalistische Grundausbildung verpassen. Sonst passiert nämlich das, was diesem Buch passiert: Zwei bzw. drei der fünf Kapitel des Buches sind für Leserinnen und Leser ohne den entsprechenden Hintergrund schlichtweg unverständlich. Das mag für Bücher auf dem freien Markt noch angehen, für Bücher in der Bundeszentrale für politische Bildung eher unangebracht. Dann zum Inhalt. Den Bedeutungsverlust der Sozialdemokratie kann man auf veränderte Gesellschaftsstrukturen zurückführen. Die klassische Zweiteilung in Arbeit und Kapital hat eben in einer Dienstleistungsgesellschaft kaum noch Berechtigung. Doch auch die konservativen Parteien, CDU/CSU, die Tories in Großbritannien oder die Democrazia Christiana in Italien haben Federn lassen müssen. Wenn sie nicht sogar auf Kleinparteien geschrumpft sind, wie in Frankreich. Wo doch gerade die Christdemokraten nicht nur in der Bundesrepublik viel dazu beigetragen haben, nach dem zweiten Weltkrieg einen liberalen und demokratischen Staat aufzubauen. Konservative Parteien sind auf dem absteigenden Ast, wenn auch in Deutschland nicht ganz so drastisch. Biebricher geht es zwar auch um die Union hier in der BRD, aber insgesamt um die Konservativen in Italien, Frankreich und Großbritannien, warum diese zum Teil in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht sind. Was Konservatismus eigentlich ist, beschreibt Biebricher schon in der Einleitung sehr plakativ: "Das Problem besteht darin, dass Konservative typischerweise nicht eigentlich das Bestehende zu verteidigen versuchen, wie es ihrem Selbstverständnis entspricht, sondern das Vergehende." Das klingt danach, dass es interessant werden könnte. Wird es aber nur zum Teil.
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18. Juli 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-07-18 17:32:592024-07-18 17:32:59Thomas Biebricher: Mitte/Rechts
Rainer
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Dorothee Schmitz-Köster: Unbrauchbare Väter

Der Lebensborn, eine Einrichtung in der Nazi-Zeit, war mir aus verschiedenen Quellen schon geläufig. Aber wie es so ist, man kennt zwar einen Begriff, aber was dahinter steht, bleibt eher unklar. Was ich meinte, aber was der Lebensborn e. V. eben nicht war: So etwas wie eine arische Zuchtanstalt im Sinne des nationalsozialistischen Rassebegriffes. Der Lebensborn war eine Einrichtung von mehreren Häusern unter der Führung der SS, der Schutzstaffel. In deren Heimen brachten Frauen Kinder zur Welt, die entweder geheim gehalten werden sollten, deren Mütter unverheiratet waren oder die Väter nicht verfügbar. Untergetaucht, an der Front, bereits anderweitig verheiratet. Voraussetzung jedoch war, dass sowohl Mütter als auch Väter arisch, die Väter bevorzugt in der SS beteiligt oder anderweitig mit Beziehungen in der Politik. Waren Kinder behindert oder entsprachen nicht dem nationalsozialistischen Menschenbild, war der Heimaufenthalt zu Ende. Akzeptierte Kinder konnten auch an Pflegeeltern oder in die Adoption vermittelt werden. Dorothee Schmitz-Köster geht es jedoch primär nicht um die Lebensborn-Heime an sich, sondern um die Väter der Kinder. Wie bekamen die Väter die meistens unverheirateten Mütter in die Heime? Was waren die Motivationen und welche Typen von Vätern waren beteiligt? Welche Bürden tragen die ehemaligen Lebensborn-Kinder bis heute? So verschieden die Muster-Männer und Seitenspringer, flüchtenden Erzeuger und Ersatz-Väter auch waren, eins haben sie gemeinsam: Aus heutiger Sicht sind fast alle unbrauchbare Väter. Es spiegelt das Selbstbild der involvierten Väter, wie auch die rassistischen wie verlogenen NS-Geschlechterrollen. Dazu das Agieren einer Institution, deren kruder Utilitarismus den Interessen unterschiedlichster Männer entgegenkam.


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6. Juli 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-07-06 19:56:462024-07-06 19:58:31Dorothee Schmitz-Köster: Unbrauchbare Väter
Rainer
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Hasso Spode: Urlaub macht Geschichte

Als die Reisewelle die Fresswelle in den Siebzigern in Westdeutschland ablöste, galten die Deutschen als Reiseweltmeister. Das galt nicht nur für die Westdeutschen, sondern für die Ostdeutschen gleichermaßen. In den Achtzigern erreichte die Reiselust einen ersten Höhepunkt. Doch die Ostdeutschen reisten nicht weniger als die Westdeutschen, im Gegenteil, sie reisten eher mehr. Der Witz, der Reiseatlas der DDR sei das dünnste Buch der Welt, stimmt dabei ebenso wenig wie viele andere Stereotype der Wessis über die Ossis. Im Osten wurde nur anders gereist, die bevorzugten Reiseziele im Westen beschränkten sich zum großen Teil ja auch nur auf Österreich, Italien und Spanien. Während in den Achtzigern im Westen die kommerziellen Anbieter mit ihren Pauschalreisen das Reisen dominierten, waren im Osten der FDGB, die Betriebe, die FDJ und das ostdeutsche Reisebüro DER die wichtigsten Organisatoren für Reisen. Ostdeutsche mussten nicht auf Auslandsreisen verzichten. Beliebt waren besonders Ungarn und seine Hauptstadt Budapest, die einzige wirkliche Weltstadt des Ostblocks, mit westlichem Flair, internationalen Zeitungen und Schallplatten. Auch CSSR und Bulgarien standen als Ziele hoch im Kurs. Selbst Kuba, China oder Ägypten waren möglich, wenn man das nötige Budget zur Verfügung hatte. Doch der Individualtourismus blieb in der DDR immer wichtiger als FDGB-Reisen mit "Rotlichtbestrahlung". Wie man die ständige Indoktrination mit Plakaten und Vorträgen in der DDR nannte. Deshalb war Camping geschätzt, wenn auch nicht so problemlos möglich wie im Westen. Überhaupt stimmte das Bild im Westen vom Urlaub der Ostdeutschen wenig bis gar nicht. Die verbrachten eben nicht ihre paar Urlaubstage in ihren Datschen.


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2. Juli 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-07-02 17:34:202024-07-02 17:34:20Hasso Spode: Urlaub macht Geschichte
Rainer
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Wolfgang Hegewald: Tagessätze

Wäre dieses Buch ein Gericht in einem Restaurant, würde ich sagen: Schmeckt ganz merkwürdig, aber irgendwie lecker. Von Wolfgang Hegewald habe ich zum ersten Mal im Deutschlandfunk gehört, in der Sendung "Zwischentöne". Was er da so von sich gab, klang zumindest interessant. Wolfgang Hegewald stammt aus der DDR. Dort wollte man seine Werke nicht drucken. Im Westen galt der Autor, dessen Ausreiseantrag 1983 bewilligt wurde, als magischer Realist. Sprachliche Genauigkeit ist ihm wichtig. So sagt er: "Mit Sprachverwahrlosung beginnt Weltverwahrlosung". Aus der lange Liste an Büchern von ihm pickte ich mir dann eben «Tagessätze» heraus. Ob das Buch für ihn typisch ist, kann ich nicht sagen. Aber ich begann zu lesen. Zuerst hatte ich erhebliche Mühe zu begreifen, was Hegewald da eigentlich schrieb, worauf er hinaus wollte, was die Botschaft sein sollte. War das eine Geschichte oder ein Roman? Offensichtlich nicht. Obwohl Hegewald das Buch "Roman eines Jahres" nennt. Nein, es ist kein Roman im herkömmlichen Sinne. Es ist eine Sammlung von Destillaten für jeden Monat des Jahres 2020. An der Monty Python ihre Freude hätten.


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29. Juni 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-06-29 21:20:232024-06-30 21:22:13Wolfgang Hegewald: Tagessätze
Rainer
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Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück

Mittlerweile gibt es eine erkleckliche Anzahl von Büchern über den Alltag in der DDR vor und kurz nach 1989. Mal mehr, mal weniger persönlich. Mit meinem ausgeprägten Interesse für die östlichen Bundesländer kam ich deshalb um dieses Buch nicht herum. Zentrum der Geschichte ist die 1986 in Wismar geborene Protagonistin Stine, der Autorin nicht unähnlich, aber nicht mit ihr identisch. Es ist aber keine Geschichte nur über den "Ost-West-Graben", es ist genau besehen nicht mal eine nur typisch ostdeutsche Angelegenheit. Was Stine erlebt, ist die Kontinuität von Gewalt in ihrer Familie, in der Nazizeit, in der DDR oder während der Baseballschlägerjahre. Diese Gewalt entsteht nicht aus sich selbst, sondern aus Verstrickungen, in einen repressiven Staat, in Ideologien und auch in der eigenen Familie. Diese Verstrickungen ziehen sich über Generationen, mir fiel dabei der Bibelspruch ein, dass die Sünden der Väter an ihren Kindern bis ins dritte oder vierte Glied heimgesucht werden. Angefangen vom Großvater, der mit dem Nationalsozialismus anbandelte, bis zu den Eltern, für die die DDR das bessere, ja das einzig richtige Deutschland war. Da werden Mythen gesponnen, Erzählungen gepflegt, Anekdoten wiederholt, bis sich ihr Wahrheitsgehalt erübrigt. Da wird ge- und verschwiegen, werden Wahrheiten zusammen geschustert. Bis Stine beginnt nachzuforschen, besonders im Fall ihres Großvaters Paul. Erst allmählich wird Stine klar, warum ihr Lebensweg so verlief, wie er verlief. Warum sie nicht darum herum kam, den Kontakt zu ihrer Mutter abzubrechen.

Anne Rabe
Die Möglichkeit von Glück
Anne RabeDie Möglichkeit von Glück
Anne RabeDie Möglichkeit von Glück


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29. Juni 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-06-29 19:07:522024-06-29 19:44:09Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück
Rainer
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Brett Scott: Cloudmoney

Ab ca. 2016 fiel mir auf, dass in Großbritannien immer mehr mit Karte bezahlt wurde. Heute kann man dort ohne Kredit- oder Bank-Karte nicht mal mehr eine Kugel Eis kaufen oder eine öffentliche Toilette benutzen. Also gerade die Briten, die mit dem Brexit doch ihre Unabhängigkeit bewahren wollten, unterwerfen ihren kompletten Zahlungsverkehr Banken und Finanzunternehmen. Offizielle Zahlen sagen, der Bargeldgebrauch in Großbritannien habe in 2020 um 50% abgenommen. Meine Alltagserfahrungen in 2024 würden 80% sagen. Dabei hat Bargeld viele Vorteile. Es ist inklusiv, man muss kein Bankkonto haben, um bar zu bezahlen. Es ist anonym, Zahlungen können nicht nachverfolgt werden, Konsumverhalten nicht analysiert. Bargeld funktioniert auch bei Stromausfall, als US-Dollar oder Euro in vielen Ländern. Trotzdem nimmt auch in Deutschland das digitale Bezahlen zu. Nur alte weiße Männer tragen noch Stapel an Geldscheinen in ihrer Tasche herum. Der Trend zum "bargeldlosen" Zahlen wird von zwei Bereichen voran getrieben. Einmal von den Banken, Big Finance, weil Bargeld Infrastruktur benötigt, gerade in Form von Mitarbeitern. Die Banken möchten gerne weiter rationalisieren, Filialen schließen, Geldautomaten abbauen. Je mehr digital bezahlt wird, desto mehr vermeiden die Banken Kosten. Der Bereich Big Tech verdient hier an den Investitionen der Banken, dort an neuen Bezahlverfahren. Der neuste Hype sind dann noch Krypto-Währungen, die ein neues Geld sein wollen, unabhängig vom Staat und von der Finanzindustrie. Was ist daran eher religiöser Glaube? Können Bitcoin oder Dogecoin unser heutiges Geld ersetzen?


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14. Juni 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-06-14 20:59:102024-06-14 21:05:26Brett Scott: Cloudmoney
Rainer
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Karolina Kuszyk: In den Häusern der anderen

Die Geschichte Polens ist mehr als wechselhaft. Ein Spielball zwischen Russland und dem deutschen Reich, mal gar nicht mehr eigener Staat, sondern mit einem baltischen Staat verbunden. Bis 1918 existierte Polen nicht einmal mehr als eigene Nation. Und doch prägten die Deutschen auch nach 1918 die Gebiete im Westen. Als das Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg verlor, kam es zur Westverschiebung Polens. Ab 1944 wurden die polnischen Bewohner im sowjetisch besetzten Ostpolen gezwungen, in die so genannten „wiedergewonnenen Gebiete“ umzusiedeln, die vorher unter anderem als Ostpreußen, Hinterpommern, Schlesien und Danzig zum Deutschen Reich gehört hatten. Die ursprünglich dort ansässige deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben. Mitnehmen durften sie höchstens einen Koffer oder einen Rucksack, zurück blieben Häuser, Höfe, Möbel und alltägliche Dinge wie Teller und Tassen. Die neuen polnischen Bewohner übernahmen das Zurückgelassene, plünderten und stahlen, oder zogen gleich selbst in die verlassenen Häuser ein. Selbst beinahe mittellos, sind so bis heute die Überreste deutschen Lebens in West- und Nordpolen zu finden. So entstanden gleich zwei Geschichten, die zeigen, wie Biografien und Dinge über Zeiträume, Landesgrenzen und Generationen hinweg bis heute miteinander verwoben sind. Wie das Vergangene und Verlorene bis ins Heute Bedeutung hat. Wenn man das Verhältnis von Polen und Deutschen in der jüngeren Geschichte verstehen will, hilft dieses Buch ungemein. Noch mehr, weckt es Interesse an dieser eher unbekannten Geschichte Europas. Viel Geschichte, viele Geschichten, die nachdenklich machen.

Karolina Kuszyk
In den Häusern der anderen
Karolina KuszykIn den Häusern der anderen
Karolina KuszykIn den Häusern der anderen


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22. Mai 2024
https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png 0 0 Rainer https://www.rainerboettchers.de/wp-content/uploads/2017/12/textura-media-logo-300x300l.png Rainer2024-05-22 20:07:212024-05-22 20:38:25Karolina Kuszyk: In den Häusern der anderen
Seite 4 von 29«‹23456›»
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